Mit noch leerem Magen und etwas schmerzhaften Zwerchfell, will ich dennoch diese Gelegenheit meine Anfangsgedanken über Cassirers 3. Band der Symbolischen Formen, den ich gestern Abend ganz kurz und oberflächlich anschaute, aufzuschreiben, eh - nein nicht das Gemüt sondern der praktische Verstand sich im Labyrinth der Scholastik verirrt, allenfalls mir selbst gegenüber anzudeuten. Wo es sich um Wissen, Können und Verständnis handelt, sollte es überflüssig sein, zu betonen, dass es sich nur um _mein_ Wissen, und um _mein_ Können, und um _mein_ Verständnis handeln kann, weil nur diese mir unmittelbar gegenwärtig sind, hingegen ich von Wissenschaft nur einen unbestimmten Eindruck habe. Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften dünken mich als etwas verfängliche quasi-scholastische Begriffe, weil ich nicht genau weiß was ich mir darunter vorstellen sollte. Sie sind Begriffe die mir den Geistesnebel nur um eine weitere Schicht zu vertiefens scheinen. Wenn überhaupt, so weiß ich nur von _meinem_ Wissen, von um _meinem_ Können, und von _meinem_ Verständnis. Da ich mich meinen Mitmenschen weder erhaben noch unterlegen fühle, ist es nicht unbillig anzunehmen, dass in den benannten Fähigkeiten zwischen ihnen und mir kein wesentlicher Unterschied besteht, - und doch indem ich so schreibe kommt mir der Gedanke, dass ich allen Grund habe anzunehmen, dass zwischen meinen Wissen, Können und Verständnis und denen von Cassirer - um die klassische berühmten Philosophen unerwähnt zu lassen, gewaltige und überwältigende Unterschiede bestehen. Doch bleibt mir nichts übrig als mit den beschränkten Fähigkeiten über die ich verfüge, fortzustolpern, so gut ich kann. Der grundlegende Unterschied zwischen Cassirers Erkenntnistheorie, ist dass Cassirer voraussetzt dass die Geisteswissenschaften und die Naturwissenschaften über gültiges Wissen verfügen, Wissen das Geistern wie Cassirer zugänglich ist, selbst wenn sie nicht gegenwärtig darüber verfügen. Indessen ich es mit Sokrates halte und bekenne, dass mein einziges Wissen darin besteht, dass ich keinen Anspruch auf Wissen irgendeiner Art beanspruchen darf, es sei denn das unmittelbar Wissen meines tatsächlichen (aktüllen) gegenwärtigen Bewusstseins, und einer Ahnung eines potentiellen Könnens das sich bei Gelegenheit offenbaren möchte. Mein jeweiliges Bewusstsein ist veränderlich und größten Teils nicht voraussehbar. In tiefem Schlaf ist es völlig abwesend. Beim Frühstück und Abendbrot, ist es auf das Essen gerichtet. Beim Autofahren, auf die Straße und den Verkehr. Bei einer Unterhaltung, auf die Worte des Gesprächspartners und auf die eigenen. Beim Lesen, auf die Sätze eines Buchs. Mit anderen Worten, mein Bewusstsein wie immer gültig oder ungültig, ist bestimmt von was immer es im Augenblick beschäftigt, von Zeit zu Zeit sogar, von der Philosophie der symbolischen Formen. Beim Vergleich des deutschen Texts der Philosophie der symbolischen Formen (3) mit der englischen Übersetzung wurde mir klar das dieserText als Gedicht gelesen werden muss, und dass es sehr schwierig ist, und dass bei der Übersetzung sehr viel verloren geht. Über den Wert des Verlorengegangenen ließe sich diskutieren, nicht aber über die Tatsache, dass der Sinn des Originals, was immer er sei, die Übersetzung nicht zu ertragen vermag.