Hat Zeit einen Anfang? Ich meine die Vorstellung von einem Anfang der Zeit ist eine unerlaubte Rekursion. Der Begriff Anfang setzt Zeit voraus. Anfang ist denkbar nur in der Zeit, ihres Gleichen oder zumindest ihres Ähnlichen. Zeit hat sich als eine Brücke zwischen dem Objektiven und dem Subjektiven erwiesen. Ohne Anschauung ist der Zeitbegriff leer, - aber mehr so als andere Begriffe? Jeder Anfang (und jedes Ende) ist (Wende)Punkt im Fluss der Zeit. Wo kein Fluss besteht, d.h. außerhalb des Flusses der Zeit, ist ein "Wendepunkt" undenkbar, unvorstellbar. Mich dünkt die Mythengeschichte zugegeben dass sie mir nur in Ab- und Nachschriften (halbwegs) bekannt ist, diese Mythengeschichte berichtet nicht dass Chronos "geboren" wurde, berichtet nicht dass Chronos in irgendeiner Weise "in die Welt" kam, sondern dass Chronos nicht "von Anfang an" sondern außerhalb jeglichen Anfangs, ewig, zeitlos, jenseits der Zeit bestanden hat. In diesem Zusammenhang müssen auch Zeugung und Geburt als Kettenreaktion der menschlichen Fortpflanzung bedacht werden, wobei ich betreffs der Anfänge von Menschengeist und Menschenseele, kein Schema, keine Formel, keinen sicheren Zeitpunkt festzustellen vermag. "Eine Gruppe anderer Versionen bietet verschiedene Varianten einer abweichenden Überlieferung des Mythos. Eine davon ist die von Damaskios wiedergegebene Fassung aus den „Heiligen Reden in 24 Rhapsodien“,[15] daher spricht man von der „rhapsodischen Kosmogonie“ der Orphiker. In diesem Überlieferungszweig erscheint die Zeit (Chronos) als das Prinzip, das den Ursprung von allem bildet. Chronos bringt zunächst zwei Prinzipien hervor, Aither und Chaos. Die zweite Phase der kosmischen Geschichte beginnt mit der Entstehung des silbrig glänzenden Welteis, das Chronos im Aither erschafft. Aus dem Weltei wird der geflügelte Lichtgott Phanes geboren.[16] Phanes ist eine Hauptgottheit der Orphiker, außerhalb orphischer Kreise scheint er nicht verehrt worden zu sein. Er wird in der spätantiken, vielleicht auch schon in der frühen Orphik mit Eros gleichgesetzt. Seine Gefährtin ist Nyx, die Nacht; ihr vertraut er sein Szepter an. Nyx gebiert den Gott Uranos, der als nächster die Welt regiert. Dies ist die dritte Phase. Uranos wird von seinem Sohn Kronos gestürzt; dieser Machtwechsel leitet die vierte Phase ein. Auf Kronos folgt Zeus, dessen Regierung die fünfte Phase bildet. Zeus verschlingt Phanes, womit er sich dessen gesamte Kraft und Macht aneignet. Mit seiner Mutter zeugt er die Tochter Persephone, mit Persephone den Sohn Dionysos. Später überlässt Zeus die Herrschaft dem noch kindlichen Dionysos, womit die sechste Phase beginnt. Gegen Dionysos stachelt Hera, die eifersüchtige Gattin des Zeus, die Titanen auf. Die Titanen locken Dionysos in eine Falle, töten und zerstückeln ihn. Dann kochen sie seinen Leichnam und beginnen ihn zu verzehren, wodurch sie etwas von seinem Wesen in sich aufnehmen. Zeus überrascht die Mörder jedoch und verbrennt sie mit seinem Blitz zu Asche. Aus der Asche, in der Titanisches mit Dionysischem gemischt ist, steigt Rauch auf und es bildet sich Ruß; daraus erschafft Zeus das Menschengeschlecht. Damit erklärt eine Variante des Mythos die Ambivalenz der menschlichen Natur, die zwei gegensätzliche Tendenzen aufweist: einerseits einen zerstörerischen, titanischen Zug, der zur Rebellion gegen die göttliche Ordnung anstachelt, andererseits aber auch ein dionysisches Element, das zum Göttlichen hinführt. Apollon sammelt die Stücke von Dionysos’ Leichnam ein, Athene bringt sein intaktes Herz zu Zeus, der nunmehr den Ermordeten zu neuem Leben erweckt." Chronos ==> Aither, Chaos Weltei ==> Phanes=Nyx Phanes=Nyx ==> Uranos Uranos=Gaia ==> Kronos Kronos=Rhea ==> Zeus, Hera, Pluto, Demeter, Poseidon, Epimenides Zeus=Rhea ==> Persephone Zeus=Persephone ==> Dionysos Zeus verschlingt Phanes... Zeit ist Erzeugnis des Menschengeistes. Die griechische orphische Mythologie berichtet von der Zeit dass sie keinen Anfang hatte dass sie eben existiert ohne Anfang und ohne Ende. Daraus schließe ich dass Zeit kein gegenständliches Bestehen hat sondern ihre Existenz lediglich subjektiv in der Gedankenwelt hat. Zeit mit anderen Worten ist Erzeugnis des menschlichen Gemüts und ist an dieses gebunden. Das Gleiche gilt glaube ich für die mathematische Behandlung Abwandlung der Zeit. Die Einsicht dass die Zeit ein Gebilde des Menschengeistes ist hat unabsehbare Folgen; denn ähnliche Erwägungen gebühren dem Raum. Ich frage also in wie fern der Raum _nicht_ Gebilde des Menschengeists sein möchte.