Mythos ist Muster und Vorbild der Darstellung einer irrtümlichen, einer Pseudo-wirkichkeit. Die Religion ist der Beweis, ist die Darstellung, dass auch mythische Gestalten und Gegebenheiten und besonders diese, glaubbar, also erlebbar sind. Vielleicht ist genaür gesagt: Die Wirklichkeit die ich begreife muss von mir erarbeitet, muss entwickelt werden, und lauft Gefahr in unzähligen Pseudo-wirklichkeiten ertränkt zu werden. (zu ertrinken) Der Glaube dient das unglaubliche ins Erleben einzuschließen, m.a.W. erlebbar zu machen. Heute Morgen möchte ich meine Behauptung, dass die Geschichte Mythos sei, jedenfalls insofern revidieren, als darauf hinzuweisen, dass verschiedenen Geschichten, verschiedene Glaubwürdigkeiten anhaften, und dass diese Verschiedenheiten zugleich quantitativ und qualitativ sind. Der erste Schritt ist die Bedingtheit der Glaubwürdigkeiten überhaupt erst zu erkennen und einzugestehen. Vielleicht sollte man mit der Religion beginnen, wo man sich so erhebliche Mühe gemacht hat, einen Glauben festzulegen und zu erzwingen. Vielleicht sollte die zweite Frage sich an das nizäischen Glaubensbekenntnis richten, wobei die ersten Fragen lauten "Wer, was und wo ist Gott?" und was bedeutet, "Deus sive Natura" und somit Gott der Natur gleichzusetzen. Die Fragen, "Was bedeutet Geschichte?" "In welcher Weise und in welchem Maße ist es möglich die Vergangenheit zu vergegenwartigen?" ergeben sich dann sofort aus den Behauptungen, dass Gott, dass die Natur ewig seien. Wäre es möglich die Ewigkeit zu begreifen? Und wenn, hieße das Begreifen der Ewigkeit, das Zusammengliedern, das Addieren von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Wären jedes, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft eine einzige Ewigkeit? Und wenn sich drei Ewigkeiten zusammen- zählen ließen, waren sie dann zu einer einzigen Ewigkeit zusammen geschmolzen, mit dem Ergebnis, dass sich die Ewigkeit in untergeordnete Ewigkeiten teilen ließe, und in nur drei? oder in einer Vielzahl, warum nicht in eine Unzahl von Ewigkeiten? Vielleicht ist die Antwort, Die Ewigkeit ist die Aufhebung der Zeit. Würde nicht dann die Aufgabe werden, den ewigen Gott vor der Auflösung zu retten, vielleicht sogar ihn in Götzen, in Götzenbildern, in goldene Kalber zu retten? zu verstecken? Die Verneinung der Frage, ob nicht doch am Ende jegliche sprachliche Vergegenwärtigung eines vergangenen Erlebens Mythos sei, drängt zur möglichen Unterscheidung zwischen mythischer und nicht-mythischer Geschichte, oder unwirklicher und wirklicher Geschichte. Der einschlägige Probestoff ist nicht einem Vergleich der vorjährigen Abrechnung meines Bankkontos mit der Beurkundung einer phantastischen Legende aus Urzeiten und fernen Ländern zu entnehmen, sondern, wie vorgeschlagen aus dem Symbolum Nizäum und treffender noch, weil spezifischer, aus der Eichung an dem Erleben der zahreichen Bücher der Heiligen Schrift, von Genesis bis zur Offenbarung. Wenn Gott Natur ist - deus sive Natura -, und wenn Gott Mythos ist, wäre nicht dann auch die Natur Mythos. Und wenn Natur Mythos ist, wäre nicht dann das Erleben der Natur unmöglich. Müsste nicht dann eine Brücke geschlagen werden, vielleich zwischen unerlebbarer Natura naturans und erlebbarer Natura naturata?