To:Juergen_Hartmann , Juergen Hartmann am 14. Sepember 2019 Lieber Jürgen, Dank für Deinen Brief mit den Zeitungsberichten von Deinem Vortrag über die Synagoge in Oerlinghausen und mit der Meldung der Holzhandlung meines Urgroßvaters, Isaac Meyer. Deine historischen Bemühungen bezeugen ein außerordentliches Maß von Verständnis und Teilnahme dem keine Anerkennung und keine Dankbarkeit meinerseits gerecht zu werden vermögen. Sie bezeugen den Menschen der Du bist. Du fragst nach meiner Gesundheit. Ich bin mit ihr sehr zufrieden, obgleich das Gehen zunehmend beschwerlicher wird. Mit einem Stock in jeder Hand gelingt es mir zu humpeln wohin ich will, auch Treppen auf und ab. Beim Einkaufen in den Geschäften dient mir der Einkaufswagen als Stütze. Das Treppen Auf- und Absteigen gelingt mir, wenn ich mich ans Geländer klammere. Ich bin noch nicht gefallen. Im Alter von 89 Jahren, ist nicht mehr viel zu erwarten; aber für das lange Leben das hinter mir liegt, bin ich dankbar. Dass ich nicht unzufrieden bin, ist vielleicht ein Mangel. Am 17 Juni machte ich, ohne Zwischenfall, die 1360 Km weite Autofahrt nach meinem Elternhause in Virginia. Träumte sieben Wochen lang von den 80 Jahren die vergangen sind, seit meine Eltern, meine Schwester und ich am 15. Oktober 1939 dort ankamen. Sie sind alle verstorben. Ich bin der letzte. Am 3. September, also vor 11 Tagen, kehrte ich nach Massachusetts zurück, und frage nun ob es das letzte Mal gewesen sein möchte, oder ob ich im nächten Frühsommer den Mut zur Wiederholung aufbringe, - wenn ich überhaupt noch lebe. An meinem Netzort, http://ernstjmeyer.ddns.net unter Zeile 60. Dokumente pdf, Nr 1 bis 25 sind Oerlinghausener Familienurkunden die ich abgelichtet habe, die ich, obgleich ich ihnen keine außerordentliche Bedeutung zumesse, und die für Dich wahrscheinlich von keinem Interesse sind, dir dennoch zur Verfügung stellen möchte. Ich wünsche Dir Freude und Frieden und Gesundheit, und sende Dir herzliche Septembergrüße. Dein Jochen