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From: Niels Holger Nielsen <nihoni@icloud.com>
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Subject: Gestalten
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Date: Tue, 23 Apr 2019 02:51:12 +0200
To: ernstmeyer@earthlink.net
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Lieber Herr Dr. Meyer,

f=C3=BCr Ihre freundlichen Osterw=C3=BCnsche herzlichen Dank. Eben geht es a=
m Oster-Montag
auf Mitternacht zu, mir bleibt nur, der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass=
 Sie
sch=C3=B6ne Ostertage verlebt haben. Aber ich wei=C3=9F ja, wie hoch Sie die=
 Anspr=C3=BCche an sich
selbst ansetzen, sodass eine ungemischte =C3=B6sterliche Fr=C3=B6hlichkeit o=
hne Skepsis und
ern=C3=BCchternde Reflexion sich kaum einstellen kann. Gleichwohl haben Sie d=
as Privileg
der sch=C3=B6pferischen Autonomie, die Ihnen eine gro=C3=9Fe gestalterische R=
esilienz verleiht.
Die neue Richtung Ihrer Bem=C3=BChungen, jetzt auch f=C3=BCr die B=C3=BChne z=
u schreiben, erscheint
sehr vielversprechend, verbinden sich doch in Schauspiel und Opernlibretto D=
ialog und
Dialektik zu sehr komplexen Strukturen. Die Kostproben, die Sie bisher gesch=
ickt haben,
beweisen, dass sich hier ein ganz neuer Horizont erschlie=C3=9Fen l=C3=A4sst=
.=20
Ich stelle mich als Zuschauer einer Theaterauff=C3=BChrung vor, der ein Dram=
entext
von Ihnen zu Grunde liegt, und ich w=C3=BCrde nicht nur die schauspielerisch=
e Realisation
des Librettos genie=C3=9Fen k=C3=B6nnen, sondern h=C3=A4tte in einer exklusi=
ven und synchronen
Tiefendimension das Wissen =C3=BCber den Autor und den Entstehungsort in mei=
nem
Bewusstsein. Der Schreibort in der n=C3=BCchtern-funktionalen K=C3=BCche bie=
tet alle=20
unerl=C3=A4sslichen Voraussetzungen, eine Gegenwelt zu entwerfen, die durch S=
prache,
Formwillen und Wagnis gekennzeichnet ist. Der karge Ort als Labor f=C3=BCr d=
ie
Emanation geistiger Welten. Hier sind jeden Tag, jeden Augenblick Neuanf=C3=A4=
nge
m=C3=B6glich, die alle Restriktionen der Alltagswelt =C3=BCberwinden. Und de=
nnoch mache ich
mir Sorgen, wenn Sie die Tatsache der Endlichkeit allen Lebens in so prononc=
ierter
Weise in den Vordergrund stellen.=20
Ich glaube, Ihre Situation und Ihre Befindlichkeit sehr genau zu verstehen, r=
espektiere
dabei aber uneingeschr=C3=A4nkt die Unausrechenbarkeit jeder menschlichen In=
dividualit=C3=A4t.
Ich erlaube mir mal zu behaupten, dass hier eine Grundstruktur Ihrer Existen=
z wie
Ihrer =C3=84sthetik in Parallele zu beobachten sind. Bei aller Offenheit, al=
ler schonungslosen
Ehrlichkeit, allem Wagemut zur Selbstdarstellung, es bleibt die M=C3=B6glich=
keit des
mentalen Vorbehalts, des geistig-moralischen Widerrufs allen Gestaltungen un=
d
Entw=C3=BCrfen eingeschrieben. Das hei=C3=9Ft, man kann Sie und Ihre Produkt=
ionen in
gr=C3=B6=C3=9Fter Transparenz verstehen, gleichzeitig aber auch unvermeidlic=
h verfehlen.
Und das hat mit der Binnenstruktur des Individuums zu tun, die den Widerspru=
ch
schon in sich tr=C3=A4gt. Ein genialer Einfall, Figuren, Gestalten zu erfind=
en, die Ihre
K=C3=BCche beleben und polyphon die Widerspr=C3=BCchlichkeit der Existenz in=
 kritischem
Dialog im Schein spiegeln k=C3=B6nnen. Ich assoziiere dabei auch Goethes =E2=
=80=9Cschwankende
Gestalten=E2=80=9D.
Unter anderen Umst=C3=A4nden h=C3=A4tte ich mir vielleicht einmal eine Koope=
ration vorstellen
k=C3=B6nnen, d.h. einen Dramentext (und sei=E2=80=98s ein Kurzdrama) mit Ihn=
en zu verfassen.
Da w=C3=A4re zu kl=C3=A4ren gewesen, ob es einen gemeinsamen mentalen Vorbeh=
alt geben=20
kann.
Aber nach Lage der Dinge bleibe ich sogar die Antwort auf Ihre wirklich gro=C3=
=9Fen
Briefe schuldig. Ich werde gut daran tun, erst einmal hier das Minimum meine=
r
Pflicht zu erf=C3=BCllen.
In der Hoffnung, trotz allem wieder von Ihnen zu h=C3=B6ren,
und mit herzlichen Gr=C3=BC=C3=9Fen, auch von meiner Frau,
Niels Holger Nielsen





Von meinem iPad gesendet=


