Hab über Cassirer und in seiner Philosophie der Symbolischen Formen gelesen. Seine Schriften sind Berichte über eine leidenschaftliche lebenslange Reise durch die vielen Länder des Geistes, Spiegelbilder der Wirklichkeiten die ihm begegnet sind. Vergebens aber suche ich nach einer Erklärung was es meint wenn einer sagt Ich weiß, oder Ich verstehe, einer Erklärung was weiter Wissen und Verstehen wäre als das Gegenüber, als Umfangensein von einer wirklichen Welt, ein Zustand der das Schicksal aller Lebewesen ist. In Erinnerung der sokratischen Weisheit nichts zu wissen als sein Unwissen, frag ich mich ob es ersprießlich wäre, statt der Wissenstheorie, stattdessen einer Unwissenstheorie nachzuforschen. Denn ich, jedenfalls, bin mir meines Wissens, was immer es sein mag, kaum oder wenig bewusst, indessen, besonders im Schatten des Allwissens eines hochgelehrten Mannes wie Cassirer mit fast unerträglicher Beklommenheit meines Unwissens schmerzlich bewusst. Mein eigenes Wissen, meine Fügung in die Wirklichkeit der Gott-Welt (deus sive natura) dünkt mich selbstverständlich. Die Unzulängichkeiten meines Denkens, Verstehens, Wissens, wann immer ich ihrer bewusst werde, verwandeln mich in einen Mikrofaust. So bin ich auf eine unerwartete Deutung von Göthes Faust gestoßen: nämlich als Beschreibung der Passion, des Leidens am Nichtwissen. Ich weiß, heißt, Ich bin in der Welt zuhause. Ich genieße die Wärme der anderen Menschen im Geisterstall. Ich weiß nicht, heißt, Ich hab mich verlaufen, ich bin in der Welt verloren. Ich bin allein, ein Einzelner, kalt und einsam.