Das allgemeine Missverständnis behauptet der Einzelne sei der verantwortliche Träger der Handlung. Dies ist aber nicht der Fall. Dass die Handlung nicht dem Entschluss des Einzelnen sondern dem Fließen, dem Fluss, dem Drang, dem unausgesprochenen Beschluss, dem Zusammenwirken der Gesellschaft entspringt, erscheint als selbstverständliche Tatsache, sobald man sie bedenkt. In dieser Tatsache versteckt ist das Rätsel des freien Willens. Der Einzelne wie er in die Gesellschaft verwoben ist, ist gezwungen ihr entsprechend zu handeln; er kann nicht umhin. Wie er nicht umhin vermag, ihr entsprechend zu sprechen, ihr entsprechend sich zu benehmen. Das Militär, die Armee ist das Vorbild, die Vorlage der Gesellschaft und es ist dem Durchschnittsmenschen praktisch unmöglich sich ihr zu entziehen oder ihr zuwider zu handeln. Der Anspruch ein Einzelner zu sein, als Einzelner zu handeln, als Einzelner verantwortlich zu sein ist eine heilige Anomalie die wie eine edle Lilie oder wäre es vielleicht wie verkanntes Unkraut dem Gesellschaftsleben entsprießt. Ein Einzelner zu sein heißt aus der Gesellschaft auszusteigen und zu beanspruchen ein Gott zu sein. Aus dieser Betrachtung ergibt sich auch eine neue Erklärung der Jesaja Worte in ihrer tiefen Weisheit. Der Verachtete scheint als Bote des Inwendigen, also als Bote Gottes eben darum, weil er durch seine Missetat von der Gesellschaft ausgeschlossen ist. Je entsetzlicher, desto mehr ausgeschlossen, desto einsamer. Dass er als Missetäter erscheint besagt dass er nicht als Gesellschaftsvertreter auftritt, und was dann, wenn nicht als Gesellschaftsvertreter, dann als Einzelner, und wenn als Einziger, als Gottesbote. Dass offenbare Geheimnis also, dass die Gesellschaft, das Volk nicht göttlich, nicht Gottes (erwähltes) Volk sein kann, eben weil es ein Volk und nicht Einzelner ist, und weil der Mensch nur als Einzelner nicht als Gesellschaft(smitglied) göttlich ist - und weil jeder Mensch als Einzelner von Gott erwählt ist, - von dem Gott der ihm in der Seele waltet und diese regiert. So etwa der tiefe Widerspruch im Judentum, ein Widerspruch auf dem das Geistesleben und die gesamte Kultur des Abendlandes beruhen, ein Widerspruch der schon in der Unnennbarkeit Seines Namens zum Ausdruck kommt. Die Losung, bezw. Lösung der ethichen und epistemologischen Aufgaben ist der doppelte Irrsinn, der Irrsinn auf beiden Gebieten, der ethische Irrsin und der epistemologische Irrsinn. Die Staatspolitik veranschaulicht den ethischen Wahnsinn. Der Erkenntniswahnsinn offenbart sich im Glauben an die Wissenschaft, im Glauben an die gedeuteten Welt. Dieser Wahnsinn ist tief verborgen, offenbart sich aber im Schlaf, im Traum und in der Phantasie des Wachens.