Es ist ein von der Sprache eingeflüsterter Irrtum, wie etwa Kant es tat, anzunehmen, das Bewusstsein verfüge über eine Reihe einzelner, begrenzter, eigenständiger Wahrnehmnungen. Im Geneteil, jedenfalls mein Bewusstsein besteht in einer Reihe ineinader und zusammenfliezender Wahrnehmungen die in einem unteilbaren Strom zusammen gefügt sind. Die Annahme dieser Strom ließe sich in einzelne identifizierbare Wahrnehmungen aufteilen ist ein irrtümlicher Fehlschluss des Verstandes. Indem ich mein jeweiliges Bewusstsein überlege, erkenne ich einzelne gegenwärtige Höhepunkte, Gedanken- und Gefühlsgipfel welche aus dem anderweitig unerforschbaren Meer der Bewusstseinsströmungen auftauchen um dann alsbald in ihm unauffindbar zu verschwinden. Die Ankerpunkte an denen sich der Bewusstseinsstrom befestigen lässt, sind symbolhafte Gestaltungen, vornehmlich Wortgefüge, aber auch Bilder, Melodien und Akkorde, welche a) sich ins Gemüt geprägt haben und von diesem "erinnert" sind und werden, und b) welche in der "Außenwelt" wie etwa in Briefen, in Büchern, in Aufsätzen und Gedichten, in Photographien, Zeichnungen, Gemälden, Bauten und Skulpturen - ein vom Gemüt unabhängiges Bestehen haben; Gestalten und Gefüge mit welchen sich das Gemüt sich im Verlauf von unabsehbare Zeitspannen übend erneürn kann. Mein eigenes Gedanken- und Gefühlsleben besteht in dem Erzeugen, in der Pflege und im vertröstend genießenden Nacherleben eben solcher (symbolischen) Gestaltungen. Solch Nacherleben ist ein geistiger Stoffwechsel, ein Metabolismus, der von Tag zu Tag das Leben sinnvoll zu machen scheint, und ihm den Schein der Beständigkeit, einer gekünstelten, unechten, trügerischen Ewigkeit verleiht.