Unterschiede zwischen Th. Manns Faustus und Goethes Faust, sind dass Mann an die Wirksamkeit (Wirklichkeit) des Teufels glaubte, Goethe aber nicht. Leverkühn wurde durch den Umgang mit dem Teufel zerstört, Faust wurde trotz wenn nicht gar durch den Umgang mit dem Teufel gerettet, geheiligt. War es nicht das verklärte Gretchen, durch Faust durch den Teufel bekannt geworden war, das Faustens Aufnahme in den Himmel begleitete, wenn nicht überwachte oder gar veranstaltete? Leverkühns "Gretchen", Marie Godeau, war lieblos und zerstörte Ines Rodde und Rudi Schwerdtfeger. Ob ihre Liebe genügt hätte Leverkühn zu retten, muss dahingestellt bleiben. Schließlich, 72 Jahre später, lese und bedenke ich was Karl Vietor über Faust, besonders über Faust II, geschrieben hat. Und entdeckte, wie gewöhnlich, mein eigenes Verständnis. Vietor erklärt die in Faust II (und I) erzählten Legenden als Bestätigungen von Fausts unablässlichen erlösenden Drang zur Tätigkeit. Ich hingegen deute die Faust II Legenden, ebenso die Faust I Legenden, als Offenbarungen der Inhalte von Goethes Phantasie. Fausts unablässlich erlösender Drang zur Tätigkeit offenbart und bestätigt sich in Goethes Vorstellung, Ausführung, und fortwährenden lebenslangen Beurkundung von Fausts Tätigkeit. Denn Faust war, wenn nicht Goethe, so dennoch dessen Alter Ego, sein anderes Ich. Es war Goethes Schaffensdrang der ihn bis in sein 81. Jahr zur Weitererzählung der faustschen Abenteuer zwang, Abenteuer von denen ausdrücklich zu betonen ist, dass sie zwar nicht Goethes eigenes Erleben, aber ein aus diesem Erleben entwickeltes Weltbild wiedergeben.