Subject: am 13. Juni 2019 From: Ernst Meyer To: Niels Holger Nielsen Date: Thu, 13 Jun 2019 19:05:31 -0400 Lieber Herr Nielsen, Seit etlichen Tagen erwache ich des Morgens mit dem Vorsatz an Sie zu schreiben, und erweise mich dann als nachlässig, insofern ich mich von meinen Krötenrettungsphatasieen ablenken lasse. Bedenklicher noch, ich habe nichts anderes im Sinn, die Kröten scheinen mir das Gemüt zu besetzen, und das Ergebnis eines Briefversuches möchte nichts anderes sein als sie mit ungehörigen, ungestümen Überlegungen zu behelligen. Je älter ich werde, desto unverkennbarer die Einsicht, dass es mir nicht gelingt mein Leben, geschweige denn mein Denken im Zaum zu halten. Meine Bemühungen um den Entwurf eines Krötenrettungsdramas haben sich in unerwarteten Weisen als ersprießlich ergeben - oder täusche ich mich? Unter den vielen Fragen (die mich zur Schwafelei verlocken) ist die Unterscheidung von Prosa und Reim, das Verhältnis zwischen der Musik der Worte, und der Musik der Töne. Die Fidelio Bruchstücke die mir einfallen - "Abscheulicher, wo eilst du hin, was hast du vor in wildem Grimm", iambischer Tetrameter, wenn ich's recht verstehe, oder "In des Lehens Frühlingstagen, Ist das Glück von mir gefloh’n. Wahrheit wagt ich kühn zu sagen, Und die Ketten sind mein Lohn. Willig duld’ ich alle Schmerzen, Ende schmählich meine Bahn; Süsser Trost in meinem Herzen: Meine Pflicht hab’ ich gethan," trochäischer Tetrameter, verfügen über Rhythmus und Reim, - indessen Hofmannsthal seine Libretti, wenn ich sie recht erinnere, durchweg in Prosa schrieb. Nachhaltiger noch, scheinen mir Fragen was aus den Krötenrettungsbemühungen über die "Ehrfurcht vor dem Leben", über Tod und Leben, über die Beziehungen des Göttlichen zum Menschlichen zu entdecken ist. Mein Interesse haftet ins Besondere in der Deutung der Musen als Engelsgestalten die als scheinbar selbst lieblose Verkünderinnen der Liebesdichtung erscheinen. WER, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich. (Rilke, 1. Elegie) Was besagt es von mir, von meiner Anglologie, von meinen griechichen und hebräisch-christlichen Pseudotheologieen, dass diese drei musäischen Engel - oder engelhafte Musen, aus ihrer olympischen Haft auf die Erde entfliehen und sich in die drei Seelenkrüppel die sie dort vorfinden, Möchtegern, Krötenheim und sogar Maga Lump, - verlieben. Ein anderes Thema dass mich in Bann hält sind Widerspruch und Versöhnung der Vergeltungsethik - Auge für Auge und Zahn um Zahn, mit der Verständnisethik, "Homo sum, humani nihil a me alienum puto", mit dem Versuch wie in der Bergpredigt, die Feindseligkeiten zwischen den Menschen durch Mitgefühl, durch Sympathie aufzuheben. Scheinbar hat der Vater den Sohn nicht ernst genommen, denn die amtliche Folgerung der Bergpredigt ist: Die Irae, dies illa, solvet saeculum in favilla ... Lieber Herr Nielsen, es ergibt sich dass ich mit meinem Anspruch auf ein Krötenrettungslibretto, einen Pandorakasten aufgemacht habe, oder wie man im Amerikanischen, auf niedrigerer Perspektive sagt, "a can of worms." Es ist ungezogen von mir auch nur den Vorschlag zu machen dass Sie sich das sehr unfertige Libretto dennoch anschauen sollten. Aber wissen sollten sie, dass es ihnen heute unter IP (Internet Protocol) Adresse 96.252.35.106 zugänglich ist. Dort ist es Eintrag: 1. Kroetenrettung- Entwurf 13/6/2019 Dies ist eine sogennt "dynamic address" die sich bei jeder Verbindungsunterbrechung auf eine neue Zahl abändert; manchmal währt eine solche Adresse nur Minuten, manchmal Monate lang. Sollte die Verbindung versagen, vermöchte ich Ihnen auf eine e-mail Anfrage, jeder Zeit die jüngste Adresse mitzuteilen. Herzliche Sommergrüße Ihnen beiden. Jochen Meyer