Die Frage die ich mir heute Abend stellen muss, ist, ob mit 90.33 Jahren, mein Schreiben noch Sinn hat, ob die Anstrengung der Mühe wert ist. Es möchte sein, dass unverkennbarer Unsinn den ich heute schreibe, mehr Sinnvolles aus der Vergangenheit überschatten und umnebeln würde. Die möglichen Antworten auf dieses Frage verwandeln sich mit dem Hinweis, dass ich mich selber als mein einziger Leser in Betracht ziehen muss. Unter diesen Umständen hat die Frage unausweichlich eine bestätigende Antwort, denn mein Schreiben gilt mir als unentbehrliche Bekräftigung meiner geistigen Existenz, deren von Schwäche und Schwinden Überfallenwerden ich hinnehmen muss, nicht anders als die körperlichen Behinderungen. Die unentrinnbaren Fragen, was ist Wirklichkeit, Was ist Wahrheit, die von Cassirer als Kernprobleme der Metaphysik bestimmt werden, haben mich seit meiner Jugend begleitet, und wedern mich, das sie unbeantwortbar sind, auch im Sterben nicht verlassen. Es gehört sich also sie jederzeit bis in den Tod, zu stellen, mit dem Versuch eine Antwort zu finden.