Lieber Marco, liebe Ariadne, Vielen Dank für Eure Festtagsgrüße. Auch ich denke zufrieden und dankbar an die Weihnachtstage im vergangenen Winter die Ihr in Belmont verbrachtet. aber das Leben ist einmalig; es kommt nicht wieder. Oder doch? Vielen Dank für Eure Einladung. Dass ich mit 88 Jahren den Mut zu einer Europareise aufbringe ist denkbar, ist aber heute unwahrscheinlich, denn im Augenblick traue ich mir ein solches Abenteuer nicht zu. Wenn ich schriebe dass es mir gut geht, würde ich prahlen. Wenn ich schriebe dass es mir schlecht geht, würde ich klagen. Weder das eine noch das andere gebührt sich. Mit meiner Einsamkeit in diesem großen leeren Hause bin ich sehr zufrieden. Sie ist das Leben wie ich es mir in der Kindheit vorgestellt und gewünscht habe. Die dreiundsechzig Jahre lange so glückliche und ungetrübte Ehe ist heute ein wunderbarer Traum. Was Ihr weiteres von mir wissen möchtet, erzähle ich Euch gern, und verspreche jede Frage und jeden Brief zu beantworten; scheue mich jedoch Euch anderweitig mit meinen Briefen in Eurer Arbeit zu belästigen. Wünsche Euch Gesundheit und Zufriedenheit im kommenden Jahr. Jochen