Lieber X, Als ich dir vormals schrieb hegte ich das Vorhaben ein gedankliches Instrumentar zu erfinden, zu entwickeln und dir vorzulegen, ein Werkzeugkasten (toolbox) womit es mir gelingen möchte das gesamte Erscheinungspanorama meines Daseins, kurz vor dem Tode, wie es sich mir nun einmal darstellt, aufzuzählen, Aber schon am Anfang wird mir klar dass die Trennung zwischen geistigem Werkzeug und geistlichem Material sehr problematisch, wenn nicht sogar unmöglich ist, wenn nur aus dem Grunde, dass es sehr schwierig ist Werkzeug und den zu bearbeitenden Stoff von einander zu trennen, wenn nur weil sich die geistigen Werkzeuge immer aufs Neue aus dem sich fortwährend entwickelndem Stoffe darbieten. Die unmittelbare Aufgabe die sich mir aufdrängt ist, das Innere stets inniger zu erleben, und das Äußere stets weitläufiger zu erfahren. Mir ist aufgefallen, dass man ein Land, letztendlich die Quintessenz des Außen, erkundet indem man es erfährt. Dass man sein eignenes Leben erkundet indem man es erlebt, sollte auch ohne philologische Bestätigung selbstverständlich sein. Demgemäß solltest du von künftigen Briefen die Beschreibung und Bestätigung meiner inneren und äußeren Existenz erwarten; zugleich solltest du verstehen, dass dabei die analytische Zergliederung und die Rückführungen auf Prinzipien und Urgründe zurückgestellt wird.