Goethes Leben verwirklicht Hölderlins "Und es fordert die Seele Tag für Tag der Gebrauch uns ab." Die tiefen Einsichten ins Menschenleben die in Fausts Studierzimmer ausgesprochen wurden, versickern dann im Alltag des erfolgreichen Dichters und Fürstendieners. XXXXX An Reinhold Busch Entwurf am 19. Juni 2021 "Sehr geehrter Herr Kollege, das unfertige Fragment meiner Übersetzung Ihres Rosenthal Textes, das ich Ihnen als Anhang zusende, ist nach seiner Art, zu meinem 91. Geburtstag, ein Gegengeschenk an Sie für Ihre Bemühungen um uns Rosenthaler, für die ich mich ein weiteres Mal bei Ihnen bedanken möchte. Unfertig ist es nicht nur weil ich bis jetzt kaum mehr als 39% der Seiten übersetzt habe; unfertig ist es auch weil ich mit dem Übertragen der Anmerkungen überhaupt noch nicht begonnen habe; vor allem aber ist es unfertig, weil es ich zu den wochenlangen Versuchen es zu korrigieren und zu verbessern, den ich gewöhnlich meinen anderen schriftichen Bemühungen angedeihen lasse, noch keine Gelegenheit gehabt habe. Ich bitte um Entschuldigung für das Ausmaß der Zusätze zur Biographie meiner Familie und meiner selbst, das ich mir erlaubt habe. Bitte verkürzen Sie diese unerbetenen Erweiterungen nach belieben, oder teilen Sie mir mit welche Teile sie ausgelassen haben möchten, und/oder auf welche Länge sie meinen Bericht verkürzt haben möchten. Erlauben Sie mir zu erwähnen, dass ich manches bewusst ausgelassen habe, wie zum Beispiel Streitigkeiten zwischen meinen Eltern, so wie meiner Schwester Unzufriedenheit mit ihrer Mutter und mit ihrem Bruder. Ausgelassen auch die Erzählung von meinem gerichtlichen Angriff auf das Universitätsaugenkrankenhaus das mich zu Behandlungen an minderbemittelten Patienten zwingwn wollte, Behandlungen die ich als ungehörig versuchsmäßig, schädlich, gefährlich und überflüssig betrachtete und die zu begutachten ich mich weigerte. Heute betrachte ich diese meine ungezogene Aufsässigkeit, als Ausdruck einer Post Traumatischen Belastungs Störung, der ich mich lebenslang davor gefürchtet habe ein KZ-Wächter zu werden, ob wegen der Angst gequält zu werden, wenn ich nicht selbst zum Quäler würde, oder wegen der Angst vor einer verdrängten, heimlichen Lust am Quälen, wüsste ich nicht zu entscheiden. Tatsächlich habe ich das Siebte Kapitel meines Erstlingsromans Döhring diesem Thema gewidmet. Auch die Erwähnung meiner jahrelangen gerichtlichen Streitigkeiten mit den Nantucketbehörden betreffs meines Baus eines Ferienhauses dort, habe ich ausgelassen. Im Rückblick betrachte ich diese verzweifelten Berufungen auf eine eingebildete Gerechtigkeit des Rechtswesens als eine Post Traumatische Belastungs Störung, als den verzweifelten Versuch mich durch Gesetzesklaubereien gegen eine Kristallnacht diesseitig des Ozeans zu schützen. Meine der deutschen Geschichte kundige Freunde stimmten mit mir über ein, dass was die Behörden und die Gerichte mir auf Nantucket angetan haben sich mit Recht als Minikristallnacht bezeichnen lässt. Das Wesentliche meiner Existenz habe ich also verschwiegen, besonders den Inhalt meiner lebenslangen vielseitigen literarischen und gedanklichen Bemühungen habe ich unerwähnt gelassen, denn ich meinte Ihr Buch wäre kaum die gehörige Bühne für Darstellungen von denen es bewiesen ist, dass sie kein öffentliches Interesse erwecken. Bitte teilen Sie mir mit, in wie fern, wenn überhaupt sie meine Übersetzungen verwenden können, und welche Veränderungen Sie etwa wünschten. Es würde mich keineswegs beleidigen oder auch nur betrüben, wenn Sie meine schriftlichen Bemühungen unbrauchbar fänden. Vor allem aber bitte ich, dass Sie, der bisherigen Bemühungen meinerseits wegen, keine Verpflichtungen mir gegenüber empfinden, mit Ihrem Vorhaben einer Englischen Ausgabe von "Zerstreut über alle fünf Kontinente" fortzufahren. Das Viele, das ich beim Übersetzen gelernt habe, über meine Familie und über mich selbst, hat es der Mühe wert gemacht. Bitte bedienen Sie sich der Freiheit alles was ich Ihnen gesandt habe, den englischen Text ausdrücklich einbeschlossen, nach Ihrem Gutdünken, mit oder ohne Beibehalten meines Namens, zu berichtigen, umzuschreiben, zu verkürzen oder zu erweitern. Sobald ich Ihre Antwort zur Kenntnis genommen habe, würde ich so gut das hohe Alter es mir erlaubt, den Versuch machen Ihren Wünschen gemäß, mit der Übersetzung fortzufahren. Mit herzlichen Sommergrüßen an Sie und Ihr Frau, Ihr Jochen Meyer