Indem ich in Feynmans Vorlesungen über Quantentheorie stöbere, und in Wikipedia die mehreren von ihm erwähnten, mir unvertrauten mathematischen und physikalischen Begriffe nachschlage, berührt mich ein überwältigendes Gefühl der Unzulänglichkeit, der intellektuellen, geistigen Unfähigkeit all dies mathematische und physikalische Wissen in mich aufzunehmen. Ich stelle mir vor, dass ich mich binnen weniger Wochen, oder gar Tage, einem Examen unterziehen müsste, wo ich, wie in meinem ersten Mathematikexamen, unwiederbringlich versagte. Mit meinen obgleich privat und geheimen Anspruch all dieses dennoch "verstehen" zu müssen, es zu begreifen, komme ich mir dann vor wie der kleine Felix Krull der bei einem Ortskonzert auf einer eingeseiften, völlig stummen Geige wie ein Virtuose bewundernden Hörern vorzuspielen vortäuschte, indessen es ein geübtes Mitglied des Orchesters die Töne hervorbrachte, welche die gymnastischen Anstrengungen des Kindes glaubwürdig machten. Und vielleicht, sage ich mir, ist es nicht nur diese Täuschung welche meinen Anspruch auf die mathematische Physik bezeichnet, vielleicht sind alle anderen geistigen Bemühungen meinerseits von derselben verachtenswürdigen Nichtigkeit. Mit dieser Erwägung berühre ich die tiefe existentielle Betrachtung, dass wer sich selbst erhöht der soll erniedrigt werden, und umgekehrt. Muss mich nun fragen, ob ich mit meinem Anspruch das mir nicht (sofort) verständliche trotzdem irgendwie zu begreifen und in den Kreis meines Erlebens, meines Denkens und Fühlens einzugliedern, mich erhöhe oder ob ich mich dadurch erniedrige. Vielleicht sollte ich ohne jegliche Besinnung den Versuch aufgeben, oder ihn weiterführen, indem ich die Mutmaszung ihn zu bewerten unterbinde. Allenfalls wirkt diese Mutmaszung wie das Eröffnen einer Pandorakiste oder in zeitgenössischem Jargon, a box of worms. Gehört es sich, oder ist's nicht mehr als faules Ausreden, mit dem Versuch mein persönliches mathematisches Versagen in einem weiteren gesellschaftlichen, kulturellen, geistigen Rahmen zu betrachten. Denn ich bin wahrhaftig nicht der Einzige dem diese dunkle Mathematik unzugänglich ist. Wäre es erlaubt zu fragen, ob ihre allgemein zugestandene (accepted) Gültigkeit auf gerade dieser Obskurität beruht? Ob es das Geheimnisvolle, ob es der Schleier ist, der das Verhüllte wertvoll und wünschenswert macht? Schon am Anfang die Forderungen, nicht nur das Unsichtbare als vorstellbar zu akzeptieren, sondern unverfroren, ungeniert, unabashedly, das Paradox, den Widerspruch, die logische Unmöglichkeit, die köerperliche Wellenartigkeit des Lichts, und tatsächlich, aller Naturerscheinungen (Kräfte) zu feiern. Dass hieße praktisch die Verständlichkeit, die Vernünftigkeit, die Mitteilbarkeit dieses Wissens entweder aufzugeben, oder auf eine gänzlich andere Stufe zu übersetzen. Wenn man sich mit dem Sinn der Unsinnigkeit z.B. der Quantentheorie begnügt, sollte man nicht auch die Gültigkeit der anderen vermeintlich sinnvollen Mitteilungen befragen und vielleicht sogar widerrufen? Stellt die Unmitteilbarkeit der Quantentheorie vielleicht die vermeintlichen Mitteilbarkeiten anderer Theorien, wie immer durchsichtig oder undurchsichtig sie sein möchten, in Frage?