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Liebe Gertraud, lieber Bernd,

empfinde dass meine umgehende Antwort auf Euern Brief der Entschuldigung 
bedarf, jedenfalls insofern sie den Schein auslöst, dass mein Denken an 
Euch in sehr wenigen Minuten abgetan sein möchte. Tatsächlich ist aber 
dass Gegengesetzte der Fall, und was zu entschuldigen wäre möchte sein, 
dass ich mich seit dem Empfang Eures letzten Briefes sehr inständig mit 
Gedanken an Euch, beziehungsweise, mit Euerm Krötenretten beschäftigt habe.

Erlaubt mir folgende Erklärung. Wie Ihr wisst, - oder Euch vorstellen 
könnt, sitze ich während der meisten wachen Stunden in diesen 
Altersjahren am Rechner und vermehre in sinnloser Weise das Unmaß des 
bisher Geschriebenen, bis ich zum Schreiben zu müde geworden bin. Dann 
schalte ich mit dem linken der beiden Rechner, tatsächlich sind es zwei 
die vor mir auf dem Küchentisch stehen, das Program "Youtube" ein, wo 
mir beliebige Oratorien, Kantaten und Opernaufführungen zur Verfügung 
stehen. Während auf dem Bildschirm des linken Rechners Orchester und 
Bühnenbilder erscheinen, lese ich auf dem rechten Rechner den Text, das 
Libretto, das ich wohl sonst auch mit gesunden Ohren kaum zu verstehen 
vermöchte. Kürzlich waren es die von Richard Strauß vertonten Dramen 
Hofmannsthals, Arabella und Ariadne auf Naxos, die mich bannten. 
Keineswegs kritiklos, denn nicht selten höre ich in den Gesängen einen 
ungebührlichen Streit zwischen Dichter und Tonsetzer, wie etwa in 
Ariadne auf Naxos, wenn Zerbinetta in lauten Tönen das Stummsein 
verkündet: "Kommt der neue Gott gegangen, Hingegeben sind wir stumm!" 
Auch an vielen anderen Stellen, wo der Komponist den Sänger veranlasst 
die naturgemäß abnehmende Tonfolge eines Satze auf einer sehr hohen und 
sehr laut gesungenen Note zu beenden. Aber das nur nebenbei. Nebenbei 
auch die Bemerkung, wie im Gegensatz zum ungelesen bleibenden Gedicht 
oder Roman, die Worte eines aufgeführten Theaterstücks oder Oper nicht 
nur gelesen, sondern vom Schauspieler oder Sänger auswendig gelernt 
werden müssen. Was weiteres könnte ein Schriftsteller sich wünschen?

Die Beschreibung Eurer Krötenrettungsaktion hat es mir angetan. Ich 
deute diese Beschäftigung als Inbegriff unserer schwierigen 
problematischen Beziehungen zur Natur, zum Leben von Tieren und 
Pflanzen, und somit als geeignetes Thema zu einem Bühnenwerk, zu einer 
Oper mehr noch als zu einem Theaterstück. Arbeitslos wie ich nun einmal 
bin, verbringe ich meine anderweitig leeren Tage mit Untersuchungen, ich 
deute sie als Entdeckungsreisen auf denen ich ermittle wie weit und 
wohin ich meine Vorstellungen zu entwickeln vermag.

Erster Akt

Eine bürgerliche Küche, an der Längsseite, drei weite hohe Fenster mit 
einem Ausblick auf einen verwilderten Garten.  Unter dem Fenster ein 
Tresen mit einem Waschbecken.  Erato mit aufgerollten Hemdsärmeln wäscht 
das seit mehreren Tagen angesammelte Geschirr.  Euterpe trocknet ab; 
Melpomene legt das gesäuberte Besteck in eine offene Schublade im 
Tresen, und stellt die gewaschenen Teller, Tassen und Untertassen in 
einen Wandschrank mit offenen Flügeltüren.  Die drei Mädchen bewegen 
sich im lieblichen Rhythmus eines schlichten Tanzes.  Möchtegern sitzt 
mit geschlossenen Augen am abgeräumten Küchentisch.  Er hat struppiges 
ungeschnittenes Haar, und ist tagelang unrasiert.

MELPOMENE: Hab keinen Schimmer weshalb man uns hierher bestellt.

EUTERPE: Ich gleichfalls nicht. Weiß aber aus Erfahrung, dass auch die 
Kleinen oft nicht wissen warum sie uns rufen Vielleicht, sag ich mir 
manchmal, aus langer Weile, vielleicht aus schlechter Laune, doch am 
wahrscheinlichsten, weil sie untröstlich einsam sind.  Ihre Stimmungen 
sind unvoraussehbar wie ihr Erdendasein.  Für alle Mängel, für alle 
Schwächen, für alle Unzulängichkeiten in seinem Leben, beschuldigt ein 
jener den Nächsten, im Notfall uns, die Götter, niemals aber sich selbst.

ERATO: Ein Mensch wie der da sitzt ist einsam.  Sieht aus als wär ihm 
seine Frau gestorben.  Nun wartet er auf ihre Wiederkehr.  Wird lange 
warten, er wird sterben müssen.  Im Tode erst wird er sie wiederfinden.

EUTERPE: Du hast die Menschen übermäßig lieb.  Ich sehe sie als 
ungezog'ne Kinder....

Die jungen Frauen sind, wohlbemerkt, drei der neun Musen die den 
olympischen Kunstbetrieb unterstützen und überwachen. Von wem und wozu 
sie in diese unordentlichen Küche bestellt sind, bleibt unbestimmt.  Da 
ihnen augenblicklich keine dichterischen Forderungen gestellt sind 
beschäftigen sie sich mit der überfälligen Geschirrabwäsche, und 
unterhalten sich die Unregelmäßigkeiten des olympischen Lebens und die 
Flegeleien mit welchen sich der göttliche Erzvater ergötzt. Da 
erscheint, tränenvoll und schluchzend, Graf Heinrich von Krötenheim, ein 
Freund und Nachbar von Möchtegern. Krötenheim beklagt das seine 
geliebten Kröten die seit Jahrhunderten sein Bauerngut mit ihm und 
seinen Vorfahren geteilt haben, auf der neu-angelegten Schnellstraße mit 
Vorbedacht zum Sport getötet werden, von Rennfahrern die sich mit dem 
Wettbewerb begnügen einander mit der Zahl der Tierchen die sie bei jede 
Fahrt zu zerquetschen vermögen zu überbieten. Am meisten bedrückt 
Krötenheim, dass ein ehmaliges Tierschutzgebiet an der entlegenen Seite 
der Schnellstraße mittels Bestechung und Erpressung von dem berüchtigten 
Krötenfeind Maga Lump erworben ist. Maga  (Make America Great Again) 
Lump (Trump) behauptet die Kröten seien verseuchte Teufelsboten, welche, 
die wie Schlangen im Paradies, erbarmungslos ausgerottet werden müssten. 
Er ist der Anführer der Wettbewerbsrennfahrer und hat einen dichten Zaun 
gezogen welche die Schnellstraße in eine tödliche Krötenfalle verwandelt 
hat. Nichtsdestoweniger hegt Möchtegern den Glauben an die Vernunft. Er 
denkt dass eine sprachliche Auseinandersetzung mit Maga Lump zu einem 
vernünftigen Einverständnis führen möchte. Möchtegerns Vorschlag wird 
von den drei Musen, Erato, Euterpe und Melpomene mit Begeisterung 
angenommen. Melpomene begibt sich zu Maga Lump und vereinbart einen 
Termin für die Konferenz.

Die Krötenschutzkonferenz bei Maga Lump beginnt glückverheißend mit 
einem schmackhaften Festessen an dessen Ende Maga Lump seinen Gästen 
erklärt, dass sie soeben Krötensuppe und Krötenbraten genossen hätten, 
und dass ihr offensichtliches Verdauungsbehagen auf die angemeldeten 
Krötenbesorgnisse die schlüssige, unbestreitbare Antwort geliefert 
hätte.  Als seine Gäste auf ihre Krötenschutzeinwände bestehen wird Maga 
Lump zornig.  Erst spuckt er den drei Göttinnen und ihren zwei irdischen 
Begleitern in die Gesichter, und als diese Darbietung seiner 
Feindseligkeit sich ungenügend erweist seine entschlossenen Besucher 
einzuschüchtern, zieht Maga Lump aus einem Eimer die Schalen 
zequetschter Schildkröten und wirft diese nacheinander jedem seiner fünf 
Besucher in ihre Gesichter. Nun ziehen Erato, Euterpe, Melpomene, 
Krötenheim und Möchtegern sich zurück. "Ich dachte," sagt Euterpe als 
sie sich vorsichtig zurück über die Schnellstraße begeben, "dergleichen 
Benehmen sei auf den Olymp beschränkt, aber scheinbar nicht." Zuhause 
bei Möchtegern angelangt, verhandelt Melpomene telephonisch mit Hermes. 
"Eine belanglose Angelegenheit," ist seine Antwort, "für deren Lösung 
ist Dike, zuständig." Dike, die Göttin der Gerichte, des Rechts und der 
Gerechtigkeit erscheint unverzüglich, nimmt alle einschlägigen Umstände 
zur Kenntnis, entscheidet, es sei unannehmbar von Menschen den Göttinnen 
zerquerschte Kröten in die Gesichter zu schleudern. Derartiges Benehmen 
sei den Göttern vorbehalten. Dike begibt sich ins Katasteramt, wo sie 
den Sekretärinnen bekannt ist, und sich nicht vorzustellen braucht. Jede 
der Beamtinnen dort weiß dass die Grundbücher grundsätzlich gefälscht 
sind. Die heikle Frage jedoch, ob nicht die Eintragung in ein Buch von 
Fälschungen gefälscht sein muss um wahrhaftig zu sein, braucht keine 
Erörterung. In dieser Hinsicht sind die Richter den Göttern vorbildlich. 
Denn was immer ein Richter schreibt.  wie verlogen auch immer, ist wahr 
weil es vom Richter geschrieben wurde.  Im nu hatte Dike die 
Grundbucheintragung für Maga Lumps Anwesen gelöscht, und mit einem 
angemessenen Trinkgeld an die zuständige Beamtin beglichen.

Dike meinte sie hätte die Krötenrettung ein und für alle Mal sicher 
gestellt.  Aber scheinbar doch nicht. Denn als es bekannt wurde dass der 
Kröten halber und mittels der Einmischung von drei oder vier unbekannten 
Frauen, Maga Lump seines Bauernguts enteignet worden war, da erschienen 
auf der Schnellstraße zwischen Krötenheims Anwesen und Maga Lumps 
einstigem Besitztum, eine Unmenge von Maga Lumps Verehrern, teils in 
braunen, teils in schwarzen Uniformen, bewaffnet mit den Sturmgewehren 
die sie Jahre lang für gerade diesen Augenblick gesammelt hatten. Wenn 
sie verhindert werden sollten die ekligen Kröten ruchlos zu überfahren 
und zu zerquetschen, um unerwähnt zu lassen die anderen Errungenschaften 
Maga Lumps, weswegen sie ihn bewunderten, und die es sie drängte ihm 
nachzumachen, dann war der Augenblick für die Revolution, für den 
Bürgerkrieg gekommen.  Jetzt war die Schnellstraße mit aufsässigen 
Schützen völlig gestaut.  Es waren nicht nur Kröten, die sie nicht mehr 
zu überqueren vermochten.

All diese Unruhen beobachteten mit wachsendem Unbehagen Erato, Euterpe 
und Melpomene als sie mit ihren zwei menschlichen Bekannten auf 
Möchtegerns Veranda standen. Schließlich ging Melpomene ins Haus, wählte 
die Telephonnummer ihres Vorgesetzten und beschrieb Apollo was geschehen 
war und was auf der Schnellstraße vor sich ging. Der antwortete mit zwei 
kurzen Worten. "Ich komme" hörte Melpomene ihn sagen. Er ließ nicht auf 
sich warten. Überall waren Lautsprecher erschienen, doch das Mikrophon 
dessen Apollo sich bedienen würde war nirgends in Sicht.  Eindeutig und 
klar hallte seine Stimme über das unruhig schäumende Menschenmeer. "Ruhe 
ist die erste Bürgerpflicht." hörte jedermann.  "Ich weiß wer ihr seid; 
ich weiß was ihr im Sinne habt. Zwar hat Heraklit behauptet dass alles 
fließt und dass sich alles verändert.  Hugo von Hofmannsthal aber wusste 
es besser. Der hat gesagt, es bleibt ein jeder der er ist, und seiner 
Heldin hat er die Worte in den Mund gelegt: Ich kann nicht anders 
werden. Nimm mich wie ich bin.  Auch keiner von euch kann anders werden. 
Deshalb nehme ich einen jeden von euch wie er ist, wie sie ist. Ich bin 
nicht gesonnen euch guten Rat zu geben. Ich befehle euch. Meine Macht 
über euch ist das Licht, und wenn ihr mir nicht gehorcht schalte ich es 
aus, und lasse euch in schwarzwer Nacht verkommen. Mein einziger Befehl 
an euch ist dass ihr euch als Schauspieler an dem Schauspiel beteiligt 
dass ich euch vorschreibe. Es ist nur ein einziges Schauspiel, und es 
hat ein Ende, aber es ist rekursiv, und das Ende des Schauspiels ist 
sein nächster Anfang, so dass euer Leben zu diesem Schauspiel wird das 
ich euch vorschreibe. Von diesem Schauspiel gibt es keine Erlösung als 
den Tod. Nun singt alle zusammen mit mir:

In diesen heil'gen Hallen,
Kennt man die Rache nicht. --
Und ist ein Mensch gefallen;                               5
Führt Liebe ihn zur Pflicht.
Dann wandelt er an Freundeshand
Vergnügt und froh ins bess're Land.
In diesen heiligen Mauern,
Wo Mensch den Menschen liebt,                             10
Kann kein Verräther lauern,
Weil man dem Feind vergiebt.
Wen solche Lehren nicht erfreu'n,
Verdienet nicht ein Mensch zu seyn.

Ich glaube es nicht, und ich weiß dass auch ihr keinen Grund habt es zu 
glauben. Es ist Lüge. In Wahrheit aber, ist die Lüge dem Leben 
unerlässlich. So befahl Apoll.

Liebe Gertraud, Du fragst wie es mir geht. Die Antwort, in einem Wort: 
Verrückt. Aber verrückt sein bedeutet nicht unbedingt unglücklich zu 
sein. Im Gegenteil, ich wage zu behaupten, der Irrsinn ist Voraussetzung 
für die Zufriedenheit, besonders mit 89 Jahren.

Herzliche Grüße an Euch beide.

Euer Jochen

