Illusion ist das Schlüsselwort des geistigen Lebens. Das es ermöglicht den Widersprüchen und Ungereimtheiten des Denkens - mutig - erbaulich - konstruktiv zu begegnen. Es verlegt (shifts) die Unstimmgkeiten von Erleben-Erfahrung in einen anderen Bereich, nämlich den der Worte, der Logik. So sollte man nachsinnen über Illusionen des Sehens, des Hörens, des Verstehens, des Erinnerns, des Denkens, des Beschließens. Auf allen Gebieten wo wir von Wahrheit oder Vollkommenheit reden möchten, tauchen Illusionen, Täuschungen, Selbsttäuschungen auf. Newtons große Errungenschaft, sein großer Fehler, die Illusion seiner Auslegung der Welt ist die algebräische Gleichsetzung von Raum und Zeit, welche auf wunderbare, erstaunliche Weise dient das Wesen des Raums undb das Wesen der Zeit zu verstecken. Man möchte sagen, Newton versteckt den Raum in der Zeit, und die Zeit im Raum: ob er dabei beide rettet oder beide zerstört möchte dahingestellt bleiben. Jedenfalls hat er den Handlungsbereich der Menschen unvorstellbar erweitert; aber mit sehr hohen Kosten. Hunderte von Jahren lang ist die Menschheit im Netz seiner Gedanken gefangen geblieben. Der Unterschied zwischen Newton und Leibniz. Newtons Erleben war dualistisch. Wissenschaft und Religion waren für Newton getrennt. Für Newton bestand eine absolute, unbedingte Trennung zwischen Subjektivität und Objektivität, zwischen "Wissen" und "Glauben" Im Kielwasser seiner großen mechanischen mathematisch physikalischen Erfindung labte Newton sich und schwelgte in einem betonten gefühlsgetriebenen widervernünftigen Glauben. Leibnizens Einstellung, hingegen, war monistisch. Hingegen war die Trennung von Religion und Wissenschaft, von Gefühl und Ratio, von Glaube und Wissen für Leibniz, wie für mich, nicht annehmbar. Für Leibniz ließen Religion und Wissenschaft nicht trennen. Nun bitte ich Sie, lieber Herr Nielsen, mir den Gott des Physikers, des Mathematikers, des Historikers zu beschreiben. Besagen nicht die mythisch historischen Ausgangspunkte der Volksreligionen unvereinbarkeit mit den Wissenschaften die einen rationalen Ausgangspunkt der Weltgeschicte verlangen? Meine Kenntnis von Leibniz ist beschränkt. Die mathematische geordnete Welt, göttlich außerhab der Zeit gegründet deute ich als einen nicht unbedingt erfolgreichen Versuch die religiöse und die wissenschaftliche Geistesströmungen zusammenzuleiten. Den Vorschlag einer aus geschlossenen trennbaren Monaden bestehenden Welt erkläre ich mir gleichfalls als eine parareligiöse Konstruction, einen Hinweis auf die Identität des Bewusstseins, auf das Ich, auf die Seele. Der wesentliche Unterschied zwischen Newton und Leibniz: Newtons war ein experimentieren mit Sprache und Mathematik, ungebunden an Voraussetzungen religiöser oder anderer Art und deshalb so erfolgreich und wirksam.