an 24. Juli 2020 Liebe Gertraud, lieber Bernd, heute Abend, schließlich, mit einigermaßem schlechten Gewissen, wegen der Verzögerung, raffe ich mich zu einem Brief an Euch zusammen. Hab verschiedentlich in den vergangenen Tagen an Euch gedacht, mit Bewunderung für Euern Mut zu einer so weiten Reise, und mit dem innigem Wunsch, dass Ihr Euch inzwischen längst wieder wohlbehalten zuhause in Kierspe befindet. Ein Grund für mein Schweigen ist, dass sich mein Denken und Fühlen in zunehmend engeren Kreisen abspielt, und dass ich, besonders bei dem Selbstverbot gegen das Klagen, nichts Neues zu berichten habe. Die zunehmende Gedächtnisschwäche verursacht eine steigende Geschwindigkeit des Zeiterlebens. Die Tage eilen dahin, fast eh es mir gelingt sie zu begreifen, aber sie wollen, bis jetzt, jedenfalls, kein Ende nehmen. Mein Alter erklärt alles, und stellt mir als die einzige große Aufgabe mich in der Geduld zu üben. Das tue ich so gut ich kann. Euch wünsche ich Gesundheit und Zufriedenheit. Euer Jochen