Lieber Jürgen, Deinen Aufsatz über "Denkwürdigkeiten" am Externsteine im Jahre 1886, hab ich mit Interesse gelesen. Besinne mich aus meiner Kindheit dass meine Vater bei einer der Rückfahrten von Oerlinghausen den kleinen Umweg zu den Externsteinen machte'um sie meiner Schwester und mir zu zeigen. Hier im Franconia Pass (Franconia Notch) im Staate New Hampshire gibt es etwas Ähnliches, ein gigantisches Felsengebilde etwa 366 Meter (1200 Fuß) oberhalb der Talsohle das wie eines Mannes Profil erscheint. https://en.wikipedia.org/wiki/Old_Man_of_the_Mountain Es wurde zum ersten Mal 1805, beschrieben und diente zum Thema einer 1850 veröffentlichten Novelle "The Great Stone Face" von Nathaniel Hawthorne. Die Felsen liegen in einer mir sehr bekannten Gegend. Seit 1962 machten meine Frau, mein Sohn und ich viele Wanderungen auf die Bergeketten auf beiden Seiten des Tals. Möglich dass es sich bei den "Denkwürdigkeiten" um ein bewusstes oder unbewusstes Plagiat handelt. Ich hab' im Internet keine Beschreibungen in deutscher Sprache gefunde. Falls das Thema Dich interessiert und das Englisch Dir Schwierigkeiten macht, bin ich gern bereit es zu übersetzen. Eine weitere Überlegung zu Deiner Arbeit über die Oerlinghausener Synagogengemeinde: Unter den alten Briefen die ich in den Rechner eintrage fand ich einen Brief von einer Verwandten an meine Urgroßmutter Emilie Herzberg Meyer, Frau von Isaak Meyer, der mich wegen seiner dichterischen Qualität beeindruckte. Lemgo d. 2. März 1858 "Meine liebe gute Emilie! Dass Lieb' und Freundschaft doch kein leerer Wahn ist fühlte ich gestern Morgen beim Abschied- nehmen von Dir - das fühle ich auch heute noch im Brief den lieben Meinigen von denen ich mit offenen Armen und freundlichen Gesichtern empfangen wurde.- Meine Reise war ..." so etwa die Einleitung eines mir bisher anderweitig unleserlichen Briefes an meine Urgroßmutter Emilie Herzberg Meyer. Mich beeindruckt, vielleicht nur Einbildung von mir, den hohen Grad literarischer - und seelischer - Kultur in der inbegriffen dialektischen Darstellung von "Lieb' und Freundschaft" als zwischen Wahn und Wirklichkeit denkbar Bestehendes. Ebenso der dichterische Geist welcher sich in den fünf anfäglichen Jamben: "Dass Lieb' und Freundschaft doch kein leerer Wahn ist" ausspricht, oder in den Anfangszeilen des Briefes die man als Gedicht lesen kann: Dass Lieb' und Freundschaft doch kein leerer Wahn ist fühlte ich gestern Morgen beim Abschiednehmen von Dir - das fühle ich auch heute noch im Brief den lieben Meinigen von denen ich mit offenen Armen und freundlichen Gesichtern empfangen wurde.- Ist dies Erblühen einer literarischen Kultur, so frage ich mich, lediglich Folge von Belesenheit in der zeitgenössischen deutschen romantischen Dichtung, oder denkbar, der napoleonischen Befreiung der Juden, oder wäre es, wie ich auch für möglich halte, das Ergebnis einer sich über Jahrtausende erstreckenden Pflege der Religion, will sagen, Ausdruck rabbinischer Bildung. Dies im Zusammenhang mit meiner Erinnerung an eine Vorlesungsreihe über Spinoza die ich 1948 als ich in Harvard studierte, hörte. Der Gelehrte, es war Harry Austryn Wolfson, zugleich Philosoph und Theologe, behauptete die Lehren Spinozas seien die Übersetzung alter, herkömmlicher rabbinischer Tradition in die Ausdrucksweise, more geometrico, des siebzehnten Jahrhunderts gewesen. All diese Erwägungen weisen darauf hin, dass das Religionserlebnis, als Überbrückung der innen-außen Kluft, die Basis menschlichen Betragens ist; und dass es die zeitgenössische Religion ist, oder ihre Abwesenheit, darin wir die Erklärungen und Aufklärungen für die Politik der Gegenwart, für ihre Errungenschaften nicht weniger als für ihre Grausamkeit aufsuchen müssen. Falls Du es haben möchtest, kann ich Dir das Bild des Originals des Briefes als e-mail Anhang ( eine pdf Kartei von etwa 900,000 Bytes) übersenden. Freundschaftliche Weihnachts- und Neujahrsgrüße an Euch beide. Jochen