Wir beobachten wie Fische einander verschlingen, wir wissen von Raubvögeln deren Überleben darauf beruht, dass sie andere Tiere töten und fressen, wir wissen dass Wölfe und Bären, um nur zwei Tierarten zu nennen, jedenfalls zum Teil, wenn nicht gänzlich vom Töten anderer Tiere leben. Warum wollen wir nicht einsehen, dass auch uns Menschen die Neigung zu zerstören und zu töten eingeboren ist, dass wir aber, um zu überleben, um zu gedeihen diese Neigung zähmen müssen. Warum will ich nicht einsehen, dass ich die Verbrechen der Nazis als Verbrechen empfinde und verurteile, (nur) weil sie mich und meinesgleichen gefährden. Was mich nicht bedroht und gefährdet ist mir gleichgültig. Wenn Menschen Verbrecher sind, dann sind Verbrecher Menschen. Verstehen ist alles; aber was heißt verstehen? Wir leben und überleben indem wir uns Vorstellungen machen, Vorstellungen von der Welt und Vorstellungen von uns selbst, Ideale mit denen wir die Welt schmücken, verschönern und verbrämen; Ideale die uns das Entsetzliche der Welt verdecken, Ideale ohne welche uns das Leben unerträglich wäre. Mittels von Idealen schaffen wir uns eine erträgliche Welt. Für das Morden der Nazis haben wir keine Begriffe. Darum ist es uns so furchtsam. Ein Ergebnis des Holocaust, dass wir nun Begriffe vom Ensetzlichen bekommen, dass wir endlich lernen müssen, wie entsetzlich die Menschen einander behandeln.