Sehr geeherter Herr Kollege, Dank für Ihre großzügige Ablehnung meiner Entschuldigungen, und dennoch empfinde ich, dass ich mich Ihnen, wie schon so vielen Ihrer VorgängerInnen die meine KorrespondentInnen waren oder sind, mit meiner Schreibseligkeit aufdränge. Erlauben Sie mir zu betonen, dass ich auf keinen meiner Briefe eine Antwort erwarte, wie sehr ich mich dennoch freue wenn eine solche in meinem e-mail Postkasten erscheint. Dank auch für Ihren Vorschlag selbst die Geschichte meiner Familie aufzusetzen. Tatsächlich empfinde ich die Reihe meiner Romane als die eigentliche Autobiographie die es mir ermöglicht die Welt die ich zu erkennen meine aus den verschiedensten Gesichtspunkten zu verstehen und zu beschreiben. Ihrem Vorschlag Ihnen ein oder zwei charakteristische Briefe meines Vaters aus seinem New Yorker Exil zu senden, werde ich in den nächsten Tagen nachkommen, sobald ich deren Vielzahl abgelichtet habe. Inzwischen aber ein aufgefundenes Schreiben von mir selber, dass ich natürlich in den 77 dazwischenfallenden Jahren vergessen hatte, und das mich vor die Frage stellt ob nicht nur meine Mutter, sondern ich selber, als 8 2/3 Jahre altes Kind aufs Theater gehörte, indem ich meine Eltern als Vorbilder unbewusst nachahmte. Nochmals Anerkennung und Dank für Ihre Bemühungen. Mit freundlichen Grüßen, Jochen Meyer