Ein schneegekrönter Berg mit einem Tempel, vor dessen Stufen drei in Reisemänteln sportlich gekleidete Frauen, Melpomene, Euterpe, und Erato, mit Koffern und Rucksäcken erscheinen. - Ob sie zu Fuß kommen, aus einem Auto, Autobus oder Lastwagen steigen, weiß ich noch nicht. Sie blicken umher als ob sie jemanden suchten, erwarteten, oder anderweitig nicht wüssten, wohin sie sich nunmehr wenden sollten. EUTERPE: Zwei Jahre sind's seit ich zum letzten Mal den Fuß auf diesen hohen (schneegekrönten) Gipfel setzte. Mir scheint's wie gestern. (Doch) Blick ich (neu) umher fühl ich mich fremd als ob ich niemals hier zuhaus gewesen wär. MELPOMENE: Das macht die Höhe(nluft). Man braucht drei Tage Zeit sich zu gewoehnen. ERATO: Mich dünkt auf ewig bin ich hier verloren. MELPOMENE: Das kommt von der vernarrten Liebe in Deinen Möchtegern, der Du unheilbar, wie mir scheint, verfangen bist. Es ist ein großer Irrtum, wie mir scheint (finde ich), die Männer ernst zu nehmen. Sonst hätte ich das eheliche Leben nicht ertragen können. EUTERPE: Du bist die wahre Heldin, hast den Lump (mehr als ein Jahr lang überstanden.) mehr als zwei lange Jahre überstanden. MELPOMENE: Es war nicht leicht, das geb ich zu. EUTERPE: Ja warum hast Dir's denn so lang gefallen lassen. MELPOMENE: Es war die Pflicht, wenngleich nicht gegenüber Lump mit seinem Harem von verschiednen Frauen. EUTERPE: Wenn nicht dem Ehemann, wem denn? MELPOMENE: Nenn es die Pflicht dem Schicksal gegenüber, dem Leben, Pflicht zum Gotte, Pflicht mir selber, Pflicht zu der Natur. EUTERPE: Fast scheint mir, Dir ist es entgangen, dass Du als Muse eine Göttin bist. MELPOMENE: Dann sag ich schlicht und einfach, die Verbindung mit Lump war Pflicht mir selber gegenüber. Denn ungehörig ist's das Leben leicht zu nehmen. (nach einer Pause) Jetzt aber mein ich ist es Zeit, dass wir uns umsehen nach der alten Wohnung. Ich hatte mich im irdischen Exil, wenn ichs so nennen darf, von dem Gedanken trösten lassen, dass die olympsche Wohnung uns erhalten bliebe, mit der Gelegenheit zu jeder Zeit in sie zurückzukehren wie die Schnecke in ihr Haus. ERATO: Ich find es ist sehr still hier, habe Angst. Auf diesem Gipfel ist kein Gott mehr sichtbar, als wären die Olympier von ihrem Berge abgezogen. Wer weiß welch Unglück sie befallen hat. APOLL: (inzwischen unbeachtet von der Seite aufgetreten) Welch eine Überraschung, wie erfreulich, Euch unerwartet auf den heimatlichen Stufen zu begegnen! ERATO: Ach, und erleichternd ist es Dich zu sehen. Ins leere Heim zurückzukehren ist bedenklich. Auch Götter sind dem Unglück preis gegeben. APOLL: Das stimmt, doch ist es keine gute Sitte, (Das stimmt, doch ist's politisch nicht korrekt,) die Schwächen zuzugeben statt zu tun als wär'n wir unverletzbar. Doch ihr Drei, ich hatte mir gedacht ihr hättet Euch zufrieden auf der Erde angesiedelt. MELPOMENE: So einfach ist es nicht von statt gegangen. Zwar einfach hatte ich es nicht erwartet. Wie schwierig hab' ich mir nicht vorgestellt. APOLL: Ich hatt' gemeint die Erdenproblematik wär nun gelöst. Das Schauspiel das ich eingerichtet, als Muster sollt' es für das Leben gelten. MELPOMENE: Ein Schauspiel ist's gewiss, das geb ich zu. Doch mangelt es an dem Libretto. Wir Musen waren drin hinein verwoben, doch war uns keine Rolle zugedacht. APOLL: Erklär dich näher. MELPOMENE: Man hat uns ausgewiesen. APOLL: Ausgewiesen? Was? Von wo? MELPOMENE: Man hat uns von der Erde ausgewiesen. Denn doppelte Staatsangehörigkeit die wir besitzen, die wollte man nicht anerkennen. Um auf der Erden eingebürgert bleiben, verlangte man von uns, dass wir olympscher Zugehörigkeit entsagten. Will ehrlich sein, Apoll, es stimmt dass wir's, dass unsrer einer jede es versuchte, doch war's vergebens, denn unmöglich fanden wir die schneegekrönte Heimat aufzugeben. Nun sind wir wieder hier. APOLL: Seid herzlich uns willkommen! EUTERPE: Es war nicht leicht. ERATO: Es war, und ist, sehr schwer. EUTERPE: Nun suchen wir die alte Wohnung auf. ERATO: Fast fürchte ich sie ist vergeben. APOLL: Ja, leider hast Du recht. Vor vielen Wochen schon sind einige von Zeusens Enkelkindern eingezogen dort. Doch drum verzweifelt nicht! Seid guten Muts. Ich selber will behilflich sein Euch eine neue Wohnung zu besorgen. 2. Szene - Plenarsaal des Götterparlaments Zeus als Vorsitzender auf einem Podium. Zu seinen Füßen auf eleganten Lehnensesseln, rechts und links, lagern Göttinnen und Götter, zum Teil sich rekelnd, zum Teil vorgebeugt, mit dem Kopf in verschränkte Arme gebettet. schafend. Zeus ergreift den hölzernen Hammer und lässt gedämpte Töne durch den Saal klingen. ZEUS: Zur Ordnung, Ordnung! Das Götterparlament zur Ordnung und zur Arbeit (hiermit) ist bestellt. Verehrte Abgeordnete, Geschwister, Gebrüder, Kinder, andere Verwandte, besinnt Euch auf das Werk das vor uns liegt, und saget an worin es nun bestünde.` MELPOMENE: Ehrwürdger großer Göttervater Zeus nicht nur die himmlischen olympischen Regionen sind unserer Obhut untergeben, nicht weniger die weite grüne Erde, mit großen Städten leeren Öden, mit schneegekrönten Gipfeln wie die unsrigen. Dort tobt ein wüstes Durcheinander, der Menschen Sprache ist zu Phantasie geronnen, der Wahrheit Maß unrichtbar ist verbogen, und alles was sie sagen ist gelogen. APOLL: Kann nicht umhin, den Fehler zu bekennen, wenn es ein Fehler war, den ich getan, als ich vor einger Zeit mich unterstand, ein wüstes Durcheinander dort zu ordnen. Ein Bürgerkrieg war ausgebrochen, und kraftlos versagte die Regierung. Dike, zu Rat gezogen, ratlos war. Gerechtigkeit, es schien mir unverkennbar, an keinem Ort zu finden war. Das einz'ge Mittel Wahrheit herzustellen (war Wahrheit vorzutäuschen,) wär Wahrheit durch ein Schaupiel vorzutäuschen. Die Täuschung würde Wahrheit sein, die einzge Wahrheit die zu finden war. Nun ist es offenbar geworden, dass diese vorgetäuschte Wahrheit ist ungenügend Ordnung zu bereiten. ZEUS: Hast du, Apoll, den vorgeschriebnen Text fürs Schauspel selbst verfasst? APOLL: Nein, hoher Herr, das hab ich unterlassen. Und eingefallen, dass dies nötig ist, drängt sich erst jetzt mir auf. Ich hoffe sehr es nachzuholen ist noch nicht zu spät. PLUTON: Welch Unsinn welche schale Rederei. Was kuemmert uns das Vorgehn auf der Erd. Die Himmlischen sind wir, und einzig aufs Geschehn im Himmel gebuehrt uns das Beflissensein. APOLL: Und was, meinst Du, beduerfte hier in Himmel der Berichtigung? PLUTON: Mir scheint, Du haeltst uns all fuer dumm und blind, Abtruenn'ge Musen hin zur Erde schweifen, dort wirken sie wie Erdenwesen, verehelichen sich mit Menschenmaennern, und Du, Du tust als waer' es nicht geschehen und willst uns glauben machen, Du wuesstst nichts davon. APOLL: Die Musensachen sind Bereich des Zeus, (und der hat) sie (sind) an Melpomene uebertragen. PLUTON: So solltest Du, Melpomene, mir Antwort geben. MELPOMENE: Lass mich in Ruh, Du unterirdisches Phantom. Was weiszt denn Du, nichts von der Erd und nichts vom Himmel. Wir aber haben ueberlebt, und beidenorts sind wir zuhaus. ZEUS: Lasst ab vom Zanken. Hier in diesen Hallen ist keine Streitigkeit erlaubt, denn mir allein gebuehrt das Wort. Ich sage Frieden. Es stellt sich heraus das Chaos sich auf Erden entwickelt hat, weil die Sprache entstellt, verdorben, unbrauchbar geworden ist, so dass sich die Menschen nicht laenger zu verstehen vermoegen.