Krötenrettung ============= Vorlage für ein Opernlibretto, Theaterspiel, oder Lesedrama Personen: Apoll, Gott der Harmonie, des Friedens, des Glücks und der Seligkeit Dike, Göttin des Rechts und der Gerechtigkeit Melpomene, Muse, Sängerin von tragischer Dichtung und von Trauerliedern, Euterpe‚ Muse, die Erfreuende, die jedermann ergötzt, Vertreterin von Tonkunst, Lyrik und von Poesie. Erato, Muse, die Liebevolle, die Liebliche, weiß von Liebesdichtung, von Lyrik, von Gesang und Tanz. Maga Lump, schwadronierender Gutsbesitzer, Hochstapler, Prahlhans und Schürzenjäger Baron Ulrich Hieronimus von Krötenheim, verwitweter Gutsbesitzer, Krötenliebhaber Moritz Möchtegern, verwitweter Versager, Krötenheims Nachbar und Freund Ursula Lump, Opernsängerin und Trophäen-Ehefrau Maga Lumps, Beamtinnen des Katasteramts Milizanführer, Räuber, und Verbrecher im Gefolge des Maga Lump. Vorspiel und Nachspiel: Offener Vorhang. Blick auf einen wüst verwilderten Soldatenfriedhof bestückt mit Fahnen vieler Länder. Über die Gräber welche unterschiedlich mit Halbmond, mit Stern, und mit Kreuz angezeigt sind, krabbeln in allen Richtungen Kröten, auch über schlafende oder gefallene Soldaten die mit gestreckten Gewehren zwischen den Gräbern liegen. Im Hintergrund drei ragende Kreuze. Die Stimmen eines Chorals ertönen als sanftes kaum hörbares Orgelspiel, "Ach Herr, lass dein lieb Engelein Am letzten End die Seele mein In Abrahams Schoß tragen, Den Leib in seim Schlafkämmerlein Gar sanft ohn eigne Qual und Pein Ruhn bis am jüngsten Tage! Alsdenn vom Tod erwecke mich, Dass meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottes Sohn, Mein Heiland und Genadenthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, Ich will dich preisen ewiglich! (Herzlich lieb hab ich dich, o Herr," 3. Vers , Martin Schalling, 1571) Vorübergehend völlige Stille. Dann stürmischer Applaus, Händeklatschen, Fußstampfen, Gejohle und Gelächter. Der Vorhang fällt. Erster Teil, 111111111111111 Der Vorhang öffnet sich auf eine einfache Küche in einem Wohnhause. An der Längsseite, drei weite hohe Fenster mit einem Ausblick auf einen verwilderten Garten. Unter dem Fenster ein Tresen mit einem Waschbecken. Möchtegern sitzt schweigend mit gefalteten Händen und mit geschlossenen Augen. Er beugt sich über einen mit schmutzigem Geschirr bestücktem, abgegessenen Küchentisch. Er ist sehr alt, hat struppiges ungeschnittenes weißes Haar, und ist tagelang unrasiert. Nach einer Stille beginnt er zu reden: MÖCHTEGERN: Habe nun, ach, dies einzig mir beschiedene Leben sinnlos vergeudet, zu keinem Nutzen vertan. Werd jetzt vielleicht bestraft für den Versuch alles zu denken, alles zu sehen und hören, alles zu wissen und alles zu verstehen. Ich war entschlossen, alles selbst zu machen. Mit Leidenschaft wollt ich die Welt erkaufen. Umsonst, alles umsonst. Die einz'ge Frau die mich jemals geliebt, ist längst verstorben, Kinder sind fort, als wie vom Wind verweht. Was übrig bleibt sind nichts als leere Worte die ich zu keinem als mir selber spreche. So muss ich mir die eignen Lieder singen, und eigene Geschichten mir erzählen. Wie anders sollt ich mir die lange Weile, die Einsamkeit vertreiben? Auch beim Geringsten wollen Kraft und Fähigkeit versagen. Wie stell ich's an, dass mir geholfen wird? Weiß keinen Ausweg als zuletzt zu flehen: Engel vom Himmel kommt mir beizustehen. Möchtegern schläft ein. Entweder wird die Küche jetzt so dunkel, dass seine schlafende Gestalt nicht mehr erkenntlich ist, oder der Vorhang fällt. Bei erneutem Aufzug, oder bei zunehmender Beleuchtung sind außer Möchtegern, drei Mädchen zu erkennen, drei Musen vom schneeigen Olymp. Indem sie den Küchentisch abräumen und das benutzte Geschirr zur Abwäsche auf den Tresen stellen, bewegen sie sich im lieblichen Rhythmus eines schlichten Tanzes. Erato mit aufgerollten Hemdsärmeln wäscht das seit mehreren Tagen angesammelte Geschirr. Euterpe trocknet ab, und Melpomene legt das gesäuberte Besteck in eine offene Schublade im Tresen. Sie stellt die gewaschenen Teller, Tassen und Untertassen in einen Wandschrank mit offenen Flügeltüren. MELPOMENE: Hab keinen Schimmer; weiß nicht weshalb man uns hierher bestellt. EUTERPE: Ich gleichfalls nicht. Weiß aber aus Erfahrung, dass auch die Kleinen oft den Zweck nicht wissen weswegen sie uns rufen. Manchmal sag ich, vielleicht ist's nur aus langer Weile, vielleicht aus schlechter Laune, am wahrscheinlichsten, weil sie untröstlich einsam sind. Veränderlich, selten voraussehbar, wie's Erdendasein sind ihre Stimmungen. Für alle Mängel, alle Schwächen, alles was nicht passt beschuldigt jeder seinen Nächsten, notfalls uns, die Götter, aber niemals sich. ERATO: Ein Mensch wie jener der da sitzt ist einsam. Sieht aus als wär ihm seine Frau gestorben. Nun wartet er auf ihre Wiederkehr. Wird lange warten, er wird sterben müssen. Im Tode erst wird er sie wiederfinden. EUTERPE: Du hast die Menschen übermäßig lieb. Ich sehe sie als ungezog'ne Kinder die nach Verbotenem zu haschen wagen. Sie grapschen nach des Glückes welken Brüsten ergebnislos, und ohne sich zu schämen. Denn Glück ist unerbittlich, wie gepanzert. Lüsterne Finger stoßen statt auf Wonne, auf spröde Abwehr wie aus Stahl. Doch manchmal, fast durch Zufall, siegt die Streichelei. Dann, ratlos, weiß er nicht was anzufangen mit seiner Beute, mit ersehntem Glück das seine Finger nun betastet haben. MELPOMENE: Der Alte sagt und sagt es immer wieder, der Menschen Unglück wäre ihre Schuld. Wir warnen sie vor Fehlern schon im Keimen. Doch sie missachten wohlgemeinten Rat. Sie hören nicht; sie wollen's besser wissen, und schlimmer noch, sie wollen's selber machen, statt's uns zu überlassen. Von Experten, von Sachverständ'gen, wollen sie nichts wissen. Wir Götter zeigen auf den rechten Weg vergeblich, denn sie werden ihm nicht folgen. EUTERPE: Den rechten Weg! und guten Rat! Von wegen! Das Lumpgesindel sind die Götter selbst. Im Lügen, im Betrügen, im Verraten, da sind wir nicht zu übertreffen. Ach, wir Götter sind mehr menschlich als wir wähnen. (Sie hält inne, und überlegt.) Die klüg'ren Menschen haben eingesehn, wie unentrinnbar Schmerz und Leiden sind, nicht weniger vermeidbar als der Tod. ERATO: Das heiße ich in elegantem Stil, die Not in eine Tugend zu verwandeln. Ja, du hast recht, vielleicht, vielleicht auch nicht. EUTERPE: Die Dümmeren der Menschen sagen auch, sie wollten ewig leben. Manche werden klug; sind schließlich dankbar, dass sie sterben. MELPOMENE: Du sprichst vom Sterben. Die Kleinen, ohne es auch nur zu ahnen, üben den Tod allnächtlich schon im Schlaf. Der Schlaf gibt ihnen Vorgeschmack vom Sterben. (weist auf Möchtegern) Sieh dort den Schlafenden, den Möchtegern, der übt sich noch lebendig schon im Totsein. Soll'n wir ihn wecken? EUTERPE: Nein, lass ihn in Ruh; lass ihn nur schlafen. Es geht ihm besser so. Geweckt zu werden, wär ihm kein Grund zum Dank. ERATO: Was wenn er unter einem Albdruck litte? EUTERPE: Ja dann vielleicht wär's gut, das geb ich zu. ERATO: Schon der Gedanke macht mir blöde Angst. Vielleicht ist er schon tot. Ich will ihn wecken. Ich will nicht dass er stirbt. MELPOMENE: Sei nicht so albern. Lass ihn schlafen. Sterben muss auch er. Pfusche dem Alten nicht ins Amt. Das Auferwecken ist nicht unsre Pflicht. ERATO: Wie du befiehlst. (wird zunehmend unruhig. Dann, nach einer langen Pause, zu Möchtegern) Wach auf, wach auf, du schläfst ja immer noch. Der alte Küchentisch wo du da sitzt, das ist kein angenehmer Schlafensort. MÖCHTEGERN: (Rekelt sich, sitzt auf) Es schläft sich hier sehr gut. Lass mich in Ruh. (Nach langem Schweigen und indem er sich besinnt:) Arie Vor kurzem schlief ich ein und war allein. Bin jetzt zum Traum erwacht. Ihr seid nur Schein. Ich blick umher. Bin ich im Himmel? nein, umarmt von einer nur, geküsst von dreien! Ich wache auf, umringt von Schönheit, ja! Sonst fern, ihr Himmelstöchter seid ganz nah, ersehnt im Wachen, dann im Traum gerufen. Die Wirklichkeit hat viele, viele Stufen. (Schläft wieder ein.) EUTERPE: (indem sie die beiden Seiten eines Tellers sorgfältig trocknet) Das ist wirklich ein starkes Stück, dass man von uns erwartet Dienstmädchen zu spielen, und für die erbärmlichen Sterblichen auch noch die Abwäsche zu machen. ERATO: (die in der Lauge des scheinbar geleerten Waschbeckens nachzüglerische Teelöffel und Gabeln fahndet) Das ist, bei der Lotterwirtschaft auf dem Olymp die in diesem Frühjahr herrscht, kaum verwunderlich. Findest du nicht auch? (Nach einer Pause) Nur gut dass das dumme Menschengeschlecht vom Ausmaß des Betruges und der Schmiererei bei unseren göttlichen Geschäften keine Ahnung hat, sonst könntest du der Menschen Verehrung für uns Aufwiedersehen sagen. EUTERPE: Meines Erachtens hat diese Lotterwirtschaft mit der Anstellung des neuen Stallknechts zu tun. Das ist ein Lump wie ich noch sonst keinen gesehen habe. Dessen Gemüt ist schmutziger als die Schweinekoben die er sauber macht. Das aber kommt ihm nicht in den Sinn. Er benimmt sich als ob er Herkules wäre. ERATO: Melpomenme und Du und ich sind eng mit Herkules verwandt. Er ist unser Stiefbruder, unehelich wie's üblich ist in unsrer Sippe. Vergiss das bitte nicht. EUTERPE: Ich weiß es und verstehe. Was kommt's auf Ehe an? Du, ich, und unsere sieben Schwestern sind auch nicht ehelich. Vom Glashaus sollst du nicht mit Steinen schmeißen. ERATO: Ich finde diese unehelichen Ausschreitungen unsers Vaters sind zum Kotzen. Bist nicht auch du von ihnen angewidert? MELPOMENE: Sch--- Sch--- Erato und Euterpe, nehmt Euch in Acht; legt Euren Zungen Zügel an. Ihr könnt nie wissen was dem da am Küchentisch, im Traume durch die Ohren dringt. wie fest auch immer er zu schlafen scheint. Wenn der berichtet was er überhört, und wenn der Alte euer Denken über ihn erfährt, dann gibts ein solches Blitzen und Donnern und Regnen, dass die dummen Kleinen meinen das jüngste Gericht des Klimawandels den sie so fürchten wäre über sie eingebrochen. MÖCHTEGERN: (indem er sein Gesicht aus den Handflächen löst und den Oberkörper langsam aufrichtet) Zu spät, ihr schöne Mädchen. Ich habe alles gehört. Ich habe gute Ohren, ein erstklassiges Gedächtnis, und ein hervorragendes Erfindungsvermögen. ERATO: Aber Möchtegern, du wirst uns doch keine Schwierigkeiten machen, du wirst uns doch nicht verraten. MÖCHTEGERN: Natürlich nicht, aber wie man sagt, eine Hand wäscht die andere. Ich tue gern etwas für euch, erwarte aber dass auch ihr Rücksicht auf mich nehmt, anstatt zu tun als wär ich leere Luft. MELPOMENE: Herr Möchtegern, bitte nehmen sie mir die Formalität, die Gezwungenheit der Anrede nicht übel, aber wir Göttinnen sind nun einmal verpflichtet uns wie Göttinnen zu betragen. Es ist uns behördlich untersagt wie andere Mädchen mit jedem beliebigen Mannswesen das horizontale Handwerk zu betreiben. MÖCHTEGERN: Fräulein Melpomene, sie überschätzen mich, oder vielleicht unterschätzen sie mich, aber die Möglichkeit einer Erpressung welche Sie, vielleicht so gar mit einem Anflug von Begierde, vorschlagen, kommt mir erst jetzt, infolge ihres Vorschlags, in den Sinn. In Betreff auf bestimmte andre Angelegenheiten, fühle ich mich, auch noch im Alter, wie ein Mensch der sich ausbildet, der lernt, der sich verwandelt, der sich verjüngt. Vorerst aber kommt's mir auf die Dichtung an. Das, und nicht die Liebe, ist's worum ich Sie um Hilfe bitte. EUTERPE: (zu ihren Musenschwestern) Ich hab's Euch ja immer gesagt. Die Benachteiligung der Frauen bei den Unsterblichen ist maßlos und unerträglich, schlimmer noch als bei den Sterblichen, wenn das möglich ist. ERATO: Ach Euterpe, kannst du denn nie von deinem Frauenfreiheitssteckenpferd heruntersteigen? EUTERPE: (zu Erato) Du betrachtest ja die Welt fast wie ein Menschenkind in dessen Augen es uns weiblichen Göttinnen verboten ist uns vorbei zu benehmen. Aber den männlichen Göttern ist alles erlaubt. Siehst Du denn nicht wie Zeus seine Gelüste befriedigt? Erst ist's Semele, dann Io, dann Alkmene, Amphytrions Frau, mit der er Herakles zeugte. Frag Thalia wenn du zweifelst, die war die Patin bei Kleists großem Drama. Schließlich vergiss nicht unsrer beiden Mutter, Mnemosyne, auch außerehelich von ihm befruchtet mit dir und mir, um unsere sieben Geschwister unerwähnt zu lassen. Hesiod gemäß soll er sie neun Nächte lang, die eine nach der anderen, belästigt haben. MELPOMENE: Du tust dem Vater unrecht, Hesiod sagt, dass sie zufrieden war, es mitzumachen. Nicht alles was geschieht ist aufgezwungen. EUTERPE: Gewiss kann Zeus sich alles erlauben, aber wenn Hera einem wohlgestalteten Jüngling auch nur einen einzigen schmachtenden Blick schenkt ... Dann bestraft sie Zeus indem er ihr den Küchentresengranitbelag entzieht, auf den sie so stolz ist. ERATO: (nach einer Pause wendet sich zu Möchtegern) Du sagst dir kommt's auf Dichtung, nicht auf Liebe an. Das, und nicht Liebe wär's, worum du uns zu Hilfe riefst. (Streng und entschlossen) Mein guter Freund, in eigenster Person bin ich für dich lebendiger Beweis, dass Liebe von der Dichtung nicht zu trennen ist. 2.Teil 222222222222222 KRÖTENHEIM: (ist durch eine Seitentür eingetreten. Weder Möchtegern noch eine der drei Musen hat seinen Eintritt bemerkt.) Entschuldigung, Sie alle bitte ich, ich bitte vielmals um Entschuldigung dies offenbar tiefschürfende Gespräch gestört zu haben. (sich an Möchtegern wendend) Du, Möchtegern, mein guter, alter Freund, bedarf sehr dringend deiner treuen Hilfe. (Abgelenkt und verlegen) Ich seh drei Frauen sind hier zu Besuch, War ahnungslos von deinem Glück. So schön als wären sie vom Himmel angekommen. MELPOMENE: Woher wir sind, mag unerörtert bleiben. Gekommen sind wir nicht der Schönheit wegen, sondern zu helfen, ins besondre denen die überwältigt sind, auch ihnen. KRÖTENHEIM: So fleh ich sie um Hilfe an zugunsten meiner armen Kröten, die Tag und Nacht im Todesstreifen auf der Schnellfahrstraße ermordet werden. EUTERPE: (zu Melpomene) Ermordet werden sagt der Herr. Ich frage dich, Melpomene, als unsre Oberin, ist's möglich eine Kröte zu ermorden? MELPOMENE: Eins nach dem anderen, der Reihe nach, Euterpe. (wendet sich zu Krötenheim) Ich bitte sie um ihren Namen, Anreden möcht ich Sie, wie sich's gebührt. KRÖTENHEIM: Ulrich Hieronimus, so klingt mein Name. Ich bin der Graf von Krötenheim. Sie alle aber, bitte nennen sie mich Uli. Denn Graf will ich nicht sein, und Uli ist der Name den meine Feinde in Verachtung, den meine Freunde anerkennend mir entgegenrufen. Die von mir geliebten Kröten aber nie, denn die sind stumm. MELPOMENE: Und dieser Herr Möchtegern, der hier wohnt, oder sollte ich sagen, der hier schläft, wäre ihr Freund? KRÖTENHEIM: Das stimmt, und das können Sie nicht oft genug sagen. MELPOMENE: Entschuldigen Herr Graf, dass ich ihnen meine zwei Begleiterinnen vorstelle. Wir drei, mit unsren andren sechs Geschwistern, im Ganzen neun, sind für die Kunstverwaltung auf weit gepries'nem schneebedecktem Berg verantwortlich. Verschmähen aber keineswegs auch hier im Tiefland unsere Dienste anzubieten, gratis, umsonst, nicht unsrer selbst zugunsten, auch dem Empfänger nicht, der Künste willen. Die heil'ge Schönheit ist es der wir dienen die in der Liebe Blüt' und Früchte trägt. (indem sich Melpomene zu Erato beugt), Dies ist Erato, liebevoll, und lieblich. Erato weiß Bescheid von Liebesdichtung, von Lyrik, von Gesang und muntrem Tanz. (indem sich Melpomene zu Euterpe beugt), Und hier Euterpe‚ die Erfreuende, die jedermann ergötzt, Vertreterin von Tonkunst, Lyrik und von Poesie. Ich selber bin Melpomenē‚ die Sängerin tragischer Dichtung und von Trauerliedern, bin auch die Älteste von uns, und deshalb verantwortlich für was wir tun und sagen, und dass wir uns wie Göttinnen betragen. ERATO: Baron von Krötenheim, Entschuldigung, statt dessen hätt' ich Uli sagen sollen, was ist's denn, Uli, das dir so bedrückend ist, weswegen du hierher gekommen bist? KRÖTENHEIM: Ach, Fräulein, schönes Fräulein, hört ich recht? Sie sind Erato? ERATO: So ist's. Ich bin Erato. Mein Vater, Zeus, die Mutter, Mnemosyne. Im Stammbaum gibt's Familiennamen nicht. KRÖTENHEIM: (zu Erato) Ich möchte ihnen sagen, wie schön Sie sind. Ist es erlaubt? ERATO: Zu spät es zu verbieten, das Weitere jedoch bleib unter uns. Wo's Melpomene nicht hört, denn die ..... Doch womit kann ihnen dienen? KRÖTENHEIM: Mein Name sagt es alles. Er ist nicht umsonst. ERATO: Sie müssen sich, wenn ich's verstehen soll, ausführlicher erklären. KRÖTENHEIM: Mein Name nennt den Wohnort, mein Zuhause. Das Bauerngut, seit ungezählten Jahren heißt's Krötenheim, und dort sind wir daheim. Gehören tut es nicht nur mir. Gehören tut es auch den stummen Kröten, so gut wie, ja, wenn nicht noch mehr als mir, und andren menschlichen Familiengliedern. Die Kröten teilen dieses Gut mit uns; wir teilen uns in ihm mit ihnen, und haben gegenseitig uns gewöhnt. Vielleicht zu sehr, die Zahl der Kröten steigt, sie fühlen sich bedrängt und wollen wandern. Wohin? Wer weiß ob sie es selber wissen. Scheinbar bergab, wie's Wasser fließt, ins Tal, wie's jahrelang ereignislos gelungen. Bis man die breite Straße angelegt, die sie von ihrem Ziele trennt, Sie ist den Tier'n zum Todesstrich geworden. Nun hat der kurze Weg ins bess're Land Unzählige in ihren Tod geführt. Sie tun uns leid, die armen stummen Tiere. Ich wollte sagen blöd, zu arrogant wenn ich die eigne Blödigkeit bedenke. So traurig, so entsetzlich, so bedrückend, dass denen die sich Krötenfreunde nannten Rettungsversuche unabkömmlich schienen. Wir haben folgendes Program entworfen. Am Straßenrande einen Zaun gezogen um Kröten ihren Weg auf die Gefahren- straße zu verbauen, Unmittelbar davor auf unsrer Seite sind Gruben angelegt mit eingelass'nen Eimern so dass die Kröten die bei Nacht den Weg nach Süden suchen, statt überfahren werden in die Eimer stürzen und sich retten. So wird der Grubenfall zu ihrem Heil. Dort werden sie am Morgen von uns Rettern, von Mitarbeitern und von mir, gefunden, aufgelesen und in Sicherheit der Eimer zur andren Seite der Gefahr gebracht. So wurden schließlich im Verlauf vergangner Jahre unzählge Kröten von dem erbärmlichen Zerquetschungstod gerettet. EUTERPE: Und jetzt nicht mehr? KRÖTENHEIM: Wir dürfen es nicht mehr. Es ist uns untersagt. (fängt an zu weinen) Die armen Tiere, Ach, die armen Tiere. EUTERPE: Wieso denn das? Von wem denn untersagt? KRÖTENHEIM: Das ist die lange traurige Geschichte, schmählicher Rahmen zu dem Krötentod, der jetzt fast wie ein Krötenmord erscheint. Die armen Tiere. Ach, die armen Tiere. EUTERPE: (umarmt Krötenheim und küsst ihm die Tränen ab.) Du guter Krötenheim, du tust mir leid, ganz schrecklich leid. MELPOMENE: (zu Krötenheim) Nur keine Sorgen, Uli; Euterpe hat ein gutes, weiches Herz das Menschenunglück nicht ertragen kann. Ob nun ihr Mitleid sich auf dich beschränkt, oder auch auf die Kröten sich erstreckt, bleibt unbestimmt. Ihr ist's unmöglich einem Liebesantrag widerstehn. EUTERPE: (zu Krötenheim, indem sie ihm in die Augen blickt) Von dir. Der Richtige, wenns einen gibt für mich, der wird auf einmal da stehn, und wird mich anschaun und ich ihn, und keine Winkelzüge werden sein, und keine Zweifel. (dann, nach einer Pause, wie in Gedanken verloren) Hab ich Sie recht gehört? Sie sagten Krötenmord? Wer ist, wer sind die Mörder? KRÖTENHEIM: Das sind die jungen Autofahrer, auch ältere sind dabei, den Tiere zu zerquetschen, die kleinen Tiere zu zerquetschen, auf jämmerlichste Weise zu töten, zum Sport, zum Spaß geworden ist. So grausig, unbarmherzig, dass mich schaudert, dass ich mich schämen muss, auch nur davon den Bericht zu geben. EUTERPE: Ich sollte meinen, dass wenn schließlich Sie und ihre Mitarbeiter die die Kröten lieben, die kleinen Tiere auf der andren Seite frei gelassen, was ihnen meistens offenbar gelingt, ohne, es ist zu hoffen und zu beten, dass sie selber nicht den Rasenden zum Opfer fielen, wäre dann damit nicht die Aufgabe gelöst? KRÖTENHEIM: Nein, leider ist dies nun nicht mehr der Fall. Die andre Seite wohin wir einst die Kröten brachten war jahrelang Tierschutzgebiet. ERATO: Und ist's nicht mehr? KRÖTENHEIM: Nein, leider nicht. EUTERPE: Merkwürdig, Uli, findest du nicht auch? Dergleichen Einrichtungen, meinte ich, bestünden auf unabsehbare Zeit. KRÖTENHEIM: So war's auch vorgesehen. Doch wissen Sie, oder, wenn ich Dich duzen darf, weißt Du, Euterpe, bei uns ist's Redewendung, dass es ist der Mensch der denkt, Gott aber ist's der lenkt. EUTERPE: Bei uns heißt es: Die Menschen denken, aber die Götter lenken. Es geht wohl auf dasselbe hinaus. KRÖTENHEIM: Ein sehr stolzer, reicher und gerissener Mensch hat das Gegenüber gekauft. Ich denke er hat die Tierschutzbeamten bestochen es ihm zu verkaufen. Solch betragen ist bei uns Gang und Gebe. EUTERPE: Bei uns geht es genauso. MÖCHTEGERN: Das müssen Sie in Einzelheit erklären. KRÖTENHEIM: Der Nachbar jenseits, der hat sich beschwert. Noch mehr als das. Er hat uns angezeigt. EUTERPE: Warum? Was soll'n Sie denn verbrochen haben? KRÖTENHEIM: Das Fangen wilder Tiere ist verboten. EUTERPE: Das Gegenteil doch ist es, was Sie tun. Das Leben retten sie den wilden Tieren Setzen sie dann so bald als möglich frei, und lassen sie wohin sie wollen krabbeln. KRÖTENHEIM: Das ist was das Gesetz angeht belanglos. Die Kröten überfahren ist ja nicht verboten. auch nicht sie anders töten oder quälen. MÖCHTEGERN: Was heißt Gesetz? Mag immer mag als Vorwand dienen, die Folge ist politische Bestärkung. Gesellschaftliche Mächte sind im Spiel. Des Richters Urteil spiegelt nicht den Wortlaut vom Gesetz, nichts als der Kontrahenten unterschiedliche Beliebtheit. KRÖTENHEIM: So ist die Welt. Aus weitrer Perspektiv' scheint Krötenschicksal ein Spiegelbild von unser aller Dasein, Versuche sie zu retten emblematisch für unsere Ohnmacht. Sind wir beide, Lump und ich, aus nährer Perspektive nicht Spiegelbilder von einander. Es wär mir peinlich mich ihm gegenüber, ich meine dem Herrn Lump, aufzuspielen. Das will ich unter keinen Umständen. Tatsache aber ist, dass Herr Lump und ich, von einander verschieden sind. In nicht nur einer Beziehung, sondern in vielen, ich möchte behaupten, in fast allen Beziehungen. EUTERPE: Das scheint mir, Uli, ein sehr wichtiger Punkt den wir erläutern sollten. MELPOMENE: Dem Rat den uns Herr Möchtegern gegeben hat pflichte ich bei. Doch meine ich es wäre ratsam, eh wir noch weitere Beteiligte in unsere Unterhaltung, in unsere Auseinandersetzung einbeziehen, dass wir uns über unsre eigenen Gedanken ins Klare kommen, dass wir die Vorstellungen die unserem Denken zugrunde liegen unmissverständlich machen. Ich vermute, ein Grauen vor dem Tod der kleinen Tiere liegt unseren Betrachtungen zugrunde. Dies ist der Fall, weil jeder sich vor seinem eignen Tode fürchtet. Das ist verständlich, scheint natürlich. Behaupten ließe sich, dass diese Furcht die Vorbedingung fürs Überleben in dem Kampf ums Dasein wäre. Überleben des Tauglichsten, des Tüchtigsten, des Geignetsten, so nennen es die Darwinisten. In diesem Falle wären am geeignetsten zum Überleben, diejenigen die gehöriges Maß von Todesangst aufweisen. Aber ist es nicht tatsächlich der Fall, dass alle Tiere, auch die Menschentiere, wenngleich wir Göttinnen natürlich nicht, an einem Tage, früher oder später, werden sterben müssen. Für viele Tiere ist der "natürliche" Tod von anderen Tieren getötet zu werden, oftmals als Nahrung. Bekanntlich gab - oder gibt - es auch Menschen die sich von einander ernähren. Was, so frage ich Euch alle, ist leben unbedingt das einzig wünschenswerte? ist leben unbedingt das einzig große Glück? Wäre für diese kleinen Tiere vielleicht nicht auch der richtige, der passende, der zeitgemäße Tod ein großes Glück? Ich weiß auf diese Frage keine Antwort. Wenn die Schmerzenlosigkeit des Todes das entscheidende Merkmal ist, dann ist's mir jedenfalls nicht bestimmt ob nicht das plötzliche Zerquetschtwerden von einem schwerbeladenen Automobilreifen den schmerzlosesten Arten des Sterbens zuzurechnen und hinzu zu zählen ist. Ich weiß es nicht. Eine zweite verwandte Frage: Was ist der Kröten optimale Lebensdauer? Ist's denkbar, dass das Überfahren werden für jüngere Kröten eine Katastrophe, für ältere Kröten eine Wohltat wäre? Ich weiß es nicht. Was ist die rechtmäßige Art zu sterben. Wie sollten wir sie bei diesen Tieren, bei anderen Tieren, und vor allem, was euch Menschen anbelangt, feststellen. Es gibt ein objektives Bild vom Leben und vom Sterben und wiederum ein subjektives. Die beiden Bilder miteinander zu vereinbarn ist unsre große Aufgabe. KRÖTENHEIM: Es ist sehr gut, Fräulein Melpomene, dass Sie diese Fragen aufwerfen. Dergleichen Fragen sind mir keineswegs fremd. Ich habe oft über solche Fragen und über ihresgleichen nachgedacht, ohne zu einem Beschluss zu kommen. MÖCHTEGERN: Es ist nun unverkennbar, dass nicht nur für die Kröten, sondern auch für die Krötenretter, beim Überqueren der Schnellstraße Lebensgefahr besteht. Überall droht und lauert oder lockt und tröstet, verheißt der Tod das Nichts und den Frieden. Das Problem welches mein Freund Krötenheim uns aufgibt, scheint mir ein durchaus allgemeines. Es ist ein Problem zu dem wir nicht nur keine Lösung haben. Es ist ein das so viel ich weiß, bisher kaum definiert wurde. Es ist die Beziehung unser einer zu dem was wir als Leben bezeichnen, vorerst nicht zum Leben als allgemeinem, nicht zum allgemein Lebendigen, doch zu dem einzelnen Wesen das geboren wird, das lebt, gedeiht, das krank wird und stirbt. Dass einerunser einerseits zu zeugen, zu gebären, zu erziehen vermag, andrerseits aber auch zu quälen und zu töten. EUTERPE: Die Krötenrettung, wenn ich das Problem, die Aufgabe, und die Rettungsversuche recht verstehe, ist keine Lösung, ist kein Beschluss des Problems. Sie ist vielmehr ein Verband, und genauer betrachtet ein sehr dürftiger, der die Entsetzlichkeit des Todes verdeckt, jedoch vorübergehend nur. MÖCHTEGERN: Deinen Vorschlag, Euterpe, eine Konferenz, eine Besprechung, eine Auseinandersetzung mit den Nachbarn auf der entgegengesetzten Seite der Schnellstraße befürworte ich, fast mit Begeisterung. Ich halte es für möglich, dass eine solche Besprechung zu Übereinstimmung führen wird, was mich überaus begrüßenswert dünkt. Halte es aber auch für möglich dass die vorgesehene Besprechung noch weitere und tiefere Meinungsverschiedenheiten aufdecken möchte. Das wäre aber nur in beschränktem Sinne bedauernswert; denn wesentlicher als Übereinstimmung ist die Klarheit und Eindeutigkeit des Bildes von der gesellschaftlichen Lage in welcher unsereiner sich jeweils befindet. Ich biete mich an den Antrag an unsern gegenüberwohnenden und denkenden Nachbarn selbst zu machen. ERATO: Dein Angebot, Möchtegern ist wohlgemeint und großzügig. Aber in diesem besonderen Fall, meine ich, dass der Erfolg eines Antrags wahrscheinlicher ist wenn eine meiner Schwestern oder ich selber ihn machen. Denn uns wird keiner erkennen. Schöne Frauen sind auch bei den härtesten Männern willkommen. MELPOMENE: Da hast du, Erato, dir deine Aufgabe vorgezeichnet. Du sollst unsre Botin sein, denn von uns dreien, bist du die lieblichste. MELPOMENE: Also ist's abgemacht und entschieden, dass wir versuchen werden das Morden der Kröten, nein, nicht das Morden sondern das vielleicht vermeidbare tödliche Verunglücken der bedauerlichen Tiere wenn nicht völlig zu unterbinden dennoch weswentlich zu vermindern. Und dies zu tun indem wir uns mit Herrn Lump und vielleicht auch mit einschlägigen seiner Familienglieder in Verbindung treten, und mittels einer oder mehrerer Auseinandersetzungen zu einem Einverständnis kommen. Vermutlich möchte eine solche Besprechung im Krötenheim stattfinden oder in der Villa der Lumps, oder im äußersten Falle hier in diesem Hause. Wie sollen wir das anstellen? Der erste Schritt sollte ich meinen wäre uns mit Herrn Lump in Verbindung zu setzen. Wie sollten wir das anfangen? MÖCHTEGERN: Krötenheim, mein Freund, und ihr meine drei neuen Freundinnen, ich habe Euren Ausführungen und Erklärungen sorgfältig zugehört, habe sie überdacht, bin zu einem Beschluss gekommen. Nein, Anweisungen weiß ich nicht zu geben, nicht einmal Rat, auch keinen Vorschlag. Die Gedanken haben ihr eigenes Leben; sie führen ihre eigene Existenz; sie wirken an und für sich. Sie wirken dadurch dass sie sind. Wir sind von Natur aus verschiedene Menschen. Wir begegnen, wir verstehen oder missverstehen einander. Wir müssen die Verschiedenheiten unter uns auseinandersetzen. Die Auseinandersetzung wird uns dann zusammenbringen, wird uns vereinen. Denn durch das Zusammensein, besonders aber durch das Zusammenwirken, werden wir mit einander gleich. Deshalb schlage ich vor, eine Zusammenkunft mit Krötenheim und seinem Gegenüber, Lump. So schafften wir den beiden die Gelegenheit sich auszusprechen. Ihr mögt es mir glauben oder nicht, ich aber bin überzeugt dass unumgänglich die Aussprache das Einverständnis bewirkt, besonders wenn uns unsere drei schönen göttlichen Beraterinnen zur Seite stehen. KRÖTENHEIM: Möchtegern, halt ein. Dein Vorschlag scheint sich von selbst zu verwirklichen. Denn wenn ich nicht irre, durchs Fenster, sehe ich dass der Herr Lump schon auf dem Wege zu uns ist. Bemühungen unsrerseits ihm zu begegnen werden überflüssig sein. Schon höre ich ihn an der Tür. 3. Teil 333333333333333 MAGA LUMP: (kommt ins Zimmer unangemeldet und ohne zu klopfen, blickt umher. Er ist verdattert durch die unerwartete Anwesenheit der drei anmutigen jungen Frauen. Seine Blicke streifen ziellos durchs Zimmer) Kann sein ich bin am falschen Ort. Ich suchte den Baron von Krötenheim. KRÖTENHEIM: Der bin ich. LUMP: Und doch scheint's mir, ich bin am falschen Ort. Sind Sie nicht Junggeselle, Hagestolz? Was sollen diese schönen Mädchen hier? MÖCHTEGERN: Ob falsch, ob richtig, das bedingt die Perspektive. Um's klar zu stellen, Sie befinden sich in meinem Haus, und ich bin Moritz Möchtegern. Zufällig ist mein guter, großer Freund Baron von Krötenheim bei mir zu Gast. Ob er sich ihnen bei dieser Gelegenheit zur Verfügung stellen wird, möchte gänzlich allein ihm selber überlassen bleiben. Die Beziehungen zu diesen Frauen aber ist seine eigne Sache, nicht die ihre. LUMP: Ich suchte Krötenheim in seiner Villa auf. Man sagt mir dort, der sei bei Möchtegern. Nun bin ich hier. Und sprachlos in Gegenwart [Begegnung, Anblick, Angesicht, in the face of] dieser drei überirdisch schönen Mädchen. MELPOMENE: Sie mögen sich beruhigen, hochgeehrter Herr. Wir stellen keine Ansprüche an Sie. Sind hier um uns dem Baron und seinem Freunde behilflich zu erweisen. Der Herr Baron hat uns berichtet von Missverständnissen, die zwischen ihnen, hochgeehrter Herr, und dem Baron entstanden wären. Der hat sein Anliegen uns vorgetragen. Wir sind entschlossen ein Einverständnis über die Krötensache zwischen ihnen beiden zu vermitteln, und möchten deshalb ihre Argumente hören. LUMP: Ihr Anblick bringt mich aus der Fassung. Wenn ich Sie anschau, ist's mir unmöglich, meine Beschwerden vorzutragen. Fast hätte ich vergessen weswegen ich gekommen bin. Dennoch will ich versuchen die einstigen Besorgnisse in der Erinnerung aufzufinden, und wenn ich versage, gebe ich nicht ihnen, nein, dann gebe ich die Schuld der Schönheit die von ihnen strahlt. MELPOMENE: Mein Herr, ihr Vorwurf ist kaum unerhört. LUMP: Die Liebe zu den Kröten ist mir ein Gräuel. Ich find die Tiere so unsagbar hässlich. KRÖTENHEIM: Was diesen Punkt betrifft ist's mir unmöglich, mit ihnen übereinzustimmen. Jedes Wesen hat seine eigne gottgegebne Schönheit, auch Kröten. Ist ihnen jemals eingefallen, dass auch Sie in ihren, in der Kröten Augen, vielleicht nicht als ein Adonis erscheinen. LUMP: Sie, Krötenheim, das glauben Sie doch selbst nicht, Sie sagen's mit der Absicht mich lächerlich zu machen, und dabei werden Sie's der lächerlich erscheint. So schön ist sie, die Himmelsbotin, die mich begrüßt, und die sich aus unscheinbaren Gründen in diesen Maulwurfstunnel hier verirrt hat; und deren Glanz woll'n sie mit der Erscheinung einer Kröte vergleichen. Dies Mädchen strahlt von einer Schönheit welche sie und ihre Kröten zu blind sind zu erkennen. Ach, Sie verkennen ein großes Glück in dessen Glorie die hässliche, unwürd'ge Krötenbrut als nichts erscheint. KRÖTENHEIM: Die Kröten hab ich lieb; sind mir so teuer wie meine eigenen Kinder, und sie verschmähen lasse ich nicht zu. LUMP: Beziehungen zu der Familie welche Sie erwähnen, die mögen ihnen überlassen bleiben. Ich hab Sie aufgesucht um ihnen zu erklären dass ich mit ihrem Krötenfimmel nichts zu tun hab. Einfangen von wilden Tieren ist wider den Paragraphen des Gesetzes. Und wenn sie fortfahren diesen Unrat mir aufs Land zu schütten, werde ich verlangen dass man sie bestraft. ERATO: Herr Lump, die Tierchen werden eingefangen, nur um ihr zartes Leben zu erretten um zu verhüten dass man sie zerquetscht. LUMP: Zerquetschen ist erlaubt. Dagegen hat's Gesetz nichts einzuwenden. Im Gegenteil, zum öffentlichen Wohl würd' beigetragen. Die Kröten verpesten mir mein Land mit Keimen, und sie zu töten ist Gesundheitspflicht. Bin im Begriffe einen dichten Zaun am Straßenrande aufzuziehn. Der wird nicht nur die Kröten, wird auch ihre Retter mir vom Lande halten, und auf der Straße krepieren lassen, wie sie's verdient. KRÖTENHEIM: Ich fürchte die Absicht einen Vergleich mit Herrn Lump zu bewirken hat versagt. MELPOMENE: Keineswegs, Herr Baron. Ich schließe das Gegenteil. Herr Lump, so scheint es mir, ist ein verständiger Mensch mit dem ich mir eine erfolgreiche Auseinandersetzung durchaus vorzustellen vermag. Wir sollten unsere Unterhaltungen mit ihm fortsetzen. Mich dünkt je ehr desto besser, eben darum dass der Schwung von Gedanken und Gefühle nicht schwinden möchte. EUTERPE: Da weiß ich wirklich nicht Melpomene, wovon du redest. MELPOMENE: (an Euterpe) Das wirst du einsehn, liebes Kind. Hab nur Geduld. LUMP: Fräulein Melpomene, Ich bin entzückt mir vorzustellen, dass Sie und ihre beiden gleichfalls schönen Freundinnen mich besuchten. Vielleicht sogar noch heute Nachmittag. Wäre es möglich? MELPOMENE: Ich wüsste keinen Gegengrund. Euterpe und Erato, seid ihr bereit? ERATO: Selbstverständlich, Was immer dazu dienen möchte den Zwist zu schlichten ist mir recht. Vorausgesetzt, was sich von selbst versteht, der Herr Baron und Moritz Möchtegern, sie beide kommen mit. LUMP: Dass diese Männer sich beteiligen ist überflüssig. ERATO: Im Gegenteil, mir scheint es unabdingbar. MELPOMENE: Wir kommen alle Fünf. Wenn nicht zusammen, dann kommt keiner. LUMP: Sie sind sehr entschlossen, Fräulein Melpomene. Der zähe Willen eines starken Mädchens macht unsereinem den Sieg umso mehr köstlich. MELPOMENE: Sie reden Unsinn wozu ich nichts zu sagen hab. LUMP: Worte sind überflüssig. Auf Handlung kommt es an. Jetzt will ich mich entschuldigen. In kurzer Zeit, in einer halben Stund, erwart ich Sie drei schöne Mädchen beimir zuhaus, jenseits der Autobahn. Die beiden Männer mögen, wenn's notwendig, Sie begleiten. Doch bitte keine Kröten. (Er geht.) ERATO: Ganz anders als ich mir vorgestellt. Merkwürd'ger Mensch. EUTERPE: Ein rechter Schürzenjäger. Nichts weiter. Ein wenig anders als die meisten. Nicht unbedingt zu seinen Gunsten. Im Grunde wollen alle ihrer Art das gleiche. 4.Teil 444444444444444 Lumps Villa überall Sofas, Chaiseslongue, Ruhebänke LUMP: Wie wunderbar!. Sie, oder darf ich sagen ihr, drei schöne Mädchen, seid gekommen. Warum ihr hier seid brauch ich nicht zu fragen, habt meinen Wunschgedanken angenommen. Ich hatte es erhofft, doch nicht erwartet. Begleitet von zwei Männern, das ist schade. Doch keiner einz'gen Kröte, wie grandios! MELPOMENE: Gekommen sind wir in der Zuversicht die heikle Krötenangelegenheit die unsern Freund den Herrn Baron betrübt, mit freundschaftlicher Hilfe zu entwirren. Sind überzeugt, dass es gelingen wird, zu friedlichem Verständnis zu gelangen. LUMP: Was für ein Unsinn, meine Melpomene. Die Krötensache ist nur leere Finte Gelegenheit zu schaffen schöne Frauen wie sie es sind, zu finden und zu küren, umwerben und wenn möglich zu verführen. Was Kröten anlangt ist kein Einverständnis nötig. Ich hab ganz anderes im Sinn. KRÖTENHEIM: Das wäre? LUMP: Der tägliche Genuss des Lebens. Jeder Augenblick bedarf nichts weiter als Anblick schöner Mädchen. Hier sind ihrer drei. Nicht besser könnte mich der Himmel segnen. Doch ich bin in Gefahr sie zu verleiten und ein falsches Bild zu hinterlassen. Mein Leben ist nicht sinnlich, es ist geistig. Die Zeit vergeht mit Lesen und Bedenken. Und unablässig schlag ich eine Seite nach der anderen um, bis eines Tages, beim Wenden der gedruckten Seite erstaunlich, wenn nicht sogar schrecklich ein Neues, Unerwartetes erscheint. In diesem Falle ist's ein neues Ich, ein neuer Geist und eine neue Seele, das alles hat mir, wag ich es zu sagen, Melopeme, die schönste, allerliebste der Frauen die ich je gespürt, geschenkt. Durch Sie, durch dich hab endlich ich entdeckt den Menschen der ich wirklich bin. Was größeres hätt' ich empfangen können. Wie könnt ich jemals dir genügend danken? So etwas haben sie nie erlebt, oder doch, oder lesen sie nicht. MÖCHTEGERN: Wen meinen Sie? LUMP: Wen ich meine? Ich meine Sie alle, alle fünf, nur eben keine Kröten, oder wollten sie mir weiß machen dass Kröten Bücher lesen. MELPOMENE: Der Vorschlag, die Frage ob Kröten Bücher lesen, lieber Lump, die stammt von ihnen, nicht von uns. LUMP: Wir sind vom Thema abgekommen. Worums sich handelt ist, dass beim Umschlagen der Seite des gelesenen Buchs, nicht stets dasselbe, manchmal etwas ganz Verschiedenes zu Tage kommt. Ein neues Blatt wird aufgeschlagen, sagt man, sei es in einem Buch, sei es im Leben. Was nun mich selber angeht, ist das Buch in dem ich unablässig blättere ein völlig anderes, wenn ich darin von schönen Frauen statt von Kröten lese. MELPOMENE: Was soll das heißen? LUMP: Was das soll heißen, himmelsschönes Kind, ist dass im Lesen des erstaunenswerten Buches das ich bin, du eine neue Seite um und aufgeschlagen hast, auf der du heute etwas andres liest als gestern. MELPOMENE: Da müssten Sie erklären was das heißen, was da auf dieser nächsten Seite stehen soll. LUMP: Was all das heißen soll, mein schönes gutes Kind, ist dass hinfort und zwischen uns, nicht Sie das ausgesuchte Wort Anrede ist. Nicht Sie, nur du und du und nichts als du. Ihr holde Frauen, himmelsschöne Mädchen (sich zu den Männern wendend) Mit ihnen, Krötenfreunde hat dies nichts zu tun. Es handelt nämlich nicht um schöne Kröten, sondern um schöne Frauen. MÖCHTEGERN: Wen meinen Sie. LUMP: Du fragst mich wen ich meine? Schock schwere Not, Kerl, bist du blind. Kommst angetrabt mit Frauen, nicht nur einer, sondern dreien, schön wie nur die im Himmel sind. (zu den Musen) Ich mache euch drei Schönheiten ein Angebort, nein, mehrere, doch nach der Reihe. Ich bin Besitzer eines Schönheitwettbewerbs den man hier Beauty Contest nennt, nein, leider Besitzer nur des Preisausschreibens, nicht der Frauen. Ihr solltet als Bewerberinnen Euch dran beteiligen, wenn ihr es wollt, und vielleicht auch wenn's Euch ungelegen ist. Bis jetzt gibt es nur einen ersten Preis, doch wenn ihr drei dabei seid, muss es drei erste Preise geben. Ich werde sorgen dass eine jede von Euch ihre Krone bekommt. Was sagt ihr nun dazu? MELPOMENE: Sie überschätzen uns Herr Lump. Sie zoll'n uns Ehren die uns nicht gebühren. Wir sind hierher gekommen nicht um uns als Schönheitsköniginnen zu bewerben (kandidieren), sondern um den gemeinsamen Versuch zu machen, die Lösung zum Problem der Kröten mit ihnen auszuarbeiten. LUMP: Krötenproblem hin. Krötenproblem her. Ich weiß von keinem Problem von Kröten oder anderen Lebenwesen, die schönen Frauen einbeschlossen, welches sich nicht am Besten lösen lässt in der Horizontale. Ich meine natürlich Ausruhen in gutem festen Schlaf. Auf der neuen Lesens- oder sollt ich sagen Lebensseite, die ihr nun aufgeschlagen habt, da werdet ihr einen anderen, einen neuen Maga Lump entdecken, einen anderen als den welchen ihr meint gekannt zu haben. Ich bin ein kluger, weiser, hoch belesener Mann in seinen besten Jahren, der lebenslang darüber nachgesonnen hat, was eigentlich die Welt im Innersten zusammen hält und der erst heut sein Ideal verwirklicht findet, nämlich in euch. In eueren Gestalten hold und heilig, unverkennbar schön, in eueren Stirnen, Augenbrauen, Lidern, Wangen, Lippen und im Glanz der Augen. Das andere unter farbgem Rock und leichter Bluse schwebt wie ein Sternenbild vorübergehend nur in den Wolken vor des Geistes Augen. Ich zählte alles auf, was ich gesehen, was ich jetzt seh,und was ich sehen möchte, doch zaudre ich, an das was tiefer liegt mich hinzuwagen, besorgt verfrühter Blick möchte verdrießen. Was wichtig ist kommt später. Ich liebe die Natur, die wilden Tiere ungezähmt und frei. Am liebsten sind mir fromm gepanzerte Kröten, Schildkröten meine ich, die find ich fast so schön wie Frauenleiber in züchtigstem Versteck. Von allen find ich die am schönsten. MELPOMENE: Herr Lump, ich hab es mir nie träumen lassen, dass sie ein Dichter sind. LUMP: Jetzt wissen Sie's. Doch wichtger noch, Ich bin ein Philosoph. Das höchste der moralischen Gesetze ist mir die fromme Ehrfurcht vor dem Leben, tritt, in der großen Arie die ich schrieb, zu wunderbarem Ausdruck. (Er beginnt zu singen.) Kröten können sicher weiden, Wo ein guter Hirte wacht. Wo Regenten wohl regieren, Kann man Ruh und Friede spüren Und was Länder glücklich macht. (Nach dem Ende der Arie, fährt er fort:) LUMP: Der gute Krötenhirte, das bin ich; wohl auch der wohlregierende Regent in dessen glücklichen Ländern, man Ruh und Friede spürt. Und nun, Fräulein Melopomene, ist's an der Zeit. Komm du mit mir in das Zimmer das ich für uns hab vorbereiten lassen. Ich weiß noch viele andre schöne Lieder dir vorzusingen, die dich ergötzen werden, bei denen du dich Ruhen kannst, schlafen und träumen, von den schönen Kröten und vielleicht sogar auch von mir. 5. Teil 555555555555555 (Lumps Rückverwandlung) MELPOMENE: Lieber Maga, deine liebenswürdige Einladung mich mit dir in einem Schlafzimmer zu besprechen erkenn ich an mit Dankbarkeit, und wenn ich's bekennen darf, mit erwiderten Gefühlen. Dies betone ich weil ich mich dennoch nicht bereit befinde die Aufforderung anzunehmen. Deinem Vorschlag nachzukommen wäre für uns Göttinnen ein ausgefallenes Benehmen das olympischer Sondergenehmigung bedürfte, von der ich vermuten muss, dass sie nicht erstattet würde. LUMP: Und warum sollte was du besondere Genehmigung bezeichnest nicht erteilt werden? Bin ich den Honoratioren auf dem schneegekrönten Gipfel nicht vornehm genug? Und wenn du, wie du sagst, mir mit entsprechenden Gefühlen entgegen trittst, warum fragst du nicht an, warum gesuchst du nicht, warum bittest und bettelst du nicht dass die dir übergeordneten Allmãchtigen, unserem, deinem und meinem Seelenglück, sich nicht in den Weg setllen möchten. Warum lässt du die Ablehnung von Seiten deiner Vorgesetzten unbestritten? MELPOMENE: Lieber Lump, das will ich Ich versuchen dir zu erklären ohne dich zu kränken. Meine Kollegen und Vorgesetzten auf dem schneebedeckten hohen Berg sind, in Sachen die sie bekümmern, allwissend, und dein Verhalten in der Krötensache hat sie verstimmt, und mehr noch, die Widersprüchlichkeiten deiner Aussagen, um Worte wie Unwahrheit und Lüge zu vermeiden, rede ich von Widersprüchlichkeiten. Die Widersprüchlichkeiten mit denen du versuchst uns zu schmeicheln und zu beschwichtigen, haben meinen Vorgesetzten dich und dein Denken verdächtigt in einer Weise die es unvorstellbar macht dass sie unsre Zusammenkunft im Doppelbett genehmigen würden. Dabei erlaub mir zu bekennen, dass ich meinerseits anderweitig nicht abgeneigt sein würde deine Einladung anzunehmen, wenn ich durch göttliches Verbot nicht unverbrüchlich abgehalten würde. LUMP: Melpomene, da willst du mich zum besten haben. Ich weiß mit Sicherheit, dass Göttern all ihre Wünsche bewilligt und ermöglicht werden. Ich glaube dir ganz einfach nicht. Du bezichtigst mich einen Lügner. Ich aber sage dir, du bist die Lügnerin. EUTERPE: Erlaubt mir diesen Kommentar zu eurer Unterhaltung. Ich denke wer im Glashaus sitzt, soll Steinewerfen unterlassen. LUMP: Ins Besondere, beklage ich ich die Krötenrettungsversuche die ihr verfechtet, als widerrechtlich. Es ist gesetzlich verboten wilde Tiere zu einzufangen. Hingegen ist das Töten auf der Schnellstraße wo Kröten nicht hingehören, verboten sind und völlig gesetzwidrig, unvermeidlich, und deshalb, weil das Gesetz realistisch ist, erlaubt. (nach kurzer Überlegung) Aber ich rede schon wieder von Kröten. Das ist ein Fehler. Was für ein Unsinn, in der Gegenwart von drei schönen Mädchen, oder sollte ich sagen, zwei, da ja die erste den Behörden das Vorrecht einräumt, sie geschlechtslos zu machen. MELPOMENE: Du vergisst aber dass es himmlische Behörden sind welche ihr Vorrecht ausüben. MÖCHTEGERN: Was mich anbelangt, finde ich das noch schlimmer. Bedenk doch in welch erotischen Schlamassel die jüdischen Christen und die christlichen Juden sich mit ihrem Leugnen des Geschlechtstriebs der Geschlechtsnotwendigkeit begeben haben. LUMP: Wenigstens dies eine Mal stimmt Möchtegern mir zu. Wie aber besteht's in dieser Hinsicht mit den beiden anderen schönen Mädchen? Handelt es sich da auch um körperlose Jungfraun, fleischlos, nichts als Seele? EUTERPE: Mein lieber Maga Lump. du redest wie ein Philosoph. LUMP: Eine Verleumdung, die ich mir nicht gefallen lasse. EUTERPE: Keine Verleumdung, denn du stellst Fragen welche in die Tiefe dringen. LUMP: Vielleicht verständ'gen wir uns schließlich doch, weiß aber nicht ob meine Zunge, ich meine, ob meine Fragen, das geeignetste Instrument sein möchte, die Tiefen deiner Seele zu sondieren. EUTERPE: Ich glaube wir verstehen uns wohl genug, bis auf den einen Punkt, dass ich zwar große Liebe hege für Göttinnen und Götter, für Menschen, für Frauen und Männer, für viele Wesen, Kröten einbeschlossen, aber nicht für dich. LUMP: Ich bin sprachlos. So etwas hat mir noch kein Mädchen gesagt. (wendet sich zu Erato) Du bist Erato. ERATO: So heiße ich und hab zu dem, was meine Schwestern dir gesagt, nichts zuzufügen. MÖCHTEGERN: Erlauben sie mir die Feststellung Herr Lump, die Absicht, der Zweck unseres Besuches ist der Versuch das Krötenrettungsmissverständnis das zwischen uns entstanden ist, das uns entzweit, zu schlichten. LUMP: Das ist was du dir vorstellst, Moritz Möchtegern. Was ich mir überlege, hat mit Kröten nichts zu tun. MELPOMENE: Aber der Krötenrettung wegen sind wir doch gekommen. Glaubst du, dass es uns möglich wäre, darüber zum Einverständnis zu kommen. LUMP: Gewiss, alles ist möglich. Aber mein Magen knurrt, er beklagt seine Leere. Ich lade sie alle fünf zu einem Festessen ein. KRÖTENHEIM: Das ist sehr freundlich von ihnen Herr Lump. MELPOMENE: Sind wir alle Fünf einverstanden, Magas Einladung anzunehmen? FÜNF STIMMEN: Ja. LUMP: Setzt euch nur an den Tisch. Für jeden von euch ist ein Platz bereit gelegt. Der sechste ist für mich. Bis das Essen kommt, mögen wir uns über beliebige Themen unterhalten, über das Wetter, über die Moral der Götter und der Göttinnen, über schöne Mädchen, über den Spaß am horizontalen Handwerk. Ein Thema nur sei uns verboten. Über Kröten und ihre Rettung verbieten wir uns zu reden. (Einen große Suppenterrine wird voneinem Dienstmädchen auf den Esstisch gestellt. Lump füllt aus ihr fünf tiefe Suppenteller, die er seinen Gästen reicht, mit den Worten Guten Appetit. Er selber isst nicht mit. Die Suppe schmeckt scheußlich, aber keine der Gäste beklagt sich. Als sie fertig gegessen haben, fragt ...) KRÖTENHEIM: Sollen wir jetzt die Kröttenrettungsfrage besprechen? LUMP: Da ist nichts zu besprechen. Die Kröten sind in ihre Magen gerettet. Das war Krötensuppe, oder vielleicht sollte ich sie Krötenrettungssuppe nennen, die sie soeben verzehrt haben. MELPOMENE: Dann wäre keine Ursache dass wir länger blieben. LUMP: Im Gegenteil, Sie alle sollten lange genug bleiben um die Bezeugung meiner Anerkennung zu empfangen. Leider sind meine Backen nicht kräftig genug ihnen aus dieser Entfernung ins Gesicht zu spucken, aber nehmen Sie dies als Ersatz. (Mit diesen Worten hatte Lump den Inhalt eines Wasserglases vor ihm auf dem Tisch Melopeme ins Gesicht geschläudert, dass er dann vier Mal so schnell er vermochte aus einer Karaffe auffüllte, um seinen vier anderen Gästen, Euterpe, Erato, Krötenheim und Möchtegern gleichfalls symbolisch ins Gesicht zu spucken.) MELPOMENE: Also wir gehen. Ich weiß nicht ob Auf Wiedersehen der passende Abschiedsgruß wäre. LUMP: Beeilen sie sich nur nicht. (Auf diese Worten entnahm Lump erst eine. dann vier weitere zerquetschte Kröten aus einem Eimer und schleuderte sie, eine nach der anderen, Möchtegern, Krötenheim, Erato, Euterpe und Melpomene in ihre Gesichter) MELPOMENE: (zu ihren Begleitern indem sich sich zur Tür wandte.) Kommt, folgt mir. (Möchtegern schlägt die Tür hinter ihnen zu.) 6. Teil 666666666666666 MÖCHTERGERN: Euch alle muss ich um Entschuldigung bitten. MELPOMENE: Du aber warst es doch nicht, der uns in die Gesichter gespuckt hat. Du warst es nicht der uns zerquetschte tote Kröten an die Köpfe warf. MÖCHTEGERN: Bei mir aber, in meinem Gemüt, ist der Vorschlag zu dieser Konferenz, zu dieser Auseinandersetzung entstanden. EUTERPE: Es war trotz des Versagens, trotz der Blamage, dennoch ein sinnvoller vernünftiger Vorschlag. Die Seelenkrankheit von Maga Lump ist nicht von Dir gestiftet, kann Dir nicht angerechnet werden, kann Deine Schuld nicht sein. Unmöglich ist es dir, dich zu entschuldigen für etwas dem dir keine Schuld gebührt. ERATO: Du meinst auch, Möchtegern, dass Maga Lump als unschuldig betrachtet werden muss? MÖCHTEGERN: Allenfalls von mir. Denn ich will nicht den Richter spielen, denn ich darf nicht der Richter sein. Ob's deine Pflicht, ob's eure Pflicht sein möchte, auch das ist ein Urtail, das ich nicht zu fällen wage. ERATO: Das ist etwas an dir, woran ich viel gefallen habe, dass du dich so geflissentlich, und mit welcher Beständigkeit du dich des Urteilens enthälts. MÖCHTEGERN: Und du, hast du ein Urteil? ERATO: Nein, ich darf kein Urteil haben. Mein Amt ist es die Liebe zu begreifen und zu üben, und Urteil hat mit Liebe nichts zu tun. MÖCHTEGERN: Und deine acht Schwestern: ERATO: Gewiss es ist ihr Amt die Künste, und das heißt die Schönheit zu fördern. Da ist es dann notwendig zwischen schön und hässlich zu urteilen. MÖCHTEGERN: Findest du die Kröten schön? ERATO: Weißt du, Moritz, deine Frage erinnert an das Märchen vom Froschkönig. Bei der ersyen Begegnung war der Frosch alles andere als schön: "Sie (die schönste der Königstöchter) sah sich um, woher die Stimme käme, da erblickte sie einen Frosch, der seinen dicken, häßlichen Kopf aus dem Wasser streckte." Das Gegenteil also von schön. Als dann aber der Frosch auf sein Anrecht bestand, zu ihr ins Bett zu kriechen da ward das Königskind "erst bitterböse, holte ihn herauf und warf ihn aus allen Kräften wider die Wand: "Nun wirst du Ruhe haben, du garstiger Frosch." Als er aber herabfiel, war er kein Frosch, sondern ein Königssohn mit schönen und freundlichen Augen." MÖCHTEGERN: Herr Lump hat einem jeden von uns, fünf an der Zahl, eine Kröte ins Gesicht geworfen, und keine hat sich als ein verwunschener Königssohn entpuppt. ERATO: Das unliebsame Tier war aber ein Frosch und keine Kröte. MÖCHTEGERN: Kröten sind garstiger noch als Frösche. Liebste Erato, ich bekenne mich garstiger noch als eine Kröte. Wenn du mich aus allen Kräften wider die Wand schmissest, vielleicht würde ich mich dann auch in einen Königssohn verwandeln dem es erlaubt wäre zu dir ins Bett zu steigen. ERATO: Die Möglichkeit besteht. Das geb ich zu. MÖCHTEGERN: Dann wäre ein Versuch der Mühe wert, Meinst Du nicht auch? ERATO: Was aber würde, wenn es missglückte, und ich dich schwer verletzte? MÖCHTEGERN: Ach Erato, ich möchte es so gern, das ist mein Name. (Inzwischen sind die Fünf bei Möchtegern zuhause angelangt. Melpomene hat sich umgehend ans Telephon begeben und verhandelt mit Hermes.) HERMES: (im Telephon) Mir scheint das eine belanglose Angelegenheit, für deren Bearbeitung Dike zuständig ist. Ich schicke sie euch. Sie wird umgehend bei euch erscheinen. DIKE: (die Göttin der Gerichte, des Rechts und der Gerechtigkeit ist unverzüglich erschienen.) Die Umstände die ich zur Kenntnis genommen habe, drängen mich zur Tat: So außerordentlich unannehmbar es ist, dass Menschen Göttertöchtern zerquerschte Kröten ins Gesicht zu schleudern wagen, so unerlässlich ist die amtliche Bestrafung. Benehmen solcher Art ist lediglich den Göttern vorbehalten. Doch diesen Missstand zu beheben erscheint mir eine Kleinigkeit. Nichts Weiteres scheint mir vonnöten, als die Berichtigung der Grundurkunden womit dem Musterpatrioten sein Besitz entzogen wird. MÖCHTEGERN: Aber Fräulein Dike, Abänderung der Grundurkunden ist doch unmöglich. Sind die Kataster, ist das Grundbuch eingerichtet nicht, dass es dem Grundbesitz Beständigkeit und Zuverlässigkeit gewähre? Verlässlich möchte jeder ums eigene und um des Nachbarn Eigentum Bescheid bekommen können. Ist nicht das Grundbuch in gewissem Maße heilig? Darf's nicht mit Aufsicht nur und mit Genehmigung zuständiger Beamtendamen aufgeschlagen und gelesen werden. Abgeändert aber nie. DIKE: Du kleines Unschuldskind, heißt du nicht Möchtegern? Du hast noch viel, hast sehr viel noch zu lernen. Denn zwischen was wir Götter sagen und was wir Götter tun ist eine große Kluft, und kein Mensch ist befugt sie zu beklagen. Von Menschen nur wird Folgerichtigkeit verlangt. Sie soll'n vermeiden sich zu widersprechen, Sie nennen's Wahrheit sagen und nicht lügen. Und weiterhin wird es gefordert, dass ihre Taten sollten stimmen überein mit ihren Worten. Doch dieser Maga Lump erdreistet wie ein Gott sich zu benehmen, wie Gott zu werden und wie Gott zu sein, und das, mein liebes Kind, du weißt, ist Sünde die keinem Sterblichen vergeben wird. Denn Eifersucht, das sollt'st du längst verstanden haben, sie ist der Götter höchste Leidenschaft. Und über alle Sachen sind wir Götter eifersüchtig, Das Gottsein unbestritten zu bewahren ist worum es vor allem Anderen geht. Die große Götterkameradschaft stiftet Eifersucht. und diese nur ist was uns von den Menschen unterscheidet. ERATO: Kollegin Dike, ich verstehe dich sehr wohl. Auch ist es dir nicht nötig weiter den Versuch zu machen mit Möchtegern zum Einverständnis zu gelangen. Denn Möchtegern versteht dich weil ich dich verstehe. Und Möchtegern versteht dich weil er mich versteht. So geh du nur, und spute dich um Dein Geschäft. Wir warten hier auf den Erfolg den du uns bald berichten wirst. 7. Teil 777777777777777 Im Katasteramt. Reihen auf Reihen mit großen dicken schweren Büchern beladen. Rechts ein Tresen (counter) mit drei Beamtinnen. Dike erscheint im Katasteramt. Da die Beamtinnen sie kennen, ist es ihr nicnt nötig sich vorzustellen. ERSTE BEAMTIN: Hochwohlgebornes Fräulein Dike, erhabne Göttin der Gerechtigkeit, willkommen seien sie endlich wieder in unsren hohen heiligen und doch verschlumpten Hallen. ZWEITE BEAMTIN: Denn wir bedürfen ihres pauselosen Segens um die Rechtmäßigkeiten unsrer Unternehmen die anderweitig so willkürlich scheinen, zu verbürgen oder zu verbergen. DIKE: Den Segen sollt ihr nicht entbehren, vorausgesetzt ihr seid bereit, uns Göttinen das Vorecht zu gewähren Bestimmungen zu treffen wie es sich gebührt. DRITTE BEAMTIN: In dieser Hinsicht sollten sie wahrhaftig sich von Bedenken ungequält empfinden. Alltäglich zeigen uns die Richter [mit ausgesucht Geschmeidigkeit und Eleganz geschmeidig und mit ehrenvoller Eleganz,] mit ausgesuchter Eleganz wie Recht sich biegen, wie's sich beugen lässt. [Das Sprachenmogeln üben wir mit unsren Richtern] Das Mogeln mit der Sprache üben wir [so lang und gründlich bis es nahtlos klappt. so lang und gründlich bis es unerkenntlich? wird.] so gründlich bis es unerkennbar wird. ERSTE BEAMTIN: Mit welcher Fälschung, oder sollt ich sagen, mit welcher Korrektur wär' ihnen am heut'gen Tag zu dienen? DIKE: Es handelt sich um einen gewissen Maga Lump. Der hatte durch mein nachlässiges Versehen vor eingen Jahren schon das Vogelschutzgebiet erworben, Das war ein Fehler der heute noch berichtigt werden kann und muss. ZWEITE BEAMTIN: Meinen Ehrwürden, die Vögel entbehrten nun gehörger Heimat? DIKE: Das wohl auch. Vornehmlich aber sind's die Kröten die der Maga Lump verfolgt. ZWEITE BEAMTIN: Kröten nur, nichts weiter? DIKE: Ich bitte Sie nicht zu vergessen, dass alle Tiere gleich sind in der Götter Augen. Das Ausschlaggebende jedoch war nicht ein Angriff auf die Kröten; es war ein Angriff auf die Götter selbst von Seiten Maga Lumps. ERSTE BEAMTIN: Was sie nicht sagen! Wie stellte man sich solche einen Angriff vor? DIKE: Sich den Angriff vorzustellen, hieße ihn verstärken. Sie mögen sich auf meine Feststellung verlassen. Verstehen hoffe ich zugleich, dass mein Befehl nicht bestreitbar ist. ZWEITE BEAMTIN: Jede von uns weiß, dass die Grundbücher wesentlich gefälscht sind. Die heikle Frage jedoch, an Sie, Fräulein Dike, gestellt, muss nicht die Eintragung in ein Buch von Fälschungen gefälscht sein, um als wahrhaftig zu gelten? DIKE: Deine Sorge bedarf keiner Erörterung. In dieser Hinsicht ist es umgekehrt. Hier sind die Richter uns Göttern vorbildlich. Denn was immer ein Richter schreibt. wie verlogen auch immer, ist wahr, weil es vom Richter geschrieben wurde. Entschuldigt nun, indess ich meine Arbeit tue. (Dike geht fort zu den Grundbücherregalen.) ERSTE BEAMTIN: Welch eine liebenswürdige Frau. Wenn wir ihresgleichen hier anstellen könnten, wenn sie uns assistierend zur Verfügung stünde, würd unsere Arbeit schneller vor sich gehen. ZWEITE BEAMTIN: Sie kommt zurück. Die Richtergöttin lässt nicht auf sich warten. DIKE: Alles erledigt. Verständige Kolleginnen die ihr nun einmal seid. Es ist mir eine Freude Euch zu bescheinigen, dass alles hier in bester Ordnung ist, und um euch eure Treue zu vergüten, für jeden von euch dreien ein Goldstück auf dem Tresen abzulegen. Macht's gut. Bleibt glücklich, last's euch wohl ergehen. (Im nu hatte Dike die Grundbucheintragung für Maga Lumps Anwesen gelöscht, mit einer gerichtlichen Übertragung an das Naturschutzreservat ersetzt. und mit einem angemessenen Trinkgeld die Forderungen der zuständigen Beamten beglichen. Dike ab) ERSTE BEAMTIN: Welch großes Glück, welch hohe Freude, so gütigem verständnisvollen Vorstand untergeben sein. 8. Teil 888888888888888 Dike meinte sie hätte die Krötenrettung ein und für alle Mal sicher gestellt. Aber scheinbar doch nicht. Denn als es bekannt wurde dass der Kröten halber und mittels der Einmischung von drei oder vier unbekannten Frauen, Maga Lump seines Bauernguts enteignet worden war, da erschienen auf der Schnellstraße zwischen Krötenheims Anwesen und Maga Lumps einstigem Besitztum, eine Unmenge von Maga Lumps Verehrern, teils in braunen, teils in schwarzen Uniformen, bewaffnet mit den Sturmgewehren die sie Jahre lang für gerade diesen Augenblick gesammelt und in ihren Kleiderschränken aufbewahrt hatten. Wenn die Gefolgschaft Maga Lumps verhindert werden sollte die ekligen Kröten ruchlos zu überfahren und zu zerquetschen, um unerwähnt zu lassen die anderen Errungenschaften Maga Lumps, weswegen sie ihn bewunderten, und die es sie drängte ihm nachzumachen, dann war der Augenblick für die Revolution, für den Bürgerkrieg gekommen. Jetzt war die Schnellstraße mit aufsässigen Schützen völlig gestaut. Es waren nicht nur Kröten, die sie nicht mehr zu überqueren vermochten. Erato, Euterpe und Melpomene mit ihren zwei menschlichen Bekannten stehen auf der Veranda von Möchtegerns Haus und beobachten diese Unruhen mit wachsendem Unbehagen. Ein lautes inständiges Klopfen an der entlegenen Seite des Hauses. Melpomene verschwindet um die Tür zu öffnen. Nach geringer Zeit kehrt sie wieder. Ihr folgen drei uniformierte Männer, zwei tragen schwarze Uniformen, der dritte trägt eine braune Uniform. Die drei sind mit Sturmgewehren bewaffnet. Küche im Hause Möchtegerns ähnlich wie in der ersten Szene und doch wesentlich größer so dass eine vermehrte Anzahl von Sitzgelegenheiten vorhanden sind. Melpomene, Euterpe und Erato im Gespräch. KRÖTENHEIM: (zu Euterpe) Hast eine Ahnung wie lange wir auf Dike's Rückkehr werden warten müssen. EUTERPE: Dike ist sehr entschieden, sehr zielgerichtet, entschlossen und geschickt. Unähnlich ihren menschlichen Kollegen bedarf sie wenig Zeit zu Überlegung. Schon seh ich sie kommen. Sie wird bald hier sein. DIKE: Die Sache ist erledigt. Herr Lump, vermute ich, wird anderes zu bedenken haben als arme kleine Kröten zu verfolgen. Die Kleinen hier auf dieser Erde, vergessen allzuleicht dass sie nicht ihre eignen Herren sind. Sie leben von der Götter Gnade. Die Hände die sie segnen dürfen, sie nicht beißen. Euch Göttinen mit toten Kröten ins Gesicht bewerfen, ist unerlaubt. KRÖTENHEIM: Erzählen Sie uns bitte, was und wie sie es erreicht haben. DIKE: Es war, es ist ganz einfach. Herrn Lumps Besitz auf den er übermäßig stolz ist, ist verbucht im amtlichen Kataster, und wird durch diese Buchung bestätigt und beschützt. Kataster aber sind den Richtern unterstellt. Ein jeder Richter hat das Recht sie nach eigner Grille (Laune) abzuändern Die Götterstellung die ich innehab, verleiht mir mindestens die gleichen Rechte. Wozu ein Richter befähigt ist, bin auch ich fähig. Das Wesen das bis eben im Namen des Herrn Lump eingetragen war, das hab ich an den Naturschutzbund NABU übertragen lassen. Dem stand ja nichts im Wege. Er war, er ist, im Unrecht. Verloren haben ist sein Pech. ist übertragen an den Naturschutzbund. Von dem wird er erfahren, was ihm nun nicht mehr gehört. KRÖTENHEIM: Sollte das Beheben von unsrer lieben Kröten Leiden wirklich so einfach sein. MÖCHTEGERN: Weil's sich um eine göttlich eingerichtete Lösung handelt, ist's ungehörig dass ich sterblicher andeute, dass ich die Sache aus andrer Perspektive sehe. ERATO: Ich find es ungehörig keines Wegs, dass Du uns dein Verständnis wissen lässt. In manchen Sachem ist's für uns von Euch, die wir hochmütig wie wir sind, die Kleinen nennen, zu lernen. Moritz, mein Lieber, sag nur an, wie du die Dinge siehst. MÖCHTEGERN: Dass Fräulein Dikes Maß gerecht sein möchte, wag ich nicht zu bezweifeln, denn schließlich ist es ihre Spezialität. Vergeltung ist das Wort. Getanes Unrecht soll vergolten werden. Vergeltung ist ein milder Name für die Rache. Soviel ich weiß, seit Priam Helena dem Meneläus entführte ward keinem Menschen Glück gestiftet durch die Rache. DIKE: Was schlägst du vor? MÖCHTEGERN: Assimilation, Angleichung, Anpassung, Aufnahme, Einverleibung das alles sind die Loseworte mit denen zu beschreiben ist wie Gesellschaften entstehen, sich erhalten und gedeihen. ERATO: Lieber Möchtegern, bitte erklär doch wie du es meinst. MÖCHTEGERN: Betrachte es als Gegebenheit des Menschseins, in wie weit auch andre Lebewesen einbezogen sein sollten, weiß ich nicht, dass alles was ich sehe, höre, was ich zu verstehen meine was mich in irgendeiner Weise berührt, beeindruckt, affiziert, mich damit sogleich verwandelt, mich zu einem anderen macht als der ich war. Insofern als es andre Menschen sind die mich berühren ist die Begegnung entweder feindlich oder freundlich. Feindlich insofern sie mich bedrohn, freundlich aber insofern sie mir ihre Nähe Hilfe und Unterstützung verspricht. In jedem Falle aber scheint es mir, verständigen wir uns, das heißt, wir werden einander gleich, und insofern wir einander gleich sind, werden wirzu einer Gemeinsamkeit, zu einer Gesellschaft. DIKE: Das gebe ich dir zu, bemerke aber dabei zugleich, dass solche Gemeinsamkeiten, Städte, Länder nicht selten widerstreben und bekämpfen. und anders als einzelne Lebenwesen keine Neigung aufweisen, sich durch Berührung einander anzugleichen. MÖCHTEGERN: Das geb ich zu. Die Beziehungen unter uns Menschen und zwischen den Gemeinschaften die unter uns entstehen, sind weit verzweigt und inniglich verflechtet, so dass wir an der Möglichkeit sie aufzulösen, zu enträtseln, verzweifeln möchten. Doch soweit braucht es nicht zu kommen. Wir haben Gäste, wie es scheint. DIKE: Hier sind sie, unsere drei Besucher. Über ihre Anliegen haben sie mir bis jetzt nichts anvertraut. Um jeglichen Missverständnissen mit wem sie es zu tun hätten vorzubeugen, scheint es mir vorteilhaft die Drei mit unserer ganzen Gesellschaft bekannt zu machen. (Sie wendet sich zu den Besuchern.) Zu ihrer rechten, die Herren Möchtegern und Krötenheim. Ihnen gegenüber die drei Gottestöchter, Melpomene, Euterpe und Erato. Ich selber bin Dike, die Göttin der Gerechtigkeit. Legen Sie gefälligst ihre Waffen nieder. Ihrerseits haben Sie von uns nichts zu befürchten. Gleichfalls wir nichts von ihnen, denn wir sechs stehen unter Olympischem Schutz. ERSTER PATRIOT: Wir sind erschienen weder zu beklagen noch zu bitten. Uns geht's darum den Besitz des Führers, des Musterpatrioten Maga Lump, bestätigt zu bekommen, und wo nicht, diesen Besitz mit anderen Mitteln wiederherzustellen. Von zuverläss'ger Quelle haben wir erfahren, dass unsres Führers Eigentum ihm plötzlich ohn' jegliche Erklärung, und durch die Einwirkung vier unbekannter Frauen, vom zuständigen Gericht entzogen worden ist. Das darf nicht sein. DIKE: Sie richten ihren Antrag an die falsche Stelle. ZWEITER PATRIOT: Dann sagen Sie die Richtige wohin wir unsren Antrag richten müssen. DIKE: Sie der rechten Stelle für ihr Unternehmen zu unterweisen ist nicht unsre Angelegenheit. DRITTER PATRIOT: Unsinn, was brauchen wir Gerichte, die wir Sturmgewehre in den Händen haben. Wir werden jene Wilderer belehren, wem unsres Führers Haus gehört. Dazu sind Kugeln und Gewehre. ERSTER PATRIOT: Das Ungeziefer aber das wir hier gefunden haben, das sollten wir sogleich vernichten. (Bei diesen Worten haben die vier Göttinnen sich in einen Kreis begeben in deren Mitte sie die beiden Männer, Möchtegern und Krötenheim, beschützen.) ZWEITER PATRIOT: Die beiden Männer da, die Feiglinge, wie sie sich hinter den Weibern verstecken, die zerquetschen wir wie Kröten. Die Frauen sind dann Beute unter uns zu teilen. ERSTER PATRIOT: Die große Blonde da, die mit den blauen Augen, die will ich haben, die soll mir gehören, die leg ich mit Beschlag. (Er weist auf Erato) DRITTER PATRIOT: Nicht ganz so schnell. Gerade die ist's, die ich haben wollte. ZWEITER PATRIOT: (Richtet sein Gewehr auf den ersten Patrioten) Was fällt dir ein. Ich kenne die Gewohnheit da, eh es ein anderer erspäht, das beste Marzipan vorwegzuhaschen. Mit solchen Faxen aber, kommst du bei mir nicht durch. (Ein Schuss fällt. Die drei Patrioten liegen ausgestreckt auf dem Boden. Es ist unbestimmt wer getötet, wer verletzt, und wer sich unversehrt zum Schutz auf den Boden hingestreckt haben mag.) MÖCHTEGERN: (im Begriff den Schutzkreis der Göttinnen zu verlassen um den Gefallenen zu helfen) Vielleicht ist Hilfe möglich. Ich will nicht warten bis es zu spät ist. MELPOMENE: Menschen wie denen ist nicht zu helfen. Die graben sich ihr eignes Grab. DIKE: Ich würd's mir zwei Mal überlegen, eh ich in deren Angelegenheit mich mischte. Die haben doch selbst keine Vorstellung, was sie denn eigentlich wollen. Wer ihnen nahe kommt den schießen, den töten sie. Und darauf letzten Endes kommt ihnen alles an. MÖCHTEGERN: Kann's nicht ertragen zuzusehn, wie Menschen leiden. EUTERPE: Der Alte glaubt, und sagt es immer wieder, es wäre nichts als ihre eigene Schuld. Gewisslich nicht die unsere. MÖCHTEGERN: Das macht nichts aus. Hier muss geholfen werden. ERATO: Ich habe Angst. Nein, lieber Möchtegern, ich habe solche Angst um dich. Was nötig ist, das will ich selber tun. Ich habe solche Angst um dich. Ich habe dich so lieb. (In diesem Moment stürzt ein Trupp gewappneter Patrioten durch die Tür.) DIKE: Wir sollten uns ein wenig aus der Feuerlinie zurückziehn. Das mein' ich, wäre klug. Wer weiß was jetzt noch kommt. Es sollt mich nicht verwundern, wenn sie sogleich den Anfang machten auf einander los zu schießen. MÖCHTEGERN: Wär' das nicht Grund den Menschen beizustehn? ERATO: Vielleicht, aber nicht du, mein Möchtegern, du bist ja auch ein Mensch, und weil du menschlich bist, bist zu verwundbar. (Die Musen, Dike, Krötenheim und Möchtegern haben sich in einen entlegenen Winkel des großen Saals zurückgezogen und werden von den herumschwadronierenden Patrioten nicht bemerkt. Diese scheinen sich um ihre drei gefallenen Kameraden kaum zu kümmern, und fangen an erst einander Vorwürfe zu machen, dann einander an eines unbestimmten Schadens zu beschuldigen. Plötzlich ertönen Schüsse. Die Patrioten haben sich in zwei oder mehr Abteilugen geteilt. Der Patriotenteil nãchst der Tür, von ihren Gegnern gedrängt, zieht sich zurück nach draußen. Der Rest der Patriotentruppen folgt ihnen. Nun plötzlich, unerwartet, ist der Saal leer geworden.) KRÖTENHEIM: Endlich, endlich sind wir sie los. EUTERPE: Sag's nicht zu früh. Ich halt's für möglich, dass sie wiederkommen. DIKE: Das scheint mir unwahrscheinlich. Dort draußen haben sie mehr Platz sich zu bekämpfen. Und nun ist's doch wahrhaftig jeder gegen jeden. MELPOMENE: (zu Dike) Meinst du nicht auch, wir sollten etwas unternehmen, um dem zerstörerischen Unfug der sich dort draußen abspielt und noch gröber zu entwickeln scheint, endlich Einhalt zu gebieten? DIKE: Ich stimm' dir zu. Will mich beraten mit den andren Göttern um zu entscheiden wie wir's machen. (Sie geht an den Telephonapparat der auf einem kleinen Tisch an der Seite steht, und scheint zu sprechen, aber ihre Worte sind unverständlich.) 9.Teil 999999999999999 Schließlich geht Melpomene ins Haus. Sie wählt die Telephonnummer ihres Vorgesetzten Apollo, und beschreibt Apollo was geschehen ist und was jetzt auf der Schnellstraße vor sich geht. Apollo antwortet mit zwei kurzen Worten. "Ich komme" hörte Melpomene ihn sagen. Er lässt nicht auf sich warten. Betrachtet die Unruhen auf der Schnellstraße. Auch ihm ist's nicht klar was man, was er tun sollte. Sagt zu sich und zu den Göttinnen und Menschen Primum lex non nocere. ἐπὶ δηλήσει δὲ καὶ ἀδικίῃ εἴρξειν ἀσκέειν, περὶ τὰ νουσήματα, δύο, ὠφελέειν, ἢ μὴ βλάπτειν). Überall sind Lautsprecher angebracht, doch das Mikrophon dessen Apollo sich bedient ist nirgends in Sicht. Eindeutig und klar hallt jetzt seine Stimme über das unruhig schäumende Menschenmeer. APOLLO: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Ich weiß wer ihr seid; ich weiß was ihr im Sinne habt. Eure Versuche es mir zu verhüllen sind unnütz. Zwar hat Heraklit behauptet, dass alles fließt und dass sich alles verändert. aber nicht unbedingt. Ich weiß: es bleibt ein jeder der er ist. Von euch kann keiner anders werden. Ich nehme jeden von euch wie er ist. Ihr gleichfalls müsst mich nehmen wie ich bin. Denn euch steht nichts zur Wahl. Bin nicht gesinnt um eure Gunst mich schmeichelnd zu bewerben, gesonnen nicht euch guten Rat zu geben. Ich befehle euch. Ich gebiete euch. Meine Macht über euch ist das Licht, und wenn ihr mir nicht gehorcht schalte ich es aus, und lasse euch in schwarzer Nacht verkommen. APOLLO: (fährt fort) Mein einziger Befehl an euch ist dass ihr erkennt, dass ihr Schauspieler seid. dass ihr euch wie die Schauspieler betragt, die ihr seid. dass ihr euch als Schauspieler an dem Schauspiel beteiligt wie ich es euch vorschreibe. Es ist nur ein einziges Schauspiel, es ist nicht übermäßig lang, und es hat ein Ende, aber es ist rekursiv. Das Ende des Schauspiels ist sein nächster Anfang, so dass ein endendes Schauspiel jeweils in sich selbst wie in ein neues Schauspiel mündet. Daher wird euer Leben zum Schauspiel, zu diesem Schauspiel das ich euch vorschreibe und daher vergeht euer Leben als Schauspiel. Von diesem Schauspiel gibt es keine Erlösung als den Tod. Nun singt alle zusammen mit mir: In diesen heil'gen Hallen, Kennt man die Rache nicht. -- Und ist ein Mensch gefallen; Führt Liebe ihn zur Pflicht. Dann wandelt er an Freundeshand Vergnügt und froh ins bess're Land. In diesen heiligen Mauern, Wo Mensch den Menschen liebt, Kann kein Verräther lauern, Weil man dem Feind vergiebt. Wen solche Lehren nicht erfreu'n, Verdienet nicht ein Mensch zu seyn. APOLLO: (fährt fort) Ich glaub' das nicht; auch ihr habt keinen Grund daran zu glauben weil's gelogen ist, Gesellschaft kann der Lüge nicht entbehren. Wahrheit kennt nur den Einzelnen, und nur der Einzelne vermag sie zu erkennen. Für die Gesellschaft ist die Lüge unerlässlich. Vielleicht, wenn man, wie's Credo in der Messe, es oft genug wiederholt, fängt auch der Einzelne an daran zu glauben, und wird durch seinen Glauben so verwandelt, dass Lüge Wahrheit wird. APOLLO: (Zu den bewaffneten Truppen die zögern ihre Waffen niederzulegen.) Legt euere Sturmgewehre auf den Haufen von wo ich sie demnächst verschrotten lasse. Übt euch in eure Schauspielrollen ein. Dort sind Regale mit Gesetzesbänden. Geht, schlagt sie auf und lest und lest bis eure müden Augen euch versagen und tut als ob ihr was ihr lest verstündet. Geht an die Schränke, sucht euch Formulare und füllt sie aus. Verfertigt was euch leer und sinnlos dünkt, als ob's euch heilig wär. (Die bewaffneten Truppen haben begonnen sich in das verordnete Schauspiel einzuüben. Sie haben ihre Sturmgewehre auf einen Schrotthaufen gelegt, und haben sich an Tische begeben, die von Dienern in den Vordergrund der Bühne geschoben sind. Auf einem großen Bildschirm im Hintergrund erscheinen Einkommensteuer und andere Formulare mit deren Ausfüllung (completion) die ins Schauspiel abgedankten Empörer sich nunmehr beschäftigen müssen.) APOLLO: (wendet sich zu Dike) Versteh ihn, Dike, und vergiss ihn nicht, den großen Dienst der von euch Rechtsgelehrten den Göttern und den Menschen gleichfalls geleistet wird. Das ist den künftgen Übeltäter mit Kleinkram von Gewaltverbrechen abzuhalten. So lange sie euere Formulare ausfüllen sind sie zu beschäftigt einander zu erschießen. Doch diese lebenslangen Pflichten befehl ich sollt ihr täglich unterbrechen und aufmarschiern zum Kriegerfriedhof wo begraben sind die Kameraden die sich gegenseitig totgeschlagen. Dort fall auf eure Knie tut so als ob ihr Reue spürtet, versprecht ohne es ernst zu nehmen, dass ihr in ewgem Frieden mit einander leben wollt, und dann marschiert zurück und seid Beamte. Außerdem hat Apollo das Legen von großen tiefen Abflussröhren quer unter der Schnellstraße angeordnet, so dass von nun an die Kröten unbehindert und ungefährdet, unterhalb des rasenden Verkehrs und von ihm geschützt von ihrem heimatlichen Gefilden in Krötenheim ins gelobte Tierschutzparadies zu wandern befähigt sind. Apoll befiehlt dass Möchtegern und Krötenheim von Oberrichter Lump begnadigt werden. Für alle diese Mühen schickt Apoll die Rechnung an Jahwe, mit Anweisung die Schulden sollten so bald wie möglich durch Überweisung an das olympsche Konto abetragen werden. Krötenheim ist von der neuen Krötenordnung begeistert. Apollo und Dike haben sich zurückgezogen. Melpomene und Euterpe verabschieden sich. Erato erklärt sie müsste verbleiben um für Möchtegern den Haushalt zu führen und bei ihm bleiben um ihm bei seinem Dichten behilflich zu sein. Er wird sterben, sagt Erato, und da will ich, da darf ich ihn nicht allein lassen. Ach, Erato, flüsterte Möchtegern, und fäng an zu singen: Bist du bei mir, geh ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh. Ach wie vergnügt wär so mein Ende, es schlössen deine schönen Hände mir die getreuen Augen zu. Tatsächlich hatten Möchtegern und sie sich mit einander verlobt. Auf Melpomenes Rüge, die Verlobung mit Irdischen sei den Göttinnen verboten, antwortet Erato verboten von wem, von dem alten Philanderer, von dem Frauenverächter auf dem Olymp lasse ich mir nichts verbieten. Der soll sich um seine eigenen Liebschaften kümmern. Zum Schluss singt Möchtegern: Und so sind wir verlobte und verbundene, in Freud und Leid, in Wehtun und Verzeihn. Erato berichtigt ihn, weist darauf hin, dass dies eigentlich ungenau sei, denn es gäbe nichts zu verzeihn, da sie einander nie wehgetan hätten, und es niemals tun würden. Sie umarmen und küssen sich indem der Vorhang fällt. * * * * * 10 Nachspiel und Vorspiel 10101010101010101010101010101010 Nachgespieltes Vorspiel: Der Vorhang öffnet sich auf einen wüsten verwildeten Soldatenfriedhof mit Fahnen vieler Länder. Kröten krabbeln über Gräber welche unterschiedlich mit Halbmond, mit Stern, und mit Kreuz angezeigt sind. Zwischen den Gräbern liegen schlafende oder gefallene Soldaten mit gestreckten Gewehren. Im Hintergrund drei ragende Kreuze. Erst sanftes kaum hörbares Orgelspiel, dann in vollem Chor: "Ach Herr, lass dein lieb Engelein Am letzten End die Seele mein In Abrahams Schoß tragen, Den Leib in seim Schlafkämmerlein Gar sanft ohn eigne Qual und Pein Ruhn bis am jüngsten Tage! Alsdenn vom Tod erwecke mich, Dass meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottes Sohn, Mein Heiland und Genadenthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, Ich will dich preisen ewiglich! (Herzlich lieb hab ich dich, o Herr," 3. Vers , Martin Schalling, 1571) Vorübergehend völlige Stille. Dann stürmischer Applaus, Händeklatschen, Fußstampfen, Gejohle und Gelächter. Der Vorhang fällt. XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX Apollo lässt Lump, Möchtegern, Krötenheim ihre Rollen wählen: Lump will Zeus spielen. Sie werden Oberrichter, Schalk, (Eulenspiegel), :(Tier)arzt. 11. Anhang 11-11-11-11-11-11-11-11-11-11-11-11-11-11-11 Lump besucht Krötenheim bei Möchtegern und beklagt sich über die Rettungsinitiative. Das Transportieren von wilden Tieren sei verboten. Sein Zaun sei um ein Tierschutzgebiet zu schonen und verteidigen. Das Töten der Tiere sei zu deren Gunsten, denn es gäbe ihrer zu viele; sie verschmutzten die Welt und verursachten den Klimawandel. Lump trifft die Musen und ist von ihren Gestalten begeistert. Er lädt sie ein ihn zu besuchen. Für jede ein Einzelzimmer. Sie würden sich bei ihm und mit ihm "zuhause" fühlen. Er sei ganz wie ihr Vater. Er rekrutiert sie zu seinem Schönheitswettbewerb, als Teilnehmerinnen, dann als Vorsteherinnen. Singt vor "Drum kann ich erst leben, wenn ich etwas Herrliches erhöhe über mich. "So wie du bist so hab ich keinen Menschen je gesehn." "Circe ..." Verspricht seinen Zaun abzubauen um eine Beziehung zu Erato. =============== Die Musen entbehren der irdische Herberge der sie bedürfen. Lump lädt sie zu sich ein. In seinem großen Haus stellt er einer jeden von ihnen ein Einzelzimmer mit Doppe;lbett zur Verfügung. Bietet sich einer jeden an als Zeus der weder den Ehebruch noch den Inzest verschmähte. Wird von Melpomene für sich selber und für (on behalf of) ihre Schwestern abgelehnt, mit dem Vorwandt, diese Verbindungen müssten preemptively vom Olympusamt genehmigt werden. Als diese Genehmigung nicht erfolgt, wird Lump rasend, bewirft sie mit Krötenschalen ... Hermes, Dike werden zurat gezogen. Es stellt sich heraus, dass auch unter Göttern eine Ordnung herrscht, dass die Götter in ihrer Weise nicht weniger als Menschen der Ordnung bedürfen. Die Musen dienen der Kunst, nicht der Geschlechtlichkeit. Lump erklärt seinen Gästen er sei ein hoch kultivierter Mann, seine Philosophie sei die Ehrfurcht vor dem Leben, er selbst wäre Dichter und Musiker und Opernsänger, komponiere Musik, und bäte um Gelegenheit ihnen seine Krötenliebeslieder vorzutragen. Kröten mögen sicher weiden, wo ein guter Hirte weilt. Das hätte er selbst komponiert. Nachdem Apoll mit dem immer von Neuem Schauspiel die neue Gesellschaftsordnung eingerichtet hat, bereiten Dike und er sich auf die Rückreise zum schneegekrönten Gipfel. Sie setzen voraus dass die drei Musen sie begleiten würden, haben bereits Flugkarten nach Athen gekauft, aber als Apoll die drei Musen von den ausgemachten Plänen benachrichtigt, stößt er auf unerwarteten Widerstand. Die drei wollen nicht zurück zu den Göttern. Sie wollen auf der Erde bleiben. Tatsache dass sie sich in die drei Männer verliebt haben. Melpomene rechtfertig sich mit der dringenden Notwendigkeit Lump zur Kultur zur Menschlichkeit, und vor allem zur Wahrheit zu bekehren. Euterpe erklärt dass Krötenheims Krötenliebe doch letzten Endes psychopathisch und soziopathisch sei, denn es sei dem Menschen erlaubt nur die Götter, die Natur, und andere Menschen zu lieben, Krötenheim sei dringend der Psychotherapie, welche in gegebenem Fall die aktive Anstellung einer weiblichen Psychiaterin unumgänglich machte. Erato erklärt sie weigerte sich Möchtegern zu verlassen, denn aller olympischen Vorschriften zuwider hätte sie sich in Möchtegern verliebt. Er wäre im Begriff eine Krötenkomödie zu verfassen, eine selbstgestellte Aufgabe welche er nicht ohne ihren Beistalnd zu bewältogen vermöchte. Dike wird entscheiden, denn gesetzmäßige Entscheidung von Strittigkeiten unter den Göttern ist ihr Amt. Apoll muss sich der Gerechtigkeit fügen. Dike beruft sich auf die Diotimalehre, dass die Poesie wie die anderen schönen Künste nicht so sehr die Agape, sondern vor allem den Eros voraussetzt und vollendet. Der Musen Auftrag unleugbar, unbestreittbar sei die Förderung, Pflege, und Ausübung der Poesie, weshalb die ars amatoria (Ovids) unverzichtbar, unabdinglich. Der Amazonenkrieg mit dem Penthesilea Vertrag (Abkommen). Die Hera Doktrin, der Ehemann käme unvermeidlich auf das kuturelle Niveau seiner Frau. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Jagdkantate Diana (S I), Pales (S II), Endymion (T), Pan (B) 1. Rezitativ S I Was mir behagt, Ist nur die muntre Jagd! Eh noch Aurora pranget, Eh sie sich an den Himmel wagt, Hat dieser Pfeil schon angenehme Beut erlanget! 2. Arie S I Jagen ist die Lust der Götter, Jagen steht den Helden an! Weichet, meiner Nymphen Spötter, Weichet von Dianens Bahn! 3. Rezitativ T Wie? schönste Göttin? wie? Kennst du nicht mehr dein vormals halbes Leben? Hast du nicht dem Endymion In seiner sanften Ruh So manchen Zuckerkuß gegeben? Bist du denn, Schönste, nun Von Liebesbanden frei? Und folgest nur der Jägerei? 4. Arie T Willst du dich nicht mehr ergötzen An den Netzen Die der Amor legt? Wo man auch, wenn man gefangen, Nach Verlangen, Lust und Lieb in Banden pflegt. 5. Rezitativ S I, T Ich liebe dich zwar noch! Jedoch Ist heut ein hohes Licht erschienen, Das ich vor allem muß Mit meinem Liebeskuß Empfangen und bedienen! Der teure Christian, Der Wälder Pan, Kann in erwünschtem Wohlergehen Sein hohes Ursprungsfest itzt sehen! - So gönne mir, Diana, daß ich mich mit dir Itzund verbinde Und an sein Freuden-Opfers zünde. - Ja! ja! wir tragen unsre Flammen Mit Wunsch und Freuden itzt zusammen! 6. Rezitativ B Ich, der ich sonst ein Gott In diesen Feldern bin, Ich lege meinen Schaferstab Vor Christians Regierungszepter hin, Weil der durchlauchte Pan das Land so glücklich machet, Daß Wald und Feld und alles lebt und lachet! 7. Arie B Ein Fürst ist seines Landes Pan! Gleichwie der Körper ohne Seele Ich will die Pflicht auch niederlegen, Und da das ganze Land von Vivat schallt, Auch dieses schöne Feld Zu Ehren unserem Sachsenheld Zur Freud und Lust bewegen. 9. Arie S II Schafe können sicher weiden, Wo ein guter Hirte wacht. Wo Regenten wohl regieren, Kann man Ruh und Friede spüren Und was Länder glücklich macht. 10. Rezitativ S I So stimmt mit ein Und laßt des Tages Lust vollkommen sein! 11. Chor Lebe, Sonne dieser Erden, Weil Diana bei der Nacht An der Burg des Himmels wacht, Weil die Wälder grünen werden, Lebe, Sonne dieser Erden. 12. Arie (Duett) S I, T Enzücket uns beide, Ihr Strahlen der Freude, Und zieret den Himmel mit Demantgeschmeide! Fürst Christian weide Auf lieblichsten Rosen, befreiet vom Leide! 13. Aria S II Weil die wollenreichen Herden Durch dies weitgepriesne Feld Lustig ausgetrieben werden, Lebe dieser Sachsenheld! 14. Arie B Ihr Felder und Auen, Laßt grünend euch schauen, Ruft Vivat itzt zu! Es lebe der Herzog in Segen und Ruh! 15. Chor Ihr lieblichste Blicke, ihr freudige Stunden, Euch bleibe das Glücke auf ewig verbunden! Euch kröne der Himmel mit süßester Lust! Fürst Christian lebe! Ihm bleibe bewußt, Was Herzen vergnüget, Was Trauren besieget! Die Anmut umfange, das Glücke bediene (begrüße) Den Herzog und seine Luise Christine! (Den Maga und seine Ursel, die Süße) Die Anmut unfange, das Glück soll bedienen Den Maga und alle die Frauen die ihn lieben Sie weiden in Freuden auf Blumen und Klee, Es prange die Zierde der Fürstlichen Eh, Die andre Dione, Fürst Christians Krone! Knie ========================= MELPOMENE: Ihr rügt mir mein Verhältnis zu Herrn Lump, Es ärgert euch, dass ich ihm wohlgesinnt bin. Ihr findet Anstoß an meiner freundlichen Gesinnung, nennt's Liebe wenn ihr wollt. Scheinbar habt ihr vergessen mit wem ihr sprecht. Ich selber bin Melpomenē‚ anmut'ge Sängerin tragischer Dichtung und von Trauerliedern, bin auch die Älteste von uns, und deshalb dünk ich mich verantwortlich für was wir unternehmen, und wie wir uns betragen. Der Maga Lump ist Held des Trauerspiels beseht ihn nur von welcher Richtung immer wie ihr wollt. Er ist so wie er ist, und deshalb ist ihm nicht zu helfen. Vielleicht bedauern oder sonst beklagen mögt ihr ihn. Aber was hülfe das? Wäre vielleicht mit einem solchen verehelicht zu sein die bitterste Tragödie die eine Frau befallen möchte für sie das Unglück, doch für ihn das größte Glück. So gibt es Dialektik auch in der Eudämonie. Und da mein Amt die Trauerlieder sind, sollt ich sie singen nur, vorspielen, vortragen statt ins dichteste in sie verwoben sein. Die Ehe ist des Menschen höchstes Glück, dabei auch sein höchstes Unglück. Wie könnte ich umhin, wie wäre es mit meinem Amt vereinbar mich nicht mit ihm zu verbinden. Das Äußerste zu wagen, das Äußerste zun sein das ist die höchste Pflicht, nicht nur der Götter, in höherem Maße noch der Göttinnen Wie könnte ich mich als Muse des Tragischen in eine glückliche Ehe fügen. Ihr meint ich solle mich überhaupt, grundsätzlich, in keine Ehe einbinden. Aber ist nicht das Alleinsein schon das Gefühl von meinem Glück, und wie sollte das Glücksgefühl vereinbar sein mit meinen amtlich beruflichen Pflichten? Der Richtige, wenns einen gibt für mich, der wird mich schwer beleidigen und traurig machen. ========================== Mon May 6 08:46:59 EDT 2019 Vorgesehene Änderungen: Die drei Musen verlieben sich in die drei Männer: Erato => Möchtegern Euterpe => Krötenheim Melopomene => Lump Die Göttinnen werden Menschen. Vergleich zu Goethes Iphigenie: Deren Tugend war nicht die Liebe, sondern das Aussprechen einer vermeintlichen Wahrheit. vgl: "Mein Kind was werden wir nun sprechen: Die Wahrheit, - wär sie auch (Bekenntnis eines) Verbrechen(s)". Melpomene veredelt Lump wie Iphigenie den Thoas veredelt. Aber Iphigenies (kantsche) Tugend, das Aussprechen der Wahrheit ist lieblos, und Apollo,ob gleich er keiner evangelischen Gemeinde angehört, meint dass die Rettung der Welt nicht nur der Wahrheit sondern auch der Liebe bedarf. So wird das gegenseitige Verhältnis von Liebe und Wahrheit zum (Haupt)thema des Librettos. So wird die kantsche Lieblosigkeit des nichts als Wahrheit Sagens durch eine apollonische Synthese von Liebe und Wahrheit ersetzt. Es kommt nicht auf die objektive logische Wahrheit an, sondern auf die subjektive Wahrheit der Liebe. Die Objektivität der Wahrheit wird durch die (Subjektivität der) Liebe ersetzt. Die Liebe schafft (etabliert) Wahrheit, indem sie die Wirklichkeit verwandelt. Melpomene "erlöst" Lump nicht indem sie ihn in einen edlen Menschen verwandelt, sondern indem sie, wie eine echte Quakerin, in ihm einen edlen Menschen verborgen entdeckt. That of God in every man. Ich will Apollo fragen, ob er meint es wäre wünscheswert zugleich "that of Zeus in every man" zu suchen? Die vielleicht übertriebene Idealisierung des hebräischen Gottes bereitet Schwierigkeiten besonderer Art. Jedenfalls wird Lump von Melpomene überredet den Zaun nicht nur von der Schnellstraßenböschung, sondern auch aus der Seele zu entfernen. Ihrerseits bringt Euterpe Krötenheim zu dem Verständnis, dass die Liebe zu Menschen wesenlicher ist als die Liebe zu den Kröten, und dass die Liebe zu Kröten die Liebe zu Menschen nicht ersetzt. Und Erato "bleibt bei" Möchtegern in einer Weise die ihm das Gefühl ermöglicht: Bist du bei mir, geh ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh. Die gleichzeitige Erscheinung auf der Bühne von männlichen und weiblichen Wesen, von Männern und Frauen, macht es gelegen, und vielleicht unvermeidbar die besoderen Beziehungen der Geschlechter zu einander zu bedenken, ob agapisch, ob heteroerotisch oder homoerotisch. Ich schlage folgende Begriffsbestimmungen vor: Götterehen sind nicht Menschenehen und nicht Tieresehen. Götterehen sind Verbindungen des Geistes oder der Geister. Tieresehen sind Verbindungen der Leiber. Menschenehen sind Zwittererscheinungen. Zu beschreiben und zu unterscheiden sind: die Beziehungen (ehelich oder anderweitig) unter Göttern, die Beziehungen (ehelich oder anderweitig) eines Gottes zu einem Menschen, und die Beziehungen (ehelich oder anderweitig) unter Menschen. Diese Beziehungen sind so vielfältig, dass Verallgemeinerung vielleicht ausgeschlossen ist. Wie aber möchte die "Verbindung", welcher Art auch immer, die "Ehe" einer Göttin mit einem Menschenlumpen zu deuten sein? In der Oper Arabella wird dir Engelhaftigkeit der Frau mehrmals betont. Am Anfang seiner Liebschaft mit Arabella, singt Mandryka: "Das ist ein Engel der vom Himmel steigt." An Ende der Oper, beschreibt Mandryka seine Beziehung zu ihr: "Auf immer, du mein Engel ..." Gewiss ist Krötenheims Liebe zu den Kröten alles andere als erotisch. Ist es passend, dass Krötenheim und Euterpe sich gegenseitig lieben? Wie verhält sich Krötenheims Liebe zu den Kröten mit seiner Liebe zu Euterpe? Wäre vielleicht Krötenheims erotische Liebe von der Göttin mit Agape erwidert? Und wenn, ist diese Liebe Eros oder Agape? Ist Eros unvermeidlich leidenschaftlich? Ist Agape notwendigerweise leidenschaftslos? oder zeigen diese Fragen dass die Eros-Agape Dichtomie verfehlt ist? In welcher Weise möchte Euterpe als Engel-Göttin, den Krötenheim lieben? In welcher Weise vermag Krötenheim die Göttin Euterpe lieben? Würde (Wird) Krötenheims bestehende Liebe zu den Kröten durch seine keimende Liebe zur Göttin verdrängt. Ist Rilkes "Ein jeder Engel ist schrecklich" Ausdruck der Enttäuschung dass seine leidenschaftiche Not durch nichts als leidenschaftsloses Wohlwollen erwidert wird. Oder sollten diese drei Göttinen zu menschenähnlichen Frauen werden eben so wie Zeus in seiner Beziehung zu Semele, Io, und zu Alkmene als menschenähnlicher Mann erschien. Das Problem ist ein ethisches: Wie werden Wesen und Handlungen der Menschen durch der Götter Fürsorge beeinflusst. Für diesen Einfluss sind Leidenschaft der Menschen und Leidenschaftslosigkeit der Götter und Göttinnen Vorbedingung. Die ethische Problematik wird schließlich durch einen Göttergipfel erläutert, Erato, Euterpe, Melpomene, Dike und Apollo besprechen die Problematik und mögliche Lösungen. Vielleicht erscheint Paulus als christlicher und Jesaja als jüdischer Berater. τὰς ἐν Πιερίῃ Κρονίδῃ τέκε πατρὶ μιγεῖσα Μνημοσύνη, γουνοῖσιν Ἐλευθῆρος μεδέουσα, 55 λησμοσύνην τε κακῶν ἄμπαυμά τε μερμηράων. ἐννέα γάρ οἱ νυκτὸς ἐμίσγετο μητίετα Ζεὺς νόσφιν ἀπ᾽ ἀθανάτων ἱερὸν λέχος εἰσαναβαίνων: ἀλλ᾽ ὅτε δή ῥ᾽ ἐνιαυτὸς ἔην, περὶ δ᾽ ἔτραπον ὧραι μηνῶν φθινόντων, περὶ δ᾽ ἤματα πόλλ᾽ ἐτελέσθη, 60 ἣ δ᾽ ἔτεκ᾽ ἐννέα κούρας ὁμόφρονας, ᾗσιν ἀοιδὴ μέμβλεται ἐν στήθεσσιν, ἀκηδέα θυμὸν ἐχούσαις, τυτθὸν ἀπ᾽ ἀκροτάτης κορυφῆς νιφόεντος Ὀλύμπου. Ἡσίοδος Them in Pieria did Mnemosyne (Memory, who reigns over the hills of Eleuthera, bear of union with the father, the son of Cronos, [55] a forgetting of ills and a rest from sorrow. For nine nights did wise Zeus lie with her, entering her holy bed remote from the immortals. And when a year was passed and the seasons came round as the months waned, and many days were accomplished, [60] she bore nine daughters, all of one mind, whose hearts are set upon song, and whose spirit is free from care, a little way from the top-most peak of snowy Olympus. Hesiod, Theogony ========================== Zusatz vom 10. Mai 2019 um 10:15 Ich stelle mir vor folgende Abteilungen des Librettos: 1. Der einsame Möchtegern - Habe nun ach, Philosophie, Juristerei und leider auch Theologie studiert ... beklagt den Verlust der Muetter (sic) und der Geliebten. Statt Mephisto, erscheinen die Musen. 2. Der Besuch von den Freundinnen, Erato, Euterpe, Melpomene 3. Der Besuch und die Klage von Krötenheim: so ist die Welt 4. Gemeinsamer Versuch der Krötenrettung auf der Schnellstraße 5. Unterbrechung und Anklage von Lump und seiner Krötenjäger 6. Auseinandersetzung bei Lump 7. Lumps Versuch sich einzuschmeicheln 8. Zerwürfnis in Lumps Villa zwischen den Krötenliebhabern und den Krötenverächtern 9. Einbeziehung von Dike 10. Enteignung Lumps Grundbesitz im Katasteramt 11. Aufstand der Lumpisten; Bürgerkrieg 12. Apoll wird benachrichtigt und kommt Harmonie zu stiften 13. Konferenz der Götter in Möchtegerns Küche. Gedankliche Klarlegung der Problematik 14. Mit Hilfe von Möchtegern, Melpomene, Euterpe und Erato, komponiert Apoll das Schauspiel. 15. Alle beteiligten üben sich ein. Die Generalprobe. Dress rehearsal. 16. Im vorgeschriebenen Schauspiel MÜSSEN die Göttinnen sich wie Menschen betragen, müssen sich verheiraten lassen, (Du mein Engel!) und die Menschen, im gegebenen Fall, Möchtegern, Krötenheim und Lump, wie Götter. Lump bittet um die Rolle des Zeus und verspricht dasserein erstklassige Betragen. Der Götter höchste Begierde sind die Macht und die Mädchen. ================== Der adhoc bestellte Götterrat besteht aus Apollo, Dike, Melpomene, Euterpe, Erato, Jesaja, Hiob und Paulus. Die stellen betreffs des Krötenstreits eine Erkundigungsuntersuchung an. Diese Untersuchung ergibt verschiedene Feststellungen: 1. Krötentod durch Autounfall ist Geschehen welches das Gleichgewicht der Naturvorgänge keineswegs gefährdet, weil a) das Sterben zu beliebigem Zeitpunkt dem Krötenschicksal inbegriffen ist, b) für das Aussterben des Krötengeschlechts wegen seiner Fruchtbarkeit keine Gefahr besteht, c) der Zerquetschungstod, wie ästhetisch zuwider auch immer, dennoch so plötzlich geschieht, dass mutmaßlich dieser Tod schmerzloser ist als fast jedes naturgemäße Sterben. 2. Die Unempfindlichkeit des Herrn Lump und seiner Anhänger gegen das Töten ist Merkmal einer geistigen Verfassung welche dem Geistesleben des Einzelnen ehr nachteilig zu sein scheint, insofern diese Unempfindlichkeit das Erleben ihrer Träger weithin beschränkt und behindert. Insbesondere behindert diese Unempfindlichkeit die Eingliederung der von ihr Befallenen in das Gesellschaftsgefüge da es ihnen gleichfalls unmöglich ist sich mit der Gemütsverfassung ihrer Mitmenschen abzufinden. 3. Das Gesellschaftsleben ist eine unentbehrliche Bedingung nicht nur der Wirksamkeit, Produktivität, Zufriedenheit und Glückseligkeit der Menschen, sondern letzten Endes auch ihrer Fähigkeit zu überleben. Das Betragen des Herrn Lump und seiner Anhänger steht ihrer Eingliederung in jegliche Gesellschaft entgegen, und macht eine solche Eingliederung auf die Dauer unmöglich. 4. Demgemäß ist eine Abwandlung des Benehmens des Herrn Lump und seiner Anhänger unabdingbar. Herkömmlicherweise würde der Versuch gemacht dies Benehmen durch Strafe zu korrigieren. Solche Strafe bedeutet die Verwandlung des Wesens der Betroffenen. In gegebenem Fall, würde eine zureichende Strafe die Existenz, das Fortbestehen der Individualitäten des Herrn Lump und seiner Gefolgsmänner in Frage gestellt, würde dies Fortbestehen unmöglich machen. Deshalb ist Strafe in diesen Fällen unangebracht. 5. Wo Veränderung unabdingbar ist, und grundlegende Veränderung durch Strafe die Existenz der Person gefährdet, ist das Schauspiel als alternatives Mittel in Betracht zu ziehen. Nicht das Wesen des Schauspielers, nur sein Betragen wird verwandelt. So ist es ein und dieselbe Frau welche auf der Bühne, heute als Arabella, die leidenschaftlich liebende Gattin des Gospodar von Mandryka, morgen als Fidelio, die leidenschaftlich liebende Gattin Leonore des Florestan, und übermorgen als Ariadne, die leidenschaftlich liebende Gattin erst des Theseus und dann, etwas später, des Bacchus spielt. Gewiss, dies alles sind nur Scheinehen, aber wirklich genug um bei den Zuschauern stürmische Begeisterung hervorzurufen. Eine Kunst der es gelingt, anderweitig scheinbar geistig gesunden und normalen Zuschauern so irrsinnige Begeisterung zu entlocken, sollte genügen die Wesen des Herrn Lump und seiner Anhänger hinlänglich zu verdecken um bei ihnen allen gesellschaftsfähigen Persönlichkeiten vorzutäuschen. 6. Das Verfassen von Opernlibretti, von Schauspielen, von Trauerspielen, Lustspielen, Lesedramen ist eine erprobte Kunst. Das Einüben von Schaupielern gleichfalls. Herkömmlich gehts um Geld, Anerkennung und Ruhm. In unserm Falle ist die Existenz, ist das Leben selbst im Spiele. Die Menschen die sich weigern - oder realistischer - die zum Schauspielen unfähig sind, vermögen nicht zu gedeihen, vermögen nicht einmal zu überleben. "Es ist nicht dass ich sie verurteile, oder gar umbringe," erklärt Apoll. Das ist nicht mein Amt. Mein Amt ist sie zu retten, wie der Kapitän des gekenterten untergehenden Schiffs in die Rettungsboote zwingt, so betrachte ich es als mein Amt diese armseligen Menschen auf die Lebensbühne zu treiben, und sie zu dem unerlässlichen Schauspiel zu zwingen." 7. Wissen ist empirisch, ist Erfahrung, will "erlebt" werden. Apoll weiß dass nur ein Schauspiel die Menschen zu retten vermag. Den Inhalt, was gespielt werden soll aber wüsste ernicht zusagen. Dazu zieht er Möchtegern zurat. 8. Die Gegenseitigkeit von Gott und Mensch. Die Menschen bedürfen der Götter. Und umgekehrt. Erotik und agape in den Beziehungen von Göttern und Menschen. Darf, kann, muss zwischen Göttern und Menschen eine erotische Beziehung bestehen? 9. Es ist eine fehlerhafte Voraussetzung, dass dem Kunstwerk, sei es Dichtung oder Musik irgend ein bestimmbares Maß Zulänglichkeit (sufficiency) oder Vollkommenheit zu eigen sein möchte. Diese ungehörige Voraussetzung ergibt sich aus der naturgegebenen Tatsache, dass der Mensch begehrt sein inwendiges Erleben in seiner Außenwelt gespiegelt und von ihr bestätigt zu finden. Realistisch und kritisch betrachtet, haftet jedem Kunstwerk, und jedem Erlebnis von einem Kunstwerk ein Maß Unvollkommenheit und dem entsprechende Enttäuschung an. 10 Der Sinn, Inhalt, Wert des Erlebens des Einzelnen, besteht in der Erkenntnis, in der Einsicht, in dem Verstehen der widersprüchlichen Problematik seiner momentanen gegenwärtigen Existenz, und die Lebenskompetenz diesich aus diesem Begreifen ergiebt. xxxxxxxxxxxxxxx Unfall. Vorerst bleiben die Musen im Hintergrund, von Lump unbemerkt. Als sie schließlich erscheinen und am Gespräch teilnehmen beäugelt sie Lump, bewundert ihre Gesichter, Glieder, Brüste u.s.w. fordert sie auf zu seinem Schönheitswettbewerb. Lädt sie zu sich ins Haus. (Die erste Auseinandersetzung zwischen Krötenheim und Lump findet in Krötenheims Villa statt. Krötenheim bespricht Kultur und Ethik, und die Ehrfurcht vor dem Leben. Seine Hörer lãcheln, lachen über ihn. Ihre Antwort geben sie in der zweiten Auseinandersetzung, Fortsetzung der ersten, dann in Lumps Wohnhaus, wo den Gästen Krötensuppe angeboten wird, und grausame Demonstrationen von der Vivisektion, vom Aufschneiden der lebendigen Tiere und vom Töten der Tiere, so wie auch ein Film vom Überfahren der Tiere.) Ein struppiger Vorgarten eines vernachlässigten baufälligen Hauses. Der Rasen ist ungemäht und dicht bestückt mit Löwenzahn Fruchtstängeln von denen der Wind die winzigen Fallschirmsamen über das hochgewachsene Gras verteilt. Angekettet an jeder Seite der Vordertür ein abgemagerter Jagdhund der anfängt zu bellen als Erato die zerbrochene Gartentür aufschiebt. Als die Hunde Eratos sanft melodische Stimme hören, werden sie ruhig so dass die Göttin die Haustür erreicht ohne von den Bewohnern bemerkt zu werden. Erato klopft, die Tür wird geöffnet, und vor ihr steht ein schwärtiger Mann Schließlich war es doch Melpomene als Leiterin der kleinen Musengruppe die sich zu dem Weg zu Maga Lump aufmachte. Melpomene begibt sich zu Maga Lump um einen Termin für die Konferenz. Nach störrischem Empfang wird sie vom Haushofmeister abgewiesen. Ohne ihre Identität preiszugeben lässt Melpomene erkennen dass sie über erstklassige Beziehungen verfügt, vornehmlich auf den Gebieten der Kunst und der Musik. Maga erbost als er erfährt welch eine ausgesuchte Botin von seinem Angestellten abgewiesen Schließlich war es doch Melpomene als Leiterin der kleinen Musengruppe die sich zu dem Weg zu Maga Lump aufmachte. Melpomene begibt sich zu Maga Lump um einen Termin für die Konferenz. Nach störrischem Empfang wird sie vom Haushofmeister abgewiesen. Ohne ihre Identität preiszugeben lässt Melpomene erkennen dass sie über erstklassige Beziehungen verfügt, vornehmlich auf den Gebieten der Kunst und der Musik. Maga erbost als er erfährt welch eine ausgesuchte Botin von seinem Angestellten abgewiesen worden wäre, lässt die Botin zurückrufen, erklärt ihr dass er Maga auch ein Krötenfreund und Verehrer sei, wenngleich heimlich aus Furcht vor dem Pöbel der es ist, welcher die Kröten verschmäht. Erklärt ihr er sei nicht nur der reichste Mann in Krötenland sondern auch der meist kultivierte, und lädt Melpomene und ihre Genossinnen und Genossen zu einer Versöhnungsveranstaltung, zu einem Versöhnungsfest ein. Die Krötenschutzkonferenz bei Maga Lump beginnt glückverheißend. Maga wiederholt er sei der wohlhabendste Gutsbesitzer in Krötenland. Seine gottgegebene Bescheidenheit verhinderte ihn von der Darstellung seines wirklichen Wesens, denn er sei, wenn auch im Geheimen ein bedeutender Schriftsteller, der Bedeutendste seit Dante Alighieri die von Gott aus Menschlenliebe erfundenen Höllenqualen dargestellt, und nur aus Bescheidenheit unterließe er Maga Lump die Einzelheiten mitzuteilen. Auch sei er Tonsetzer, Musikliebhaber und verwalte (manage) sein eigenes Orchester, das leider am heutigen Tage nicht verfügbar sei. Er habe jedoch eine Schallplattenwiedergabe der Musik die er seinen Gästen vorzutragen gesonnen sei erstellen lassen, die er zu seiner Gäste Erbauung ihnen Vorspielen würde. Maga, als König oder Kaiser gekleidet, sieht aus, genau wie Leonard Bernstein. hält eine Begrüßungsrede in der er seine Liebe zur Natur, zur Menschheit und selbstverständlich zu den Kröten beschwört. Vor allem aber seine eigene, Magas Größe. Und seine Philosophie der Wahrheit. Es gibt ein Festessen, eine Suppe und einen Braten. Auch ein Konzert, eine von ihm selbst komponierte Krötenkantate: Jauchzet frohlocket,auf preiset die Tage, rühmet was heute der Maga getan. Was mir behagt ist nur die muntre Jagd. Kröten können sicher weiden wo ein treuer Maga wacht. und ein Schlusschor. Das neue Regiment Auf jeglichen Wegen Bekröne mit Segen! Friede, Ruh und Wohlergehen, Müsse stets zur Seite stehen Dem neuen Regiment. Glück, Heil und großer Sieg Muss täglich von neuen Dich, Maga, erfreuen, Daß an allen Ort und Landen Ganz beständig sei vorhanden Glück, Heil und großer Sieg! =============================== Lump beteuert Melopomene,die Schildkröte sei ihm das liebste alle Tiere, und die Geburtstagskantate für Prinz Christian von Sachsen-Weißenfels sei eigentlich von ihm selbst Maga Lump komponiert und wäre von seinen, Lumps, Widersachern maliziöser Weise dem längst verstorbenen Thomaskantor zu geschrieben. Der eigentlich Text laute nicht "Schafe können sicher weiden" sondern "Kröten können sicher weiden." ... Wenn Melpomene Lump erklärt, es wäre den Göttinnen verboten sich ohne besondere Genehmigung sich mit Menschen geschlechtlich zu verbinden, wird Lump sehr zornig, bespuckt sie und wirft ihr eine zerquetschte Kröte ins Gesicht ... =============================== Als Möchtegern einwendet er habe ähnliches schon mal gehört, erklärt Maga die bekannten Fassungen seien Plagiat, und er Maga sei deren einziger authentischer Verfasser. Als Krötenheim von Maga den Abbruch des Krötenzaunes fordert wird Maga böse, ausfallend, fängt an seine Besucher zu verschmähen und zu bespucken. Ein schmackhaftes Festessen an dessen Ende Maga Lump seinen Gästen erklärt, dass sie soeben Krötensuppe und Krötenbraten genossen hätten, und fügt hinzu, dass ihr offensichtliches Verdauungsbehagen auf die angemeldeten Krötenbesorgnisse die schlüssige, unbestreitbare Antwort geliefert hätte. Als seine Gäste auf ihre Krötenschutzeinwände bestehen wird Maga Lump zornig. Erst spuckt er den drei Göttinnen und ihren zwei irdischen Begleitern in die Gesichter, und als diese Darbietung seiner Feindseligkeit sich ungenügend erweist seine entschlossenen Besucher einzuschüchtern, zieht Maga Lump aus einem Eimer die Schalen zequetschter Schildkröten und wirft diese nacheinander jedem seiner fünf Besucher in ihre Gesichter. Nun ziehen Erato, Euterpe, Melpomene, Krötenheim und Möchtegern sich zurück. "Ich dachte," sagt Euterpe als sie sich vorsichtig zurück über die Schnellstraße begeben, "dergleichen Benehmen sei auf den Olymp beschränkt, aber scheinbar nicht." =================== Nicht nur die Kröten, die Menschen und vielleicht sogar die menschlichen Götter sind Rettungsbedürftig. Also die Frage die in dem von Apoll inszenierten Abschlussschauspiel sich in den Vordergrund drängt ist, wer rettet wen. Und worin bestünde die Rettung eines jeden. Was denken sie, haben sie Vorschläge? Die Kröten werden durch Umbau der Schnellstrasse gerettet. Wie aber die drei Männer, Möchtegern, Krötenheim, und Lump. bedürfen die Musen der Rettung anders als ihren Pflichten nachzukommen? Was überhaupt heißt Rettung. Es möchte historische Rettungen- wie bei Lessing - oder existentielle Rettungen geben. Apollo erklärt den Musen, dass sie auch zum Schauspiel gehören, dass die Menschen an sie und ihre Fürsorge und Liebe glauben müssen. Er erklärt die Beziehung von agape und eros zu einander. 20190525 Göttergipfel: Jesaja und Apoll diskutieren den Fall Lump. Wie wären die Folgen seiner Zerstörungswut zu verhindern. Vielleicht unmöglich. Hiob und Paulus sind auch zugegen, aber haben bis jetzt nichts beigetragen. Hiob rät Geduld. Paulus rät Glauben. Melpomene fragt, ist Glaube mehr als Leugnen des Seienden, also Selbstbetrug? 20190527 Einsicht, dass Vergeltung, die Lösung Dikes, ein Glied in der Schicksalskette ist Matthew 5:38-48 King James Version (KJV) 38 Ye have heard that it hath been said, An eye for an eye, and a tooth for a tooth: 39 But I say unto you, That ye resist not evil: but whosoever shall smite thee on thy right cheek, turn to him the other also. 40 And if any man will sue thee at the law, and take away thy coat, let him have thy cloak also. 41 And whosoever shall compel thee to go a mile, go with him twain. 42 Give to him that asketh thee, and from him that would borrow of thee turn not thou away. 43 Ye have heard that it hath been said, Thou shalt love thy neighbour, and hate thine enemy. 44 But I say unto you, Love your enemies, bless them that curse you, do good to them that hate you, and pray for them which despitefully use you, and persecute you; 45 That ye may be the children of your Father which is in heaven: for he maketh his sun to rise on the evil and on the good, and sendeth rain on the just and on the unjust. 46 For if ye love them which love you, what reward have ye? do not even the publicans the same? 47 And if ye salute your brethren only, what do ye more than others? do not even the publicans so? 48 Be ye therefore perfect, even as your Father which is in heaven is perfect. King James Version (KJV) 38Ἠκούσατε ὅτι ἐρρέθη, Ὀφθαλμὸν ἀντὶ ὀφθαλμοῦ καὶ ὀδόντα ἀντὶ ὀδόντος. 39ἐγὼ δὲ λέγω ὑμῖν μὴ ἀντιστῆναι τῷ πονηρῷ· ἀλλ᾽ ὅστις σε ῥαπίζει εἰς τὴν δεξιὰν σιαγόνα [σου], στρέψον αὐτῷ καὶ τὴν ἄλλην 40καὶ τῷ θέλοντί σοι κριθῆναι καὶ τὸν χιτῶνά σου λαβεῖν, ἄφες αὐτῷ καὶ τὸ ἱμάτιον 41καὶ ὅστις σε ἀγγαρεύσει μίλιον ἕν, ὕπαγε μετ᾽ αὐτοῦ δύο. 42τῷ αἰτοῦντί σε δός, καὶ τὸν θέλοντα ἀπὸ σοῦ δανίσασθαι μὴ ἀποστραφῇς. 43Ἠκούσατε ὅτι ἐρρέθη, Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου καὶ μισήσεις τὸν ἐχθρόν σου. 44ἐγὼ δὲ λέγω ὑμῖν, ἀγαπᾶτε τοὺς ἐχθροὺς ὑμῶν καὶ προσεύχεσθε ὑπὲρ τῶν διωκόντων ὑμᾶς, 45ὅπως γένησθε υἱοὶ τοῦ πατρὸς ὑμῶν τοῦ ἐν οὐρανοῖς, ὅτι τὸν ἥλιον αὐτοῦ ἀνατέλλει ἐπὶ πονηροὺς καὶ ἀγαθοὺς καὶ βρέχει ἐπὶ δικαίους καὶ ἀδίκους. 46ἐὰν γὰρ ἀγαπήσητε τοὺς ἀγαπῶντας ὑμᾶς, τίνα μισθὸν ἔχετε; οὐχὶ καὶ οἱ τελῶναι τὸ αὐτὸ ποιοῦσιν; 47καὶ ἐὰν ἀσπάσησθε τοὺς ἀδελφοὺς ὑμῶν μόνον, τί περισσὸν ποιεῖτε; οὐχὶ καὶ οἱ ἐθνικοὶ τὸ αὐτὸ ποιοῦσιν; 48Ἔσεσθε οὖν ὑμεῖς τέλειοι ὡς ὁ πατὴρ ὑμῶν ὁ οὐράνιος τέλειός ἐστιν. =============== Die Widerstandsentsagung der Bergpredigtethik erweist eine wesentliche (besondere unvorhergesehene) Problematik: Die Vergeltungsethik bewirkt einen Ausgleich, ein Gleichgewicht, wo keineswegs das abstrakte Recht, oder die Gerechtigkeit zum Ausdruck kommt, sondern es die Macht des Stärkeren ist, welche siegt. Die Bergpredigtethik würde die Welt aud andere Weise, nämlich durch Assimilation verwandeln. Die von Vergeltungsethik bewirkte Veränderung ist zerstörerisch. Die durch Assimilation bewirkte Veränderung ist konstruktiv, erbaulich. Bei der Widerstandlosigkeit der Bergpredigt ergibt sich Veränderung, Verwandlung durch die inwendige Dynamik (Implosion) des Unvollkommenen (Bösen). Welches telos hat die Ethik. Das Gute, das unbedingt Gute, - aber wie bezieht sich dies auf die Gegenwart, auf jetzt und hier, auf die vorgestellte Verpflichtung des Einzelnen, bzw der Gesellschaft. Der Einzelne soll so handeln, dass er keinen Wunsch nach Vergeltung, d.h., keinen Ärger auslöst, zugleich aber die eigenen Bedürfnisse befriedigt. Indem er es es unterlässt Ärger auszulösen, ist es ihm auch möglich die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Forderungen der Gesellschaft stellen sich ihm jeweils in der Gestalt eines anderen der als Beamter auftritt. Der Auftritt des Menschen ist jeweils als Einzelner. Der Inhalt seiner Forderungen ist Ausdruck seiner Bedürfnisse. Diese mögen in unvorhersehbarem Grad von seiner Gesellschaft beeinflusst sein. Wie denn ja auch jeder Auftritt als Einzelner zugleich Auftritt als Gesellschaftsmitglied ist. Es ist unverkennbar, dass der Mensch als einzelnes Wesen geboren wird und lebt, erlebt, wahrnimmt, denkt, empfindet, ermüdet und stirbt. Auch der Soldatensklave, auch der Galeerensklave handelt als Einzelner wenngleich seine Individualität vollständig unterdrückt - zerquetscht wird. Die Menschen vermögen nur zu leben in Gesellschaft, und diese Gesellschaften bilden sich natürlich, wie von selbst, indem sie sich einander anpassen. Ein solches Anpassen ist das Wachstum welches die Gesundheit, das Wohlsein der Menschen bedingt. Nur Einzelne vermögen sich einander anzupassen; Bezirke, Städte, Länder leisten Widerstand und bestehen auf ihre Identität. Bedrohen einander mit unterschiedlichen Identitäten, und bekämpfen einander um diese Identitäten zu bewahren. Daher der Krieg. Apollo sagt, wer ich bin: Ich bin der Sohn des höchsten Gottes, bin Mensch geworden wie ihr, hab mich erniedrigt irdisch zu werden, wie ihr, nein nicht Mensch, sondern Kröte, weil ich nicht angebetet werden will wegen meiner Schönheit. Wir sind alle Kröten. Die Kröte ist schön weil sie hässlich ist. Ich befehle euch die Kategorischen Imperative, als Einzelne zu betragen, die Wahrheit zu sagen, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, Gerechtigkeit zu üben. Das alles ist widersinnig, unmöglich: Denn ihr seid Herdentiere; es ist euch unmöglich einzelne zu sein. Eure Dudensprache, dieser innere Zwang genauso zu sprechen wie alle anderen. Sprache ist zugleich Handlung und Erscheinung. Ihr ethischer Wert ist Wahrheit. Ihr esthetischer Wert ist Grammatik. Die Tugend widerlegt sich selbst; ist Widerspruch. Die Vorgabe dem kategorischen Imperativ zu gehorchen is Unwahrheit. Die einzige Wahrheit ist das Schauspiel, die vorgespielte Tugend, die vorgespielten Werte. Weil alle Werte (Tugenden) sich als widersprüchlich und unmöglich erweisen.