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﻿From klemensbmeyer@gmail.com Wed Jun  5 10:20:21 2019
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From: Klemens Meyer <klemensbmeyer@gmail.com>
Date: Wed, 5 Jun 2019 10:20:03 -0400
Message-ID: <CACOBykBs8qEji_mEhCJw4nDkegEL+VN5K0z9XKFWsSE91wjN+A@mail.gmail.com>
Subject: Re: Verstaendigung statt Auseinandersetzung
To: Ernst Meyer <ernstmeyer@earthlink.net>
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I would like to reply in German, but I don't have the time. I read your
email and the attached letters, which I had read less carefully in the
past; my response is neither irritation nor outrage. I have to prepare a
Journal Club presentation for 8:30 tomorrow morning. It's important to me
that this performance have some style, and I hope that you will forgive me
for not engaging with the issues you raise right now; they could certainly
occupy much of the next 22 hours, and might completely disrupt my
concentration during the time remaining. We are having our Verizon service
upgraded; it will actually cost less. I am at home this morning to supervise

On Tue, Jun 4, 2019 at 10:55 PM Ernst Meyer <ernstmeyer@earthlink.net>
wrote:

> Weil es mir nicht klar ist ob ich Dir in deutscher oder englischer
> Sprache schreiben sollte, beabsichtige ich zwei Briefe, diesen Ersten
> auf Deutsch, und vielleicht hinterher einen Zweiten auf Englisch. Die
> Vorstellung, dass es wünschenswert, vielleicht sogar notwendig wäre, all
> meinen Gedanken und Gefühlen sprachlichen Ausdruck zu geben, stammt, wie
> ich so oft erwähnt habe, aus meiner Kindheit mit den sich Tag für Tag
> fortsetzenden Gesprächen mit welchen meine Eltern, meine Schwester und
> ich uns mit - nein, nicht mit, sondern gegen einander "auseinander"
> setzten. Es ist mir heute offenbar dass solche "Auseinandersetzungen"
> die Teilnehmer auf der Ebene des Worts und des Geistes mit einander
> verbanden, manchmal aber, auf der Ebene der Gefühle und der Seele, sie
> unverbrüchlich von einander trennten. Mommy und ich hatten in den
> siebzig Jahren (1946-2015) unseres Zusammenseins nur eine einzige
> "Auseinandersetzung", vom 8. bis 19. Januar 1950, die brieflich
> beurkundet wurde, die ich Dir als Anhang zu diesem Brief zur Verfügung
> stelle, um Dir die Gelegenheit zu geben Dich mit meinem Denken und
> Fühlen, und somit der Welt in der Du aufgewachsen bist, vertraut zu
> machen, insofern Du es möchtest.
>
> Es ist keineswegs meine Absicht mich mit dem Vorweis dieser Briefe bei
> Dir in ein besseres Licht zu setzen. Im Gegenteil es scheint mir
> durchaus möglich, dass was ich damals dachte, fühlte und an Mommy
> brieflich mitteilte, Dich ärgern, wenn nicht gar empören, und mein Wesen
> in Deinen Augen herabsetzen wird. Auch klage ich nicht. Ich hoffe sehr
> dass meine Geständnisse Dir die Welt der Du entsprossen bist ein wenig
> verständlicher machen, und somit Dir die Anpassung an die Welt wo Du
> lebst, ein wenig erleichtern. Wie Du weißt, hat mein Bedürfnis der engen
> Beziehung zu den Menschen in meiner Nähe als ich jung war, seinen
> Ausdruck in einer lähmenden Trennungsangst von meinen Eltern gehabt.
> Wieviel der Monat im Sommer 1931 in der Obhut meiner väterlichen
> Großmutter zu dieser Trennungsangst beigetragen hat, weiß ich nicht,
> besinne mich aber auf Ausführungen meiner Mutter, dass auch sie als
> junge Frau eine Innigkeit von Beziehungen innerhalb der Familie
> beansprucht hatte welche von ihren Freundinnen als seelische Inzucht
> (incest) gerügt wurde.
>
> Schon in den Briefen die ich im Herbst 1949 an Mommy schrieb, zitiere
> ich den Vorsokratiker Anaximander, der behauptet haben soll:
>
> „(Woraus aber für das Seiende das Entstehen ist, dahinein erfolgt auch
> ihr Vergehen) gemäß der Notwendigkeit; denn sie schaffen einander
> Ausgleich und zahlen Buße für ihre Ungerechtigkeit nach der Ordnung der
> Zeit.“
>
> Diesem Ausspruch entspricht meine lebenslange Überzeugung das jegliche
> Existenz mit "Ungerechtigkeit" behaftet ist, mit einer Schuld die
> irgendwie beglichen werden sollte.  Aber wie? Ich frage mich ob nicht
> vielleicht das herkömmlichen Bekenntnis "mea culpa" einen
> unüberwindbaren Widerspruch verbirgt. Wenn Schuld und Existenz
> untrennbar sind, dann wäre das vermeintliche Abtragen von Schuld, eine
> Unmöglichkeit, ein Widerspruch insofern die Tilgung der Schuld (durch
> Bekenntnis) unvermeidlich die Tilgung des existierenden Bekennenden nach
> sich zöge.
>
> Was Deine Unzufriedenheit mit meinem Wesen betrifft, so rechne ich die
> Schuld dafür mir selber an, nämlich dass mein Bedürfnis einer
> unverbrüchlich engen Beziehung, Dir die notwendige geistes-seelische
> Freiheit Dich zu Deinem Selbstsein zu entwickeln verbaut hat.
>
> (Fortsetzung auf Englisch folgt (vielleicht).)
>
>

-- 
Klemens Meyer
Mobile 617-549-5539

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<div dir="ltr">I would like to reply in German, but I don&#39;t have the time. I read your email and the attached letters, which I had read less carefully in the past; my response is neither irritation nor outrage. I have to prepare a Journal Club presentation for 8:30 tomorrow morning. It&#39;s important to me that this performance have some style, and I hope that you will forgive me for not engaging with the issues you raise right now; they could certainly occupy much of the next 22 hours, and might completely disrupt my concentration during the time remaining. We are having our Verizon service upgraded; it will actually cost less. I am at home this morning to supervise</div><br><div class="gmail_quote"><div dir="ltr" class="gmail_attr">On Tue, Jun 4, 2019 at 10:55 PM Ernst Meyer &lt;<a href="mailto:ernstmeyer@earthlink.net" target="_blank">ernstmeyer@earthlink.net</a>&gt; wrote:<br></div><blockquote class="gmail_quote" style="margin:0px 0px 0px 0.8ex;border-left:1px solid rgb(204,204,204);padding-left:1ex">Weil es mir nicht klar ist ob ich Dir in deutscher oder englischer <br>
Sprache schreiben sollte, beabsichtige ich zwei Briefe, diesen Ersten <br>
auf Deutsch, und vielleicht hinterher einen Zweiten auf Englisch. Die <br>
Vorstellung, dass es wünschenswert, vielleicht sogar notwendig wäre, all <br>
meinen Gedanken und Gefühlen sprachlichen Ausdruck zu geben, stammt, wie <br>
ich so oft erwähnt habe, aus meiner Kindheit mit den sich Tag für Tag <br>
fortsetzenden Gesprächen mit welchen meine Eltern, meine Schwester und <br>
ich uns mit - nein, nicht mit, sondern gegen einander &quot;auseinander&quot; <br>
setzten. Es ist mir heute offenbar dass solche &quot;Auseinandersetzungen&quot; <br>
die Teilnehmer auf der Ebene des Worts und des Geistes mit einander <br>
verbanden, manchmal aber, auf der Ebene der Gefühle und der Seele, sie <br>
unverbrüchlich von einander trennten. Mommy und ich hatten in den <br>
siebzig Jahren (1946-2015) unseres Zusammenseins nur eine einzige <br>
&quot;Auseinandersetzung&quot;, vom 8. bis 19. Januar 1950, die brieflich <br>
beurkundet wurde, die ich Dir als Anhang zu diesem Brief zur Verfügung <br>
stelle, um Dir die Gelegenheit zu geben Dich mit meinem Denken und <br>
Fühlen, und somit der Welt in der Du aufgewachsen bist, vertraut zu <br>
machen, insofern Du es möchtest.<br>
<br>
Es ist keineswegs meine Absicht mich mit dem Vorweis dieser Briefe bei <br>
Dir in ein besseres Licht zu setzen. Im Gegenteil es scheint mir <br>
durchaus möglich, dass was ich damals dachte, fühlte und an Mommy <br>
brieflich mitteilte, Dich ärgern, wenn nicht gar empören, und mein Wesen <br>
in Deinen Augen herabsetzen wird. Auch klage ich nicht. Ich hoffe sehr <br>
dass meine Geständnisse Dir die Welt der Du entsprossen bist ein wenig <br>
verständlicher machen, und somit Dir die Anpassung an die Welt wo Du <br>
lebst, ein wenig erleichtern. Wie Du weißt, hat mein Bedürfnis der engen <br>
Beziehung zu den Menschen in meiner Nähe als ich jung war, seinen <br>
Ausdruck in einer lähmenden Trennungsangst von meinen Eltern gehabt. <br>
Wieviel der Monat im Sommer 1931 in der Obhut meiner väterlichen <br>
Großmutter zu dieser Trennungsangst beigetragen hat, weiß ich nicht, <br>
besinne mich aber auf Ausführungen meiner Mutter, dass auch sie als <br>
junge Frau eine Innigkeit von Beziehungen innerhalb der Familie <br>
beansprucht hatte welche von ihren Freundinnen als seelische Inzucht <br>
(incest) gerügt wurde.<br>
<br>
Schon in den Briefen die ich im Herbst 1949 an Mommy schrieb, zitiere <br>
ich den Vorsokratiker Anaximander, der behauptet haben soll:<br>
<br>
„(Woraus aber für das Seiende das Entstehen ist, dahinein erfolgt auch <br>
ihr Vergehen) gemäß der Notwendigkeit; denn sie schaffen einander <br>
Ausgleich und zahlen Buße für ihre Ungerechtigkeit nach der Ordnung der <br>
Zeit.“<br>
<br>
Diesem Ausspruch entspricht meine lebenslange Überzeugung das jegliche <br>
Existenz mit &quot;Ungerechtigkeit&quot; behaftet ist, mit einer Schuld die <br>
irgendwie beglichen werden sollte.  Aber wie? Ich frage mich ob nicht <br>
vielleicht das herkömmlichen Bekenntnis &quot;mea culpa&quot; einen <br>
unüberwindbaren Widerspruch verbirgt. Wenn Schuld und Existenz <br>
untrennbar sind, dann wäre das vermeintliche Abtragen von Schuld, eine <br>
Unmöglichkeit, ein Widerspruch insofern die Tilgung der Schuld (durch <br>
Bekenntnis) unvermeidlich die Tilgung des existierenden Bekennenden nach <br>
sich zöge.<br>
<br>
Was Deine Unzufriedenheit mit meinem Wesen betrifft, so rechne ich die <br>
Schuld dafür mir selber an, nämlich dass mein Bedürfnis einer <br>
unverbrüchlich engen Beziehung, Dir die notwendige geistes-seelische <br>
Freiheit Dich zu Deinem Selbstsein zu entwickeln verbaut hat.<br>
<br>
(Fortsetzung auf Englisch folgt (vielleicht).)<br>
<br>
</blockquote></div><br clear="all"><div><br></div>-- <br><div dir="ltr" class="gmail-m_-5230766272812172174gmail_signature"><div dir="ltr"><div>Klemens Meyer<br></div>Mobile 617-549-5539<br></div></div>

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