Wie die Reduktion - die Zurückführung des Wissens auf das (gegenwärtige) Bewusstsein, zu einer Leere, zu einem Nichts, zu einem Nullpunkt leitet, so führt der Rückzug der Ethik aus dem Herdenhandeln zum individuellen Gewissen zu einem Nullpunkt: denn wir wissen nicht was wir beten sollen. Wir wissen nicht was wir tun sollen, es sei denn dass wir mit der Herde in Reih und Glied marschieren. In beiden Fällen bewirkt die Rückführung auf das Bewusstsein, bezw. auf das Gewissen die Bestätigung, die Behauptung des Einzelnen, unter der Bedingung, zu dem Preise, auf die Kosten, dass er als Einzelner nichts weiß, dass um überhaupt zu wissen, er sich auf eine gesellschaftliche Wissenschaft verlassen muss; gleich wie um überhaupt sinnvoll zu handeln, er dies nur in einem gesellschaftlichen Rahmen zu tun vermag, als Herdenmitglied, wenn er in Reih und Glied mitmarschiert. Das sind die epistemischen und ethischen Widersprüche. Kant hat sie mit seiner idealistschen Dogmatik versteckt. Es ist sinnvoll sich auch nach einem entsprechenden ästhetischen Widerspruch umzusehen. Die Pfade von wissenschaftlichem Wissen zum Bewusstsein, und von gesetzespflichtiger Gerechtigkeit zum Gewissen sind beides Pfade der Entidealisierung. Dementsprechend sind Fortschritt in Geistes und Naturwissenschaft wie auch die Zusammenstellung öffentlicher Gesetze idealisierende Vorgänge. Die Entidealisierung führt zum Nichts; die Idealisierung führt zum Phantom. Ich habe in Schellings Schriften gelesen. Ich "verstehe" ihn nicht. Vielleicht bin ich zu dumm. Ich erkläre mir, dass es ihm nötig war, um seinem (subjektiven) Erleben Ausdruck zu geben, eine neue, eigene Sprache zu entwickeln, eine Sprache die ich nicht verstehe. Ich frage mich was Schellings Hörer und Leser seinen Worten entnommen haben. Wie und in welchem Ausmaß hat Kierkegaard sie "verstanden". Wie bestimme ich die Grenze wo dunkle Sorache sich in des Kaisers neue Kleider verwandelt?