Vergebens versuche ich einen Sonettenzyklus an Chronos, und weiß nicht weshalb es mir nicht gelingen will. Vielleicht weil mein Denken über dies Thema unzulänglich ist. Da es mir auf die Gedanken ankommt, nicht auf den gedrechselten Stil, will ich versuchen die Gedanken in Prosa klarzulegen. Mag sein, dass die Verse zuletzt doch noch nachkommen. Ich kann nicht umhin mit dem Begriff Chronos, mit dem Wort Zeit den Anfang zu machen, weil allenfalls für mich die Fragen und die Probleme im Bereich der Sprache liegen und nur durch die Sprache zugänglich sind. Das Wort Zeit in der mir so bekannten deutschen Sprache dient als Tor wodurch ich mich auf das anderweitig unzugängliche Gebiet begebe. Die Frage scheint mir selbstverständlich: Was meint, was bedeutet mir des Ausdruck "Sprache"? Schon dieses Frage, insofern sie sich beantworten lässt, aber auch insofern ich vielleicht keine hinlängliche Antwort finden könnte, dient zur Klärung. Es wird sofort klar, dass ich eine eindeutige schlüssige Antwort durchaus nicht zu bestimmen vermöchte. Einleitend möchte darauf hingewiesen sein, dass im Englischen das Wort "time" je nach dem Zusammenhang, beides, eine Zeitspanne und einen Zeitpunkt bedeutet. indessen gebräuchlich das deutsche Wort Zeit sich auf eine Spanne bezieht, der Zeitpunkt aber mit dem Wort "Mal" ausgedrückt wird. Im Französichen "temps" et "fois". Es bedarf nur geringer Wortübungen um die leichtfertige Abhängigkeit oder Unabhängigkeit des Erlebens von der Sprache, vom Wort, vorzuweisen. Es scheint mir unmöglich den Bereich des Wortes Zeit endgültig festzulegen. I hear music as translation into a transcendental realm of reality, specifically as a transformation of time, where a given note or chord, that is immediate and present, unmittelbar und gegenwärtig, fuses with the continuum of melody and becomes inseparably linked with an earlier beginning and a later end. In this manner, music solves the otherwise insoluble riddles of time, the contradictions and incompatibilities of present and past, and of present and future. When music inseparably fuses a present, an instant: "now", into a protracted harmonious melody, it reveals (and displays) a different and otherwise unimaginable dimension of time. The intensely punctuated stylized endings of Beethoven's compositions, both instrumental and vocal, serve as sound-frames, as fences, that separate the dedicated transcendental coherence of music from the mundane secular flacidity of silence and from the inchoate confusion of noise. Die Musik verwirklicht, "verunmittelbart", macht unmittelbar, und vielleicht auch unentrinnbar, den Zeitzusammenhang welche die unleugbare Gedächtnisschwäche zu verhüllen, zu verdecken, zu vertuschen scheint. ================= Die Annahme dass Sprachen übersetzbar sein sollten, dass es möglich sein sollte, eine Sprache in eine andere zu "übersetzen', scheint einerseits selbstverständlich und andererseits sinnlos. Selbstverständlich, insofern wir Menschen einander ähnlich sind, insofern es die Sprache ist, die unsereinen zu Handlungen bewegt. Wir sind Herdentiere, und letzten Endes dient die Sprache nicht der Erfüllung des Schicksals des Einzelnen sondern seiner Mitwirkung und Einbürgerung in die Herde. ================= Warum, frage ich mich und euch, sollte das so eindrucksvolle Zeitmuster der Musik sich nicht verallgemeinern lassen und als grundlegendes Schema (Pattern) für das Zeiterleben überhaupt dienen. Die Antwort die sich mir bietet (aufdrängt) ist der Vorschlag das ein Musikstück, sagen wir zum Beispiel ein Lied, als eine vollständige Erlebnisvorlage im Gemüt vorhanden ist, deren unbestrittener und unbestreitbarer Anfang, Vorgang, Fortgang, Ablauf und Ende stets greifbar (tangible) gegenwärtig sind. Vergleichbar ist vielleicht das Gedicht, der Reim, das Sonett, das in ähnlicher Weise im Gemüt vorrätig ist, wenngleich weniger verlässlich. Sonst lösen Eindrücke, Vorstellungen, Empfindungen in ungeordneter und unvoraussagbarer Weise einander ab, ohne die Möglichkeit einer verlässlichen Wirklichkeitsvorlage. Daher das seelische Durcheinander der Zeitlosigkeit des Erlebens. ================= Es ist denkbar, es ist vorstellbar, dass nicht nur die gesehene und gehoerte sondern gleichfalls die gedachte, verstandene, begriffene Welt in der und mittels der ich lebe, eine synthetische, zusammengefuegte, aufgebaute Welt sein moechte, mit anderen Worten ein Erzeugnis, ein Ergebnis des Geistes, des Gemuets. Ein solche Einsichte hoechste Erkenntnis eines transzendentalen Idealismus. Jedenfalls finde ich es sinnvoll mein Wirklichkeitserlebnis der Musik zu verallgemeinern, oder zu versuchen dies zu tun, mit dem Vorschlag, dass die Musik das Muster für meine gesamte Wirklichkeitserkenntnis gelten möchte, ein Wirklichkeitserlebnis schwach, weak, hinfällig und deshalb kaum erkennbar. Vielleicht parallel oder gegenüber der Mathematik, welche (heutzutage) das gültigste Wirklichkeitsmust ist; mit den Ähnlichkeiten, dass beide, Musik und Mathematik objektiv werden, in dem sie eingeübt werden und den Geist verwandeln, umgestalten; indessen die (gründliche) Einübung die Empfindlichkeit, das Verstehen, das Verständnis auf Seiten des Adepten verschleiert, und vielleicht am Ende verdirbt und/oder unmöglich macht. Dear Nick, About Hallmark cards: a) I've never sent one, and each card which I receive, I acknowledge with a writing of my own. b) I consider the frequency with which Hallmark cards are used to be: i) an index of loneliness and of the desire to communicate. ii) an index of the limited capacity of the sender to express himself and of the reader's limited capacity to understand what might be written to him. c) I acknowledge that simple, unadorned words "Merry Christmas, Happy New Year"often seem trite and empty. d) I have found, depending on context, that simple words can suddenly an unexpectedly acquire power and meaning. For example each time I reflect on it, I am overwhelmed by: 24 The Lord bless thee, and keep thee: 25 The Lord make his face shine upon thee, and be gracious unto thee: 26 The Lord lift up his countenance upon thee, and give thee peace. Numbers 6:24-26 King James Version I could cite many other instances, many of them arising in a musical setting. e) I have observed that images, drawings, paintings, photographs have profound meaning in i) designating an event, a point of time in the past and ii) in conjuring up an unwavering present. ======================= am 25. Dezember 2019 Heute Abend, oder heute früh am Morgen scheint mir am Gültigsten was die Stoiker entdeckten: die eigentliche Philosophie ist die absichtliche, systematische Verwandlung des eigenen Ich. Die eigentliche philosophische Methode ist ds Vorlegen der ethischen und epistemische Vorgänge des eigenen Gemüts. Dadurch erweitere und vertiefe ich das Wissen um mich selbst und das Verstehen meiner selbst. Dass ein mehr gültiges Verstehen beide, die Qualität meines Wissens und die Qualität meines Handelns verbessert ist unverkennbar. Ob dieses quasi Stoische Denken einen gültigen oder nur einen scheinbaren Vorrang vor dem Aristotelisch-Thomasischen Sprachforschen hat, weiß ich nicht. Ein Wesentliches ist nicht zu verkennen: je größer die Anmerkennung die ein Denker zu seinen Lebzeiten genießt, desto größer ist sein geschichtlicher Ruhm, und umso wahrscheinlicher ist's, dass ich mich mit seinem Denken auseinandergesetzt habe. Meine Beschäftigung mit berühmten Dichterns und Denkern pflanzt in mir die Überzeugung, dass Sinn und Wert eines Lebens gleichfalls an dem ergatterten Ruhm gemessen werden sollte, dass ich selber gleichfalls berühmt werden müsste; und dass der Wert meiner Bemühungen größtenteils, wenn nicht ausschließlich vom Ruhm bestimmt würde. Es ist mir unmöglich festzustellen, wie ich zu dem entgegengesetzten Urteil kam. Schon seit Jahren, vielleicht fast lebenslang bin ich von der Gültigkeit des von Äsop berichteten Gleichnisses vom Fuchs und den sauren Trauben überzeugt. Ich vermag nicht zu leugnen, dass ich mich in einer enttäuschenden und feindseligen Welt befinde, dass meine Erfahrung und mein Erleben mich fortwährend verwandeln, und dass ich nur überlebe, wenn ich mich mit dieser "bösen" Welt abfinde indem ich mich ihr anpasse. Keine weitere Erkenntnis, kein weiteres Geständnis, sind nötig. Mit meinem Versuch meine Erfahrung und mein Erleben der Zeit, der Vergangenheit, der Gegenwart, und der Zukunft zu erklären, wende ich mich zur Musik. Das Lied, die Arie die ich singe, der Satz einer Sonate oder einer Symphonie die ich spiele oder dirigiere, - und in geringerem Maße, die ich höre, scheint mir jeweils die ein drucksvollste unmittelbare Offenbarung der wirklichen Zeit, der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Die Musik bietet sich nun als Vorlage für die Entdeckung (Konstatierung) anderer möglicher verwirklichender Offenbarung, bezw. Entdeckungen, Erfindungen einen palpablen Gegenwart. Der Weg ist vom Verwicklt(st)en, dem im Tempelmuseum geborgenen Kunstwerk, das im Verlaufe von Monaten, Jahren und ganzen Lebezeiten, immer wieder angeschaut, immer wieder angebetet wird, das unerbittlich unverwunderlich sich selber gleich und beständig bleibt. So auch bürgen für die Gegenwart, die Sprache, das Gedicht, das Wort, eben darum weil sie im Gemüt verankert sind und sich gleich bleiben, aber jedes auf eigene besondere Weise. am 26. Dezember 2019 Heute Morgen fällt mir auf, dass es nicht nur die Werke der Kunst, die Gemälde und Radierugen Rembrandts uund Vermeers sind welche die Gegenwart bestätigen, bestärken, wenn nicht sogar schaffen. Auch, wie zum Beispiel für Margaret, ganz einfache Bilder von Orten und Menschen, und besondere Erinnerungen, vielleicht auch Begriffe und Namen, wie Henry Vestal. Im Falle der Sonetten an Orpheus und Duineser Elegien waren es die Beschreibungen der Dinge, die Dinge, und vielleicht die Gedichte, die Elegien und die Sonetten selbst. Denn nicht nur die Dinge, auch die Gedichte mit ihren verborgenen Melodien waren, sind, und werden beruhigend, besänftigend, dienen die Risse zu heilen, die "philosophischen" Brocken zu vereinen. So bilden sich, konstituiert, rekonstituiert sich in Zeit und Raum, aus den Scherben der Bilder und Töne, der bildenden, abbildenden Künste und der Musik, ein Modell, ein Mock-up der anderweitig unauffindbaren (raum-)zeit Wirklichkeiten, welche der Mensch (leider) nur zu ahnen, nie aber zu begreifen, zu ergreifen vermag. Wenn, wie ich vorschlage, die ehernen Schlangen im 3, Buch Mose, dazu dienten eine zeitliche Wirklichkeit, eine Gegenwart zu restaurieren, würde diese Annahme etwas über den Unmut, die Krankheit, die Unordnung besagen, welche die Herstellung vonehernen Schlangen erlaubt, vielleicht sogar notwendig machte? Wie weit soll man der Phantasie, der Erfindungskraft erlauben die zarten fragilen, zerbrechlichen Fäden des Gedankennetzes auszuspinnen? Ich wage noch diesen Vorschlag: dass der ursächliche Unmut der Hebräer als (lutherschen) Glaubensverlust gedeutet werden kann, Verlust des Glaubens nicht an Dogmaformeln, (oder andere pseudohistorische Mythostatsachen, an Worte, sondern Verlust an den Glauben an den Sinn des Lebens, an den Sinn (und Inhalt), an die Wirklichkeit, an die Gültigkeit menschlicher Existenz überhaupt; und dass dieser Glauben durch die Kunst gerettet werden sollte, und vielleicht nur durch die Kunst gerettet werden konnte. Zu keiner der Fragen die ich gestellt, habe ich eine Antwort gefunden. Vielleicht gibt es, wie Lessing vermutete, tatsächlich überhaupt keine Antworten, immer nur das Fragen womit ich mich unterhalte und mir wichtig vorkomme. Jedenfalls hab ich den Versuch, den Anspruch, Fragen endgültig zu beantworten, längst aufgegeben.