Man sollte endlich verstehen lernen was Jude sein bedeutet: verachtet, verfolgt, aus der Gesellschaft ausgestoßen. Das ist eine historische Tatsache die zugleich besagt, dass jeder Mensch, insofer er verfolgt, verachtet, aus der Gesellschaft ausgestoßen wird, ein vermeintlich jüdisches Schicksal teilt. Man sollte endlich verstehen lernen was Christ sein bedeutet: verachtet, verfolgt, aus der Gesellschaft ausgestoßen. Das ist eine historische Tatsache die zugleich besagt, dass jeder Mensch, insofer er verfolgt, verachtet, aus der Gesellschaft ausgestoßen wird, ein vermeintlich christliches Schicksal teilt. Als wahrer Jude oder als wahrer Christ ist der Mensch ein Einzelner. Als Verfolger des vermeintlichen Gegners aber ist er ein Herdentier. Es handelt sich um eine allgemeine soziologische Erscheinung, um die Brüchigkeit (fragility) der Gesellschaft, um eine intragesellschaftliche Widersprüchlichkeit und Ungereimtheit, infolge deren die Gesellschaft sich auflöst. Für die Gesellschaft bedeutet es, sich aufzulösen; für den Einzelnen bedeutet es aus der Menschheit, aus der Gesellschaft, aus der Familie ausgestoßen zu sein. Um diesem Widersatz gerecht zu werden, um ihn zu überbrücken muss es einem gelingen beides zu sein, Jude und Christ, wie es denn Jesus auch tatsächlich war. Man kann diesen Widerspruch lösen weder indem man in die Gemeinde der Juden, in die Synagoge, in den Zionismus flüchtet, noch indem man sich hinter irgendeinem Heiligblutaltar in Rothenburg oder in Speyer versteckt.