Wikipedia berichtet I.F. Stone sei den letztendlich freiweilligen Schierlingsbechertrunk eingegangen um die Demokratie der Athener zu beschämen. Mit diesem Urteil erweist Stone seine eigene geistig-seelische Haltung als Journalist, als Berichterstatter für den die Wirklichkeit sich nicht im privaten, innerlichen Logos sondern im Allgemeinanmerkannten, in der Zeitung, in der Schlagzeile offenbart. Ob Sokrates am Allgemeinsinn so viel gelegen war, mag dahin gestellt bleiben, dahin gestellt bleiben mag auch, ob zwischen dem Öffentlichen und dem Innerlichen der Unterschied letzten Endes so unüberbrückbar ist, wie man gewöhnlich voraussetzt, oder jedenfalls wie ich es bisher kompromisslos behauptet habe. Bin mir bewusst, wie ich mich dem Hohn aussetze (preisgebe) indem ich mich mit Sokrates, oder was es anbelangt (for that matter), mit Jesus vergleiche. Nein, vergleichen ist ein falsches Wort, "identifizieren", wenn es nur deutsch wäre, würde besser passen. Also mit Sokrates oder mit Jesus gleichstellen. Nein, nicht gleich, sich ausdrücklich an des anderen Stelle zu begeben. Ich behaupte dass bei dem Versuch einen anderen Menschen zu "verstehen" es unumgehbar ist sich in an dessen Stelle zu setzen. Zugegeben, solche Identifizierung ist die Grundlage des paranoiden Wahns des Geisteskranken selbst Jesus oder Sokrates zu sein, - und ist doch unterscheidbar. Wenn ich mich nun an die Stelle des Sokrates, mit seinem Vertrauen in Wahrheit und Gerechtigkeit, und mit der Treue zum Staat und dessen Regierung, versetze, so muss ich schließen, dass der Verlust des Gerichtsverfahrens Sokrates schwer verwundet haben muss, nicht nur wegen des sich daraus ergebenden Todesurteils, sondern durch den Verlust des zerstörten Glaubens, der Zuversicht auf die Gerechtigkeit und auf die Rechtmäßigkeit des Staats. Man möchte sagen das Urteil gegen ihn war ein Anschlag auf Sokrates geistiges Dasein nicht weniger als auf seine körperliche Existenz. In Anbetracht seines Alters, mag die Körperverletzung den geringeren Schaden bedeutet haben.