Merkwürdig oder bemerkenswert, dass ich mich heute Morgen in meinem 88. Lebensjahre bewogen fühle, alles, meine gesamte geistige Existenz noch einmal, ein weiters Mal, mir vorzuführen, mir vorzuschreiben, mir zu vergegenwärtigen, mein Denken noch einmal, wie flüchtig und fliehend auch immer, zusammenzufassen. Der Ursprung, die Basis, vorauf ich mich als unbedingt verlässlich verlassen darf, welche ich als unbedingt voraussetzen darf, ist weder ein Wort noch ein Begriff, wie etwa Wahrheit oder Wirklichkeit, ist nicht eine Vorstellung wie etwa Substanz oder Atom - welche letzten Endes gerecht verstanden, nicht auf die Welt, nicht auf das Außen hinweisen, sondern auf das Innen, welche nichts von der "Natur" außer mir, sondern (nur) von der "Seele" in mir, d.h. von meinem Denken, von meinem Bewusstsein besagen. Demgeäß möchte der Anfang, ἡ ἀρχή, im Bewusstsein gesucht werden. Bewusstsein aber ist, weil flüchtigen Inhalts, zur Basis untauglich - denn meine geistige Verfassung flüstert mir zu, der Ursprung als Grundlage sollte etwas unveränderlich Bleibendes, etwas Verlässliches sein. Und daraus ergibt sich die Frage wie Bewusstsein als verlässliche ἀρχή zu dienen vermöchte, wenn das Bewusstsein etwas so Veränderliches, zeitweilen (Ver)schwindendes, wenn auch zeitweilen etwas unerbittlich Aufdrängliches ist. Dies nun sind die großen Widersprüche, die Paradoxe, die Ungereimtheiten, dass das Einzige das am (verlässlichen) Bewusstsein verlässlich ist, seine Unverlässlichkeit sein sollte; dass das Einzige das am (unbeständigen) Bewusstsein beständig ist, seine Unbeständigkeit sein sollte. Mit dem Paradox besagt das Denken seine Nichtigkeit. Mehr elegant gesagt, im Paradox hebt das Denken sich auf. Mit dm Sichaufheben besagt das Denken die äußerste Wahrheit, denn das Sichaufheben des Denkens widerspiegelt das Sichaufheben des Lebens. Neulich schrieb ich (an Dr. Busch) der Kern der Erkenntnistheorie wäre das Wissen, dass wir nichts als unser Unwissen zu wissen vermögen. So etwa mein Verständnis der Lehre des Sokrates. Um Missverständnissen vorzubeugen sei betont, Doch auch Sokrates schätzte und vereherte was ich als technischen Wissen bezeichne, das Können,die intuitive Fähigkeit seinen Weg durch die Vielfalt bedrohender oder verlockender Gegenstände an ein Ziel, oder zuletzt nach Hause zu finden, Vorgänge zu verstehen, Apparate zu bauen und somit den Reichtum des Lebens zu steigern und zu erweitern. Auch Sprache und Mathematik einbegriffen des logischen Zwangs der ihnen anhaftet, dienen in hervorragender Weise als Instrumente technischen Könnens (Wissens wie und Wissens dass). Entwerfen eine virtuelle und demgemäß eine dem Leben letztlich ungenügende Wirklichkeit. Will sagen dass ungeachtet der zugegeben großen Errrungenschaften der Technik, wir nichts endgültig Wahres und Wirkliches wissen können. All unser Lernen ist im Grunde Assimilation, uns unbewusste und unerkennbare Verwandlung durch unsere Umgebing. Was nun die Ethik anbelangt, so betrachte ich herkömmliche Versuche, vielleicht mit Ausnahme der Lehren Spinozas, vergleichbar mit Pathologie welche Verständnis der Physiologie verschmäht. wie Pathologie mit Verschmähung der Physiologie, vergleichbar mit ärztlichen Ansprüchen Krankheit zu lindern ohne die Vorgänge im gesunden Körper (und Geist) zu beachten und zu verstehn. Das Schloss ist ein Verständnis des Betragens, des Verhaltens des Einzelnen und der Gruppe, einbegriffen dessen sprachliche Beschreibung und Erklärung. Man hat viel über eine vermutete Freiheit des Willens geredet und geschrieben, ohne zu bestimmen was Freiheit noch was Wille bedeuten möchte, lediglich als Ausdrucks der Entschlossenheit sich selbst als ungebunden Handelnder, as a free agent, zu behaupten. So besteht man darauf dass ein Verhalten dessen man sich bewusst wird, in manchen Fällen gewollt, in anderen Fällen aber zufällig, also ungewollt ist, eine Unterscheidung die mir willkürlich erscheint. Die Menschen werden verständlicher wenn man aufhört ihre Handlungen als gut oder schlecht zu betrachten, aber natürlich und aus Natur notwendig wie das Betragen der Tiere. Und wenn man es unterlässt anzunehmen dass sie willentlich über ihre Handlungen entscheiden, und wenn, dass diese Handlungen Ausdrücke ihres Wesens sind, vergleichbar mit unseren Urteilen über das Betragen der Tiere. Der Einzelne und die Gesellschaft die ihn umgibt und deren Mitlglied er ist, sind trennbar nur mit großem Schmerz. Die Etymologie des Wortes Elend bezeugt das Leiden der Verbannung. Die Handlungen des Menschen werden wesentlich durch die Herde der er gehört bestimmt. Der Beamte, der Soldat ist eindrucksvolles Beispiel und Beweis. Neben der unbewussten Bestimmung des Einzelnen durch und seine Treue zu der Gesellschaft, sind seine Handlungen von Liebe und Hass seinen Mitmenschen, besonders seinen Familienmitgliedern bestimmt. Auch diese Gefühle stehen nicht in seiner Macht, stehen nicht in der Macht seines Willens, sondern sind Ausdruck seines Wesens, seiner Natur. Nicht selten befindet der Mensch sich im Konflikt zwischen seinen Privatgefühlen, i.e. Liebe oder Hass, und den Forderungen der Gesellschaft an ihn. Ist er seinen Privatgefühlen untreu, so fühlt der Mensch sich schuldig. Ist er den Forderungen der Gesellschaft ungehorsam, wird er zum Verbrecher und wird von der Gesellschaft bestraft. Jesus war der Einzelne der, als Gottes Sohn, wie er sich erkannte, sich der Gesellschaft nicht zu fügen fähig war, weswegen man ihn kreuzigte.