Wahnsinnsgedichte Wahnsinnsgeschichte 1 Fragen Helft mir, dass ich den sturen Irrsinn meide. Wer ist es denn, der hier an Wahnsinn litte? Bist du's, bin ich's? Kann sein wir sind es beide. Gesunder Sinn, ist's mehr als feile Sitte? Ist nicht des Geists Gesundheit widersprüchlich? Keimt Irrsinn nicht aus der Gedankensaat? Sind du und ich nicht beide irrsinnsüchtig? Ist Wahnsinn nicht der Vorsatz zu der Tat? Leben nicht du und ich im Land der Lügen? Sagt nicht Gesellschaft was ist wahr und gut? Ich habe keine Wahl, muss mich ihr fügen, sie stützen in dem Unrecht das sie tut. Muss opfern ihr mein Fühlen und mein Denken, muss ihr mein Glück und meine Seele schenken. * * * * * * Varianten: 1. Wer ist es denn, der hier an Wahnsinn litte? Bist du's, bin ich's? kann sein wir sind es alle. Gesunder Sinn, ist's mehr als feile Sitte? Geist ist verfänglich, eine Seelenfalle. 4. Ist Geist nicht sehr verfänglich, eine Falle? 8. Ist es nicht irr zu fragen wer es tat? 8. Irrsinn zu fragen nach der bösen Tat. 8. Irrsinn ist Frage nach der bösen Tat. 8. Irrsinn ist Vorsatz zu der blöden Tat. 14. Muss ihr den Inbegriff des Daseins schenken 14. muss ihr die Keuschheit meiner Seele schenken. XXXXXXXXX 2 Wahnsinnsschwelle Soll, muss, und oder darf ich dies vernünftig heißen, nur weil ich's gesehen, gesund erkennen, nur weil es geschehen, verrückt wenn's sich nur zu erdenken ließ? Wie könnt ich meinen Stumpfsinn überwinden? Wo möchte ich den Strich, die Schwelle finden, die düstren Irrsinn von Gesundheit trennt? Sollt' es Geheimnis sein, das keiner kennt? Wie steht es denn um die Vergangenheit? Ist's nicht schon Irrsinn wirklich sie zu nennen? Wär's Wahnsinn sie als Mythos zu erkennen, Geschichte deuten als Verlogenheit? In meinem Denken mach ich eine Pause. In der vernünft'gen Welt ist kein Zuhause. * * * * * * Varianten: 4. ver(w)irrt weil ich's vorübergehen ließ 4. ver(w)irrt weil's sich nicht übersehen ließ 4. ver(w)irrt weil es sich nicht durchschauen ließ 4. verrückt wenn es sich nur erdenken ließ? 5. wo ist der Strich, wo finde ich die Schwelle, 5. Wie könnt ich meine Blindheit überwinden? 8. Geheimnis ist's vielleicht, das keiner kennt. 14. Denn in der Wissenswelt ist kein Zuhause. XXXXXXXXXXXXXX 3 Wer bist denn du, wo kommst du plötzlich her? Bist mir bekannt. Erinnerst mich an wen? Wie heißt du denn? Hab kein Gedächtnis mehr. Hab dich schon einst, dich früher mal gesehen. Du bist du selbst, bist worden alt und grau. Seit sechzig Jahren sind wir Mann und Frau. Ich liebt dich einst, wir lieben uns noch heute. Jetzt mehr denn je, wir beiden alte Leute. Ich glaub dir nicht, du lügst, sieh mich mal an. Du willst mein Geld. Du willst was jeder Mann von einem Weibe lüstern haben will. Ich wehr mich nicht, zu schwach, ich halte still. Mein liebes Kind lass uns zum Frühstück gehn. Beim Kaffee wirst du alles klarer sehen. XXXXXXXXXXXX 4 Selbander Ich suche eine ordentliche Welt, die Gott vernunftgemäß zusammen hält. Doch was ich finde ist ganz durcheinander. Entdecke nur uns beide, zwei selbander. Die Ordnung die wir gegenseitig machen, ich finde sie verworren, sinnlos und zum Lachen. Ein jeder meint er wär unzweifelhaft im recht, der andere wär irre, schuldig, schlecht. So fertigt jeder eine Deutungswelt, stempelt sich selbst zum tugendhaften Held. Denn meine Nebenmenschen, darf ich's sagen? sie dienen mir die eigne Schuld zu tragen. Auch das Ergebnis ist nicht schwer zu finden: Wir klagen gegenseitig unsre Sünden. * * * * * * Varianten: 4. und überall nur sind wir zwei selbander 4. Ist nicht das Dasein völlig durcheinander? 6. verworren ist sie, sinnlos und zum Lachen. 8. der andere irre, schuldig, wertlos, schlecht. XXXXXXXXXXXXXXXX 5 Und würde jemand der bei rechten Sinnen die weite Raumfahrt auf den Mond beginnen um von dem Abenteuer zum Planeten bedingungslos das Denken zu verbeten. Es gibt so viele Wünsche die verrückt, wovon die sture Menschheit ist entzückt. Beklagenswerter Zustand der entsteht wenn erst der Pöbel an die Herrschaft geht. Die Wände die den Flüchtlingen den Weg in unbarmherzig böser Art verbauen, des Wahnsinns überzeugender Beleg, verhindern mich gesundem Sinn zu trauen, Beweisen unsere Grausamkeit ist echt. Wahnsinnig Geist und Seele, ach wie schlecht! Varianten: 4. bedingungslos die Weigerung zu vertreten 4. die ledige Erwägung zu vertreten 14. Der Menschen Geist und Seelen, Ach, wie schlecht! XXXXXXXXXXX 6 Vielleicht weil ich mich wagemutig schicke, und tägliches Erleben überblicke, um festzustellen was vernünftig ist, lauf ich Gefahr, dass ich verrückt erscheine. Denn geistesgegenwärtig würd bedeuten, sich leiten lassen von den Herdenleuten, genau so handeln wie die anderen tun, genügsam in der Allgemeinheit ruhn. Besonderes sein zu wollen ist ein Fehlen. Die Herde wird es nimmermehr vergeben. Willst Du nicht zur gewaltgen Mehrzahl zählen, bezahlen wirst's mit Glück und Leben. Die Irrenanstalt wird dir zum Verhängnis, es sei denn du bevorzugst das Gefängnis. XXXXXXXXXXXXX 7 Kann nicht umhin zu sagen was ich denke. Der Ort von wo ich die Gedanken lenke ist tief verborgen und mir unerreichbar. Sie kommen ganz von selbst, sind unbestimmbar. Gedanken, Worte, werden zum Geschick; Bestimmen mich in jedem Augenblick. Ich habe weiter nichts zu sagen; weiß keine Antwort auf die Fragen die sich fast wie von selbst ergeben. Ich habe Angst, denn, wie du weißt, dass ich sie werd bezahlen müssen einst mit meinem Glück und meinem Leben. Inzwischen sind die Worte längst verflossen. Ich reime fort, bin keineswegs verdrossen. * * * * * * Variante: 14. Ich aber reime fort, bin unverdrossen.