From: Bernd Strangfeld <bugstrangfeld@web.de>
To: Ernstmeyer <ernstmeyer@earthlink.net>
Subject: Dein Brief von gestern
Date: Mon, 29 Jun 2020 13:23:38 +0200

Lieber Jochen,
 
es hat  uns sehr gefreut, so umgehend von Dir zu hören, und gleich haben wir angefangen, die gedichte auszudrucken, es war schon spät, und wir hatten noch gar nichts gepackt. Jetzt sind wir auch noch nicht weit genug gekommen, erwarten außerdem Besuch vom Sohn meiner ältesten Freundin (ich schrieb Dir darüber),  aber wenigstens möchte ich Dir sehr danken und sage, dass wir den Computer mit nach Frankreich nehmen und uns dort hoffentlich länger mit Deinen Texten, die gleich anfangs höchst interessant wirken, beschäftigen werden. Trotz Hühnern, Gänsen, Pflanzen, Insekten, Landschaft, Freunden, die wir besuchen wollen. Es ist mal wieder reichlich eilig, Bernd verzweifelt ernsthaft, weil er fast nie an den Bass kommt, immer drängt etwas dazwischen, und seine musikalischen Probleme bleiben ungelöst. Schlimm, es grämt ihn sehr stark im tiefsten Innern. Ich dagegen stelle immer wieder Forderungen an ihn, weil doch alles für die Reise (1200 km) bedacht und sinnvoll verpackt werden muss. Die Vögel unter dem Himmel kommen auch ohne das alles aus, aber dafür leben sie auch nicht so lange.
Deiner Beschreibung nach kann ich mir, glaube ich, Deine Situation einigermaßen vorstellen und finde sie schlimm, und man kann so wenig helfen dabei. Der Eintritt in die  Welt ist mühsam, aber man vergisst ihn wohl schnell, aber der Weg zum Ausgang ist lang und ungeahnt mühsam, Ich sehe es bei mehreren freunden - habe gestern Abend lange mit unseren schottischen Freunden telefoniert, von denen Jean, unsere sehr geliebte Freundin, seit 3 Monaten in der Klinik ist, schwere  Störungen nach mehreren Schlaganfällen, wir haben so etwas im Mai letzten Jahres bei ihr erlebt und waren schwer betroffen, und Mann und Sohn d+rfen sie nicht bsuchen, sie möchte nach Hause, nimmt dann aber ihre Medikamente nicht, die sie einigermaßen aufrecht halten, und ihr fragiler Mann George, der seber mit vielen Schwächen und Gebrechen kämpft, fürchtet sich  vor ihrer Rückkehr, weil er ihren Leiden in keiner Weise gewachsen ist. Ein großer JAmmer. Du schlägst Dich allein durch, mit größter Anstrengung. Hast Du wenigstens keine Schmerzen?
Zu Deinem Geburtstag vorgestern habe ich Dir gar nicht ausdrücklich gratuliert, das möchte ich endlich nachholen. 90 Jahre, so viel Leben, Erfahrungen, Begegnungen, Beglückungen, Kämpfe, Sorgen auch,Ängste, da hättest Du einen sanften, friedlichen Aufstieg in den Himmel oder sonstige selige Gefilde verdient! Und davor noch ein paar Werke schreiben, an denen Du Deine Freude hast. Wir sind gespannt auf Deine Kröten-Fortsetzung.
Es hat ein wisschen geregnet, nicht annähernd genug. Schon kommt wieder die Sonne raus, ein heftger Wind amüsiert sich mit denvielen dicken Wolken. Ich muss jetzt meinen Koffer packen und vorher mit einem Becher Tee ein paar Blumen begucken. Alles Gute für Dich! Schade, dass Konnarock nicht geht. Über Corona möchte ich mich gar nicht auslassen. Wir hoffen, unbeschadet hin und zurück zu kommen.Habe Freude an Verschiedenem und sei vielmals herzlich gegrüßt von Deinen
Gertraud und Bernd.

