Lieber Herr Nielsen, Vielen herzlichen Dank für Ihr freundliches Schreiben. Ihr Angebot mir wie bisher mit dem Rangieren der Mülltonnen behilflich zu sein, nehme ich dankbar an, mit dem Vorbehalt dass Sie sich keinen Unbequemlichkeiten unterziehen, und dass Sie sich zu keinen regelmäßigen Bemühungen verpflichtet fühlen. Die Mengen Müll um die es sich handelt sind im Allgemeinen so gering, dass das gelegentliche Überschlagen eines Termins sich als belanglos ergeben würde. Seit dem Tod meiner Frau vor fünf Jahren, geht es mit meinen Kräften langsam bergab. Es sind immerhin neunzig Jahre die hinter mir liegen. Aber ich bin mir keiner Umstände bewusst die das Leben ungebührlich zu verkürzen drohten. Wesentlich behindert, abgesehen vom Geistigen, das man nie selbst zu beurteilen wagen sollte, bin ich nur im Gehen, und besonders im Treppensteigen, auf Grund von Hüftenbeschwerden und den allgemeinen Muskelschwächen des Alters. Bis jetzt aber gelingt es mir noch die dreizehn Treppenstufen in den zweiten Stock auf und abzusteigen. Manchmal stelle ich mir vor, dass ich in Abwesenheit meines Sohnes und meiner Schwiegertochter nebenan, in der Einfahrt oder auf dem Rasen zu Boden fiele, unfähig mich selbst wieder aufzurichten. Dann würden Sie einen Hilfeschrei von mir hören, mit der Bitte mir bei der Rückkehr in mein Haus behilflich zu sein. Erlauben Sie mir bitte die Erklärung, dass ich wenn irgend möglich den Besuch der Notaufnahme (emergency room) eines Krankenhauses unter allen Umständen vermeiden möchte. Ich betrachte mein gegenwärtiges Wohnen in diesem vertrauten großen Hause, am Rechner wo ich lese und schreibe, hier am Tisch in der zweiten Etage vor den hohen, weiten Fenstern mit Blick in das sich herbstlich färbende grüne Laub der Bäume, als der denkbar angenehmste Ort die mir noch verbleibenden Tage - Wochen - Monate - Jahre - zu verbringen. Von den Messungen der Grundstückgrenzen welche Sie erwähnen, die unsre Stone Road Nachbarn anstellen, hab' ich noch nichts bemerkt. Vor etwa einundzwanzig Jahren, zum Entwurf des neuen Anbaus an der Südseite unseres Hauses, hab ich selber, um nicht gegen das Verbot innerhalb von zehn Fuß der Grenze zu bauen zu verstoßen, die genaue Linie zwischen 174 und 178 School Street vermessen. Dabei habe ich mich auf die kleinen etwa 12 Zentimeter breiten, in der Mitte punktierten würfelförmigen Granitquadern verlassen, welche die Ecken unsrer Grundstücke bezeichnen und an der Innenseite des School Street Fußwegs in die Erde gebettet sind. Heute besinne ich mich nicht mehr, ob ich dergleichen Merksteine auch an der Rückseite der Grundstücke gefunden habe. In the Middlesex Registry of Deeds in Cambridge sind die offiziell genehmigten Zeichnungen abgelegt welche die Grenzen unsrer Grundstücke (lots) beurkunden. Diese Grenzen vermögen durch keine nachträglicheen Messungen geändert werden, auch nicht mit der Zustimmung beider betreffender Eigentümer. Es ist möglich, dass unsre Nachbarn einen Zaun zu ziehen beabsichtigen; und wenn sie irrtümlicher Weise ihren Zaun auf unseren Grundstücken errichten, bleibt es jederzeit unser Vorrecht ihn abzureißen. Bestellen Sie bitte Ihrem Vater meinen Dank für seine Grüße. Ich hoffe sehr dass Ihr Eltern zufrieden, gesund und rüstig geblieben sind. Erklären Sie bitte Ihrem Vater dass ich lediglich um ihn nicht mit den Ergüssen meines viel zu alten Gemüts zu belästigen, es unterlassen habe ihm zu schreiben. Und seien Sie und Ihre Familie für Ihre freundliche Nachbarschaft bedankt und herzlich gegrüsst. Jochen Meyer 617-548-5768