Ich deute die Kritik der reinen Vernunft als Untersuchung nicht des Wissens, der Anschauung, der Vernuft, oder des Verstandes, sondern als eine Untersuchung über die Grenzen der Sprache, über die Beziehung des Sprechens und Schreibens zum Verstehen auf Seiten des Einzelnen und zur Demonstration eines Herdengeistes, dem es gelingt durch Annahme allgemeinen Verstehens, die Herdenmitglieder wenn nicht zur Zustimmung, zu sympathischem Verstandnis, dann mindestens zum Schweigen zu zwingen. Die Kritik der reinen Vernunft deute ich als Hinweis, und Beweis, dass durch Anwendung und Zusammenstellung, Worte als quasi-leere symbolische Zeichen, sich gegenseitig im Gebrauch, weiteren, sekundären Sinn und Bedeutung einzuflößen, zu entzünden vermögen. Ich vermute das Entstehen solcher sekundären Bedeutung ist für jeden einzelnen Leser unterschiedlich und spezifisch, ein Umstand der bewirkt, dass die auslösende Schrift, im gegebenen Fall die Kritik der reinen Vernunft mit dem Anwachsen ihrer Leserschaft zu einem unentbehrlichen Verständigungsinstrument der einzelnen beteiligten Mitglieder der gegebenen Gesellschaft wird, und als solches Beispielhaft für das Wirken und für die Wirksamkeit der Sprache überhapt. Für solches Wirken ist die fast undurchdringliche Unverständlichkeit des Textes kaum ein Hindernis, sondern vielleicht sogar eine fast unentbehrliche Förderung.