Lieber Herr Nielsen, Für Ihren Brief, der mich sehr gefreut hat., haben Sie vielen Dank. Seit unserer letzten Korrespondenz habe ich verschiedentlich mit Sorge und Dankbarkeit an Sie und Ihre Frau gedacht. Ihr Sohn, der sich in sehr freudlicher Weise angeboten hatte mir mit dem wöchentlichen Rangieren der Mülltonnen zu helfen, berichtete, dass es Ihnen einigermaßen gut geht, und dass sie bis jetzt vom Virus verschont sind. Möge das so bleiben. Was mich selber anbelangt, so wäre es mir nie in den Sinn gekommen mir vorzustellen, dass ich jemals neunzig und einhalb Jahre alt sein würde, und da es nun doch so weit gekommen ist, weiß ich nicht, wie ich mich heute betragen soll, und wie weit in die Zukunft, ins Morgen und Übermorgen zu blicken zu versuchen es sich ziemt. Auch mich hat der Virus bis jetzt in Ruhe gelassen. Bis auf die verkrüppelten Hüftgelenke, die mir das Gehen und Treppensteigen wesentlich behindern, habe ich keinen Grund mich zu beschweren. Mein Führerschein wurde kürzlich bis zu meinem 95. Geburtstag erneuert. Seit dem Tod meiner Frau am 14. Oktober, 2015, verbringe ich meine Tage in Abgeschiedenheit, ohne jedoch meine Einsamkeit zu beklagen. Mein Sohn, der, wie Sie wissen, im anderen Nebenan wohnt, versorgt mich jede zwei bis vier Wochen mit Lebensmitteln. Meine Zufriedenheit erblüht aus meinem unablässigen Schreiben. Seit einigen Monaten meine ich zu Verstehen, dass der Zauber der zum Beispiel von Kafkas Schriften ausgeht, der Entsagung des Gelesenwerdens entspricht. So bin ich zunehmend zufrieden mit der Vorstellung, dass was ich schreibe, niemals auch nur einen einzigen Leser finden wird. Ich bin mir des Widerspruchs bewusst, wenn ich Ihnen trotzdem den Katalog des von mir kürzlich bearbeiteten unterbreite. Das Drama 'Krötenrettung" (http://ernstjmeyer.ddns.net "1. Krötenrettung" Die Gedichtsammlung (http://ernstjmeyer.ddns.net "3. Gedichte" und "5. Vorgelesene Gedichte" ist auf 243 Seiten angeschwollen. Weitere Gedichte, ein Zyklus "Sonette an Chronos" und ein zweiter Zyklus "Wahnsinnsgedichte" sind bei http://ernstjmeyer.ddns.net "4. Aus der Umnachtung" abgelegt. Schließlich, die beiden Bände meines Romans an denen ich in diesem Monat arbeite sind unter http://ernstjmeyer.ddns.net "13.Vier Freunde, odt 5. Teil" und http://ernstjmeyer.ddns.net "14.Vier Freunde, odt 6. Teil" zu lesen. Lieber Herr Nielsen, entschuldigen Sie bitte die Aufdringlichkeit der mehreren Zitate, sämtlich im ".odt" (Open Document Text) Format. Es wäre mir eine Leichtigkeit Ihnen einen jeden dieser Texte in ein anders Format, z.B. ".txt", ".doc", "rtf", zu übersetzen. Am wesentlichsten ist mir die Bitte, dass Sie sich nicht gedrängt fühlen auch nur eine einzige dieser Schriften zu lesen. Auch möchte ich nicht, dass Sie sich verpflichtet fühlen, diesen Brief zu beantworten. Ich weiß wie bedrückend mir dergleichen vermeintliche Verpflichtungen würden, wenn ich etwas anderes im Sinne hätte. Ihnen und Ihrer Frau wünsche ich ein gesundes, zufriedenes neues Jahr. Jochen Meyer