Ich habe viel Grund und Gelegenheit gehabt, über die Kinderlosigkeit nachzudenken. Meine Schwester war kinderlos und hat ihr Leben mit dem Versuch verbracht die Kinder anderer Eltern zu betreuen, gleich ob die anderen Eltern oder gar die angenommenen Kinder es wollten oder nicht. Dass Familienbeziehungen asymmetrisch sind, und Familien zentifugal, ihrem Wesen nach auseinanderfliegen scheint mir, nachdem ich es mir jahrelang anders vorgestellt habe, jetzt unverkennbar; so auch dass die Beziehungen nicht fest sind, sondern flüssig und veränderlich. Die Kleinkinder benötigen die Eltern mehr als umgekehrt. So auch benötigen die Großeltern die Enkel. Aber die Beziehungen sind flüssig, und fließen alle, ergeben sich alle friedlich in den Tod. Wie sehnt es mich nicht meinen beiden Großvätern zu vergeben, denn ein jeder von ihnen hat, jeder nach seiner Weise, sein Kind verstoßen. War es Feigheit, dass ich stetzt ein großes Bedürfnis zu vergeben empfunden habe, denn ich sehnte mich nach einer harmonischen Welt.