"Die gedeutete Welt", "das ethische Bewusstsein", "das ästhetische Bewusstsein", vorerst sind dies Worte, Ausdrücke, Sinnbilder, Symbole, die wenn ich sie bedenke oder ausspreche, bestimmte Vorstellungen hervorrufen, Vorstellungen von denen ich voraussetze a) dass sie beständig sind, und, wichtiger noch, dass was sie bezeichnen beständig ist; und b) dass sie meinen Bekannten, meinen Freunden, meinen Widersachern, meinen Mitmenschen, dieselbe, identische Bedeutung ausweisen wie mir selber. Diese Annahmen, diese Bestimmungen, sind als Postulate vorausgesetzt. Ihren Ursprung aufzusuchen hieße mich mit einer neün Untersuchung abzulenken, und das will ich nicht. Diese Voraussetzungen sind aber keineswegs selbstverständlich. Was "die gedeutete Welt, mit ethischem Bewusstsein, mit ästehtischem Bweusstsein bedeuten möchten ist - und bleibt - unbestimmt. Ein jeder den diese Begriffe beschäftigen, mat sich seine eigenen Bilder von ihnen, und un diese Bilder zu bestätigen, ist es ihm nötig sich in weitere Bedriffbestimmungen und Erklärungen zu ergehen. Und somit wächts die Kette der Unbestimmtheiten. Die gedeutete Welt die ich meine beschreiben zu sollen, liegt der natürlichen Welt als ihr Widerpart gegenüber. Wenn ich mit Spinoza die natürlich Welt als Deus sive Natura einschätze, und das Gotteserlebnis als unerreichbare Subjektivitätsgemeinschaft, dann bleibt die gedeutete Welt als gesellschaftliche Symbolgemeinschaft. Die gedeutete Welt ist das Gewebe der sogenannten Wissenschaften, deren Einteilung in Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften eine täuschende, beirrende Aufklärung darstellt, und darauf hinweist, dass die Naturwissenschaften die eigentliche Natur verleugnen und verdecken, indem sie sich zum geistigen Instrument der gemeinschaftlichen Naturausbeutung herablassen. Indessen ist es irreführend den Naturwissenschaften sogenannte Geisteswissenschaften als anders gegenüber zu stellen. Alles Denken und alles Verstehen ist geistig, ob es nun diesen Namen trägt oder nicht. Für die Unterscheidung eines ethischen Bewusstseins von einem ästhetischten Bewusstsein finde ich heute keine Rechtfertigung. Bewusstsein besagt mir die geistige, intellektülle Gegenwärtigkeit und entspricht dem, was ich gegenwärtig, unmittelbar im Sinne habe. Demgemäß ist mein Bewusstsein stets eins und dasselbe, denn immer und immer wieder entdecke ich mein Bewusstsein, indem ich mir bewusst werde; und das dessen ich mir dann bewusst werde hat stets denselben Namen, obgleich es dennoch stets ein anderes ist; und dies eben darum, weil sich mein Gemüt seit dem letzten Bewusstwerden verwandelt haben muss.