MANDRYKA sieht ihr nach, bis sie oben ist. Jemand muß noch eine Lampe ausgedreht haben, es ist jetzt merklich finsterer. Sie gibt mir keinen Blick, sie sagt nicht Gute Nacht, sie läßt mich stehn und geht. Hab ich was anderes verdient? Was ist verdient auf dieser Welt? Verdient ist nichts, Stockprügel sind verdient für einen Kerl wie mich – aber geschenkt hätt ich gern einen Blick genommen – so einen halben Blick! Welko erscheint, mit einem Glas Wasser auf einem Tablett, sieht Mandryka fragend an. MANDRYKA. Geh nur hinauf! Welko geht hinauf. MANDRYKA traurig vor sich. Sie hat gar nichts gemeint, als ein Glas Wasser haben und Ruh vor meinem Anblick. Oder spotten hat sie wollen, vielleicht –? Wenn sie nur spottet wenigstens, ists doch schon eine Gnade, eine unverdiente, das weiß Gott! Er wendet sich zum Gehen, zögert, wendet sich wieder, schwer, zum Gehen. Arabella erscheint oben, sieht hinunter, ob er da ist, ihr Gesicht[576] leuchtet auf. Sie nimmt das Glas, und steigt mit dem Glas langsam hinunter. Welko hinter ihr. Mandryka schon fast nicht mehr da, wendet sich, sieht Arabella mit dem Glas, das sie mit beiden Händen auf dem Tablett trägt, langsam und feierlich herunterkommen. Vor freudigem Schrecken tritt er hinter sich. ARABELLA von der letzten Stufe. Das war sehr gut, Mandryka, daß Sie noch nicht fortgegangen sind – Mandryka Schritt für Schritt näher. Das Glas da habe ich austrinken wollen ganz allein auf das Vergessen von dem Bösen, was gewesen ist und still zu Bett gehn, und nicht denken mehr an Sie und mich, und an das Ganze was da zwischen uns gewesen ist bis wieder heller Tag gekommen wäre über uns, vielleicht – vielleicht auch nicht. Das war in Gottes Hand. Dann aber, wie ich Sie gespürt hab hier im Finstern stehn hat eine große Macht mich angerührt von oben bis ans Herz daß ich mich nicht erfrischen muß an einem Trunk: nein, mich erfrischt schon das Gefühl von meinem Glück, daß ich gefunden hab den, der mich angebunden hat an sein Geschick mich angebunden daß ich mich nicht mehr losmachen kann – und diesen unberührten Trank kredenz ich meinem Freund, den Abend, wo die freie Mädchenzeit zu Ende ist für mich. Sie steigt von der Stufe und reicht ihm das Glas hin. Welko nimmt ihr geschickt das leere Tablett aus der Hand und verschwindet. MANDRYKA indem er schnell in einem Zug austrinkt und das Glas hoch in seiner Rechten hält. So wahr aus diesem Glas da keiner trinken wird nach mir, so bist du mein und ich bin dein für ewige Zeit! Er schmettert das Glas auf die Steinstufen. [577] ARABELLA steht wieder auf der Stufe und legt ihm die Hand auf die Schulter. Und so sind wir Verlobte und Verbundene auf Freud und Leid, und Wehtun und Verzeihn! MANDRYKA. Auf immer, du mein Engel, und auf alles was da kommen wird! ARABELLA. Und du wirst glauben –? MANDRYKA. Du wirst bleiben wie du bist? ARABELLA. Ich kann nicht anders werden, nimm mich wie ich bin! Sie sinkt ihm in die Arme, er küßt sie, sie macht sich schnell los und läuft die Stiege hinauf. Er sieht ihr nach. Vorhang.