Wir bedienen uns des Ausdrucks Gott nicht anders als wir uns anderer Wörter bedienen. Dies Wort "Gott" bedeutet nicht nur ethisch und epistemisch die Spitze unseres Erlebens, sondern ist auch beispielhaft für die Semiotik unserer Sprache. Denn der Gottesbegriff hat eine sehr sehr tiefgründige Stellung in eines jeden denkenden Menschen Erleben. Es ist dem Menschen unmoeglich ohne den Gottesbegriff zu denken und zu fühlen und zu erleben. Und doch ist und bleibt Gott unsichtbar, unfassbar, unerreichbar, und tut dies vergleichbar mit anderen Begriffen, wie andere Begriffe es tun. Gott ist das Ich an sich. Oder wäre vielleicht Gott das Wort an sich? Gott als Wort steht am Anfang unserer Lebenswelt, das ist es was Johannes meint wenn er schreibt "Am Anfang war ... Gott an sich ist in unserem Denken unerreichbar wie der Himmel an sich, die Erde an sich - denn dass das Krümchen Sand und Steinchen in meiner Hand nicht "die Erde" ist, darüber sollte es nicht nötig sein zu diskutieren. Und dies ist von weiterer Bedeutung. Wenn der Bleistift in meiner Hand zum Bleistift an sich wird, also zum Sinnbild des Bleistiftseins oder der Bleistiftheit wird er zum Götzen, wie Gott zum Götzen wird wenn ich ein Bild von ihm male, selbst wenn ich Rembrandt wäre, - und Rembrandt hatt Gott nie abgebildet, soviel ich weiß, es sei denn dass alles was er abbildete Göttlich wäre. q.e.d. Eine sehr wesentliche Folge (implication) der öffentlichen Religion ist die Vergesellschaftung des Subjektiven, die Veräußerung des Inwendigen. Es hapert aber an der Schwierigkeit - vielleicht Unmöglichkeit der Subjektivierung, der Verinnerlichung des Äußeren, obgleich es ausgerechnet (gerade) dies ist, was die Formalitäten des "Gottesdienst" die Liturgie, das Priesterschauspiel, der Gesang, die Musik, die Feierlichkeiten bewirken sollen. Zugleich erbaulich und konstruktiv wenn es gelänge; aber für mein Gemüt jedenfalls enttäuschend und deprimierend weil es versagt.