Chronos widerspricht, widerlegt Kronos. Oder bestätigt ihn. Ein weiterer Hinweis: Das Wort steht am Anfang, ist Brücke, sei es zu einer eignen logischen Wirklichkeit - oder zur Unwirklichkeit erdichteten Erlebens. Ohne das Wort wär es dem Geist unmöglich vom Fleck zukommen. Besser vielleicht für's Bewusstsein, auf der Stelle zu bleiben und auf sich zu beharren. Haben wohl nichts als den Klang mit einander gemeinsam es sei denn die Unbegreifbarkeit dessen worauf sie weisen. Gemeinsam der Widerspruch den sie gegeneinander erheben. Der Titanenname behauptet (bezeichnet) einen Riss im Verlauf der Zeit. Die Zeit aber ist maßgebend. Sie vernichtet den oder das was immer wagt den Versuch sie aufzuhalten. Die Legenden, die Mythen von den Titanen, bezeugen das Allzumenschliche das wir nicht anderweitig einzugestehen vermögen das nun den Göttern zugeordnet wird. Mit welchen Folgen bleibt unklar. Sie dienen unsre Schuld zu tragen. Zuweilen der Versuch Chronos mit Kronos zu vereinbaren, indem man dem Erscheinen der Titanen chronologische Bedeutung zuschreibt. Doch dergleichen Versuche verschleiern, verdecken, verdunkeln die chronologische Frage indem sie diese als im Grunde entschieden und gelöst vorführen. Das ist ein Irrtum. Die Kronosmythen beruhen auf den allgemeinen, geläufigen Zeitvorstellungen welche einem endgültigen Verständnis im Wege stehen, und die zu lösen, aufzulösen, zu entbinden eine wesentliche Aufgabe des existentiellen Denkens ist. Der Ausgangspunkt ist cartesisch: das gegenwärtige Bewusstsein; jedoch wird das leichtfertige, leichtgläubige Vertrauen auf die göttlich versicherte Zuverlässigkeit der Außenwelt kritisch untersucht und bedacht; in eben der Weise dass der Zweifel an die Gültigkeit bestehen bleibt; und umgewandelt wird in die Frage worin diese Gültigkeit denn eigentlich besteht, und wodurch diese Gültigkeit begrenzt wird. Die Kernannahme ist dass von meinen augenblicklichen gegenwärtigen Bewusstsein sich eine Welt in unendliche Zeit und unendlichen Raum erstreckt, muss eben dies, nur eine Annahme bleiben, und nichts weiteres. denn es ist undenkbar, unvorstellbar, dass diese hypothetiche Welt jemals besetzt würde. Sie ist der Entwurf eines eng beschränkten Bewusstseins dessen enge Grenzen erkannt sein wollen. Die Etymologie des Wortes Gegenwart hab ich nicht ermitteln können. Aber der französisch-englische Ausdruck "present", prae esse, vorher sein, sagt sehr viel. present (adj.) c. 1300, "existing at the time," from Old French present "evident, at hand, within reach;" as a noun, "the present time" (11c., Modern French présent) and directly from Latin praesentem (nominative praesens) "present, at hand, in sight; immediate; prompt, instant; contemporary," from present participle of præesse "be before (someone or something), be at hand," from prae- "before" (see pre-) + esse "to be" (from PIE root *es- "to be"). Meaning "being there" is from mid-14c. in English. As a grammatical tense, recorded from late 14c. gegenwart bis gegenwehr (Bd. 5, Sp. 2281 bis 2300) gegenwart, f. gegenwärtig gegenwärtigen gegenwärtigkeit, f. gegenwärtiglich gegenwarts, adv. gegenwechsel, m. gegenwechselbrief, m. gegenweg, m. gegenwehen gegenwehr, f. gegenwehrlich, adj. gegenweisung, f. gegenwendung, f. subst. gegenwerfung, f. gegenwerk, n. gegenwert, m. gegenwert, f. gegenwesen, n. gegenwesenlich gegenwetter, n. gegenwille, m. gegenwillig, adj. gegenwind, m. gegenwinkel, m. gegenwinken gegenwirken gegenwirken, n. gegenwirksam gegenwirksamkeit, f. gegenwirkung, f. gegenwirte gegenwirtig gegenwohner, m. gegenwort, n. gegenwunsch, m. gegenwünschen gegenwurf, m. gegenwürflich, adj. gegenwurt gegenwürtig gegenzärtlichkeit, f. gegenzätte gegenzauber, m. gegenzeichen, n. gegenzeichnen gegenzeichnung, f. gegenzettel, f. m. gegenzeuge, m. gegenzeugnis, n. gegenzinne, f. gegenzug, m. gegenzusage, f. [Bd. 5, Sp. 2281] Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwart, f. praesentia, ein vielfach merkwürdiges wort. I. Geschichte, nebenformen, entstehung. 1) a) ahd. nur ein adj. geginwart praesens, auch gagenwarti promptus Graff 1, 1008, kakanwarti Hattemer 1, 56b, nachher gagenwerte u. ä. (s. dazu 5, b, β); ebenso alts. geginward und geginwerd adj., altn. gagnvart und gagnvert, doch hier nur als adv., in der bedeutung gegenüber, vielleicht in einer vermischung mit vart als adv. zu varr genau u. ä.; ags., goth. fehlend (vgl. 5, a), sodasz man für das altn. deutschen einflusz vermuten darf. die bedeutung gegenüber gibt aber den ursprüngl. begriff genau: in meinem gesichtskreis gegen mich gekehrt oder gegen mich herkommend, d. h. wie gegen, ahd. gagan eigentlich selbst schon (s. sp. 2203 fg.), sodasz geginwart, gaganwart wie eine verdeutlichende ausmalung des einfachen wortes aussieht (vgl. II, 2, c), mittelst wart, d. h. gewendet, versus; vgl. die spätere verstärkung von gegen durch nachgebrachtes wart, wert sp. 2215, z. b. mhd. gegen dem mere wart, nhd. gen dem meer werts (vgl. DWB gegenwarts), was denn eigentlich mit dem ahd. geginwart zusammenfällt, da auch diesz zugleich eine bewegung bezeichnete, wie noch gegenwärtig (s. d. II, 1, a, vgl. hier II, 1). b) das adj. auch noch mhd. einzeln, noch im 14. jh.: sô daʒ weip (der viper) niht gegenwart ist, sô suocht si der man. Megenberg 286, 12; auch mit dativ: daʒ er allen den gegenwart sî (prope sit). Kelle spec. eccl. 20, d. h. wie noch heute gegenwärtig und wie das ahd. und altn. wort, es ist derselbe dativ, den gegen selber ursprünglich bei sich hat. auch mnd. jegenwart adj.: is he aver dâr nicht jegenwart, den de hêre degedingen wil. richtst. lehnr. 7, 4 (Hom. II, 1, 421), in der md. übers. nicht geinwertig. c) bedeutsame nebenformen gegen wert und gegen wurt, jenes z. b. in md. keinwert (vgl. 5, b): nochdemmole .. N. mit irer (der klägerin) volbort und sy keinwert sich mit im vorpfendet und vorlobt ... Magd. fragen s. 79 var., d. h. selbst vor gericht anwesend; andere hss. haben keinwort (oder keinwortig, kegenwertig). letzteres mit echterem vocal md. jegenwurt adj. Lexer nachtr. 184; mnd. jegenwort, s. bei Sch. u. L. 2, 406a, 5 an dessen kegenworden brêf (gehängt, das siegel). auch das zweite nhd. gegenwert u. 2, b kann adj. sein. beide nebenformen werden sich auch mhd. finden, wie sie ahd. bezeugt sind, gaganwurt (oder -wurti) in gaganwurter obvius Virg. georg. 4, 24 Graff 1, 1008 und gaganwert Schm. 4, 161, d. h. von gaganwerti unterschieden, mit anderm e, s. unter 5, b, β. 2) ursprünglich auch ein subst. m., der gegenwart gegner, wie sonst widerwart (widerwarte), woher unser widerwärtig; md.: daʒ er nicht underbrêche deme gegenwarte sîne wort. pass. K. 73, 89, in einer disputation. so wol nd. jegenwerd gegner vor gericht, s. Homeyer richtsteig landr. s. 166, wo für (sime) jegenere eine hs. ieghenuerde hat. seltsam spät nhd. bei einem Schweizer: praevaricatio, heimlicher verstand (einverständnis) mit der gegenwarth. Denzler 1, 840b, gegenpartei; es musz ausdeutung von gegenpart sein, die aber selber doch ein nachleben jenes alten gegenwart gegner bezeugen kann; vgl. II, 2, a. 3) die gegenwart dagegen ist ursprünglich und lange eine fragliche form, in den wbb. zu rasch angesetzt. a) so ahd. gaganwart bei Graff 1, 1008 (auch Schm. 4, 161), aber die zeugnisse geben nur gagenwertî, geginwertî f. praesentia, d. h. begriffliche substantivbildung zum adj. geginwart (s. 1), z. b.: ába déro éinvaltun gágenwerti (so), ex simplicitate praesentiae. Boeth. 280 (262); dô géretôst tû énes kágenwérti, dísses ábwérti, illius praesentiam, huius absentiam desiderabas. 109 (118), gleichsam gegenwärtigkeit und abwärtigkeit; im nom.: thiu mîn (Christi) geginwertî. Otfr. V, 16, 26 (s. II, 3, b). daher denn mhd. gegenwerte, das in den wbb. als nom. angesetzt sein müszte, das gegenwart im mhd. wb. 3, 599b fuszt nur auf der stelle bei Diemer 3, 9, wo vielmehr gagenwurt steht (s. 4); Alem. 3, 105, woraus Lexer nachtr. 180 gegenwart angibt, steht vielmehr von sîner lîplichen gegenwerti. md. geinwerte: in sîn (des gegners) geinwerte. Ssp. II, 3, 1, nd. in sîne jegenwarde (s. unter II, 2, a), aber auch jegenwerde II, 2, c. b) daher noch im 16. jh. auch gegenwert: wer nun bawen will, der musz .. zubusz anlegen und wochentlich inn gegenwert seines steigers ... sein anschnitt halten (d. h. rechnung, auf dem kerbholz). Mathesius Sar. 64b (6. pred.), wie mhd. engegenwerte; ob ein jeder seinen nachbar und hausgenosz zur stelle und gegenwert vor handen habe oder nicht. dreyding A iij (vgl. Haltaus 245), worin doch auch ein adj. gegenwert vorliegen könnte (s. 1). [Bd. 5, Sp. 2282] c) nhd. gegenwart aber ist lange nicht zu finden, seinen platz hat vielmehr gegenwärtigkeit (s. d.), das an die stelle des ahd. geginwertî getreten ist; so haben noch jetzt die Niederländer blosz tegenwoordigheid. die einfache form finde ich in den wbb. nicht früher als im 17. jahrh.: gegenwart, gegenwärtigkeit, angesicht, conspectus, praesentia. Henisch 1423, 34; in gegenwart, coram et sub oculis. Schönsleder S 8b. doch hat sie schon im 16. jh. Fischart bien. 230a, Garg. 188a (s. unter II, 4, a. b). es musz sich allmälich an die stelle des schleppenden gegenwertigkeit gesetzt haben. d) dagegen mnd. neben jegenwerde auch jegenwarde, d. h. wol auf ein alts. geginwardî weisend, d. h. eigentlich gegenwärtigkeit: beklaget man ênen man in sîne jegenwarde. Ssp. II, 3, 1 u. ö. (vergl. u. II, 2, a); der richter sal to jegenwarde sîn up den stûl, s. Sch. u. L. 2, 406a, vergl. jegenwardich das., ohne umlaut. das yegenwart ebenda musz wol spätere form sein, mit abgestosznem -e, bose yegenwart, malus occursus aus einer nd. bibel 1 kön. 5, 4 (böse hindernis Luther). e) entsprechend doch auch oberd. schon im 14. jh., d. h. in einer übersetzung aus dem nd.: der richter machet vride jenem der dâ (so l.) chlaget und niht dem, den man ze seiner gagenwarte vur ladet hât. spieg. deutscher leute landr. 216, nach an sîne jegenwarde Ssp. III, 13; swem man sein gt vertailet in seiner gegenwarte. lehnr. 127; die gewette, die auf ihn ertailet sint ân seine gegenwarte. 142, nd. âne sîne jegenwarde 51 (auch in der md. übers. bei Homeyer jegenwarde s. 223. 231). s. auch gegenwartich im Deutschensp. lehnr. 193 (s. 176), daneben zgegenwurtich 64, 4 (158). da ist denn nd. einflusz auszer zweifel, dem freilich die bair. neigung, unter umständen auf unumgelautetem a zu verharren, entgegen kommen mochte, also gagenwarte gleich ahd. gaganwartî (vergl. gagenwartîg Graff 1, 1010). wegen gegenwart s. übrigens noch unter 6 antwart, auch folg. 4) dafür erscheint hd. gegenwurt u. ä. schon im 16. jahrh., ja schon mhd. a) nhd.: uf derselben prugkn vordert der kaiser all sein fürsten .. schlueg also in gegenwurt der babstlichen heilikhait ritter. Wilw. v. Schaumb. 9; da man in gegenwurt von allerlei handeln wird. Luther br. 4, 642, d. h. persönlich, mündlich, nicht blosz brieflich; daʒ in gegenburt (so) aller menschen ganz menschlich geschlächt miteinander geurtailt werde. Berth. v. Chiemsee t. theol. 100, 12 (bair. mit b für w), d. h. alle menschen als betheiligte, s. II, 2. 3. mhd. (s. die wbb.) z. b.: dô geschuof er (gott) zehen chôre .. daʒ si in sîne gagenwurt (vgl. II, 2, a) hêten (hielten) himelischeʒ lob. Diemer ged. 3, 9; vertrîbe, hêrre, si von der gagenwrte mîner riuwe. 380, 16 (w oder uu gleich uuu). dazu gegenwürtig, auch nhd. noch lange in geltung (auch gegenwürtigkeit), wie schon mhd. gegenwürtic, ahd. gagenwurtîg. b) auch gegenwürt f., d. i. gegenwürte: wo er (ein freier) fand ein züchtig magt, von deren eltern (so l.) niemant clagt, die da waren erber leüt in gegenwürt und lange zeit (seit lange) .. Murner schelmenz. e 1a (55, 12). dasselbe ist gegenwurte, z. b. in der Zimmerischen chron., blosz mit unbezeichnetem umlaut, wie z. b. in Wurtemberg das.: in gegenwurte der ganzen versamlung macht er seine bossen. I, 390, 8; in gegenwurte und beisein des herzogen. 508, 7; do erschrack der pfaff so übel ob seiner (des grafen) gegenwurte (in der predigt). III, 150, 19 u. ö. c) so mhd. gegenwürte, geinwürte f., z. b.: die giengen ouch ze lôʒe ze sîner (des herzogs) gegenwürte, welher im antwürte u. s. w. Trist. 5961 (151, 3); daʒ man si her besende z'unser aller gagenwürte (: antwürte). 15419 (388, 34). meist ohne bezeichneten umlaut, auch md. geinwurte, kegenworte: den man an sîne (des richters) geinwurte vorladet. Ssp. III, 13 (nd. an sîne jegenwarde); das der richter selbir dôr zu kegenworte sy. Kulm. recht 2, 13. 5, 29. ahd. gaganwurtî neben gaganwertî, und auch kakanwirtî Graff 1, 1009. d) auch im 16. jahrh. zwar gegenwirte, schwäb.: haben sy .. im (dem herzog) die stat yberantwurt und aufgeben in gegenwirte aller reysingen, die dem bund zgeherig sind gewesen. Baumann qu. zur g. des bauernkr. in Oberschw. 616; wie gegenwirtig das., gegenwirtigkait 622. 624; doch wird das i nur [Bd. 5, Sp. 2283] ü meinen, wie in Minchen, Tibingen, geschitz ebenda. von echtem altem i s. 5, b, α. e) nd. entspricht gegenwort f. (nicht bei Sch. u. L.): dat ik hir .. queme in den hof in juwe jegenwort openbare. Rein. vos 4335, Reineke vor den könig. auch mnl. te jegenworde staen, ten jegenworde (also n.), s. Oudem. 3, 261. 260. vergl. md. kegenworte u. c. 5) weitere aufklärung über die formen wie über das wort überhaupt bietet glücklich eine ältere schwesterbildung mit gleicher manigfaltigkeit. a) goth. hiesz es andvairþs adj., gegenwärtig, mit adv. andvairþis gegenüber (vergl. DWB gegenwarts), subst. andvairþi n. gegenwart, d. h. mit and- gleich dem gegen-, womit gegenwart u. s. w. als jüngere umbildung an jenes stelle getreten ist, als das and- nicht mehr deutlich genug war, wie z. b. auch im ahd. geginsacho widersacher neben alts. andsaco, ags. andsaca (s. DWB gegensacher). das alte galt aber noch voll im ags. und altn. (denen gegenwart bis auf die spur u. 1, a fehlt), im altn. öndverðr, mir zugekehrt, entgegengekehrt, mit anderm vocal ags. andweard zugekehrt, gegenwärtig (s. b). beide aber, die alte und die jüngere bildung, begegnen sich auf deutschem boden, wo die zweite entsprosz; denn wie im Hel. neben dem doch schon vorwiegenden geginward adj. auch noch andward gegenwärtig einzeln erscheint, so ahd. anfangs noch antwart praesens Graff 1, 1001, Schm. 4, 161 (s. auch b, β), ja noch nhd. in antworten, überantworten, d. h. eigentlich in gegenwart, von hand zu hand oder vis-à-vis, nicht durch boten, übergeben, das nur dann, im sprachgefühl vereinsamt, zu antwort hinübertrat (auch bei J. Grimm oben I, 510), s. dazu II, 2, b, auch antwordes adv., in gegenwart, unter gegenwarts. b) der vocal des zweiten theils zeigt aber über das goth. hinaus die vollste entwickelung im ablaut, in beiden bildungen. α) dem goth andvairþi (mit aí für i) entsprechend noch im 12. jh. bei uns antwirt f., es heiszt von den im glaubenskampfe gefallenen helden, welche ze himele sint gestigen .. ze gotes antwirt sint si vil grôʒe. Rol. 284, 3. vor gottes antlitz, an seinem throne; die form ist merkwürdig alterthümlich (Bartsch schreibt antwirte, vergl. unter 6). sonst dauerte das ursprüngliche i nur, wenn es an einem folgenden i eine stütze hatte, so im alts. geginwirdî f., ahd. kakanwirdî, auch gaganwirda (Schm. 4, 161), vergl. noch mhd. gegenwirtikeit wb. 3, 600b, 26, antwirten Lexer nachtr. 29; doch kann später da i auch für ü stehen, wie nhd. u. 4, d. aber echt ist doch noch gegenwirtig, gegenwirtigkeit Maaler 163a. β) meist erscheint das ursprüngliche i als gebrochnes ë, wie im altn. öndverðr, so in den ahd. nebenformen antwert oder antwerdi praesens (denkm. LVI, 17), vergl. antwerdîn praesentia Isid., dann in gaganwert Schm. 4, 161, wie alts. geginwerd, altn. gagnvert (s. 1, a), md. keinwert (1, c); in den formen mit endendem -i (z. b. 3, a) mischt sich das für uns freilich mit den auf -wart zurückgehenden. aber das ë lebt heute noch in vorwärts, hinterwärts u. s. w., nur fälschlich zu a hinübergezogen (vergl. gegenwarts). γ) gegen andvairþs, antwirt, gegenwirtic stehen aber ahd. antwart und antwurt, geginwart und gaganwurt adj. (mhd. gegenwertic und gegenwürtic), auch im subst. bei Williram neben antwert sowol antwart als antwurt (vergl. 6); alts. nur andward, geginward adj., ags. nur andweard. ebenso in einer dritten schwesterbildung: ahd. neben widarwert contrarius (mit ë aus i) widarwart und widarwurt, bezeugt wenigstens widarwurtîg, vgl. widarworto adversarius Tat. 27, 2; alts. nur wiðerward und wiðerword, ags. nur wiðerweard, goth. viþravairþs, gegenüberliegend, stehend u. ä. man sieht, wie die drei bildungen mit ant- gagan- und widar- sich neben und an einander entwickelt haben, auch in der bed. von éinem sinnlichen punkte aus, während uns jetzt freilich gegenwärtig und widerwärtig weit aus einander gehen. c) dasz das wirt, wart, wurt auf werdan fieri zurückgehe (Schm. 4, 161), ist mir recht wahrscheinlich, bedürfte aber besonderer, weiter greifender untersuchung; werden müszte dann ursprünglich auch die bed. herankommen gehabt haben, eigentlich in meinem gesichtskreise gröszer werden, gleichsam wachsen (vergl. sp. 1890 m., auch u. g das.). auch müszten sich gaganwart u. s. w. schon früh im sprachgefühl von werdan gelöst haben, nach der verschiedenen lautstufe des auslauts, die doch im goth. andvairþs und vairþan noch eine ist, im ags. weorðan und weard schon nicht mehr. man konnte dabei an ahd. wartên blicken denken, [Bd. 5, Sp. 2284] alts. wardôn, da die gegenwart auch als ein entgegenblicken gedacht war (s. II, 3, c); so begriffe sich auch umgekehrt anawurte speculator Graff 1, 1000 neben anawartên spectare 952. 6) auch die endbildung erheischte genauere prüfung. das adj. zeigt hd. von haus aus doppelte bildung, geginwart und gagenwarti (-werte), ebenso antwurti praesens und gewiss auch antwurt u. s. w. anderseits zeigt aber auch das subst. eine solche doppelheit, denn neben dem gewöhnlichen geginwertî f. heiszt es auch zi geginwert, gegenwärtig Otfr. V, 23, 38, in mînes fater geginwert 7, 58, neben antwurtî auch in gotes antwurt, antwert, antwart Graff 1, 1002, mhd. antwirt 5, b, α, gagenwurt 4, a (neben gegenwürte), was denn dem fraglichen gegenwart u. 3 doch eine genügende stütze gibt. woher aber diese stumpfe, eig. unbezeichnete begriffliche substantivbildung, die bei einem n. begreiflich wäre (als n. des adj.) wenigstens im nom. und acc., aber beim f.? es scheint, als wäre das wort durch massenhaften gebrauch sehr früh auf den weg der gleichgültigkeit gegen die endung gekommen, der in der entwickelung der sprachen immer breiter wird, als schmaler pfad aber sehr früh beginnt. 7) hand in hand damit geht, wie es scheint, ein schwanken in bezug auf die wortgattung. a) so konnte oder muszte das adj. unter umständen den schein eines adv. annehmen, schon ags. z. b. in andweard standan, sittan (mit dat. der person), gegenüber sitzen, mehr noch in andweard cuman (gleichsam coram venire) Andr. 783; alts. ähnlich in andward standan Hel. 121. 3795, geginward sittian (mit dat.) 1287, thie hier geginward stêd 5617. das altn. gagnvart wird durchaus nur noch als adv. behandelt (s. 1, a), z. b. sitja gagnvart einum. entschieden als adv. im 15. jahrh. md. keginwert, inpresenciarum Dief. 217a, schon im 13. jahrh. gagenwurt Leyser pred. 6, 23, von der zeit, s. II, 7. b) gerade hd. bleibt sonst das adj. auch da deutlich, wenigstens ahd., z. b. geginwerte stân, von einer mehrheit Otfr. IV, 17, 18 (vergl. mhd. u. 1, b), und die starke kürzung von wart, wert, die z. b. in widarort und widarert, rückwärts, erscheint (Graff 1, 640) und den übergang in das adv. entscheidet, zeigt sich nicht bei geginwart. aber auszerdem hat -wart und -wert diese herabsetzung reichlich erfahren in anawert künftig, inwert intus, ûzwert, afterwert u. a., obwol adjectivische adverbialbildung meist daneben geht, wie afterwartes, ûʒwertes (vergl. DWB gegenwarts). die entstehung scheint doch dieselbe wie beim lat. versus, adversus als praep., eigentlich doch wol das erstarrte part., also wie u. a. c) aber auch das subst. erscheint doch in mischung mit dem adj.; merkwürdig z. b. im 16. jahrh.; hat auch ofentlich in gegenwertig viler prelaten .. gesagt. Fischart bien. 208b (6, 3), in der ausg. 1588 gebessert in gegenwart 230a, wie bei Marnix in tegenwoordicheydt 222b. aber ähnlich ist z. b. on gefehrlich sp. 2083: (dasz du) dissen geschwornen urpheiden stet und vest halten wollest .. treulich und ohne geferlich. Michelsen rechtsd. 499, in mischung mit mhd. âne geværde u. ä., s. sp. 2076. so stehen sich im gebrauch ganz gleich schon mhd. ze gegenwerte und zegegene, engegenwert und engegene, s. II, 2, c. vergl. übrigens u. gegenwärtig II, 2, b dieses mit dem gen. der person. 8) für gegen- findet sich aber auch entgegen oder dessen nebenformen, wenn auch nicht in dem einfachen worte wie es scheint; aber nrh. entgenwordicheide Haupt 10, 40. 43, Germ. 6, 156, untgainwordig sp. 2200 (β), nd. unjegenwardich Hom. richtst. landr. s. 299 var.; in reiner gestalt auch mhd. engegenwertic oder -würtic (vergl. oben III, 538), und engegenwert, eigentlich in gegenwerte, ist darnach gewiss auch als engegen-wert aufgefaszt worden. im md. entspricht kegenwertig (noch nhd.), keinwertig u. ä., auch einfach keinwert, kegenworte u. ä. (1, c. 4, c), da kegen aus entgegen entstanden ist (sp. 2199). II. Bedeutung und gebrauch. 1) die ursprüngliche bed. eines feindlichen entgegenstehens, die uns in widerwärtig noch anklingt, in mhd. zeit auch in gegenwart m. gegner vertreten (I, 2), zeigt sich in dem begrifflichen subst. nd. in dem bose yegenwart für malus occursus I, 3, d, eigentlich was mir feindlich entgegentritt; man sehe dazu gegen in seiner entstehung sp. 2203 fg. 2208. dasz ursprünglich auch bewegung mitgedacht sein konnte, zeigt z. b. ahd. gaganwerter obvius Graff 1, 1008, vergl. I, 1, a. in das kampfleben aber unmittelbar führt noch ags. andweard adj. im Beow. 1288, vom schwerte gegenüber dem eber auf dem helme des gegners, den es zerhaut (andweard scireð). s. bes. auch gegenwärtig II, 1, a. 2) von da mag es zunächst in den gebrauch vor gericht übergegangen sein. [Bd. 5, Sp. 2285] a) wie da die gegner gegen einander handeln, reden (s. sp. 2218), so hiesz diesz entgegenstehen beider ihre gegenwart, im Sachsensp.: beclaget man einen man in sîn geinwerte umbe eigen. II, 3, 1, nd. in sîne jegenwarde; swer sô ungerichte claget ûf einen der dâ nicht zu geinwerte enist. II, 8, nd. to jegenwarde; vgl. das merkwürdige gegenwart für die gegenpartei selber unter I, 2 (und dazu 5, b). jener acc. bei in in diesem falle ist die regel, auch hd. (vergl. sp. 2202 unten), s. in sîne gagenwurt I, 4, a, nd. auch an sîne jegenwerde u. c; weme der richter wett kundigit in syne keinwertikeit. Michelsen rechtsd. aus Thür. 215; beclagte in der richter .. in sein antwort. Magd. fragen s. 216. b) gerade im rechtsleben ist nämlich im 13. 14. jh. das ältere antwerte daneben noch geläufig (s. I, 5, a. b, γ), z. b.: swen man vor gerichte schuldiget in sîn antwerte (acc.). Ssp. II, 45, nd. in sîn antwerde; in sîn antworte. II, 3, überschr.; ebenso zu antwerte, antwurte gegenwärtig. da aber vor gericht das antworten, gegenreden die hauptsache war, ist es begreiflich dasz sich die begriffe gegenwart und antwort verflochten, da zumal auch das erste die form mit u (o) hatte, s. DWB I, 4. 5, c; die mischung ist so völlig, dasz auch die form mit e (eigentlich i) vom antworten gebraucht war, z. b. sik antwerdes weren von einem beklagten, der nicht antwerden will. Ssp. III, 30 (md. antwurte gen., antwurten); lebt sie doch noch in unserm deutsch in überantworten (s. I, 5, a a. e.). ja das auffallende fem. von unserm antwort (s. d.) mag sich eben aus dieser mischung herschreiben. selbst gegen und ant gehäuft findet sich, aus einer md. hs. des Ssp. bringt Homeyer im reg. unter antwort bei zu geginantworte, gemeint wol: als gegenwärtig zur verantwortung, vergl. iegenwardich tur antwerde richtst. landr. 47, 2. c) besonders das ze gegenwerte, schon ahd. zi gagenwertî u. ä., auch in gegenwerte u. ä. waren so in täglichem abstumpfendem gebrauch, besonders eben vor gericht, als gewichtige formel, dasz sie mit dem älteren einfacheren zegegene, engegene u. ä. eigentlich zusammenfielen, wie sie denn auch damit tauschen; z. b. im lehnrecht des Ssp. 59, 2 beklaget an sîne jegenwerde (in der md. übersetzung in sîne jegenwarde) Hom. II, 1, 246 wird im Deutschensp. § 165 übersetzt dâ er niht engagen ist, daher im Schwabenspiegel 221 W. dâ er niht ingegne oder zegegen ist Wackern. s. 214. war doch gegene, gagen ursprünglich eben selbst ein subst. in gleicher bed., s. sp. 2202 (3, a) bair. ze des richters gagen, auch pluralisch ze unsern gagen, wie sonst ze unser gegenwürte u. ä. ebenso decken sich unter umständen mhd. engegen und engegenwert, diesz wie blosz eine verstärkung von jenem (vgl. I, 1, a), auch zwischen subst. und adv. schwankend. für den begriff ist zu beachten, dasz die 'gegenwart' sich nicht auf unbetheiligtes zusehen bezieht, woran wir da leicht denken, sondern die vollste, wesentlichste betheiligung einschlieszt, s. bes. vom jüngsten gericht in gegenwurt aller menschen u. I, 4, a. 3) dann aber gegenwart des richters, auch des königs, des herrn überhaupt, auch gottes, als gewichtiger ausdruck, d. h. eig. nicht seine blosze anwesenheit, wie es uns begrifflich einschrumpft, sondern zugleich der bereich der lebendigen wirkung seiner person und gewalt, sodasz es eig. zugleich mit gegend zusammenfällt, s. sp. 2202 in ursprünglicher form gaganî und noch um 1500 'in gegen des pabstes', in praesentia. a) gewöhnlich auch mit zu oder in: der richter, der dô zu richtene sitzet .. darf (braucht) dô nicht antworten (auf klage) in sînes selbes gerichte, is ensî denne das der (oberste) richter selbir dôr zu kegenworte sî, der obir in richten moge. Kulm. recht II, 13; vergl. Ssp. I, 58, 2, wonach jedes richters, auch des grafen richterliche gewalt endet, dâ der küng zu antwerte ist (auf den sie dann übergeht). so vom herrn, landesherrn überhaupt, der eben wesentlich als richter gedacht war, s. mhd. ze sîner (des herzogs) gegenwürte gân I, 4, c, d. h. um vor ihm zu erscheinen, zu wichtigem verhandeln, von gott selbst (als alleroberstem herrn und richter) s. aus Diemer u. I, 4, a von den himmlischen chören die in sîne gagenwurt sein lob singen, Will. IX, 3, 10 in gotes antwart cumen. dem in oder zu entspricht übrigens auch ital. nella und alla presenza di alcuno. b) aber auch im nom., als subj., ahd. z. b. in dem letzten auftrag Christi an die jünger: gizellet in (den völkern) ouch filu fram,theih selbo hera in worolt quam, thaʒ thiu mîn geginwertîgiweihtî thia iro hertî (härte). Otfr. V, 16, 26, also zugleich: ich selber, mit meiner gegenwärtig wirkenden kraft, gewalt, einflusz. ebenso lat. praesentia, z. b. tanta est praesentia veri Ov. met. 4, 611, auch praesentiae deorum Cic. nat. [Bd. 5, Sp. 2286] d. 2, 66; vergl.gegenwarten pl. bei Göthe u. 5, d. auch ahd. der pl., doch nicht von mehreren, von Christus und seiner hinfahrt: sîd sîno geginwertîer nam fon iro henti (ihnen entrückte). Otfr. V, 12, 64; vgl. DWB ze unsern gagen sp. 2202 (3, a), das darin eine stütze findet. schon goth. andvairþi geradezu für die person selber: untê andvairþi is vas gaggandô du Jairusalêm. Luc. 9, 53, τὸ πρόσωπον αὐτοῦ, d. h. Christus. und wie hier bei Otfried, so noch bei Göthe u. a., s. 5, b. c. c) daher auch für angesicht, weil ja in und aus dem blicke die gewalt hauptsächlich wirkt; a facie irae tuae (gottes) übers. Notk. 37, 4 fona dero gagenwertî dînes zornes, in conspectu hominum 30, 20 in dero menniscon gagenwertî, s. öfter bei Graff 1, 1009 für facies, conspectus. im 12. jahrh. tauscht in unser antwurte in einer andern hs. mit ze unsir gesihte Diemer gen. 2, 80a. 1, 91, 30. goth. andvairþi aber stand auch für das gesicht selbst, wenn die peiniger Christi gesicht verhüllen, d. h. seinen blick: jah dugunnun sumai speivan ana vlit is (sein antlitz) jah huljan andvairþi is. Marc. 14, 65. vergl. noch im 17. jahrh. Henisch, Schönl. unter I, 3, c, auch den äuszeren anklang von warten blicken I, 5, c. d) aber auch von dingen heiszt es, schon im 14. jahrh., z. b. von gestohlenem gute, über das gerichtet wird: ist daʒ gût nicht dô zu kegenworte. Kulm. recht 5, 29, es wird aber eigentlich gedacht sein in der gegenwart des richters oder gerichtes, im gesichtskreise. vergl. gegenwärtig 3, d. e. 4) nhd., anfangs noch mit den alten formen. a) auch nhd. noch lange mit der alten kraft: indess fiel ein der reichstag zu Trier .. dahin sagt der kaiser ein tag an .. da warden baide thail in gegenwurte und beisein ir majestat, etlicher der furnemsten chur und fursten und sonst etlicher stende des reichs gegen ainander verhört. Zimm. chr. II, 300, 14, wie in gegenwurte und beisein des herzogen I, 508, 7, vergl. vorhin I, 4, b. der gewichtige ausdruck geht dann auch auf allerlei andere verhältnisse über, wo die gegenwart eines höheren einem vorgange wert und gewicht gibt o. ä., s. z. b. I, 3, b wie der bergmann in gegenwert seines steigers wöchentliche rechnung legen musz, I, 4, d wie eine stadt übergeben wird in gegenwirte aller reisigen des bundesheeres, d. h. des adels, der ritterschaft u. ä., als zeugen, zur bestätigung; von einem pabste: hat auch offentlich in gegenwart vieler prelaten und anderer ehrlichen leuten gesagt, das nach diesem leben kein ander leben zuverhoffen sei. Fischart bien. 1588 230a; liesz dieser (der neu eingeführte bürgermeister), alteingeführten gebrauch nach, alsobald eine klagsache vor sich bringen ... und diese sache muste er in gegenwart der ganzen bürgerschaft ... auflösen und verabschieden. Riemer pol. maul. c. 143. so noch jetzt es ist in meiner gegenwart (me teste Weber 332a), in gegenwart vieler zeugen geschehen, eine ausstellung wird eröffnet in gegenwart des königs, des hofes u. ä.; die fügung mit zu aber ist erloschen, während sie eigentlich in zugegen fortlebt (s. 2, b). auch dasz es sich dabei um etwas wichtiges handelt, lebt noch im gefühl, denn nur dann sagt man z. b. meine gegenwart wird wol nicht nötig sein u. ä., kräftiger als meine anwesenheit, das doch beliebter ist. b) daher auch als höfliches, eigentlich höfisches wort: ferner giengen sie publicas lectiones zuhören, die solen (solennen) actus mit irer gegenwart zuehren. Garg. 188a (Sch. 347), ganz wie jetzt noch der könig eine aufführung u. ä. durch seine gegenwart ehrt; ei herr Palladi, er (anrede) eile doch nicht so heftig! befiehlet er sich in meine gunst, und will mir seine gegenwart nicht einen augenblick vergönnen! A. Gryph. 1, 778 (Horrib. 27 Br.); in dem ich verliere, sc. meine vorige gesellschaft, gewin ich euer längst gewünschte gegenwart, und in dem ich eure gegenwart gewinne, verliere ich meine libertet. Schuppius 550; es wäre fast die ganze compagnie beisammen und trüge verlangen ihrer gegenwart theilhaftig zu sein. Chr. Weise pol. redner 357, in der complimentiercomödie; ich hätte freilich gewündschet seiner (anrede) hochgeschätzten gegenwart zu genieszen. 350; ihre höchstverlangte gegenwart. 347; dasz ich mein logiament numehr vor glückselig halte wegen der gegenwart eines so vornehmen freundes. 391 u. o. (auch seine höchstgeschätzte anwesenheit gönnen 391); aber auch bescheiden höflich von sich selbst: wo vornehme personen den glanz ihrer vortreflichkeit auf einen saal zusammen bringen, da pflege ich meine dienstbare gegenwart gern mit einzumischen. 360, im munde des lächerlichen complimentierrathes, [Bd. 5, Sp. 2287] zugleich zu 5, b, wie meine wenigkeit, kleinigkeit. noch im 18. jahrh. z. b. seine gegenwart schenken, gegenwärtig sein, präsidiren Weber 332a, und noch jetzt in nachklängen. c) ausgeschieden ist aber jetzt manche wendung noch des 17. 18. jahrh., z. b.: wie glückhaft war ich doch zu jener zeit zu schätzen, da ich in gegenwart sie kunte binden an. Fleming 184 (Lapp. 218), in eigner person, in persönlicher nähe, nicht aus der ferne wie an diesem geburtstage, mhd. war engegenwert ebenso brauchbar; noch im 18. jahrh., von dingen (s. 3. d): was von kleidern in gegenwart war, ergriff er. Steinbach 2, 934. in einem hochzeitgedichte aus der ferne: dieses lied das soll den willen meiner gegenwart erfüllen. Fleming 393 (Lappenb. 306, 36), meinen wunsch selbst zugegen zu sein, soll mich vertreten. bemerkenswert auch in der gegenwart gottes leben, viver nella (alla) presenza di dio. M. Krämer 516a; in gegenwart gottes praesente deo ac propitio Aler 865b, sodasz er wolwollend herblickend gedacht war. hübsch für gegenseitige, beiderseitige nähe, von liebenden (vgl. gegeneinander a. e., gegen- für beiderseitig): an mitteln mangelt' es uns damals auch nicht eben, die lieb' und gegenlieb uns zu verstehn zu geben. es endte sich hernach zwar unsre gegenwart, die herzen blieben doch allzeit verbunden hart (wie mhd.). Werder Ariost XIII, 8, 7. ähnlich franz. être en présence, face à face, z. b. von feinden, zum kampf bereit, gleichsam einander in gegenwart; vergl. unter 6, a. d a. e. 5) selbst der begriff hat sich erst seit vorigem jahrh. wesentlich verändert. a) wenn wir es uns nur als anwesenheit denken, zum kahlsten begriffe des dabeiseins eingeschrumpft, so gibt es noch Adelung zugleich als den bereich den ein anwesender um sich hat, mit einschlusz der von ihm ausgehenden wirkung, oder, wie er sich schulphilosophisch ausdrückt, »der zustand, da man durch seine eigne substanz ohne moralische mittelursachen, ja ohne alle werkzeuge an einem orte wirken kann, die anwesenheit«, mit einer wendung als beispiel, die uns jetzt auszer dem zusammenhange geradezu unverständlich wäre: sollte ich ihnen wegen einiger unbedeutenden worte meine gegenwart verbieten? denn wir könnten jetzt höchstens einem andern seine gegenwart verbieten, wie sie verlangt wird: ursachen .. die alle ihre gegenwart zu verlangen scheinen. Gellert 4, 130. wir können noch sagen entziehen sie mir nicht ihre gegenwart, aber nicht mehr entziehen sie sich nicht meiner gegenwart. aber eben jenes ist der alte begriff, noch damals allen geläufig, auch Göthe und Schiller: eines gegenwart meiden, aspectum praesentiamque alicujus vitare. Weber 332a; also macht der poet die unsichtbaren engel für das menschliche gesicht gerecht, indem er .. sie aus ihrer entfernung näher in unsere gegenwart zur stelle führt. Bodmer wunderb. 34, in unsere nähe müszten wir sagen, wie man einen aus seiner nähe verweist u. ä.; wenn wir, beleidigt, den gegenstand unsrer liebe zu verlassen bei uns sehr eifrig festsetzen, mit welchen verzerrungen von seelenstärke treten wir wieder in seine gegenwart. Göthe 10, 147 (Stella 2), vergl. s. 145 ihre gegenwart überrascht mich, was denn auch als mehr gemeint ist als wir es nun verstehen: dasz sie auch da sind (s. b); sie ist mir heilig. alle begier schweigt in ihrer gegenwart. Werther 67 (d. j. G. 3, 274); und fühle die gegenwart des allmächtigen .. das wehen des alliebenden. 9 (236); so ganz im alten gebrauch des königs gegenwart: und, war es möglich? dieser mensch (Posa) entzog sich meiner gegenwart bis jetzt? Schiller Carlos 3, 5. da ist denn meine gegenwart noch wie ein ruhender kreis gedacht, in den anderes hereintritt, wie bei Bodmer vorhin und im folg.: alle liebe bezieht sich auf gegenwart u. s. w. (s. b, c). hieraus folgt, dasz wir alles lieben können, was zu unserer gegenwart gelangen kann. Göthe 49, 18, das zu wie in zugegen, während in sinnlich deutlicher ist. jetzt ist meine gegenwart nur noch sagbar, wenn wir uns selber anders wohin kommend denken, der kreis aber wird nicht mehr mitgedacht. s. besonders auch Sturz unter e. b) daher auch von der person selbst in ihrer erscheinung und unmittelbaren wirkung, im 17. jahrh. wie noch bei Göthe (im 16. jahrh. gegenwärtigkeit, s. d.) und jetzt doch ganz vergessen: erregte er (Jupiter) ein sanftes donnern, die gesampte götterschaar dardurch zu versammeln .. als nun deren ansehnliche gegenwart erschiene .. Simpl. 4, 160 Kz. (vogeln. 2, 21), aus der [Bd. 5, Sp. 2288] höfischen sprache (vergl. 4, b); o Teutschland, wie wil es dir ergehen? wie wirst du dich so jämmerlich betriegen lassen von denen fremden völkern, welcher kundschaft (umgang) und gegenwart du so sehr liebest! Rist friedew. Teutschl. 52, nicht blosz: dasz sie da sind; wie ein plötzliches und groszes liecht die augen für seinem schimmern nicht sehen läszt, also blendete und verwirrte mir die unverhoffte doch gewündschte gegenwart .. meiner vor diesem liebsten mitgesellen, Nüszlers, Buchners und Venators, herz und sinnen. Opitz 2, 248 (Herc.); ich weisz kein gröszer glück in dieser welt zu hoffen, als seine gegenwart. A. Gryphius 1, 216 (Card. u. C. 3, 6); ich war mit Anngen in der comödie ... ihre gegenwart hat alles andenken an euch wieder aufbrausen gemacht. Göthe an Kestner s. 159; verhülltest du (Iphigenie) in deinen schleier selbst den schuldigen (mich), du birgst ihn nicht vorm blick der immerwachen (rachegöttinnen), und deine gegenwart, du himmlische, drängt sie nur seitwärts und verscheucht sie nicht. werke 9, 51 (Iphig. 3, 1), nicht blosz: deine anwesenheit, sondern mehr dein wesen in gegenwärtiger wirkung, genau nach Adelungs definition oben, vergl. auch sp. 1396 den anklang oder einklang von vorstellungen aus unsrer vorzeit; so hatte doch die gegenwart der ältern freundin so viele reize für dich .. 17, 20 (wahlv. 1, 2), ebenso; auch kann eine seele auf die andere durch blosze stille gegenwart entschieden einwirken. bei Eckerm. 3, 136; ein könig, der unmenschliches verlangt, findt diener gnug, die gegen gnad und lohn den halben fluch der that begierig fassen, doch seine gegenwart bleibt unbefleckt. 9, 82 (Iphig. 5, 3), seine erscheinung, sein bild, er selber. daher vor eines gegenwart, vor ihm in gegenwärtigem stillem wirken seines wesens: engel des himmels! wie vor ihrer gegenwart alles heiter wird, alles frei! Göthe 10, 159 (Stella 3); sie bläst der rache feuer in ihm auf, das vor der mutter heilger gegenwart in sich zurückgebrannt war. 9, 47 (Iphig. 3, 1); schlecht red ich vor so hoher gegenwart. Schlegel k. Richard II. 4, 1, bei Shaksp. in this royal presence, denn das engl. wort wie das franz. und ital. haben denselben gebrauch; auch mit in: ich weisz nicht, welche macht mir kühnheit giebt .. in solcher gegenwart das wort zu führen .. sommernachtstr. 1, 1, engl. in such a presence here, es ist der ganze anwesende hohe kreis gemeint. recht persönlich klingt auch noch: ein solcher feldzug (wie 1813. 14) .. angeführt von der gegenwart und eintracht dreier erhabener monarchen. Hebel 3, 83. das stimmt zum theil noch völlig mit dem ahd. gebrauch u. 3, b, vergl. aus dem 14. jh.: wir Carl v. g. gn. römischer könig .. thun kunt .. das für unser königlich gegenwärdigkeit kommen sein .. weisth. 3, 610, ganz wie engl. our royal presence. c) auch mit adj., die das wesen des gegenwärtigen bezeichnen, wie es von ihm ausstrahlt und auf seinen gegenwärtigen kreis übergeht, wie der mutter heilige gegenwart vorhin: Beireis belebte durch seine heitere gegenwart jedes fest. Göthe 31, 213; sie (Zimmermanns tochter) äuszerte sich selten, in der gegenwart ihres vaters nie. kaum aber war sie einige tage mit meiner mutter allein und hatte die heitere liebevolle gegenwart dieser theilnehmenden frau in sich aufgenommen, als sie sich ihr mit aufgeschlossenem herzen zu füszen warf .. 26, 339 (aus m. l. 15), wie eine belebende luft, die unentbehrliche wendung ist jetzt vergessen und durch nichts ersetzt; seiner gattin beraubt, der lieblichen gegenwart des knaben entfremdet .. 21, 129 (wand. 1, 8); die freigebige natur hatte Schöpflinen ein vortheilhaftes äuszere verliehen, schlanke gestalt, freundliche augen, redseligen mund, eine durchaus angenehme gegenwart. 26, 45 (a. m. l. 11), jetzt etwa erscheinung oder persönlichkeit (die auch engl. presence heiszen), die es doch nicht ersetzen; weiche zurück! hier sind geheimnisse, die deine kühne gegenwart nicht dulden. Schiller 505a (braut von Mess.); ein mann von schöner gestalt und gegenwart. Göthe 34, 119 (Benv. Cell. 1, 8), wie ital., auch z. b. un uomo di poca presenza, vergl. sich gut präsentieren u. ä.; auch, wie erscheinung, vom menschen selber: Eleonore ... ewig wird mir ihr bild gegenwärtig sein: eine schlanke zarte gestalt, eine reine bildung, ein heiteres auge .. im ganzen eine unglaublich angenehme gegenwart. 16, 206 (br. aus d. Schweiz 1). im folgenden spielt [Bd. 5, Sp. 2289] der begriff 6, d mit herein, von der beschädigenden behandlung von L. da Vincis abendmahl in Mailand: späterhin war das bild durch eine neue geschmacklosigkeit verfinsterst, indem man ein landesherrliches wappenbild unter der decke befestigte, welches, Christi scheitel fast berührend, wie die (neue) thüre von unten, so nun auch von oben des herrn gegenwart beengte und entwürdigte. 39, 105. auch so, dasz der träger der gegenwart unbestimmt bleibt: wer mag kommen? rief Lucinde (da ein wagen anfährt). Lucidorn schauderte vor einer fremden gegenwart. 21, 163 (wanderj. 1, 9). d) selbst im plur., erscheinungen: hier begeben sich visionen, geistig-sinnliche gegenwarten treten auf, wie man sie nur von einem andern heiligen .. hätte rühmen können. Göthe 35, 357 (Benv. Cell. anh. XII). vgl. den lat. und ahd. plur. 3, b. s. auch jede gegenwart Göthe u. 6, a. e) auch gegenwart bei abwesenheit, in erweitertem kreise, durch vertretung des einflusses: wir (in Deutschland, im vergleich mit den Franzosen) empfinden nachdrücklich genug die schwere hand unserer beherrscher, die bis an die grenzen ihrer (kleinen) staaten herum reichen und sie durch und durch mit ihrer gegenwart ausfüllen. Sturz 2, 160. 6) ins begriffliche übergehend (und damit endlich zum zeitbegriff, s. 7), etwa gegenwärtigkeit mit voller wirkung des lebens, mit unmittelbarkeit wie man jetzt gern sagt. a) so im anschlusz an 5, im gegensatz zur entfernung: entfernst du dich, so wirst du nichts gewinnen, vielleicht verlieren, was du schon gewannst. die gegenwart ist eine mächtge göttin .. Göthe 9, 210 (Tasso 4, 4); im gegensatz zu brieflichem verkehr: das alles wird durch briefe nicht gethan, die gegenwart löst diesen knoten bald. das. im gegensatz zu träumen, ahnungen: glücklich, den ein leerer traum beschäftigt, glücklich, dem die ahndung eitel wär! jede gegenwart und jeder blick bekräftigt traum und ahndung leider uns noch mehr. Göthe an frau v. Stein 1, 24, von seinem verhältnis zu ihr, das blick bestimmt den begriff zu gegenseitigem verkehr. auch deutlicher lebendige, sinnliche, unmittelbare, körperliche, persönliche gegenwart, was sich nach dem begriff eigentlich von selbst versteht: beim gerichtshandel, und allenthalben wo lebendige gegenwart gilt, zeigt sie sich unstreitig als die beste (die altdeutsche gemeindeverfassung). Herder ideen 4, 197 (18, 6 § 7); welche verstärkung für religion und gesetze, wenn sie mit der schaubühne in bund treten, wo anschauung und lebendige gegenwart ist. Schiller III, 514, 15; die bildende kunst .. musz .. uns durch unmittelbare sinnliche gegenwart rühren. X, 351, 26; der chor ist .. ein allgemeiner begriff, aber dieser begriff repräsentirt sich durch eine sinnlich mächtige masse, welche durch ihre ausfüllende gegenwart den sinnen imponirt. XIV, 10; in unserer persönlichen gegenwart. Göthe 22, 151; dasz wir .. die körperliche gegenwart der gottheit .. begehren. J. Paul 33, 11. b) von dingen (vergl. 3, d 14. jh.) oder den dingen, die uns gegenwärtig, vor augen sind, gleichsam unsere gegenwart bilden im andern, umgekehrten sinne (s. 5, a): es werde licht! hiemit fängt sich die empfindung von der gegenwart der dinge an. Hamann 2, 259 (aesth.). auch das gegenwärtige, vorliegende selber: der sonne pracht, das fröhliche gewühl des hohen tags, der tausendfachen welt glanzreiche gegenwart ist öd' und tief in nebel eingehüllt, der mich umgiebt. Göthe 9, 179 (Tasso 3, 2); soll gleich den freien geist, den der erhabne flug ins gränzenlose reich der möglichkeiten trug, die gegenwart mit strengen fesseln binden. Schiller XI, 13, poesie des lebens, wo wir nun mehr oder völlig an den bloszen zeitbegriff denken, wie beim folgenden, während wesentlich noch die vor augen und händen gelagerten dinge gemeint sind, die nahe wirklichkeit; längst wol sah ich im geist mit weiten schritten das schreckensgespenst herschreiten dieser entsetzlichen, blutigen that. dennoch übergieszt mich ein grauen ... vor der gräszlich entschiedenen gegenwart. XIV, 91 (braut v. Mess. 1937). ganz sinnlich auch noch, zugleich im gegensatz zu ahnung: die gegend und alles und das leben schienen hier nur eine unaufhörliche morgendämmerung zu sein, so frisch und neu, voll ahnung und gegenwart .. J. Paul Tit. (1800) 4, 332; Linda öffnete ihr herz der goldnen gegenwart und sagte: 'wie müszte dies alles in einem gedicht erfreuen! aber ich weisz nicht, [Bd. 5, Sp. 2290] was ich dagegen habe, dasz es nun so in der wirklichen wirklichkeit da ist?' 330. c) aber auch blosz gefühlte gegenwart, die doch den sinn erfüllt wie wirkliche: doch ist nichts wie eine göttererscheinung über mich herabgestiegen, hat mein herz und sinn mit warmer heiliger gegenwart durch und durch (d. h. ausfüllend) belebt, als das, wie gedank und empfindung den ausdruck bildet. Göthe aus Herders nachl. 1, 41 (d. j. G. 1, 309), von Herders ausführung in den fragm. 3, 69 ff. (vgl. sp. 1957); es ist eigentlich eine 'göttererscheinung' mit ihrer wirkung gedacht, vgl. 5, d. in der seele nachgelebte gegenwart: hier entstehet nun (durch nachrichten über Sesenheim) die möglichkeit, ein wahrhaftes wiederherzustellen, aus trümmern von dasein und überlieferung sich eine zweite gegenwart zu verschaffen und Friederiken von ehemals in ihrer ganzen liebenswürdigkeit zu lieben. so kann sie nun, ungeachtet alles dazwischentretens, sich auch wieder in der seele des alten liebhabers nochmals abspiegeln und demselben eine holde, werthe, belebende gegenwart lieblich erneuen. Göthe 49, 20 (wiederh. spieg.), zugleich nach a und zugleich auch eine gewesene, vergangene gegenwart, aber die sinnliche, nicht begrifflich zeitliche vorstellung zeigt die ganze haltung, vgl. ebenso vorher: alle liebe bezieht sich auf gegenwart. was mir in der gegenwart angenehm ist, sich abwesend mir immer darstellt, den wunsch des erneuerten gegenwärtigseins immerfort erregt .. das eigentlich lieben wir. 17. d) das ist dann sache der kunst, der sprache, in diesem sinne auch fernem, gewesenem, ja blosz gedachtem eine (zweite) gegenwart zu verschaffen: von lebendiger gegenwart der bilder, von zusammenhange und gleichsam nothdrange des inhalts, der empfindungen .. hängt .. die ganze wunderthätige kraft ab, die diese lieder haben. Herder von d. art u. k. 12 vom volksliede, jetzt etwa lebensvolle unmittelbarkeit, was doch mehr abstract bleibt und die kraft jenes verlorenen gegenwart nicht erreicht; ward .. in die innern zimmer geführt vor die köstlichsten bilder bedeutender männer des sechzehnten jahrhunderts in vollständiger gegenwart, wie sie für sich leibten und lebten u. s. w. Göthe 21, 117 (wanderj. 1, 7); die vorspringende gegenwart dieses herrlichen architekturgebildes. 27, 137 (Rom 8. oct. 1786); es scheint auch dasz eine selbstständigere imagination dazu gehört (zum theoretischen), als um die wirkliche gegenwart eines kunstwerks zu empfinden. Schiller an Göthe 30. juli 1799, wirklich, weil die ästhetische theorie nur mit gedachter gegenwart arbeitet; s. auch aus Schiller u. a und die gemalte gegenwart Christi u. 5, c a. e. wieder auch mit der gegenseitigkeit wie u. a: wie die einfache nachahmung (der natur) auf dem ruhigen dasein und einer liebevollen gegenwart beruht, die manier eine erscheinung mit einem leichten fähigen gemüth ergreift, so ruht der styl auf den tiefsten grundfesten der erkenntnis .. Göthe 38, 183, vgl. s. 180 von der vollendung der bilder in ihrer (der natur) gegenwart, wonach dort der naturgegenstand und der künstler als einander gegenwärtig gedacht sind. e) aber auch gegenwart des eignen ichs, d. h. volles gegenwärtigsein in der umgebung, den verhältnissen, der welt, im gegensatz zu halber oder ganzer entfremdung durch grübeln oder einbildungen oder unzufriedenheit u. ä., aber auch durch ideen u. ä.: dieser empfindung (von gott als vater alles erschaffenen) verdankte er die ruhe seiner seele, sicherheit, sanftmuth, heiterkeit und gänzliche gegenwart, bei dem leiden der menschen, seinen reinen unverfälschten blick auf alles lebende um ihn. Klinger 4, 14; und doch schelte ich mich zugleich, dasz ich hier nicht so thätig wie dort bin (in Amerika). zu einer gewissen gleichen, fortdauernden gegenwart brauchen wir nur verstand, und wir werden (dadurch) auch nur zu verstand, so dasz wir das auszerordentliche .. nicht mehr sehen. Göthe 20, 21 (lehrj. 7, 3), hier nach seiner beschränkten seite; wann wird wieder eine zeit kommen, wo wir uns um die eigene achse drehen und uns in eigener gegenwart genügen? G. Keller grün. Heinr. 3, 236. vgl. dazu gegenwärtig 4, c. f) auch gegenwart des geistes: die dritte eigenschaft, die herr Sulzer zu einem genie erfodert, ist die besonnenheit oder gegenwart des geistes (contenance ou présence d'esprit), welche die seele in der gröszten erhitzung der einbildungskraft bei der freiheit erhält .. den vorwurf im ganzen übersehen zu können. Mendelssohn lit. br. 6, 218, vergl. 220 fg. (Sulzers aufsatz war franz. geschrieben). angewandt auf bestimmte lebenslagen: wenn ich die gegenwart des geistes verliere, ist alles verloren. Gotter 3, 113. so jetzt geläufig, geistesgegenwart. auch lat. schon praesentia animi. [Bd. 5, Sp. 2291] g) bei Adelung in weiter bed. auch zuweilen für existenz, dasein, z. b. die gegenwart unendlicher eigenschaften in gott. 7) von der gegenwärtigen zeit. a) so sehr uns dieser begriff jetzt im vordergrunde steht, so dasz er sich uns auch in den vorigen stellen fälschlich und verwischend eindrängt, so jung ist er für gegenwart. denn noch am ende des vorigen jahrh. führt ihn Adelung gar nicht mit an (bei Campe nachgetragen als 2. bed.), während er ihn beim adj. aufführt; ebenso wenig nennen ihn Frisch, Steinbach, Aler, Ludwig, Rädlein. dennoch war er schon da: in gegenwart, gegenwärtig, vor jetzo. Weber teutsch-lat. wb. (1745) 332a, als zweite bedeutung; und auch bei Steinbach 2, 934 ich habe dieses in gegenwart (in praesenti) an dich geschrieben musz so gemeint sein; es war offenbar erst in der entwickelung, zuerst in dieser wendung. diesz aber schon im 16. jh. in der form in gegenwürt bei Murner I, 4, b. gewöhnlich aber heiszt es noch lange die gegenwärtige zeit, wie noch nl. tegenwoordige tijd. denn das adj. war längst entwickelt, schon mhd., ahd., dazu auch mhd. gegenwürtikeit. ebenso im adv. (s. I, 7, a): daʒ pûch der schrift warnt uns gagenwrt. Leyser pred. 6, 23, vorher z. 15 entsprechend engagenwrte warnt eʒ (so l.) den mennisch, es steht aber in der mitte und im gegensatze von vergessenen und künftigen dingen, sodasz gemeint sein musz: in bezug auf gegenwärtiges; im 15. jahrh. kegenwert, inpresenciarum Schröer voc. 19b. 48. galt doch schon goth. andvairþs (s. I, 5) auch von der zeit, gegenwärtig. um so merkwürdiger ist das lange fehlen von gegenwart. doch ist ähnlich neben dem alten künftig von der zeit kunft in dieser bedeutung gar nicht entwickelt, nur zukunft, aber auch erst nhd. b) der begriff schlieszt übrigens häufig die vorige bedeutung mit ein, oder ist aus ihr wie hervorwachsend zu sehen (vgl. gegenwärtig 5, a. b). α) z. b. von einzelnen menschen, zugleich nach 5. 6: wenn ich nur nichts von nachwelt hören sollte .. die gegenwart von einem braven knaben ist, dächt ich, immer auch schon was. Göthe 12, 11 (Faust, vorsp.); ännlich im munde des gelahrten bei erscheinung der Helena: die gegenwart verführt ins übertriebne, ich halte mich vor allem ans geschriebne. 41, 90 (Faust 2. theil 1. act a. e.), wenn man sie aus der vergangenheit in die gegenwart versetzt, zugleich aber: aus der bequemen gelehrten ferne in sinnenfällig wirkende nähe (s. 5, a); kurz, Angela mit allen ihren reizen ist ihm vergebens schön und jung, und ferne, nach verlängerung der holden gegenwart zu geizen, wünscht er mit jedem augenblick in ihres bräutgams arm recht herzlich sie zurück. Wieland Oberon 3, 45. β) von dingen oder den dingen in ihrer gegenwärtigen lage, von den augenblicklichen verhältnissen, die vor dem sinne liegen als ihm gegenwärtig sich aufdringend: Lucidor war von tiefem gemüth und hatte meist etwas anders im sinn, als was die gegenwart erheischte. Göthe 21, 131 (wand. 1, 8); der schmerzen wären minder unter den menschen, wenn sie nicht ... sich beschäftigten, die erinnerungen des vergangenen übels zurückzurufen, ehe denn eine gleichgültige gegenwart zu tragen. Werther 6 (d. j. G. 3, 234); im felde da dringt die gegenwart, persönliches musz herrschen, eignes auge sehn. Schiller Piccol. 1, 4; dein brief hat mich heraus gerückt aus dieser engen gegenwart und trunken seh ich schon das künftige verwirklicht. Macbeth 1, 11. auch jede gegenwart (vgl. Göthe an fr. von Stein unter 6, a): seine phantasie warf auf jede gegenwart, auf jeden einfall so viel brennpunktlichter ... und zog um die zukunft, die darüber hinauslag, so viel gefärbten schatten und blauen dunst herum .. J. Paul 7, 44. γ) auch anders mengt sich der zeitbegriff in den vorigen ein, z. b.: was hab ich neues nicht und unerhörtes in dieser kurzen gegenwart gesehn! Schiller Piccol. 3, 4, Thekla in ihrer anwesenheit, das kurz aber färbt den begriff zugleich nach der zeit. stellt er sich doch auch bei abwesenheit ein, wenn es heiszt das ist in meiner abwesenheit geschehen, in der zeit meiner abwesenheit. c) in entschiedenem, bewusztem verhältnis zu vergangenheit und zukunft: du hast deine zuhörer an den breitesten theil der [Bd. 5, Sp. 2292] kluft geführt, die unsere gegenwart und jene zukunft trennt. Göthe an Herder, aus H.s nachl. 1, 71, die gegenwärtige lage der dinge in Weimar; höchst ungeschickt wäre es gewesen, an diesem orte die heilige gesellschaft auf polster auszustrecken. nein! sie sollte der gegenwart angenähert werden, Christus sollte sein abendmahl bei den dominicanern in Mailand einnehmen. werke 39, 95, von Leon. da Vincis gemählde; willst du die gegenwart und das was ist, willst du die zukunft sehn, was sein wird. 13, 270 (Epim. 1, 3); eingedenk vergangner leiden schaudr' ich vor der gegenwart. 5, 187; alles ist immer da in ihr (der natur). vergangenheit und zukunft kennt sie nicht. gegenwart ist ihr ewigkeit. 50, 7; ein durchdringender fester blick in die vergangene zeit, die gegenwart und die zukunft. Schiller VII, 83, 18. neuerdings macht ihm übrigens eine der geschmackwidrigsten neubildungen unsrer gegenwart das gebiet enge, jetztzeit. Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwärtig , praesens. I. Die form. a) ursprünglich einfacher ahd. geginwart, d. h. eigentlich zugekehrt, alts. geginward, mhd. gegenwart, mnd. jegenwart, s. u. DWB gegenwart (I, 1), das überhaupt zu vergleichen; daneben ahd. gagenwarti promptus, dann gegenwerte. das letztere aber gehört eben so zu gegenwert adj., d. h. mit ë aus i, wie goth. andvairþs zeigt und die subst. mhd. antwirt gegenwart, alts. geginwirdî u. a., s. unter DWB gegenwart I, 5. endlich in voller form ahd. gagenwartîg, geginwertîg Graff 1, 1010, mhd. gegenwertec, urspr. vielleicht nur eine verdeutlichende weiterbildung des alten geginwart, gegenwerte, wie nhd. gäbig im verhältnis zu mhd. gæbe u. a. das alte i hat noch im 16. jh. die alem. mundart: gegenwirtig, praesens, instans. Maaler 163a, wie mhd.; vgl. G. Oheim II, 3, b. b) dazu eine dritte form, ahd. gagenwurtîg, mhd. gegenwurtic, gegenwürtic, auch einfach ahd. gaganwurt (oder -wurti), sieh gegenwart I, 1, c, auch u. 4 das. die subst. gegenwurt, gegenwürte. entsprechend mnd. jegenwordich neben jegenwardich, wie jegenwordicheit neben jegenwardicheit Sch. u. L. 2, 406a, mnl. jeghenwoordigh neben jeghenwerdech Oudemans 3, 262, jetzt nur tegenwoordig. auch nrh. intgeenwordich Höfer urk. 314, md. gegenwortich Alex. 7072 W., ingegenwortich Hartm. glaube 131; an disme gegenwordigen brieve. Wyss hess. urk. 1, 482 (13. jahrh.); später keinwortig, kegenwortigkeit, s. Behrend Magd. fr. 265b, neben den formen mit e. auch das noch einzeln im 16. jh., s. gegenwürtig Keisersb. II, 4, und auch noch ohne umlaut: dʒ man, den gegenwurtigen schein angesehen, an die vorige buberei nit gedenke. Alberus wider Witzeln F 7b; gegenwurtig, presens, obsidens, astans. voc. inc. t. h 4b, in einer späteren ausg. gegenwertig g 3a; im voc. 1482 k 5a gegenwertiger neben gegenwurtigkeit, vgl. II, 5, a aus der reichscanzlei mit u und i wechselnd. auch genwürtig rhein. 15. jh. II, 3, a a. e. c) bemerkenswert jene formen mit ingegen-, kegen- und kein-, mhd. engegenwertec u. ä., md. inkênwerdic, intgegenwardich sp. 2199, rhein. untgainwirticheit weisth. 1, 630 (15. jahrh.), d. h. mit der ursprünglichen form von gegen, mhd. engegen, md. kegen u. s. w.; s. unter DWB gegenwart I, 8. auch diesz noch im 16. jahrh. einzeln, wie bei Luther kegenwertig, kegenwertikeit Dietz 2, 40a, so noch viel später: den herrn theologen und fürnemsten des rahts, so auch ... kegenwertig waren. hist. von d. J. Fausten Frankf. 1590 s. 187 (Braunes neudr. 133). II. Bedeutung und gebrauch. 1) sinnlich, entgegengekehrt, zugekehrt. a) ganz ursprünglich und doppelt alterthümlich von entgegengesetzter feindlicher bewegung noch im 15. 16. jahrh., wenn in B. Zinks Augsb. chron. 97, 11 für gegenreiten (s. d.) eine hs. des 16. jahrh. ain gegenwirtig rennen setzt, ein turnierritt, d. h. in scharfem ernst, nicht im spiel, was denn wol mit gegenwirtig bezeichnet sein mag; vgl. auch die mhd. stelle unter 4, a, noch Schiller u. 5, a, dazu gegenwart I, 2 für gegner, ahd. gaganwert obvius unter gegenwart II, 1. diesz und jenes gegenwirtig sind wie adj. zu gegen oder entgegen, das zweite zugleich wie ein adj. zu gegeneinander (s. d. a. e.). bewegung kann auch im folgenden noch eingeschlossen sein, wo ein ritter sich naht und aus der ferne abgeschätzt wird, wer er wol sein möge: ê diu rede wære getân, Îdêrs ûf Kardigân gegenwürtic über den hof reit. Erec 1198, in der nähe herankommend. auch in dem mhd. gegenwertig für zukünftig 5, c ist der begriff der heranbewegung bezeugt. [Bd. 5, Sp. 2293] b) gewöhnlich aber von ruhiger nähe, schon ahd. auch mit dat. der person, z. b. vom spenden des heiligen geistes durch Christus an die jünger: êrist gab er in thaʒ guat,thâr er in geginwertig stuant, joh santa in avur sidor thaʒ,thô er in himile gisaʒ. Otfr. V, 12, 61, da wo er ihnen noch gegenwärtig stand, vor augen, mit dem dativ der jetzt eigner weise nur noch geistig gebraucht ist (4); ähnlich wie hier doch noch Göthe unter 3, b, ja völlig so: Prometheus ... ewig meine liebe dir! Minerva. und ich dir ewig gegenwärtig! 33, 248, zugleich als helferin; s. auch 3, a a. e. jenes gegenwärtig stehn noch bis tief ins nhd.: die vrouwen, die mit mir gênt (mich begleiten) und hie gegenwürtic stênt und zîhent iuch mordes. krone 19145; daʒ wil he vorderen kempflîche .. zû demselben Heinrîche der dâ keinwertik stêt. Freiberger stadtr. 27, 7 bei Schott 3, 226; assistere, gegenwertig steen. Melber varil. b 6a; wir verwunderten uns alle, wir stunden gegenwertig mit suspendirten gemühtern. Schuppius 768, wohnten als zeugen bei. recht kräftig noch: ein weiser fraget nicht, wo, wie und wenn er stirbet .. so gilts ihm auch stets gleich, er hält sich allzeit fertig, wird er gefodert auf (vom tode), so steht er gegenwertig. Fleming 200 (Lappenb. 185), d. h. steht in der nähe bereit wie ein lehnsmann oder diener, den der herr auffordert (s. 3, c). c) aber früh auch gegenwärtig sein, wie noch jetzt: nû stêt an ûheres hêrren hant, der hie gegenwortich is .. manich kunincrîche. Alex. 7073 W.; da ich bei euch war gegenwertig. 2 Cor. 11, 9; wenn ich gegenwertig bei euch bin. Gal. 4, 18; das der herr selbs gegenwertig were in dem streit. Sir. 46, 8; derhalben ich auch solchs abwesend schreibe, auf das ich nicht, wenn ich gegenwertig bin, scherfe brauchen müsse. 2 Cor. 13, 10, wo jetzt doch anwesend vorherschend ist oder statt gegenwertig lieber zugegen. doch bleibt jenes das kräftigste: indem er schrieb, ergriff ihn das gefühl, sein höchstersehntes (Ottilie) nahe sich, es werde nun gleich gegenwärtig sein. Göthe 17, 386 (wahlv. 2, 16). 2) für den grammatischen gebrauch ist noch zu bemerken a) der verlust der endung führte in dem gegenwärtig stehn den anschein des adv. herbei (vgl. 5, g); s. dazu unter gegenwart I, 7 das alts. geginward standan u. ähnl., daneben ahd. geginwerte stân von einer mehrheit. in andern fällen kann dadurch unsicherheit eintreten über die beziehung des endungslosen gegenwärtig, z. b.: was dürfte ich sonst des glaubens (an Christi verheiszung), wo ich solchs gegenwertig sehen ... künde? Luther 7, 187a; was er sich nach seiner entfernung muszte geschehen lassen, das wollte er wenigstens gegenwärtig nicht erleben. Göthe 17, 276 (wahlv. 2, 7). freilich geht es da im erstern falle sicherer auf das geglaubte (es), im zweiten auf er, und doch ist beide male zugleich eine gegenseitigkeit im spiele, wie deutlicher z. b. in einen gegenwärtig sehen, hören, ich habe ihn gegenwärtig gesehen, eigentlich doch praesens praesentem vidi, sodasz die endungslosigkeit gerade der doppelseitigkeit zum ausdruck dient, wie oft. b) welche ausdehnung aber diese freiheit zuliesz, zeigt lehrreich folgender fall: und (der verkäufer) milket gegenwertig die geisz. S. Frank weltb. 142a, d. h. gleich auf der stelle, vor den augen des käufers, wo es denn eigentlich auf alle drei betheiligten beziehung hat oder zuläszt, zugleich aber, zu melken gezogen, ins adv. übertritt (vergl. DWB gegenwarts sofort). als bezeichnetes adv. doch auch noch mit dem dativ der person (1, b): würde einer geantwort in die frone gewalt .. und man vorsuchte en und marterte en (mit peinlicher frage) keiginwortiglichen den veimschepfen ... blume des Ssp., Homeyer richtst. landr. s. 375, d. i. in gegenwart der vehmschöffen; gegenwertig allem volk. Steinh. Bocc. 197. aber auch mit gen., wie beim subst.: gegenwertig eins (d. h. des) ganzen convents. Bocc. 10; gegenwertig des soldans. 44, g. sein (seiner) 34, g. ewer und ir 48. ebenso selbst in gegenwertig mit gen., wie in vermischung mit dem subst., s. unter DWB gegenwart I, 7, c. c) doch auch mit voller endung, als adj. und subst., diesz z. b. mhd. die gegenwurtigen Servat. 3405, wie jetzt die anwesenden, eig. die zeugen eines vorgangs; nhd.: auf das sie ... heuchlen möchten dem abwesenden als dem gegenwertigen. weish. Sal. 14, 17; vergl. besonders das gegenwärtige unter 5, b. als adj.: were er (gott) aber ein gegenwertiger, sichtlicher mensch, er [Bd. 5, Sp. 2294] solt sie mit eim strohalm zum lande ausjagen. Luther bei Dietz 2, 40a; da redet Josua mit dem herrn ... und sprach fur gegenwertigem Israel: sonne, stehe still. Jos. 10, 12, vor aller augen und ohren. 3) vom sachlichen gebrauch. a) es ist von haus ein gewichtiger ausdruck, wie gegenwart (s. d. II, 3. 4), im leben besonders entwickelt vor gericht oder im verkehr mit dem herrn u. ä., wie jenes. vom gerichtlichen gebrauch s. die mhd. beispiele unter 1, b vom kläger und beklagten, von zeugen, helfern u. ä.; wirt einir beclagit .. der nicht keinwortig were .. Magd. fragen s. 182; auch ungegenwärtig, nicht gegenwärtig: sô man obir einen unkeginwertigin ungerichte claget .. blume v. Magd. II, 2, 241. s. auch unter 2, b von schöffen, die einem vorgang durch ihre gegenwart kraft und wert geben (vgl. unter gegenwart 4, a). zu dem gebrauch vom herrn und diener gehört auch gegenwärtig vom besuch der reichstage, hoftage u. ä.: gab der kaiser die abbtye her Diethelmen von Wiszenburg .. der dozemal ouch z Spir gegenwirtig was. G. Oheim Reich. chr. 129, 31; und umgekehrt vom herrn oder seinem vertreter bei einem hoftage, gerichtstage u. ä.: so sol ain (d. h. der) abt von Ow mit verwilgen des vogts .. die brder an das ort, da der vogt säsze und gegenwirtig were, citieren und fürhaischen. 132, 28; als unser herren (die capitelherren) zu sand Peter uch (schöffen) einen glaubesbrief (creditiv), der of uns zwene (abgeordneten) stehet, gesant hain .. das ir .. darzuthun (mit gerichthalten), als weren sie alle genwürtig. weisth. 3, 507. so noch folg.: die Flachsland ist verheurathet, an Herdern ... vorgestern war ich gegenwärtig der trauung. Göthe an Kestner s. 166 (d. j. G. 1, 367), mit dem urspr. dat., s. 1, b. b) so auch von gott, der z. b. bei gottesdienst und kirchlicher musik von alters her zugegen gedacht war: da man doch bedenken sollte, dasz nicht allein die heiligen engel, sondern auch die hohe göttliche maiestat selbst gegenwertig ist, wo man zu deren lob und dank zusammen kombt. Cyr. Spangenberg musica 159; vgl. noch bei Göthe: Rembrandt, Raphael, Rubens kommen mir in ihren geistlichen geschichten wie wahre heilige vor, die sich (dat.) gott überall auf schritt und tritt, im kämmerlein und auf dem felde gegenwärtig fühlen u. s. w. 44, 7, d. j. G. 3, 691 (üb. Falconet), zu dem dat. s. 1, b, zur sache vgl. u. gegenwart II, 3, a, auch Luther von der göttlichen gewalt: widerumb musz sie an allen orten wesentlich und gegenwertig sein. Dietz 2, 40a. c) vom verhältnis des dieners musz herrühren gegenwortig für promptus Dief. 464c, vgl. gagenwarti, gaganwurti promptus, ad manum Graff 1, 1008 fg., dienstbereit, 'zu dienst stehend' (vgl. gegenwertig steen 1, b): sollen sie geloben (die aufrührischen bauern) .. das sie sich .. anheims fügen und iren obersten herrschaften .. widerumb pflicht thun, inen getrew, gehorsam und gegenwertig zu sein. Luther 3, 106a, aus einer urk. von 1525 (in einer andern ausg. genwertig); gebieten wir allen .. unterthanen und getrewen, das ir den .. oberkeiten, gleich uns selbs, in solchem hülflich, beistendig, gehorsam und gegenwertig seiet. kais. edict das. 1, 462a. noch im 18. jahrh. ähnlich: du solst wissen, dasz ich allzeit gegenwärtig sein werde dir zu helfen, me saluti tuae praesto futurum. Aler 866a. ebenso lat. praesens, z. b. von göttern. d) auch die anwendung auf dinge wird sich wesentlich an den rechtlichen gebrauch anknüpfen. wie im 14. jahrh. auch von gestohlenem gute die rede ist, ob es zu kegenworte ist vor dem richter (gegenwart II, 3, d), so mit dem adj., wenn auch nicht mehr vor gericht: es ist besser das gegenwertig gut gebrauchen, denn nach anderm gedenken. pred. Sal. 6, 9, das was 'vor handen' ist. gerichtlich: so lasse, o könig, gegenwärtiger strittigkeit seinen lauf. Abele gerichtsh. 1, 7 u. ö., der vorliegenden streitsache, ohne art. (s. u. e); derjenigen personen .. die in gegenwärtiger sache meine gegner sind. Göthe als rechtsanwalt bei Kriegk kulturb. 465; in gegenwärtige lage versetzt. 394; gegenwärtiger nothgedrungener revision. 425, immer von dem vor gericht eben 'vorliegenden', verhandelten. es verlor aber eigentlich seine kraft mit dem vordringen des schriftlichen verfahrens, gieng aber dann auf die schriftstücke über (s. e). erweitert auf anderes, z. b.: in einem falle, wie der gegenwärtige. Gotter 3, 73, eben wie von rechtsfällen, wie der vorliegende ist jetzt das geläufige, man hat damit die sinnlichkeit wieder aufgefrischt, die gegenwärtig unter dem zeitbegriff eingebüszt hat. dieser mischt sich übrigens leicht ein, z. b.: will ich .. mir dazu eigens eine feder schneiden, indem die gegenwärtige so abgeschrieben ist .. Göthe 38, 141, mit der ich eben schreibe. [Bd. 5, Sp. 2295] e) besonders auch von schriftstücken, die 'vorliegend' gedacht sind, schon in mhd. zeit geläufig von urkunden, die sich selbst so nennen, z. b.: Rdolf von gottes genaden Römischer kunig .. embieten allen des Römischen reychs getruwen, die disen gagenwurtigen briefe ansehent, unser genad und alleʒ gt, so beginnt der bestätigungsbrief für das Augsburger stadtrecht, am ende: des zu urkund haben wir disen gegenwärtigen briefe schryben .. haiszen. Augsb. stadtb. 233 (nach späterer abschrift); we Borchart ... greve von Mansvelt, bekennet in desseme jeghenwardeghen breve .. Höfer urk. 72; allen den gienen, die diesen genwerdichen bryf ane synt of horent. 76 u. o. (in den ältesten urk. doch nur disen brief u. ä.), d. h. der brief ist gedacht als schriftliche anstatt lebendiger kundschaft (s. kundschaft 4, a als zeugenschaft, zeugen), die im strittigen falle statt zeugen vorgeführt, vorgelegt, verlesen wird, daher gegenwertig wie redende zeugen, in lat. urkunden literae presentes. das gieng dann auf anderes schriftliches über, das dem leser vorliegend gedacht ist: darzu ein ausführlicher bericht .. warumb gegenwertige beschreibung nunmals wider auskommen, auf dem titel von Fischarts geschicht von Petern von Staufenberg Straszb. 1588, ohne den art., wie eben im gerichtsgebrauch, vermutlich dem latein entlehnt (vergl. u. gegenpart, gegner); es ist eben itzt acht und vierzig stunden, dasz ich mit abfassung gegenwärtiger noten beschäftigt bin. Rabener 2, 206; man würde es nur vergebens leugnen wollen, dasz gegenwärtige abhandlung durch die neuliche aufgabe der k. preusz. ak. der wiss. veranlaszt worden. Lessing 5, 1 (Pope ein metaph.!); und gegenwertige ankündigung selbst bestehet nur aus den briefen .. 8, 314 (Bereng. Tur.); jetzt dafür vorliegend, auch diesz noch gern ohne den artikel. mit art.: aber das gegenwärtige buch ist nun einmal da. Göthe 33, 231, als recensent; als rechtsanwalt: ohnschwer zu ersehen, wie in gegenwärtiger erzählung nicht die geringste animosität .. hersche. bei Kriegk 493; meine gegenwärtige bitte. 292, die dem gericht hiermit vorgelegte, doch zugleich schon in den zeitbegriff überschlagend; trat gegenwärtiger verfasser (ich) als vorleser in den Reichelschen garten. J. Paul vorsch. d. ästh. 3, 5 (1813 s. 741). noch im kaufmännischen geschäftsstil, dem canzleistil nachgeahmt, z. b. mit gegenwärtigem (schreiben) melde ihnen, wie franz. la présente (lettre). 4) ins innere, in den geist übertragen. a) menschen, dinge sind im geiste, in gedanken uns gegenwärtig (hier noch mit dem alten dat. 1, b), d. h. wir haben sie innerlich vor augen, wie es auch heiszt, sehen und fühlen sie im geiste: ein ieglich ding, das dâ von dem anderen bekant sol werden, das muos im gegenwürtig sîn, eintweder mit im selber oder mit sîme glîchnisse (entsprechenden bilde, abbilde). Haupt 8, 442; also ein mensch, der gott warlich und vollkommenlich lieb hat, dem ist er allwegen gegenwürtig vor den augen seiner seelen. Keisersb. seelenpar. 2b; ich will, lieber Boie, auch aus meinem gedächtnis einzele züge .. sammeln (von Klopstock) .. alles ist mir ganz gegenwärtig, denn ich empfinde, lebe, geniesze immer noch in der vergangenen zeit (seines umgangs mit Kl.). Sturz 1, 181; Eleonore ... ewig wird mir ihr bild gegenwärtig sein, eine schlanke zarte gestalt u. s. w. Göthe 16, 206; selbst im comp.: der kleine schalk ist mir gegenwärtiger als je, ja es ist mir als ob sein bild sich mir in die augen hineinbohrte. 22, 186 (wand. 2, 11); befeuert durch den antheil .. ward der plan (zu dem theaterstück), der ihm durch die erzählung gegenwärtiger geworden war, ganz lebendig. 18, 275 (lehrj. 3, 7); aber sichtbarer, gegenwärtiger, unverkennbarer lebt er in mir (der freund). Hölderlin (1874) 193. das übertreten aus der äuszern in die innere gegenwärtigkeit sicht man besonders deutlich im folg.: wobei wir jedoch immer voraussetzen, dasz dem leser diese sammlung entweder wirklich oder in gedanken gegenwärtig sei. Göthe 43, 397, das wirklich gegenwärtig mit dat. wieder völlig in der alten, nun vergessenen weise; nur noch weinen konnte er, und weinen muszte er, wenn ihm auch mit verhaltenen augen die anwesenheit der vielen neugierigen schmerzlich gegenwärtig blieb. Felder reich u. arm 174. auch lebhaft oder (wie) leibhaft gegenwärtig. auch der abwesende selbst sagt: als der ich mit dem leibe nicht da bin, doch mit dem geist gegenwertig. 1 Cor. 5, 3. dazu vergegenwärtigen, vergl. gegenwärtigen. b) auch von empfindungen, gedanken, vorstellungen u. ähnl.: mîne angeste, dâ mite ich bivangen bin ofte unde mir gegenwartich sint. Wackern. leseb. 1, 275, 24, wo vermutlich der feindliche begriff u. 1, a noch mit einklingt, die mir anrückend zusetzen gleichsam; so lang dir der (unkeusche) gedank nit also gegenwürtig [Bd. 5, Sp. 2296] ist, daʒ du darein verwilligest noch in durch deinen freien willen annimpst, so lang sündest du nit tödlich. Keisersberg sib. schw. (granatapf.) g 3c, noch nicht so nahe tritt sagen wir jetzt, gleichfalls wie ein feind anrückend; und wie ich euch liebe, sei euch gegenwärtig in stunden der ruh. Göthe an Kestner s. 165 (d. j. G. 1, 367); indem ich an Max Jakobi das grundschema einer vergleichenden knochenlehre, gegenwärtig wie es mir war, dictirte. werke 31, 46; seit langer zeit ist mir die majestät der schicksallosen seele gegenwärtiger als alles andre gewesen. Hölderlin 264. auch ohne dat.: es kann also kommen, dasz uns gewisse unangenehme regungen lieb werden, weil wir gewisse vorstellungen gern haben wollen, welche ohne jene nicht gegenwärtig oder nicht recht lebendig bleiben. Gellert 5, 145; niemand hatte vielleicht mehr deutliche begriffe beständig in seiner seele gegenwärtig, als Baumgarten. Abbt 4, 236. noch jetzt ist geläufig und beliebt z. b. das ist mir noch deutlich gegenwärtig (auch ich sehe es noch vor mir), halten sie sich das immer gegenwärtig; doch auch aufs blosze gedächtnis beschränkt das ist mir nicht gegenwärtig, ich kann mich nicht darauf besinnen (vgl. gedächtnis 5, e). der gebildete nimmt übrigens gern präsent, auch z. b. präsentes wissen, kaum aber gegenwärtiges. c) aber auch das ich selbst ist im geiste gegenwärtig oder nicht (abwesend), auch bei leiblicher gegenwart, wozu gegenwart 6, e zu vergleichen, praesentia animi. α) gegenwärtig schlechthin, mit unzerstreuten seelenkräften bei der sache, in der gegenwart: o! warum muszt' ich dich dir überlassen! du warst nicht gegenwärtig genug, dem unerwarteten durch gewandte list zu entgehn. Göthe 57, 79, erster entwurf der Iphig. 4, 4, gesammelt, gefaszt, herr der lage. auch vom bloszen bewusztsein: sie erfuhren ... dasz man ihn auskleide, trockne, besorge, halb gegenwärtig halb unbewuszt lasse er alles geschehen. 22, 88 (wanderj. 2, 5), gegensatz zu geistesabwesend. aber auch gesteigert: ich schien abwesend (bei dem streite), sprach er, aber nur deshalb weil ich mehr als gegenwärtig war. ich erinnerte mich nämlich (dabei) u. s. w. 23, 38 (wand. 3, 3), d. h. weil ich darüber zugleich weiter dachte. so lat. praesens ingenio, auch kurz homo praesens (vgl.γ), franz. présent, die darauf gewirkt haben werden. β) trefflich auch mit dat.: aber G*** war seines eigenen 40 werthes zu gewiss, um sich einen mann wie Martinengo als nebenbuhler auch nur zu denken, und dieser, sich selbst zu gegenwärtig, zu sehr auf seiner huth, um durch irgend eine unbesonnenheit .. Schiller VI, 109 (spiel des schicksals). γ) gegenwärtiger geist, geistesgegenwart, esprit présent: man stelle sich vor, dasz ein mensch, der sonst allezeit mit dem gegenwärtigsten geiste von der welt in das zimmer seiner gebietherinn getreten war .. J. E. Schlegel 3, 396; ja und das schwache geschlecht, so wie es gewöhnlich genannt wird, zeigte sich tapfer und mächtig und gegenwärtiges geistes. Göthe 40, 294 (Herm. u. D. 6), wie lat. animo praesentissimo, das wol dabei vorschwebte. 5) übertragen auf die zeit, eignerweise im adj. ganz früh schon, aber im subst. erst spät, s. DWB gegenwart II, 7. a) wie dieser begriff aus dem ursprünglichen, der abstracte aus dem sinnlichen herauswächst und doch damit verwachsen bleibt, ist bis in die gegenwart zu erkennen (vgl. DWB gegenwart 7, b), z. b.: in Carln hingegen konnten nur, wenn er einen blick um sich her warf, seine inneren qualen verstummen, sie wurden dann zurückgeschröckt durch besorgnisse der gegenwärtigsten gefahren, welche ihn zunächst umschlossen. Schiller IX, 386, 20, gefahren des augenblicks gegenüber den qualen über die morde der vergangenen Bartholomäusnacht, aber beide gedacht als dicht vor ihm und hinter ihm liegend, wie es ganz sinnlich auch noch heiszt, die gefahren auch wie anrückende feinde, vgl. 1, a (zum superl. vgl. den comp. unter 4, a). auch noch sinnlicher: mit ainmtigen ... rat und willen ... der churfursten, fursten ... und andern stend des hailigen reichs alhie auf gegenwurtigem des hailigen reichs tag versamlet. reichstagsabsch. Augsb. 1500 A ija; haben wir gegenwurtigen reichstag alher geen Augspurg furgenomen. B iija; gemainer versamlung gegenwirtigs reichs tag. das. (ohne artikel, s. 3, e), d. h. sowol der eben statt findet als den man versammelt sieht, nach 3, a. b) so besonders auch das gegenwärtige, zugleich begrifflich wie jetzt die gegenwart und zugleich noch sinnlich von den vorliegenden dingen oder verhältnissen, in denen man steht oder wie es ähnlich noch sinnlich heiszt: spem precio non emo, ich halt [Bd. 5, Sp. 2297] mich an das gegenwertig. Alberus a 1b; es sei das gegenwertige oder das zukünftige, alles ist ewr. 1 Cor. 3, 22, εἴτε ἐνεστῶτα εἴτε μέλλοντα; das gegenwertig mit dem zkünftigen und vergangnen vergleichen. Frank spr. 2, 82b; man veracht immer das gegenwertig und tracht nach dem das nicht vorhanden. Lehmann flor. 1, 272, vergl. DWB für gut haben was gegenwertig und für der hand ist 273; mit forschem und mit vielem denken kann sich ein kind das haupt nicht kränken, es lebt in süszer einfalt so im gegenwärtigen ganz froh. Tersteegen geistl. blumeng. ( Wack. leseb. 2, 608); ich will das gegenwärtige genieszen, und das vergangene soll mir vergangen sein. Göthe 16, 5 (Werther 6); ich fühle mich unwiderstehlich vorwärts gezogen (nach Rom), nur mit mühe sammle ich mich an dem gegenwärtigen. 27, 176, aus Bologna 20. oct. 1786, in der stimmung vor der abreise; ich bin freilich, wie du (Herder) sagst, mit meiner vorstellung sehr ans gegenwärtige geheftet. 28, 242, aus Neapel 17. mai 1787, vergl. an Lavater: du hast recht, ich treibe die sachen, als wenn wir ewig auf erden leben sollten. s. 94. man sieht, wie bei ihm die sinnliche hälfte des begriffes vorwiegt, noch stärker im folg., wo er ihm das bedeutende entgegen und darüber stellt, das über die gegenwart hinaus reicht oder weist, von einem mahler: es schien, als wenn ihn diese trauer (um den tod der gattin) zum bedeutenden erhübe, da er sonst nur alles gegenwärtige gemahlt hatte. 38, 68 (d. sammler, 2. br.). philosophisch: indem der mensch das gegenwärtige empfindet .. Schiller 12. ästh. br. aber auch früher kann schon der zeitbegriff vorwiegen, z. b.: sachen die im gegenwärtigen angenehm .. sein. Schuppius 742 (1700 s. 697), jetzt in der gegenwart, für den augenblick. auch so: du verheiszt mir viel zukünftiges, das ungewiss ist, was man aber gegenwertigs empfächt, das ist gewiss. buch der liebe 189b. vgl. ebenso das künftige für die zukunft, ins künftige für in zukunft. c) aber auch der zeitbegriff selber ist von haus aus ein zweiseitiger, denn es kommt auch vom zukünftigen vor, für uns zunächst ein unbegreiflicher widerspruch: bis das ze leste kam diu frist, diu gegenwertig uns allen ist, das er begonde nâhen sînem ende. K. v. Ammenhausen schachz. 244b ( Kurz u. Weisz. beitr. 1, 349), die uns allen bevorsteht, eigentlich: auf uns zukommt (daher eben zukunft), d. h. der alte begriff mit bewegung (1, a) auf die zeit übertragen; es kann nur an der beobachtung liegen, dasz die bed. nicht mehr bezeugt ist. es ist wie ahd. zuowart, zuowert venturus, futurus Graff 1, 1010, auch im 12. jahrh. zuowurtes adv. (vgl. DWB gegenwarts), in rhein. form: wie luzel thu nu weist umbe thie gröliche dinc, thie thir zôwrdes sint. Germ. 12, 94, eigentlich in auf dich zukommender bewegung. die Gothen unterschieden andvairþs und anavairþs als gegenwärtig und zukünftig, nih andvairþô ni anavairþô, οὔτε ἐνεστῶτα οὔτε μέλλοντα Röm. 8, 38, d. h. was mir schon gegenüber ist (and-) und was erst herankommt; und dieses noch ahd. nachklingend anawartes cras Graff 1, 998, aber auch anawartîg praesens 999, dazwischen stehend aber (sâr) anawertes für jam, d. h. eigentlich so nahe, dasz es im augenblick auch vor mir oder an mir sein wird. denn in lat. jam, auch in instans (ἐνεστώς) ist dieselbe doppelheit, so wol 'schon da' als nächst bevorstehend, und wenn instans ahd. mit gagenwert übersetzt wird, noch im 15. jh. mit gegenwertig Dief. 301c, gegenwürtig nov. gl. 218a, so kann da die zweite bedeutung mit eingeschlossen sein (vgl. unter f). so löst sich der widerspruch: gegenwertig eigentlich mir zugekehrt, ursprünglich einerlei ob noch in bewegung, oder schon in ruhe vor mir angelangt, denn beides liegt an sich sowol in gegen (sp. 2210) als in wart. das bedürfnis einer scharfen scheidung muszte sich doch einstellen, und in künftig (s. d. 2) war die bewegung doch deutlicher, es theilte sich aber auch in das überhaupt kommende und das zunächst kommende, schon nahe, z. b. auch der künftige tag, der eben anbrechende (s. künftig 3. 2, b). d) entschieden ist der zeitbegriff bei verbindung mit einer andern zeitbezeichnung, schon seit ahd. zeit: thoh quimit noh thera zîti frist,joh si ouh nu geginwertîg ist .. Otfr. II, 14, 67, ist schon 'vor der thür', schon da (vgl. unter c); den gagenwartigin lîb (leben). Notker 59, 12; diu gegenwürtige zît. mhd. wb. 3, 600b; wie si (die menschen) lebbent in diesen gegenwertigen cîten. Merswin 24; von dem jarmarkt auf das gegenwürtig [Bd. 5, Sp. 2298] jar a. 66. Augsb. chron. 2, 311, 24; bisz uf den gegenwürtigen tag meins alters. 312, 31; gegenwertig zyt. Melber varil. s 6a, es war lange der geläufige ausdruck für unser gegenwart, den z. b. noch Rädlein, Adelung allein kennen; hiervon wollen wir in der gegenwärtigen stunde reden. Gellert 6, 109 (5. mor. vorl.); der gegenwärtige augenblick ist nur ein todter rumpf, dem der kopf und die füsze fehlen. Hamann 1, 90; doch voll bleibenden gefühls des gegenwärtigen augenblicks. Göthe 44, 13, mhd. ein gegenwertigeʒ nu; ob nicht ... das jenige, was viele jahrhunderte nicht leisten konnten, noch vor ablauf des gegenwärtigen erreicht werden möge .. Kant crit. d. r. vern. am schlusse. gewöhnlich doch einfach dieses jahr, diese zeit, in diesem augenblick, auch die jetzigen zeiten. e) von dingen, zuständen in der zeit: die gegenwärtige notlage; der gegenwärtige ausbruch des Ätna, von dem man in Europa spricht, der aber doch nur wenigen im eigentlichen sinne gegenwärtig ist; nun endlich von mir, als dem gegenwärtigen vergnügten besitzer (des kunstwerkes). Göthe 38, 75, dem jetzigen. wie es sich da zum bloszen zeitbegriffe zugespitzt hat, zeigt z. b. im gegensatze: mir ist ganz wohl euch zu sehen in freier gotteswelt, theils des gegenwärtigen genusses willen, der verjüngt leib und seele .. d. j. Göthe 3, 37, d. h. den man nicht in gedanken, also auszer dem gegenwärtigen zu suchen braucht, vgl. DWB das gegenwärtige genieszen unter b und gegenwart 6, e. f) der begriff in anderer weise zugespitzt: also ist auch eine krankheit nicht stracks eine anzeigung eines gegenwärtigen todes. Olearius pers. ros. 6, 1, eines augenblicklichen oder genauer eines baldigen, nahen, der 'schon gegenwärtig' ist, vor der thür, also wie unter c für instans, das selbst zwischen augenblicklich und nahe schwankt. vgl. Ludwig unter g. g) endlich als adv.: wie sie Christum kegenwertig furchten und eeren. Luther bei Dietz 2, 40a, doch schwerlich im heutigen bloszen zeitbegriffe, vergl. 2, a das überschwanken des adj. ins adv.: gegenwärtig oder gleich jetzo läszt sich das nicht thun. Ludwig 713, augenblicklich, es wird in dieser bedeutung zuerst aufgekommen sein; gegenwärtig, vor jetzo, in praesentia. Weber 332a; gegenwärtig habe ich es noch nicht nöthig. Adelung; zwar ich besitz es gegenwärtig. Göthe 22, 81, aber wol auch mehr: als gegenwärtiges, nach 2, a; haben wir uns wechselseitig die punkte klar gemacht, wohin wir gegenwärtig gelangt sind. Schiller an Göthe 27. aug. 1794. es ist der gebrauch, der unserm sprachgefühl im vordergrunde steht und doch zuletzt entwickelt ist. Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwärtigen, gegenwärtig machen, d. h. sichtbar, sinnlich 'darstellen': stellt ihr euch selbst abwesendes dar, so genieszet ihr es durch euch, wie's der dichter zum genusz' euch gegenwärtiget. Klopstock od. 1798 1, 313 (der unterschied); man sagte nämlich gegenwertig machen praesentare, wider gegenwertig machen repraesentare Dasyp. 337c, z. b. die liebe macht das abwesende gegenwertig Lehmann flor. 1, 272 (s. auch unter gegenwärtiglich). aber schon im 15. jh. gegenwertigen praesentare voc. 1482 k 5a und in andern vocc. für das lat. wort gegenwirtigen, geinwertigen, nd. jeghenwordichen Dief. 456c, ja schon ahd. gigaganwertian u. ähnl. für repraesentare Graff 1, 1010. Klopstocks neubildung fand später eingang in vergegenwärtigen (zuerst bei Campe), z. b. Göthe 39, 173. 49, 18 u. öfter, doch ist das bildlosere fremdwort, wie gewöhnlich, beliebter. Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwärtigkeit, f. praesentia, lange in gebrauch anstatt des spät auftretenden gegenwart (s. d.); mhd. gegenwertikeit und gegenwurtikeit, auch mit ü, md. mit o, dazu md. kegenw., entgegenwordicheit, nrh. untgainwirdicheit u. ä., s. die mhd. wbb. und unter gegenwärtig I. 1) der wechsel in den formen setzt sich lange fort, bis ins 16. jh., z. b.: mein gagenwürticheit ist ein sach (die ursache) des smerzen meiner steufmter. gesta Rom. 3; es zimpt sich nicht in diser welt, das man iemant lob noch schelt in seiner gegenwürtichait zehant. Vintler 7376 (var. gagenw.); gegenwurtigkeit (neben gegenwertig) voc. 1482 k 5a; in untghainwirticheit der vesten erberen lude ... (die urkunde geschrieben). weisth. 1, 630, vom Westerwald im j. 1480; stilt man einem sein gut und .. jagit im der die deube wider abe on gerichtis keginwertikeit. blume von Magd. II, 2, 234a, ohne die sache vor den richter zu bringen, vgl. DWB gegenwart II, 3, a; weme der richter wett kundigit in syne keinwertikeit. Michelsen rechtsd. 215, thür. 15. jahrh., zu dem acc. bei in s. DWB gegenwart II, 2, a; das vor in und in irer gegenwirtikeit gestanden sin [Bd. 5, Sp. 2299] Margret u. s. w. 401. 405, bei verhandlung vor dem stadtrate, aus dem protokoll; das er mit dem herren ze reden käm in desselben gegenwürtikait. Tünger facet. 143 (c. 47); in gegenwürtigkeit herzog Naymas. Aimon r, vgl. DWB unser königlich gegenwärdigkeit unter gegenwart 5, b am ende; das priester für ire bischove in irer gegenwertigkeit predigten. Luther 2, 139b; in gegenwertigkeit aller unser lieben heiligen engel. 6, 330a (vgl. ire edliu gegenwirtekeit ... heiligent alliu unsre werch schw. Mechthild offenb. 129); gott hat zweierlei wesen oder gegenwertigkeit, eine ist natürlich, die ander geistlich. 3, 200b; die gegenwertigkeit des leibes. 2 Cor. 10, 10; wolte der kaiser .. dasselbige (concilium generale) mit seiner gegenwertigkeit herrlich machen. Kirchhof wend. 132a; so tapfer und mannlich, dasz man sich oft ab seiner gegenwertigkeit entsetzt. 370b, d. h. wie gegenwart 5, b noch bei Göthe, persönliche erscheinung; in beisein und gegenwirtigkeit. Maaler 163a; md. noch spät mit k-: unser gebot, das wir dir han in kegenwertigkeit gethan. Thym Thedel Unvorf., Gödeke 11 bücher d. d. 1, 152b, 47, in eigner person, vgl. in gegenwart Fleming sp. 2286 unten. 2) im 17. jh. selten werdend, gegenwart kam nun auf: gegenwertigkeit, idem quod gegenwart. Henisch 1423, 53, d. h. nicht von der zeit, die er noch nur die gegenwärtige zeit nennt; die gegenwärtigkeit herr, deiner seeligkeit und rechten. Weckherlin 54 (ps. 16, 12); so ferrn ich in gegenwertigkeit ewre rechte hand möchte umbfangen. Schuppius 773. Adelung nennt es noch als oberd. noch bei J. Paul einmal zur schärferen hervorhebung des begrifflichen: auch die erklärung etwa, dasz gegenwärtigkeit (eines menschen) blosz im bewusztsein meiner eigenen (gegenwärtigkeit) vor dem andern bestehe, schöbe die antwort nur hinaus. 43, 158 (vorsch. der ästh.), es ist vom wesen der körperlichen gegenwart und des realismus die rede; ähnlich ist bei Göthe gegenwärtigsein n.: was mir in der gegenwart (nähe) angenehm ist ... den wunsch des erneuerten gegenwärtigseins immerfort erregt. 49, 17. noch nl. tegenwoordigheid. 3) vom zeitbegriff einmal bei Haller: furchtbares meer der ernsten ewigkeit! .. beständigs reich der gegenwärtigkeit! ged. 210 (ged. über die ewigkeit), doch nicht einfach gleich gegenwart, sondern dauerndes gegenwärtigsein der zeit nach, doch mit dem vorigen in eins verflieszend. Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwärtiglich, erweitertes gegenwärtig, mhd. und noch im 16. jh.: geist (das bewusztsein) het sie verloren in dem überglanze gegenwirdeclîcher wârheite. Eckhart 662, 11, von der erscheinung Christi; als adv. mhd. gegenwerticlîchen. nhd. auch jenes als adv.: presentare, eim gegenwertiglich bringen. Melber varil. s 6a; also ist gott wesenlich, gegenwirtigklich und gewaltigklichen überal. Keisersb. brös. 2, 34a; ich dank euch .. der gaben (die) ir mir gegenwurtigklich uberliefernt. Aimon l 4; md. geinwirtiglich Lennep landsied. 2, 30a (1496), 2, 32a (1516). nl. tegenwoordiglijk adv. Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwarts, adv. gleich in gegenwart, im 2. theil des Faust, im munde der Helena: wer gegenwarts der frau die dienerinnen schilt, der gebiet'rin hausrecht tastet er vermessen an. Göthe 41, 190. im 17. jh. in der bedeutung sofort, auf der stelle: dasz er die fremden gesandten mit verständnis anhören und gegenwarts beantworten konde. v. Birken ostl. lorb. 158, gleich in gegenwart, vgl. gegenwertig 2, b so bei S. Frank sp. 2293. auch gegenwortes, md. 14. jahrh.: si behaldet is mit rechte (das streitig gemachte gut) ... selbe sibende mit man und mit vrawen die dô gegenwortis wâren, sâhen und hôrten. Altprager stadtrecht § 40, Rössler rechtsd. 1, 112. ebenso antwordes md. 14. jahrh. Hom. Sachsensp. II, 1, 587, im rechtsgebrauch gleich in sîne jegenwerde, wie ahd. antwart gleich geginwart praesens, s. sp. 2283 (auch über das o). die bildung ist wie in goth. andvairþis gegenüber, md. zôwurdes nahe bevorstehend (s. gegenwärtig II, 5, c), ags. tôweardes, engl. towards, mhd. ûfartis sum. 41, 31 (für ûfwartes), unser aufwärts, noch im 17. jahrh. und landsch. noch jetzt auch aufwarts, vorwarts u. a. s. dazu sp. 2283 (β). Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwechsel, m. 1) recambium Stieler 2525, contrechange Rädlein, Ludwig, sie meinen wol was beim tausch oder wechsel dagegen gegeben wird und dieses gegengeben selber. Haltaus 615 bringt aus einem wechselbriefe bei: dargegen .. so hat mir die gemeind .. geben und ergeben zu einem gegenwechsel [Bd. 5, Sp. 2300] u. s. w. aus Meichsneri decis. 4, 682, erklärt als restaurum concambii. im kaufmännischen wechselwesen heiszt ein zweiter wechsel, in bezug auf einen ersten ausgestellt, gegenwechsel, auch rückwechsel, retratte ( Campe). 2) ganz anders, und doch dem ursprung näher, in der alten form des rechnungswesens, gleich gegenkerbholz, z. b. in Frankfurt a. M. im 16. jahrh.: dieweil auch in dieser stadt und fast allenthalben auf dem land herumb sehr bräuchlich ist under dem gemeinen mann, dasz die contrahenten an statt brief und siegel ausgeschnittene zeddel (vergl. gegenzettel), aber auch sogar, d. h. noch alterthümlicher an statt solcher zeddel kerfhölzer aufrichten, da der schultherr den stock behelt, der einsatz aber und gegenwechsel dem schuldmann zugestellt wird, mit einander aufrichten. Frankf. ref. v. 1578 I, 31 § 14 (Frankf. 1611 51a), wörtlich auch in der Ulmer gerichtsordn. v. 1621 (s. unter kerbholz 1, d), wo doch mit gegenwechsel das zweite stück des kerbholzes gemeint sein musz, nicht blosz der gegenwechselbrief, der später erwähnt wird, aber auch so heiszt, s. dort. ist das frankfurtische geinwessel aus d. 15. jh. bei Lexer 1, 781 dasselbe? 3) aber noch anders und noch merkwürdiger, von der zweiten hälfte eines getheilten gutes: wir Philipps .. thun kund .. das wir unserm underthan H. R. .. den halben teil unsers hoifs zu Hubetail in unserm amt Suntra .., des gegenwechsel und ander teil unser underthan J. R. innehat, zu landsiddels rechten inne gethan und verschriben haben, und zwar so, dasz beide den ganzen hof bei einander behalten, den nit zerreiszen, zerteilen u. s. w. Lennep landsiedelr. 2, 399 (cod. prob.), v. j. 1536. also die theilung in zwei doch eng zusammengehörige stücke vom kerbholz übertragen auf ein hofgut, die ergänzende hälfte wie dort gegenwechsel genannt; ob nur von der lehensurkunde, die etwa als kerbzettel ausgestellt ward, sodasz sie das verhältnis des entsprechenden grundstücks darstellte? Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwechselbrief, m. gleich gegenzettel, die ergänzende hälfte eines wechselbriefes, d. i. kerbzettels; in der Frankf. ref. 1578 I, 31 § 14 wird zugelassen, wenn vor dem gläubiger als ausweis ein ausgeschnittener zeddel vorgelegt und begehrt würde, dem gegentheil seinen (d. i. des g.) gegenwechselbrief oder kerfholz (d. h. gegenk.) auch beizulegen, so soll solchs angenommen und der ander theil angehalten werden, den begerten gegenzeddel oder einsatz auch beizulegen (zur probe, ob sie in einander passen); ebenso in der Ulmer gerichtsordn. v. 1621, s. Haltaus 1082. es heiszt nachher auch gegenkerfzeddel und gegenwechsel: würde aber der ander theil keines gegenkerfzeddels oder kerfholzes geständig sein .. § 15; doch da ein ausgeschnitten oder kerfzeddel .. mit eigner hand underschreibungen hett, ob sich dann gleich der gegenwechsel nicht finden wolt (soll der vorgelegte doch gelten). § 16. gegenwechselbrief ist ein gegenwechsel (s. d.) in gestalt eines briefes, einer urkunde, konnte aber auch selber kurz gegenwechsel heiszen; auch der kaufmännische wechsel, der sachlich auf jenen zurückgeht, heiszt eigentlich wechselbrief, sodasz wechsel selber urspr. auch das kerbholz bedeutet haben müszte. Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenweg, m. adversa via, gegenwäg, ein wäg der gerad gegen uns gadt. Maaler 163a. in adverbialem gen., wie gerades wegs: wann soliche hirten in Teutschland wären, dörfe niemant sagen, dasz den selen nit geraten oder sie nit versorgt wären. nun hat der frum Petrus seinen fleisz gethon, sie (die nachfolger) halten sich aber gleich gegenwegs (gerade in der entgegengesetzten richtung). Karsthans, Schade sat. u. pasqu. 2, 29. Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwehen, reflare. Stieler 2460. Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gegenwehr, f. vertheidigung, widerstand, nl. teghenweer Kil.; hd. seit dem 15. jahrh. bezeugt. 1) mit waffen: aber wo die verwürkung .. zweifentlich oder dasz sich der gefordert (wegen gewaltthat beklagte) erbeut, seine unschuld durch eine rechtliche gegenwehr auszuführen ... Haltaus 615, v. j. 1447 (mit neuerer rechtschr.), berechtigte notwehr; stürmpten unser näue, drungen uns zu der gegenwer. Schaidenr. Od. 108a; ein landsknecht singt von der vertheidigung von Münster i. j. 1534: die landsknecht sagen Münster ehr, das sie in gethan haben yegenwere. Soltau 2, 190; ist k. may. uf Geldrien fort gezogen, welches herzogthumb .. der herzog von Julich .. on alle gegenwer .. ufgeben hat. Frank chronica 1536 1, 308a; als die Jüden Christum wolten fahen, stellt er (Petrus) sich so bald zur gegenwere. Luther bei Dietz 2, 40b; sich in gegenwehr rüsten. Kirchh. wend. 324a; und wann man des feinds begewaltigte gegenwehr dermaszen [Bd. 5, Sp. 2301] so stark sicht .. Fronsp. kriegsb. 1, 162b; sie (eine festung) zur gegenwehr erbauen. Kirchh. disc. mil. 11; der starrsinn der rebellen heischt starke, kluge gegenwehr. Schiller d. Carlos 2, 2. 2) mit worten, im wort- oder rechtsstreit (aus dem ja vertheidigen stammt, auch auf waffenstreit übertragen): wo aber diese beschuldigung ausz hitz des zorns oder zu einer gegenwehr und rettung der ehren von jemand beschehen wäre. Haltaus 615, v. j. 1538, vergl. das. gegenwerswyse handeln, vor gericht; was hast du uns zur gegenwehr zu sagen? Wieland 3, 173. 3) geistig: darumb musz Christus sampt seiner kirche gegenwehr thun. Luther 8, 187b; hier siehst du ja, wie bald nach leichter gegenwehr in einem laster alle siegen. Gellert 1, 168; die innere gegenwehr eines unüberwindlichen zweifels. Kant 3, 47; der triumph einer menschenhand über die hartnäckige gegenwehr der natur. Schiller III, 576, 12; keine thräne flieszt hier mehr dem leiden, nur des geistes tapfrer gegenwehr. das ideal u. das leben. 4) auch festungswerk zur gegenwehr: soll ermeldter Frankenkönig diese stadt .. mit einer ringmauren und andern gegenwehren (gegen die Hunnen) .. befestiget haben. J. Chr. Olearius thür. historien 2, 184.