Liebe Cristina, Du verstehst meine Gewohnheit die Briefe die ich schreibe, nachdem ich sie abgesandt habe, so wiederholt zu überlesen, als hätte ich sie an mich selbst gerichtet, (Welch ein Bekenntnis!) und dann zu verbessern, zu erläutern, zu erweitern, als wäre ich verpflichtet einen an mich gerichteten Brief mit einer Antwort zu versehen. Heute morgen schiebe ich mein Frühstück auf bis ich mich ausgeschrieben habe, versuche die Magenleere zu überachten, bis es mir gelungen ist die Gedankenfülle wenn auch nur in einer Rechnerkartei vor mir auszubreiten, statt auf Papier. Ich tröste mich mit der (scheinbaren) Klarheit Eindeutigkeit und Schlüssigkeit der Worte in denen meine Idealisierungen dann niederschlagen, trotz dem gleichzeitigen Bewusstsein dass was ich mir zusammendichte nichts als die Welt meiner Vorstellungen ist, ein Geistesgefüge das unvermeidlich der Entsorgung, der Entidealisierung verfallen muss. Besinne mich auf ein Lieblingsgleichnis meines Harvardlehrers Karl Vietor, der mir die deutsche Literatur gezeigt hat, und meinte das Leben sei wie eine Wendeltreppe welche uns in der Horizontale immer wieder an denselben Ort zurückführte, zugleich in der Vertikale aber um eine Etage höher. (Dass diese Treppe nicht nur nach oben, dass sie auch nach unten führte hat er übersehen.