Indem wir uns als geschichtliche, als Geschichtswesen verstehen, und weil eben Geschichte Geschichte ist: Erzähltes, Erdichtetes, Erfundenes, Unwirkliches, haben wir mit dem Behaupten der Geschichte den fortwährenden Beweis für unser Unwissen und unser Unverständnis. Wie beziehen sich Vorstellung und Erleben. Stellt man sich das Erleben vor? oder erlebt man die Vorstellung? Erlebt man die Vorstellung, dann erlebt man auch die erlebte Vorstellung des Erlebens bis hin in eine rekursive Unendlichkeit des Erlebens. Umgekehrt, hätte man eine Vorstellung des Erlebens, und eine weitere Vorstellung der Vorstellung des Erlebens bis hin in eine rekursive Unendlichkeit des Vorstellens? Lassen Vorstellung und Erleben sich von eienander unterscheiden? Das Leben ist Vorstellung; alles ist Theater; alles Geschehen geschieht, - oder spielt, - auf der Bühne der Wirklichkeit. Auch die Kreuzigung war Theater, und besonders sie. Denn musste nicht die Schrift erfüllet werden; musste nicht das Vorhergesagte, das Vorgeschriebene getan werden? Ist nicht, jedenfalls im Sinne Leibnizens, Gott der vorbildliche, der größte Theaterdichter von allen? Oder ist die Bestimmung durch Gott nur der Beweis, das Zugeständnis, dass wir die Unbestimmtheit, die Unsicherheit nicht ertragen können?