Cassirers These dass die Wirklichkeit der natürlichen, geistig wahrgenommen Welt auf symbolischen Gedankenformen beruht, bestätigt sich selbst. Denn diese symbolischen Formen und alles Drum und Dran sind verständlich und vernünftig nur als - symbolische Formen des Denkens. Offensichtlich bietet sich Cassirers Theorie als rekursiv, ein Gedankengang der sich dadurch beweist, dass er sich im Verlauf des Verstehens und Beweisens immer und immer wiederholt. Mein Denken unterscheidet sich von Cassirers in vier wesentlichen Hinsichten: 1) dass ich die Sprache (im Gegensatz zum Sprechen) als eine gesellschaftliche Erscheinung betrachte, die nicht (nur) dem Gemüt des Einzelnen entquillt, sondern der Gesellschaft, i.e. dem Diskurs verschiedener Einzelner mit einander, dem Bedürfnis sich verständlich zu machen und zu verstehen, der Notwendigkeit ein geistiges Zusammen zu gestalten. Abwesend Gesellschaft, ist Sprache unvorstellbar. 2) dass ich die fremde, mir unverständliche Sprache, und den fremden, mir unbegreiflichen Mythos weder zu verstehen noch zu glauben und bestaetigen, noch zu bezweifeln beanspruche, und dass ich sie, wenn ich sie dennoch deute und als Rohstoffe für meine Theorien in Anspruch nehme, in symbolische Formen nicht ihres Geistes sondern meines eigenen Geistes verwandle, ein Vorgang der kaum geeignet ist mein eigenes Verstehen zu vertiefen; 3) dass ich alles Vorgegenwärtige, alles Vergangene wenn nicht als schlechthin vom eigenen Geist erfunden betrachte, dann als vom eigenen Geist so tief getünchtes, gefärbtes, verwandeltes Denkmal, dass sein Anspruch die Vergangenheit zu vergegenwärtigen unfehlbar täuschen und versagen muss. Dementsprechend unterlasse ich jeglichen Anspruch auf ein Verstehen des Mythos und der Sprachen eingeborener und anderer fremden Menschen, indem ich jegliche Darstellung der Vergangenheit die ich beanspruche, als den eigentlichen Mythos in meinem Erlebniskreis deute. 4) dass ich die unbedingte Gültigkeit weder der Geistes- noch der Naturwissenschaften anerkenne, und stattdessen beide Wissenschaften als vorläufige, stets abänderliche, gesellschaftsbedingt und beruhende Versuche betrachte, mein Erleben und meine Erfahrung mit einer vernünftigen Grundlage zu versehen.