Der Mensch ist von Natur barmherzig; er ist aber auch von Natur grausam, brutal. Der Mensch tötet und rettet. Der Mensch erbaut sich am Leiden und Tod seiner Mitmenschen. Der Mensch erbaut sich aber auch in seiner agapischen Liebe. Der Mensch ist zugleich Retter und Jäger. Er liebt die Tiere und er frisst sie. Der Mensch ist zugleich Franziskus und Hitler. Der Mensch ist zugleich Einzelner und Mitglied. Diese Widersprüche bezeugen die Unzulänglichkeit der Sprache. Die Sprache vermag nur mittels von Indirektion das Erleben spielen, dem Erleben Ausdruck zu geben. Ich bin nicht Du. Ich bin nicht Wir. Ich bin nicht Ihr. Diese Probleme liegen unserem Erleben zugrunde. Besonders Ich bin nicht Du und Du bist nicht ich. Die in der Grammatik sich gespiegelnden Widersprüche widerspiegeln des Menschen Schicksal. Der Himmel ist nicht die Hölle. Der Gott ist nicht der Teufel. Und doch beliben sie mit einander verbunden. "Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern, Und hüte mich, mit ihm zu brechen. Es ist gar hübsch von einem großen Herrn, So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen." Der Humanitätskontrakt: Wenn ich Dich nicht fresse, frisst Du mich auch nicht. Gegenseitigkeit, Reziprozität ist die Quelle der Ethik, des Menschlichseins. Das Abendmahl besagt die Aufhebung der Wecselseitigkeit: Ich lade Euch ein mich zu fressen, meinerseits aber bedrohe ich Euch nicht, ich lasse mich von euch ermorden als Zeichen dass ich mich nicht an Euch rächen werde, und dass ich nicht befürchten braucht von mir gefressen zu werden. Wenn ich dich pflege, wirst du mich auch pflegen. Ich pflege um gepflegt zu werden. Wenn ich dich liebe, wirst du mich auch lieben. Ich liebe um geliebt zu werden.