From: Bernd Strangfeld <bugstrangfeld@web.de>
To: Ernstmeyer <ernstmeyer@earthlink.net>
Subject: Dein Schweigen
Date: Sun, 7 Jun 2020 19:30:56 +0200

Lieber Jochen,
 
jetzt machen wir uns Sorgen, schon länger, weil Du nichts von Dir hören lässt. Am 13.5. habe ich Dir geschrieben, hast Du das bekommen? Hoffentlich doch! Du wirst doch nicht krank sein? Da wage ich kaum zu berichten, dass es uns gut geht, während viele un serer Freunde  an verschiedenen krankheiten leiden. Das dämpft auch das eigene Wohlbefinden.
verreisen durften wir ja nicht, wenigstens nicht in andere Länder, und so blieben wir hier und beguckten und bearbeiteten täglich unseren Garten, der in diesem Jahr - wir hatten fast den ganzen April und Mai Sonne, Sonne, Sonne - bsonders prunkte und strahlte. Ab und zu entdeckte ich doch noch eine kleine Lücke, weshalb wir zu einer großen Gärnerei am Niederrhein fuhren und vielen alten freunden pflanzlicher Art nicht widerstehen konnten. Über 40 Töpfchen  nahmen wir mit und schufen ihnen in dreitägigem Wirken eine Heimstatt. Die musste natürlich emsig begossen werden, denn Sonne und Nord-Ostwinde dörrten den Boden aus.  Es macht Spaß zu sehen, wie sich die meisten etablieren und versuchen, einheimisch zu wirken.
Die wenigen Mitglider des BUND (Bund für Umwelt und  Naturschutz D.) , zu denen wir gehören, legten neue Gefilde für Blühpflanzen an, säten, aber wegen der trockenheit passierte wochenlang gar nichts. Nun hat es ein wenig geregnet (26mm insgesamt), die Hoffnung lebt auf. Allerdings wächst ja auch die ungewünschte Konkurrenz.
Naja, das klingt wie Kinkerlitzchen. Aber der enorme Rückgang der Insekten muss irgendwie aufghalten werden, so tun wir denn ein kleines bisschen dazu.
Das wohl schon öfter erwähnte Entenpaar kommt immer wieder, trotz vieler vieler Verscheuchungen. Es hält uns vielleicht für Naturereignisse, die auch vorübergehen und die man, wie weiland Helmut Kohl, "aussitzen" muss.
Auf er Terrasse werden junge Amseln, Blau-und Kohlmeisen und Spatzen gefüttert, mit dem, was wir ihnen hinstreuen: Sonnenblumenkerne und sogenanntes Fettfutter, hauptsächlich Haferflocken.. Es ist rührend zu sehen, wie die Kleinen, um ihren Bedürfnissen Nachdruck zu verleihen, mit den kleinen Flügeln zittern und den Schnabel  aufsperren. Das finden die Eltern zum Glück unwiderstehlich.
Die Weltlage ist so beängstigend. Da ist es eine große Hilfe, sich in eine eigene kleine Welt zurückzuziehen. Nachts hilft das nicht immer, da treibt uns vieles schon sehr lebhaft um.
Und Du?Du schreibst hoffentlich weiter und freust Dich doch an Gelungenem!
Lass doch mal wieder von Dir hören, ja? Wir denken an Dich und grüßen Dich herzlich,
 
Deine Gertraud und Bernd.

