Liebe Gertraud, lieber Bernd, Vielen Dank für Gertrauds Brief "Subject: Neuer Versuch; Date: Sun, 2 Feb 2020 20:35:40 +0100" Den Kundgebungen des web.de entnehme ich dass es sich die Rechte vorbehält nicht nur die Auslieferung einzelner anstößiger Briefe zu verweigern, sondern die Absender dergleichen auf eine Schwarzliste einzutragen, und damit ihre Sendungen auf unabsehbare Zeit grundsätzlich zu unterschlagen. Bei der Vorstellung möglicherweise nun doch endlich gelesen und "ernst" genommen zu werden, bläht sich mein Kopf fast bis zum Platzen. Aber Enttäuschung wird nicht lange auf sich warten lassen, und auch web.de wird einsehen, dass was unter - oder über - meinem Namen erscheint, nicht "ernst" zu nehmen, und nicht zensierenswert ist. Nebenbei solltet Ihr wissen, dass hier in 174 School Street, alle verdrahteten Telephone längst abgeschaltet sind. Theoretisch bin ich telephonisch erreichbar nur mittels eines Radiogeräts (Handy) unter Nummer 617-548-5768. Praktisch aber ist's Glücksache ob eine Verbindung zustande kommt, denn ich bin so taub geworden, dass ich das Klingeln des Miniwunders fast stets überhöre. Das Instrument hingegen ist sehr ungeduldig und unterbricht nach nur kurzer Zeit. Aber selbst wenn, müsste ich nach Kopfhörern fummeln und diese aufsetzen und einstöpseln, um auch nur ein einziges Wort verstehen zu können. Klemens' Telephonnummer ist 617-549-5539; seine e-mail Adresse: Klemens B. Meyer , sein Zuhause: 178 School St. Belmont MA 02478 Chronos, den zu besingen ich versuche, mögt Ihr, wenn es von Belang erscheint, bei https://de.wikipedia.org/wiki/Chronos einigermaßen kennen lernen. Meine eigenen Bemühungen sind noch ganz am Anfang. Der Zeitbegriff hat es mir angetan. Dass ich gerade jetzt über ihn stolpere, hat vielleicht mit meinen fast 90 Jahren zu tun. Auch dünkt mich meine Beschäftigung mit der Zeit wie eine Abschlussklammer zu meinem Denken. Während meines Schuljahres 1945-46 an Germantown Friends School, war ich zufällig der jüngste und fähigste Teilnehmer an der Physikunterweisung. Bestand das "College Aptitude Test" in Physik mit glänzemner Zensur. Ich matrikulierte dann an der Universität mit dem Vorhaben Physik zu studieren. Daraus wurde nichts, denn, in Hölderlins Worten: Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt All uns nieder; das Laid beuget gewaltiger; Doch es kehret umsonst nicht Unser Bogen, woher er kommt. Aufwärts oder hinab! herrschet in heil’ger Nacht, Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt, Herrscht im schiefesten Orkus Nicht ein Grades, ein Recht noch auch? Diß erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden, Daß ich wüßte, mit Vorsicht Mich des ebenen Pfads geführt. Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern’, Und verstehe die Freiheit, Aufzubrechen, wohin er will. (Lebenslauf) Die Liebe welche mich damals niederzwang, war die Begeisterung für das Wort, für die (deutsche) Sprache, für das freie, ungebundene Denken und seine Niederschrift. Der Vergöttlichung des Wortes zum Gott (erinnere: Johannes 1:1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.) musste auch die mathematische Physik untergeordnet werden. Nicht umgekehrt, wie Russell, Whitehead und Wittgenstein behaupten. Theoretisch von wesentlicher Bedeutung, finde ich die Unterscheidung oder Gleichsetzung von Chronos und Kronos. Ich bin zu faul selber der Frage nachzuforschen. Etymologen der Gegenwart behaupten zwei unterschiedliche Quellen der beiden Namen. Seit mehr als zwei tausend Jahren versuchen Dichter und Denker, am auffälligsten Cicero in De Natura Deorum, zu erklären, weshalb Chronos der Gott der Zeit und Kronos der brutale Titanenvorfahren des olympischen Göttergeschlechts, ein und derselbe sein möchten. Kronos war der Sohn von Ouranos (Himmelsgott) und Gaia (Erdengöttin), wurde vom Vater Ouranos wegen dessen Eifersucht in den Tartarus verbannt, kehrte auf Anstiftung der Mutter Gaia zurück den Vater Ouranos zu stürzen und zu entmannen, eine "Heldentat" womit Kronos ein "goldenes Zeitalter" von Tugend und Frieden für die Menschheit stiftete. Und alle Bürger schrieen: Make Greece great again! Das ist eine Legende der ich entnehme dass Sigmund Freud, am Tage als sie in der Klasse besprochen wurde, die Schule geschwänzt haben muss... In den Sammlungen von Hölderlins Werken gibt es eine Rubrik: "Gedichte der Umnachtung." Von "Patmos", einem der Hölderlingedichte die mir am teuersten sind, meinen die Kritiker es zeuge schon von Hölderlins beginnendem Wahnsinn. Eine Rubrik "Dichtungen der Senilität" hab ich nirgends gefunden, trage nun aber dazu bei sie umso unerlässlicher zu machen. Tue Feb 4 17:10:08 EST 2020 ist der Datumstempel mittels welchem wir diesen Brief in den Machenschaften web.de's nachzuspüren und zu entflechten vermögen. Herzliche Vorfrühlingsgrüße an Euch beide. Euer Jochen