Gundolf ehrt Paracelsus als ein verkanntes Genie. Vielleicht bezeugt Gundolfs Buch über Paracelsus fast eben soviel über den Verfasser wie über den Gegenstand seiner Biographie. Bemerkenswert finde ich Gundolfs Einschätzung der Wertung des Einfachen, des Menschlichen, des Mitgefühls, im Gegensatz zur Pomposität, zum gedunsenen beruflichen Protz der Kollegen des Paracelsus. Bemerkenswert auch Gundolfs Urteil über des Paracelsus Geringschätzung der Sezierung, der Anatomie als der geistigen Grundlage des Menschenwesens. Denn durch die Betonung des Körpers und seiner Teilung wird die geistige Beschaffenheit des menschlichen Daseins in einem Maße beschattet welches noch bis auf den heutigen Tag, das Erleben und Bewerten des Geistigen aus der medizinischen Theorie, und aus der medizinischen Praxis verbannt. Bei den zeitgenössischen Klageliedern über den Rassissmus vergisst man die Beiträge der Gedankengüter von Herbert Spencer und Charles Darwin zum Geistesleben der Gegenwart, dass das Wesen des Tieres im Allgemeinen und des Menschen ins Besondere entschieden abhängig von seiner Erbschaft ist. Diese Lehre, diese Überzeugung ist allenfalls die logische Wurzel des Rassissmus, ob in der gegenwärtigen Kultur oder bei den Nazis. Hingegen behauptet Katenus, in Anlehnung an Platon, dass die unbewusste Assimilierung das Wesen der Menschen begründet und ihr Zusammenleben ermöglicht. Wenn ich die verhältnismässige anschauliche Leere von Kants Grundbegriffen, wie etwa Verstand, Vernunft, Anschauung bedenke, kommt mir die Algebra in den Sinn, bei der jeder Buchstabe eine beliebige bestimmte Zahl bezeichnet und vertritt. Im Gegensatz jedoch zur Algebra, wo jede Zahl über ein anschauliches Gefüge und Entstehen verfügt, weisen die logischen Gleichungen der Kantschen Philosophie nur eine Übersetzung aus dem ersten Geistesalphabet der Worte in ein zweites anderes Alphabet, das ebenso unerklärt und demgemäß ebenso unverständlich ist wie das erste. Infolge bleibt es dem Leser überlassen, mit eigenen Mitteln, aus dem Schatz des eigenen Erlebens, die Kantschen Begriffe sinnreich zu machen. Das ist ein Vorgang welche in der Praxis den Leser zu einer Umdichtung, wenn nicht gar zur Neudichtung des vorgeschriebenen Themas nötigt. Siehe Schleiermacher, Fichte, Hegel, Schelling, Schopenhaür. Man möge argündo zugeben, dass im Gemüte eines jeden Menschen eine Fakultät der reinen Vernunft besteht. In Angesicht dieses Gestehens, frage ich in welchem Lebensalter eine solche Fakultät erkennbar würde. Gewisslich nicht bei der Geburt, beim Säugling der weder zu sprechen noch zu verstehen vermag. Beim Vierjährigen, Achtjährigen, Zwölfjährigen? Gewiss doch beim geschlechtsreifenden Sechzehnjährigen. Was aber wäre der Fall bei einem Kind das in völliger Trennung von anderen Menschen, ohne jegliche Kenntnis einer Sprache erwachsen wäre? Was wäre der Fall bei einem schwer Hirnbeschädigten? Bei einem Geisteskranken oder schwer Verstörten? Weiterhin, sollte man sich vorstellen, dass eine solche reine Vernunft plötzlich auf einmal erschiene? Oder dass sie sich, sie manch andere Begleitung des Wachstums als eine Entwicklung erschiene? Zur Beantwortung dieser bedeutenden Fragen möchte ich mit ddem Vorschlag beitragen, dass es der Natur des Menschen entspricht sich an seine Umgebung, an die natürliche, und ins Besondere an die geistige Umgebung anzupassen, sich anzugleichen, und sich dem was ihm umgibt gleich zu werden. Das natürliche Erlernen der Sprache, und somit des gedanklichen Denkens, ist mir das überzeugendste Beispiel, und dass dies die Weise ist in der die so schwer verständliche Kantsche Philosophie für den fleißigen Schüler zuletzt verständlich, ja, selbstverständlich wird.