Liebe Gertraud, lieber Bernd, Vielen Dank für Euern Brief von vorhin, den ich umgehend beantworte um nicht ein weiteres Mal der Versäumnis des Nichtantwortens zu verfallen. Wenn ich heute die Tagebuchnotizen überlese, welche ich mir vor dreieinhalb Wochen, also in den Tagen unmittelbar nach dem Empfang Eures Briefes machte, so erkläre ich mir die Abwesenheit einer Antwort an Euch, einerseits mit meinem abnehmend verlässlichen Gedächtnis, das mir die Gelegenheit eines Briefes verschleierte, andererseits mit der zunehmenden Problematik meines abbröckelnden Lebens welche Euch brieflich mitzuteilen mir widerstrebt, weil ich mir grundsätzlich vorgenommen habe, dass ich nicht klagen will. Wenn ich hier am Rechner vor dem Fenster sitze, in meinen verwilderten Hintergarten blicke, und in den sorgfältig gepflegten Garten nebenan, seh ich die Eichhörnchen (grey squirrel, Sciurus carolinensis), die auf den Zweigen der sommerlich dunkel beblätterten Bäume hinundher laufen, ab und zu fliegt ein Blauhäher, (blue jay), Cyanocitta cristata, vorbei, wo das Gras sucht eine Wanderdrossel (robin, Turdus migratorius) Regenwürmer zum Abendessen, und durch die verwelkenden Maiglöckchen, wandern schwere, beleibte Truthühner (wild turkey, Meleagris gallopavo), soeben nur ein Paar von zweien, bisweilen aber in Scharen wo ich bis zu achtzehn dieser großen Vögel gezählt habe. Auch Spatzen (house sparrow, Passer domesticus) flattern einzeln umher, manchmal aber in größeren Flöcken. Daraus besteht meine Gesellschaft, uninteressiert, und unbeteiligt an meinen Gedanken und Sorgen. Vermutlich haben sie ihre eigenen. Was ich von ihnen lerne, ist wie letztlich einsam die Lebewesen dieser Welt sind, wohl nicht nur die Menschen, und tatsächlich wie diese, feindlich und zerstörerisch gegeneinander gesinnt. Ich will, Euren Vorbilde gemäß versuchen, engere Beziehungen zu ihnen, - ich meine zu den Tieren, nicht den Menschen -, zu entwickeln. Bezweifle aber dass es mir gelingen wird. Bleibt gesund, und seid herzlich von mir gegrüßt. Euer Jochen.