Falsche Unsterblichkeit Hab bei Horaz den wahren Sinn entdeckt, der Zweck der gründlich ihm im Dichten steckt ist nicht was schön, war wahr ist, klar zu legen, stattdessen ist's Unsterblichkeit zu hegen (pflegen). Für diesen ambitiösen Römergeist unsterblich nicht das Seelenleben heißt, sondern der Kolosseumsrausch der Menge, vervollkommnet im menschlichen Gedränge. Das Höchste wär Erkennnis, wie vergebens das Harren auf Verlängerung des Lebens. Unsterblichkeit des Geistes ist gewöhnen sich freudig mit dem Tode zu versöhnen. Das höchste Lebensglück wird erst genießen, wer glücklich ist die Augen zuzuschließen. Sterbensbereitschaft, Sterbenwollen, zugleich Romane und Gedichte schreiben, wenn nicht sogar die große Lebens lehre, eignenes Verständnis, eigne Philosophie; als Testament, als Nachlass hinterlassen, heißt dass nicht lügen, heißt sich selbst betrügen ist nicht sich selbst betrügen Geheimes Ziel des eignen Lebens ist unsterblich, ewig, unvergesslich, unvergessen, bekannt, berühmt zu werden. Reden zu halten welche jeder hört Bücher zu schreiben welche jeder liest, und somit, ich will's geradeweg bekennen der Vergessenheit des Todes zu entkommen, und quasi, falsch, verdorben, himlich und hinterlistig vom Baum des Lebens essen und unsterblich werden. Die Frucht des Lebensbaumes ist nicht verdaulich, ist nicht essbar, sie macht mich würgen, bekommt mir nicht, verdirbt, verstimmt (upsets) den Seelenmagen bewirkt die Diarrhöe, den Brechdurchfall des Geistes. Deshalb, weil man selbst nichts zu sagen hat, übersetzt man (wie Helmut) was andere geschrieben haben, verfasst Kritik, befasst sich mit der Arbeit des Berühmten um selbst berühmt und so mit quasi unsterblich zu werden.