am 23. September 2017 Indem ich mich heute vom gestrigen leichten Anfall von Traurigkeit erhole, fällt mir die vielleicht übereinfache Formel ein, dass in meinem Leben Arbeit und Liebe miteinander wetteiferten, konkurriereten, und dass eine wesentliche Ursache weswegen ich als junger Mensch Angst hatte zu lieben, die Furcht war, dass die Liebe meine Arbeit stören, dass sie sie unterbrechen, aufhalten, unmöglich machen, unterbinden würde. Und da bin ich dennoch in den Jahren 1949 bis 1952 der Liebe verfallen, vermochte nicht mich vor ihr zu retten, weil Margaret mich dauerte, weil sie mir Leid tat, weil meine Zusammenkunft mit ihr sie mit einem Geist geschwängert hatte den sie nicht allein austragen konnte, selbst wenn sie es gewollt hätte, der sie abwesend meiner selbst, unglücklich, sehr unglücklich gemacht hätte, oder so bilde ich es mir ein. Ich frage mich ob meine Vermutung, dass (schöpferische) Arbeit und Liebe mit einander konkurrieren, im Streit liegen, oder ob sie nicht viel mehr einander bestärken, vielleicht sogar einander voraussetzen. Ob nicht vielleicht die Liebe die eigentlich authentische schöpferische Arbeit sein möchte, ein Verhältnis wofür die Liebe Gottes Beispiel und Vorbild wäre. Oder vielleicht dass Arbeit und Liebe einander unterstützen, so dass wo die eine versagt, die andere die Aufgabe der ersten ersetzt und übernimmt, für das Ausfallen kompensiert, aufwiegt, ausgleicht; dass man sich, dass ich mich, durch Arbeit vor Unliebsamkeit, Liebesarmut, Liebesmangel, Liebesunfähigkeit schützte, und durch Liebe vor Arbeitsunfähigkeit. Ich weiß es nicht. Weiß aber dies: dass Arbeit Liebe ist, und Liebe Arbeit. Arbeiten sind verschiedenster Arten. Auch zu Lieben vermag man verschiedenstes. Beide, Liebe und Arbeit verstehe ich als Behauptungen meiner Selbst, als Behauptungen des Ich. Mit Anerkennung, Ruhm, Äußerlichkeit, Öffentlichkeit, haben weder Arbeit noch Liebe etwas zu tun.