From: bugstrangfeld@web.de Subject: Irgendwie viel los Date: Tue, 1 Jun 2021 21:53:18 +0200 Lieber Jochen, jeden Tag will ich Dir schreiben, jeden Abend verschiebe ich das auf den nächsten , und heute wird es auch nicht mehr als ein Lebenszeichen. Wir waren in Siegen bei einem Neurologen, wegen Bernds gelegentlichen Absencen, sind um 12.45 losgefahren, waren um 14.00 da, gleichzeitig mit unserem Termin, warteten bis genau 17.00, dann 30 Min. Gespräch, Beratung, dann zurück durch Baustellen und Umleitungen, 19.00 zu Hause, ziemlich kaputt. Nach Erholungspause unser üblicher Gesundheitsgang, zwei telefonate, und jetzt könnte ich eigentlich sofort ins Bett fallen, mit Lektüre und abendlichem Kräutertee. Aber natürlich sind nicht alle Tage so! Zum Glück. Bernd hat, wohl hauptsächlich wegen seines vor 8 Jahren bekannt gwordenen Schwannoms am Hörnerv, den es totgedrückt hat, seit einiger Zeit kurze Anfälle von Bewusstlosigkeit bzw. Abwesenheit, Anfang Januar wurde dieser nicht streuende Tumor , nicht bösartig, aber fehl am Platz und offenbar aufs gehirn drücklend, Autofahrverbot, was heißt, dass ich fahren muss, was ich gar nicht schätze, vielmehr fürchte, vor allem in unbekannten Städten, aber auch noch sonstwo. Der Neurologe ist zuversichtlich (oder wirkt jedenfalls so), dass durch die passenden tropfen diese Anwandlungen irgendwann vorbei sein werde, aber das wird dauern, und bis dahin gelangen wir hoffentlich auch unter meiner Regie an mancherlei Orte. Im Augenblick steht der Orchester-Workshop in Leck an der dänischen grenze zur Debatte, wir haben in der Zeit einen kleinen Hund in Pflege, der müsste dann auch mit und zusammen mit mir Unterkunft in einem Hotel oder einer Pension finden. Ansonsten sind wir ziemlich beglückt durch all das, was sich im Garten tut, alles streckt und breitet sich und hebt an zu blühen und Farb-und Formkombinationen zu schaffen, die wir mit freudigem Staunen betrachten. Auch einige Insekten entdecken wir, etwa den Trauerrosenkäfer,den wir aus unserem Frankreich kennen, oder einen goldenen Schnellkäfer. letzten Sonntag haben wir eine längere Wanderung in den ehemaligen heimischen Wäldern unternommen, dabei eine Kamelhalsfliege getroffen, d.h. sie ließ sich auf Bernds Hemdkragen nieder und versuchte über seine Haare an Höhe zu gewinnen, ich konnte sie knipsen; dann retteten wir eine Blindschleiche, die sich auf einem lebhaft begangenen und radbefahrenen Weg sonnte, und auf dem Rückweg verirrten wir uns, trotz Befragung mehrerer Wanderer, kämpften uns mit Entschlossenheit quer durch Gehölz, überquerten einen Bach, rauf unf runter; einmal erwies sich der Weg als Holzweg, der nächste schlug einen großen Bogen wieder zurück, und als wir endlich zu unserem Orientierungspunkt, der Jubach-Talsperre gelangten, waren wir kaputt, Nach 4einhalb Stunden zurück am Auto. Aber schön wars. So, und nun strebe ich das Bett an, obwohl es noch hell ist. Wir hatten phantastisches Wetter diese 3 Tage. Und wie ist es bei Euch? Demnächst hoffe ich einen längeren brief zu schreiben, warts ab! Bis dahin bleibe beweglich, so weit wie es geht, und lass Dir viel einfallen für Dein Buch. Sei vielmals gegrüßt von Deinen Gertraud und Bernd. P.S. Offenbar drück ich bei Großbuchstaben meist nicht doll genug auf die entsprechende Taste, Du verzeihst das hoffentlich! Danke!